Dienstag, 24. Mai 2016

Goethe: Im Rausch der Sinne ...

"Es steht Dir auf die Stirn geschrieben,
daß Du mich wirst für immer lieben,
Du wundersames Weibsbild du -
da schnürt's mir fast die Kehle zu!
Schon lieg' ich wohl in Deinem Arm,
so frei, so hingegeben warm" ...
Nun ja, mit diesen Worten, so leidenschaftlich ergriffen, soll (gerüchtweise) der 1782 vom Kaiser geadelte Legationsrat Johann Wolfgang von Goethe zu einer gewissen Christiane Vulpius fast schon beschwörend auf Tuchfühlung gegangen sein, als er 1788 in Weimar der vorab genannten Dame beharrlich den Hof zu machen gedachte.
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Hm? - Bereits einige Jahre später soll der Großmeister der Dichtkunst angeblich nachdenklich gestimmt des öfteren kritisch gemurmelt haben:
"Drum prüfe, wer sich ewig bindet,
ob sich nicht doch 'was Besseres findet."
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Die traumhafte Zweisamkeit: Vermutlich zu allen Zeiten ein oftmals sich problematisch entblößendes Zusammenwirken menschlicher Polarität ... 
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So auch dereinst, in einer teilnahmsvoll als "Genie und Einfalt" belächelten Familie. -
Wir erinnern uns: 1775 war er von Herzog Karl August von Sachsen-Weimar nach Weimar berufen worden. Und 1788 lernte er sie dort kennen, der Herr von Goethe die sechzehn Jahre jüngere Frau Vulpius, Christiane genannt - und 1806 als Gemahlin zu Ehren gekommen. 
Ein Ehebündnis, das im freundschaftlich beiwohnenden Umkreis des Dichterfürsten damals nicht selten ein Unverständnis und somit auch Kopfschütteln ausgelöst haben soll. - Offenbar war die etwas schlicht orientierte Christiane im Forum der ausschließlich schöngeistig empfinden wollenden feinen Gesellschaft wohl binnen kurzem als nicht unbedingt standesgemäß eingeordnet worden. - Möglicherweise zutreffend ... 
Denn eindringlich und ungekünstelt, gab sie dem Ehegemahl ab und zu ihr eigensinnig geprägtes, gegenwärtiges Einfühlungsvermögen zu verstehen. - Derartiges sei (angeblich) gleichfalls an einem Nachmittag im Monat August geschehen, als der Gemahl einen finanziellen Engpaß offenbart haben soll. - Wenn die erhalten gebliebenen Aufzeichnungen des einstigen Hausdieners Julius * denn überhaupt als glaubwürdig zu betrachten sind, dann sei im trauten Zuhause der Familie Goethe der folgende Wortwechsel seinerzeit unüberhörbar in Szene gesetzt worden:
"Christiane!" rüffelt Herr von Goethe
gebeutelt die Frau Vulpius.
"Mich plagen finanzielle Nöte,
und mit dem Luxus ist jetzt Schluß!"
"Dann solltest Du", keift sie verwegen,
"die Dürftigkeit nun eiligst richten!
Beim Schreiben einen Zahn zulegen,
und flugs ein wenig schneller dichten!"
Dank Julius* wird da für jedermann zugänglich, daß im Hause Goethe auch nicht immer alles zum besten geraten war ... "Es kann wohl sein, daß der Mensch durch häusliches Geschick zu Zeiten auch ziemlich gedroschen wird", so Goethe damals - vermutlich infolge dessen. -
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* Um den leibhaftigen Hausdiener Friedrich nicht auch noch im nachhinein  in ein schiefes Licht geraten zu lassen, darum habe ich ihn vorsorglich "Julius" genannt. - D.S.
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