Dienstag, 1. April 2014

Ein gewisser "Theobald Tiger" ...

Zurückblickend in all das oftmals so schicksalhaft umschattete - und nicht selten leidvoll erlebte politische Geschehen, sei nun erst einmal eine beinahe hämisch klingende Anspielung auf die im folgenden beschriebene Person vermerkt:
"Wahrlich, da wollte ein kleiner, dicker Mann mit seiner Schreibmaschine Katastrophen aufhalten!" -
Dermaßen spöttelnd, jedoch kumpelhaft wohlgewogen, verlebendigte einst der linksgerichtete Journalist und Schriftsteller Erich Kästner seinen damaligen Publizisten-Kollegen. -
"Erst habe ich gemerkt, daß es so ist. Dann habe ich verstanden, warum es so ist. Und bald darauf habe ich dann begriffen, warum es nicht anders sein kann! - Trotz allem will ich erreichen, daß es in Bälde doch anders wird!" so hatte er es seinerzeit durchlebt und konkretisiert, der am 9.11.1890 in Berlin geborene Journalist. - Ein Zeitkritiker, der am 21. Dezember 1935 verstorben ist - und folglich nicht miterleben mußte, daß es bisher ja eigentlich nicht sehr viel anders geworden ist. -
Vorab ereignete sich, zunehmend beunruhigend, so allerlei Unbill in seinem damaligen Wohnort, dem "Radauzentrum Berlin", wie er die Großstadt einst tadelnd benannte. -
Und gerüchtweise soll sich dort, im Herbst des Jahres 1928, die folgende Begebenheit fast schon rebellisch ereignet haben: Besagte Person, damals als der Herausgeber und auch journalistischer Mitarbeiter der Wochenzeitung "Die Weltbühne" hingebungsvoll aktiv, er stieß eines Abends im Foyer eines Berliner Theaters unbeabsichtigt mit einem der (bald auch ins Abseits) führenden Nationalsozialisten zusammen. -
Und im Laufe einer kontrovers geführten Auseinandersetzung, soll der Journalist angeblich zu guter Letzt noch grimmig bekundet haben:
"Wie es mir neulich zu Ohren gekommen ist, sind Sie ja auch leidenschaftlich gern als Sadomasochist umtriebig! Gestatten Sie mir darum, daß ich Ihnen jetzt durchaus gerechtfertigt ein paar in die Fresse haue?" -
Das hatte natürlich nachhaltige Folgen ...
Denn von da ab in Deutschland gebrandmarkt, sagte er Berlin "Lebewohl"- und wanderte 1929 sicherheitshalber aus nach Schweden; der (angeblich war das von ihm nur scherzhaft gemeint) als Peter Panter, Ignaz Wrobel, Kaspar Hauser und dem bereits erwähnten Pseudonym Theobald Tiger weiterhin zeitkritisch publizierende Autor. -
Als ein bloßlegend in Erscheinung tretender Pazifist, zog er vor allem gegen den damals in Deutschland (und bereits weit über die Grenzen hinaus) zunehmend unmenschlicher wuchernden Nationalismus, einen sich ausweitenden Militarismus - und unermüdlich gegen das verhaßte, voraussehend jedoch unausrottbare Spießertum zu Felde ...
"Stets vorurteilsgeladen moralisierend - und zumeist ihren bornierten, engstirnig eingeschränkten, sich verhängnisvoll auswirkenden Horizont vor kurzsichtig aufblickenden Augen", so benannte er das, was ihm, im Hinblick auf all die Krämerseelen, anhaltend zu schaffen machte: Dem zeitkritisch rastlos Wacht halten wollenden Journalisten Kurt Tucholsky. -
Im damaligen Aufenthaltsort Hindas, einer schwedischen Ortschaft nahe der Stadt Göteborg, verschlechterte sich zunehmend bald sein Allgemeinbefinden. Physische und auch psychische Probleme nahmen selbstzerstörerisch zu. - Eine Überdosis an Tabletten ließ ihn am 21. Dezember 1935, um 21.55 Uhr nun endgültig zur Ruhe kommen. Eine Selbsttötung aus Versehen ... (?) -
"Nur pöapö, das irdische Glück. Denn immer fehlt dir irgendein Stück", so hatte er's einstmals resignierend ermessen. -
Sein Todestag war wohl der Anlaß, daß ein als "Arsinoe" regsamer Autor, im eiskalten Monat Dezember - 2005, zum Angedenken an den unermüdlich aufmerksam machend schreibenden Journalisten, in einigen Printmedien die folgenden Zeilen zum Ausdruck gebracht hat:
Schon acht Jahrzehnte sind es fast,
seit du uns einst verlassen hast,
du Fingerzeig des Lebens.
du warst Philistern nicht geneigt,
hast ihnen oft den Marsch gegeigt;
zumeist jedoch vergebens.
Hast ihre Denkungsart moniert,
die all dies Muckertum gebiert;
obwohl sie's dementieren.
Zeitlebens ein vergeblich Tun -
doch mögest du in Frieden ruh'n -
du konntest nur verlieren ...
-
Daß Kurt Tucholsky, abweichend von all den zu bewegen suchenden Stellungnahmen, auch humoriges manchmal recht ungetrübt-deftig zu Papier gebracht hat, das soll hier gewiß nicht verschwiegen werden:
Wenn eine alte Frau aus Brüssel,
mal einen Elefantenrüssel
vernarrt für einen Piephahn hält:
Ja, dann leb wohl, du schöne Welt!
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"Tucho", wie ihn die Freunde und Mitstreiter freundschaftlich nannten, er weigerte sich dem Vernehmen nach zeitlebens erwachsen zu werden.
Der bereits oben erwähnte Autor Arsinoe, er hat sich solch einer Geisteshaltung schon seit vielen Jahren konsequent zugesellt. -
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