Mittwoch, 26. Juni 2013

Experimentierfreudig ...

Ja, es begab sich dereinst, in einem idyllischen Dörfchen im südlichen Niedersachsen, daß seit etwa zwei Wochen der Ludolf und die Barbara G. - gemeinsam mit dem vierjährigen Sohn Daniel -, in einem alten Bauerngehöft frohgemut wohnhaft geworden waren.
Tagsüber waren die Mutter, wie auch der Vater häufig bis in die späten Nachmittagsstunden beruflich gebunden - und mithin viel unterwegs. -
Andauernd mutter- und vaterseelenallein sich selbst überlassen, hockte der freudlos dreinblickende Filius stundenlang an einem der Fenster dieser für ihn nur noch Einsamkeit veranschaulichenden Bleibe ... 
Und tatenlos Däumchen drehend, blickte er immer wieder versonnen auf einige der benachbarten Weideflächen ... Irgendwann blitzte es dann jedoch hochgestimmt in ihm auf! Die Idee: Sein innigster Herzenswunsch mußte schleunigst erfüllt werden! - Und spornstreichs rannte er bald darauf hoffnungsvoll los, ins nahe Dörfchen - und dort dann sogleich zielbewußt in die ortsansässige Fleischerei am urwüchsig anmutenden Marktplatz.
Als er den Kaufladen erfolgversprechend betreten hatte, sprach ihn der wohlbeleibte Fleischermeister erstaunt aufblickend an: "Na, Kleiner, was darf ich Dir denn jetzt verkaufen?"
"Nur Pferdefleisch - 'nen großen Haufen!" gab ihm der Knabe ungestüm gestikulierend zu verstehen.
"Aha! Anscheinend hast Du daheim einen sehr großen Hund zu versorgen", mutmaßte der Metzgermeister freundlich grinsend.
"Nein, ich hab' noch keinen Hund, und trotzdem brauch' ich vierzig Pfund!" krakeelte Daniel lauthals in die rundum geflieste, Fleisch- und Wurstwaren anbietende Räumlichkeit.
Der alteingesessene Fleischermeister war erst einmal sprachlos ...
Antwortete dann aber herausfordernd:
"Mein Sohn, was soll denn das Gekreisch? 
Wir handeln nicht mit Pferdefleisch!
Nun frag' ich Dich, in aller Strenge: 
Was willst Du denn mit mit dieser Menge?"
Offensichtlich ein wenig verwirrt, schaute Daniel sekundenlang auf den gekachelten Fußboden der Fleischerei - um dann aber sehr deutlich sein Wollen und Wünschen zum Ausdruck zu geben:
"Na gut, ich sag's - ganz im Vertrauen: 
Ich möchte mir ein Pony bauen!" -
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In einer kleinen Ortschaft spricht sich ja alles sehr schnell herum. Und die Eltern des Jungen schauten betreten drein, als sie einige Tage später davon berichtet bekamen. - Eiligst begaben sie sich nun in das Fachgeschäft, um sich bei dem Fleischermeister für die Anmaßung des Sohnes voller Verlegenheit zu entschuldigen. - Der nahm den Versuch dieser Ehrenrettung jedoch schmunzelnd entgegen - und erwiderte gelassen: "Jaja, schon gut! Nun versuchen Sie `mal, diesen nicht unbedingt alltäglichen Vorfall zu vergessen. - Allerdings: Einmal abgesehen davon, daß die geforderten vierzig Pfund für ein halbwegs belastbares Pony bestimmt nicht ausreichen würden, hätte Ihr experimentierfreudiger Sohn ja noch diverse andere tierische Körperteile benötigt - und all das kann ich dann doch nicht treuherzig zur Verfügung stellen!"
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Post Skriptum: Daniel hat inzwischen das vierzehnte Lebensjahr erklommen - und ist jedesmal unangenehm berührt, wenn die Eltern ihn frotzelnd daran erinnern ...
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1 Kommentar:

  1. "Herausragend, bei all dem Comedy-Gelaber! Gernhardt, wieder auferstanden?" fragt Wolfgang Süss, aus Marburg ...

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