Samstag, 30. Juli 2011

Hildegard Knef: "Ach Hildchen" ...

Anfangs, vor allem, sei hier ein Einblick in ihre Lebensgeschichte verlebendigt:
Zutreffend ist, daß sie am 28. Dezember, 1925 in Baden-Württemberg, in der Stadt Ulm das Licht der Welt erblickte. -
Und bereits ab 1942 in einigen Filmen mitwirken konnte, die von der Filmgesellschaft Ufa in Szene gesetzt worden waren. - 
Zudem hat sie ab 1945 beachtliche Aktivitäten als Schauspielerin auf einigen Berliner-Theaterbühnen zur Schau gestellt. 
1954 kam dann der große Erfolg in Amerika, am legendären Broadway. 
Bald darauf traumhaft die "Tage der Rosen" als Chansonsängerin.  
Späterhin auch als Buchautorin ins Dasein getreten, gestaltete sie 1970 mit dem „Geschenkten Gaul“ einen Bestseller. -
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Und 1994 geschah dann, zumindest für mich und für Walter, den Besitzer einer Weinstube in Wetzlar, das Unglaubliche: Es war kurz nach Mitternacht; die letzten Gäste hatten soeben das Lokal verlassen ... 
Den Banken mißtrauend, war der Inhaber Walter gerade dabei die Geldscheine zu lochen, um sie sorgfältig in dem Ordner mit der Aufschrift: "Einnahmen" abzuheften, als plötzlich ein junger Mann in der sich öffnenden Eingangstür stand: „Ob man denn jetzt noch ein Weinchen genießen dürfe“, fragte er mich, der ich im Begriff war die Tür zu verschließen. „Wenn ja, dann würde er gern noch seine Begleiterin hinzuholen." -
Ich ließ die Tür unversperrt zugänglich - und schlurfte zur Theke zurück ... 
Gleich darauf stand sie dann in der jetzt offenen Tür; auf eine Gehhilfe gestützt, nickte sie uns freundlich zu: Die großartige alte Dame des Chansons, Hildegard Knef. - 
Verblüfft stieß ich den noch immer eifrig die Geldscheine lochenden Wirt an: „He, Walter! Nun halt 'mal kurz inne, denn Du wirst es nicht glauben, wer da soeben die Weinstube betreten hat!“ gab ich ihm flüsternd zu verstehen. - 
„Wer da auch immer, scheuch sie alle sofort wieder hinaus!“ fuhr er mich - ohne aufzublicken - offenbar mißgelaunt an. - 
„Oh, so böse und unzugänglich sind sie mir vorhin in der Stadt, von Ihrem Bürgermeister, gar nicht beschrieben worden!“ ließ sie ihn wissen, die inzwischen direkt neben dem Wirt stehende Künstlerin ... 
Völlig verdutzt, fiel ihm sofort der Locher aus der Hand, als er plötzlich so unvorbereitet in ihre schalkhaft aufblitzenden Augen schauen durfte. - 
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Kurz zusammengefaßt: Recht weinselig gestimmt, haben wir damals unvergeßliche Nachtstunden erlebt! - Auch ist mir noch immer gegenwärtig, daß Hildchen, nachdem wir bereits die fünfte Flasche Chateau Cheval Blanc, eine 1978er - St. Emilion-Kreation fast geleert hatten, ihren Kopf an die Schulter des inzwischen sichtbar wonnetrunken dasitzenden Wirtes gelehnt schwärmerisch summte: „Für mich soll’s gute Weine regnen, mir dürfen nur noch die besten begegnen! - Nur noch vom Feinsten möcht' ich genießen, und niemand wird mir mein Wollen verdrießen ..."
„Wohl wahr, es ist doch oftmals erfreulich, solch einen promipotent durchstrahlten Augenblick per Zufall einmal miterleben zu dürfen!“ ließ dann noch der Wirt, mon beau frère Walter, rückblickend verlauten. -
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Damals, in Wetzlar, dieser hessischen Kreisstadt, in der einstmals der Herr von Goethe eine wie auch immer geartete Intimität mit einer gewissen Charlotte Buff dermaßen buhlerisch anschwellen ließ, daß er hernach dieser Liebespartnerin in „Werthers Leiden“ spontan eine Art Denkmal gesetzt hat. -
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