Samstag, 30. Dezember 2017

Edgar Allen Poe - und das "geisterhafte Pochen".

Dereinst, unheilverkündend zu hören gewesen in seiner Bücherstube:
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Ein "Virtuose des Grauens", auch "Meister-Poet der Horrorvisionen" -
und zugleich der "Typus eines Quartalssäufers", so wurde er einstmals ausdrucksvoll charakterisiert ...
„Oui, seine Persönlichkeit war gewiß einzigartig - und in einer wohl undefinierbaren Wesentsart mit Melancholie gezeichnet“, so beschrieb der französische Dichter Charles Baudelaire dereinst diesen amerikanischen Poeten. - Baudelaire, der als ein Lyriker von höchstem Formgefühl und äußerster Sensibilität (wir erinnern uns an: „Les Fleurs du mal - Die Blumen des Bösen“), seinerzeit bereits bedeutungsvoll Achtung genießen durfte, er war bis zum als "selbstzerstörerisch" bezeichneten Ableben des Literaten (am 7.Oktober 1849) mit ihm in Freundschaft verbunden. -
„Mon dieu! So unglückselig dahingerafft durch ein Delirium tremens“, hat  Baudelaire dieses Hinscheiden damals aufseufzend diagnostiziert.
"Of course: Auf keinen, der bereits vor dem Frühstück Alkohol trinkt, ist dann leider auch hinfort Verlaß!" hatte damals jedoch Thomas W. White, der Herausgeber der Zeitschrift Southern Literary Messenger diesbezüglich mäkelig Anstoß genommen.
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Die nachfolgenden Zeilen sind eine Analogie zum von Edgar Allen Poe einst so dramatisch geformten Gedicht "Der Rabe", in welchen ein mysteriöser, mitternächtlicher Besuch zum besten gegeben wird. 
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Nächtens war’s, zumeist wie immer:
Er saß in seinem Bücherzimmer.
Gezielt, zum wonnigen Vergessen, schien Alkohol oft angemessen.
Und einstmals, etwas angetrunken, gebannt in Literatur versunken,
so buchvertieft in stiller Bleibe, klopft’s plötzlich an die Fensterscheibe!
„Wer mag das sein, wer will da stören?“ -
Hernach herrscht Ruhe, nichts zu hören ...
„Was geht da vor? Und wer - warum - ? 
treibt sich vor meinem Fenster ‘rum?
Und wer bezeigt, um diese Zeit, derartig Unverfrorenheit?
Mein Gott! Ich sehe schon Gespenster“, 
das murmelt er, mit Blick zum Fenster.
„Jedoch ... Dies geisterhafte Pochen, es tönt, als wär’s ein bleicher Knochen!
Letztendlich gar der Sensenmann, klopft dumpf an meiner Wohnstatt an?“
Erhitzt spitzt er besorgt die Ohren.
Der Angstschweiß bricht aus allen Poren.
Nun schreckensbleich zurückgetreten,
begann er angsterfüllt zu beten.
Im Hinblick schon auf Staub und Asche,
greift er verstört zur Whisky-Flasche.
Und angelangt beim letzten Tropfen,
vernimmt er wieder dieses Klopfen!
„Was soll’s, ich tauge nicht zum Helden, 
da wird sich irgendwer schon melden ...“
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Obwohl vom Rausch schon leicht benommen,
ist er zur Einsicht dann gekommen,
daß, trotz geistesmächtiger Fülle, vergänglich diese Leibeshülle. -
Bis dann die ersten Zweifel kamen ...
D’rum öffnet’ er den Fensterrahmen,
nachsehen, daß sich’s ihm erklär’: Ist’s nur der Wind, nichts weiter mehr?
Sein Blick schweift suchend in die Nacht,
bis sich’s beschämend deutlich macht,
daß diese düstere Hinterlist
als Hirngespinst zu deuten ist ...
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Edgar Allen Poe:
Geboren am 19. Januar 1809 in Boston, Massachusetts, am 7.10.1849 in Baltimore verstorben. - Ansteigend verehrt und geachtet, wurde er bald als der erste bedeutende Literaturkritiker Amerikas benannt. Doch zunehmend der Trunksucht verfallen, endete der geniale Erzähler bereits im vierzigsten Lebensjahr leidvoll im Elend. -
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(Eine mich hin und wieder doch nachdenklich stimmende Art von Abgesang ...)
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