Dienstag, 1. Mai 2018

"Wenn du bist nicht willig" ...

Nun, da begeben wir uns jetzt einmal erwartungsvoll hinein, in die beunruhigenden Sphären des schon seit Urzeiten geheimnisumwitterten "Erlkönigs".
Einstmals dichterisch zum Ausdruck gebracht als eine Fehlübersetzung der Poesie des dänischen "ellekonge" (Elfenkönig). -
Und eine veranschaulichende Darlegung dieser dänischen Ballade durch den Kulturphilosophen Johann Gottfried Herder machte die Verserzählung dann in Deutschland publik ...
Was dem Vernehmen nach bald darauf dann wohl zur Folge hatte, daß der Johann Wolfgang von Goethe eiligst die Feder zur Hand nahm, um all das poetisch zum Ausdruck zu geben, was seither als "Erlkönig" benannt, fast jedem Pennäler geläufig werden durfte. -
Möglicherweise ein wenig ungestüm, dafür jedoch wesentlich zeitgemäßer, ist nun freundlicherweise die nachfolgende Variation dieser tragikomischen Geschichte zur Kenntnis zu nehmen. -
Einverstanden?
Na, denn ...
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Nun rast sie vergnügt durch das nächtliche Moor.
Es ist meine Oma! - Was hat sie jetzt vor?
Zuhinterst sitz' ich, als der hilflose Enkel.
Sie ruft: "Halt Dich fest! Geh' mir nicht auf den Senkel."
Das Moped ist mein, und d'rum bin ich sauer.
Nun fängt's an zu regnen, ein bedrohlicher Schauer.
"Mein Sohn, was birgst Du so bang Dein Gesicht?"
"Siehst Oma, Du die Kurve da nicht?
Und in meinem Antlitz die tödliche Blässe!"
"Ach Söhnchen, halt's Maul, sonst gibt's auf die Fresse!"
"Mensch Oma, da vorn der König der Erlen!"
"Ich seh' nix, es ist schon ein Kreuz mit euch Kerlen."
"Oma, fahr' langsam, da naht eine Pfütze.
Du verlierst die Balance - und ich meine Mütze!" 
"Jetzt reiß Dich zusammen - und hör' auf zu plärren!
Und schwachmütig an mir herumzuzerren."
"He, Oma, gib acht! Denn siehst Du nicht dort,
den Nebel, den Schmodder an düsterem Ort?"
"Klaro, mein Söhnchen, ich seh' das genau,
nur zeigt's sich mir reizvoll - ich bin etwas blau."
O Gott, auch das noch! Ich halt's nicht mehr aus.
"Oma, mach kehrt! - Du formst Dich zum Graus."
Doch sie dreht sich um, ihre Stimme eiskalt:
"Wenn Du bist nicht willig, dann setzt es Gewalt!"
Und schon gibt sie Vollgas, rast wild durch die Nacht.
Nimmt keinerlei Rücksicht, genießt nur und lacht.
Erreicht unseren Hof dann mit Mühe und Not -
ich rutsch' hinten 'runter, vor Angst schon halbtot ...
-
"Ach Söhnchen, wart's ab! Denn alsbald wird eine Kraft von mir ausgehen, die Dich schleunigst wieder beleben wird!" hat sie mir zugeraunt, als ich hernach unsicheren Schrittes ins Haus stolperte. -
"Nee, Oma, laß' gut sein. - Du schwafelst im Tran, noch voll des süßen Weines!" fuhr ich sie daraufhin tadelnd an. -
"Mit Freuden, mein Milchbart. - Trunken sollten wir alle sein. Die Jugend ist Trunkenheit ohne Wein. Trinkt sich das Alter dann wieder zur Jugend, so ist das wohl reizvoll, wird traumhaft zur Tugend!" gab sie mir hochtrabend zu verstehen - meine noch immer verschmitzt dreinblickende Oma. -
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Ach - meine herzliche Oma Ida, nun bist Du - einschließlich dieser oftmals bewundernswerten Multikultur -, seit langem verblichen - dahin, in einem unergründlichen Abseits.
Ja - doch ...
Du bleibst mir - mit allem - wohl stets als bedeutungsvoll in der Erinnerung.
-
*** 

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