Dienstag, 4. Dezember 2012

Hildegard Knef: Sie hat sich so "daran" gewöhnt ...

Geneigte Leserinnen und Leser werden sich daran erinnern, daß ich in einer Erzählung einmal beschrieben habe, wie wir (mon beau-frère Walter und ich), 1994, am späten Abend in seiner heimeligen Weinstube* als angenehm überraschend so unvergeßliche Nachtstunden miterleben durften.
(siehe, dazu vor Augen führend die Erzählung: "Ach Hildchen"). -
Einige Monate später - wir waren wieder einmal mit der Motoryacht "Popeye" reiselustig auf vielen holländischen Wasserwegen unterwegs -, erzählte mir Walter, daß damals, in diesen so feuchtfröhlich und unterhaltsam erlebten Stunden, noch so einiges vielsagend zum Ausdruck geraten sei. "Leider warst du ja später dermaßen weinselig im Abseits, daß wir dich - der junge Gefährte der Hilde und ich - gemeinsam hinter dem großen Weinregal schlafen gelegt hatten", wurde ich nachträglich hinsichtlich dessen in Kenntnis gesetzt.
Neugierig geworden, bat ich (verständlicherweise!) d'rum nachvollziehbar um eine "kein Blatt vor dem Mund nehmende" Auskunft. -
"Ach, erinnerst Du dich noch an Bulli Buhlan, einen Schlagersänger, der vor einigen Jahrzehnten deutschlandweit sehr erfolgreich gewesen ist?" wollte er von mir wissen. - "Ja-ja, das schon, aber warum?" horchte ich Achsel zuckend auf. - "Nun, der hat 'mal ein Lied gesungen, das binnen kurzem in aller Munde war und sich baldigst zu einem Evergreen offenbarte!" so wurde es bedeutungsvoll rückblickend hervorgehoben.
Und gleich darauf bekam ich dann summend zu hören: "Ich hab' mich so an dich gewöhnt ... An die Art, wie du beim Küssen deine Augen schließt ..." - "Hinterrücks doch meinen Wein flugs in den Ausguß gießt", erweiterte ich plump (und beinahe schon bösartig) die von Walter so einfühlsam dargebrachte Verdeutlichung. -
"Na-ja, nicht so ganz unangebracht, Deine etwas eigenwillig laut werdende Liedtext-Entfaltung! Denn damals, im Verlauf dieser sich weiterhin amüsant anreichernden Nachtstunden, da zog der junge Begleiter spontan eine Mundharmonika aus seiner Kaschmirjackentasche, führte sie an die Lippen - und sogleich erklang, authentisch gespielt, die Melodie des einstmaligen Gassenhauers "Ich hab' mich so an dich gewöhnt ..." -
Das war für die verträumt dasitzende Hilde offenbar eine Art Ansporn!
Vom Barhocker gleitend, rief sie ihm zu: "Halt ein! Fang bitte noch einmal von vorne an, ich werde dich diesbezüglich stimmungsvoll aufhorchen lassend begleiten."
Ja, und dabei ist dann folgendes so unverhüllt viel- und eindeutig zum Ausdruck geraten:
Ich hab' mich so an dich gewöhnt - 
hab' mich so sehr an dich gewöhnt ...
An die Art, wie du mir morgens die Leviten liest,
was mir unentrinnbar dann den ganzen Tag vermiest.
Wie das ein Miteinander krönt, 
daran hab' ich mich doch gewöhnt ...
Auch an die Art, wie du beim Essen mit den Lippen schmatzt,
und dir zudem noch unmanierlich deine Glatze kratzt.
Daran hab' ich mich längst gewöhnt, 
wie mein Gemahl dem lustvoll frönt ...
An die Gestalt, die da des abends vor der Glotze sitzt,
und so übel riechend oftmals aus den Poren schwitzt.
Damit bin ich doch längst vertraut, 
auch wenn's mein Dasein arg versaut ...
Auch an den Typ, der oft geräuschvoll kalte Würstchen frißt,
und um Mitternacht 'mal wieder sturzbesoffen ist.
Ich seh' das immer noch verklärt, 
weil's sich seit Jahren längst "bewährt" ...
-
Ach ja:
Sie bleibt unvergeßlich, die sich einstmals beeindruckend personifizierende Hildegard Knef.
-
* = Walters Weinstube in Gießen, Steinstrasse.
-
***

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen