Samstag, 21. Mai 2011

"Wie wenn da einer ..."

Im Angedenken:
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Lieber Robert, *
wir vermissen Dich - !
*
Zurückblickend, erinnere ich mich auch daran, daß wir einmal über Dein lyrisch zum Ausdruck gebrachtes Geschehen "Wie wenn da einer, und er hielte ..." gesprochen haben. - Damals hast Du's bejaht, daß dieses beinahe betroffen machende Poem auch für Dich wohl weiterhin von Belang sein wird. - Und schon bald darauf durfte ich aufhorchen lassend miterleben, daß ein inzwischen durchaus als Poeta laureatus zu charakterisierender Mann der Feder, an einem als Dichterlesung publik gemachten Abend, einleitend mit dieser gereimten Gefühlsbetontheit wortgewandt Gestalt anzunehmen begann. -
Mir hat's gefallen - wie immer ... Und Du hast es - wie immer - geschehen lassen, daß ich diese ergreifende, so formvollendet zu spüren gegebene Verserzählung gelegentlich strukturell ausgeliehen habe. -
Ja, Robert. - So auch schlußendlich in Szene gesetzt neulich, als ein sichtbar verzweifelter Mann zu nachtschlafender Zeit rüttelnd und trommelnd vor meiner Haustür stand und penetrant Einlaß begehrte. - "Er sei nun am Ende!" ließ er mich wissen. "Trotz all der im Laufe so kunstverschworen erlebter Jahre ja überreichlich zuteil gewordenen Lasurfarben-Weisheit, sei jedoch größtenteils alles (wasserlöslich) danebengegangen!" fügte ein aufstöhnend vor mir stehender Aquarellist dann noch trübsinnig hinzu. -
Hernach - der resignierende Maler hatte bereits mein Haus verlassen -, saß ich noch nachdenklich gestimmt in meiner Bücher-Stube ... Der anregende Inhalt einer Flasche Wein, ein süffiger La Tâche Grand cru, von der Domaine de la Romanée-Conti, aus dem schönen Burgund, ließ mich dann hochmotiviert zur Feder greifen ...
Und - ach Robert, ich konnte wieder einmal nicht umhin -, dieses bereits ausreichend belobigte Sprachkunstwerk nun inhaltlich eigengeprägt sinnvoll und zweckentsprechend erneut vielsagend zum Ausdruck zu bringen.
Und zwar folgendermaßen:
Wie wenn da einer, und er bete,
die Muse, die, mit Namen Käthe
sich seiner - wenn auch nur verschwommen,
des öfteren 'mal angenommen -
sie möge bitte nicht mehr maulen,
und ihm somit das Sein vergraulen!
Wär' dieser nicht dem Typ vergleichbar,
für den ab jetzt als unausweichbar
die Schaffenslust ins Abseits schlittert;
die Existenz enorm verbittert?
Er bald dem Suff anheimgegeben -
vornehmlich nun dem Saft der Reben.
Er gleichwohl noch nach Käthe sucht
und dabei stumm den Tag verflucht,
an dem er dieser Erde Licht ...
Nein? Nicht vergleichbar? - Na, dann nicht! -
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(* Gernhardt)
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