Donnerstag, 14. September 2017

Julius August Walther von Goethe:

Der Sohn des Dichterfürsten.
"Das Gewöhnliche im Ausdruck", hatte Charlotte von Stein einmal das charakterisiert, was im folgenden so freiheraus nun doch ein wenig näher in Augenschein genommen werden soll ...
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Wieder einmal war man damals hoffnungsvoll angespannt und wohl auch unruhig abwartend beieinander ... Denn zuvor mußte sie den Leidensweg einiger Fehlgeburten ertragen, die Ehefrau des Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe, Christiane Vulpius. - Am 25. Dezember, 1789 war dann endlich das bereits lang ersehnte, freudige Ereignis trotz allem Wirklichkeit geworden: Ein Knäblein hatte in Weimar mühevoll das Licht der Welt erblickt. -
Heranwachsend zuvor als zumeist unauffällig beschrieben, geisterte der Filius schon bald darauf unaufhaltsam hinein, in eine aufmüpfig sich in Szene setzende Sturm-und-Drangzeit. - Nach diesen Flegeljahren jedoch achtbar zur Ruhe gekommen, ehelichte er 1817 Ottilie Freiin von Pogwisch - und avancierte, dank ihrer guten Beziehungen zum Souverän, bald auch zum Kammerherren am Hofe des Weimarer Fürsten. -
So viel informativ vorab ...
Die nachfolgende Geschichte schildert hingegen eine Situation, in welcher ein stets Gelassenheit wahrmachen wollender Vater dereinst fast an den Rand des Erträglichen getrieben wurde:
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Im Freien dringt der Sonnenschein,
schon gleißend in den Tag hinein.
Was Goethe nicht einmal entdeckt,
da er in Schwierigkeiten steckt.
Der Schluß zum Goetz von Berlichingen,
war textlich nicht in Form zu bringen.
"Was hält euch fern, ihr holden Musen? -
Ich sehne mich nach euren Busen!
Auch fühl' ich mich nicht mehr geborgen",
so klingt es klagend in den Morgen.
Als plötzlich stürmt sein Sohn herein,
der ruft: "Ach, liebster Vater mein!
Du brüllst hier laut, in edlem Zwirne,
obwohl mir derzeit dröhnt die Birne!"
Der Vater, tief noch in Gedanken,
sieht seinen August haltlos schwanken.
Sagt dann, mit zornentbranntem Schnaufen:
"Er sollte tunlichst nicht mehr saufen!"
Der Sohn - da ihn die Rüge traf -
erwidert kühl, ein wenig scharf:
"Mein lieber, wortgewandter Vater!
Kaum Alkohol bewirkt den Kater.
Nicht nur der Suff ist's wohl, mitnichten!
Auch Du trägst Schuld - Dein Drang zum dichten! -
Ich komm' nach Haus - ja, oftmals spät,
und Du bist, eh der Hahn noch kräht,
zu tierisch-frühen Morgenstunden,
schon aufgedreht dem Bett entschwunden!
Und während Du ein Frühstück kaust,
grölst Du zugleich auch Deinen Faust.
Wie soll man dabei noch entspannen? -
Ich mache mich demnächst von dannen!
Möcht' nicht als Geistesgröße leben,
im Intellektuellen schweben ...
Auch mag ich keinen Klotz am Bein,
wie Du ihn spürst, durch Frau von Stein!
Schlürf weiter Deine kluge Tinte,
nur laß mich zieh'n, in meine Pinte.
Schreib Deine RÄUBER - und dergleichen,
ich werde diesem Haus entfleuchen!"
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Der Vater wurde merklich stiller ...
"Die Räuber fabulierte Schiller!" brummelte er daraufhin verstimmt noch kopfschüttelnd vor sich hin. -
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Anmerkung:
Behauptet wird, daß letztendlich Goethes Beziehung zu Charlotte von Stein den Johann Wolfgang zum klassischen Dichter reifen ließ; nun einzig die Klarheit der Form, zudem die Mäßigung all der Leidenschaften und eine organische Selbstentfaltung anstrebend. -
Wohl abweichend davon, erlebnishungrig und unkonventionell, gedachte Ottilie von Pogwisch ihr Dasein zu gestalten. - Sie war die Herausgeberin einer Zeitschrift, die sich spitzbübisch "CHAOS" nannte - und führte ein dementsprechendes, recht ungebändigtes Leben ...
Tja, warum wohl auch nicht?
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