Dienstag, 9. Oktober 2018

Hier nun ein Rückblick auf eine vorausgegangene Frankfurter BUCHMESSE ...

Damals, 2012, sollte es buchstäblich einmal so schmackhaft in Szene gesetzt werden.
Und das folgendermaßen:
„Ich weiß, das ist alles recht simpel - beinahe schon einfallslos,“ mußte der Frankfurter Restaurantbesitzer eingestehen, als er dem Koch eine kulinarische Erleuchtung zu begründen beabsichtigte. „Nein-nein, keine Widerrede, ich bestehe darauf!“ ließ er noch abwinkend wissen, als sein Speisengestalter, bereits Verdacht schöpfend, nun die schweißtriefende Stirn runzelte. -
„Morgen beginnt ja wieder einmal in Frankfurt die Buchmesse!“ gab er bedeutsam zum Ausdruck. „Und wie bereits in den vorangegangenen Jahren ja erfreulicherweise zur Kenntnis zu nehmen war, tauchen bei uns hin und wieder auch einige dieser durchaus als Leckermäulchen zu würdigenden Gäste auf! - Das ist Dir doch auch in Erinnerung geblieben?“ forschte er angeregt nach. - „Tja, und anläßlich dessen, da habe ich mir nun gestern Abend etwas Besonderes einfallen lassen!“
Argwöhnend horchte der Speisengestalter auf. -
„Triff all die dafür notwendigen Vorbereitungen - und stell Dich gewissenhaft darauf ein! - Denn als Vorspeise werden wir zur Zeit der Buchmesse eine immerhin durchaus beziehungsreiche Buchstabensuppe servieren!“ gab er dem Koch selbstbewußt grinsend zu verstehen ...
Der daraufhin sprachlos die Achseln zuckte.
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Derart eigenbrötlerisch gestaltet, ging dann auch die Ausrichtung der Mahlzeiten tagtäglich ins schematisierte Geschehen: Anhaltend wurde als Entree die gewollte Buchstabensuppe aufgetischt ...
Und niemand nahm auffällig Anstoß daran. -
Bis hin zu dem denkwürdigen Abend, als plötzlich zwei ältere Herren - ein namhafter Verleger und ein seit langem berüchtigter Literaturkritiker -, diese bereits vor ihnen stehende Vorspeise staunend in Augenschein nahmen: „Ach bitte“, sprach der Verleger den soeben vorbeieilenden Kellner an, „sagen sie doch ihrem Chef, daß wir ihn gern einmal sprechen würden!“ -
Mißmutig aufblickend, verschwand der Oberkellner ...
Und wenige Minuten später stand dann der Chef des Hauses am Tisch der beiden Literatur-Autoritäten: „Ja, bitte? Ist da etwas nicht zu ihrer Zufriedenheit geraten?“ forschte er beunruhigt nach.
„Im großen und ganzen ist bisher alles vorzüglich präsent“, bekundete ein todernst aufblickender Verleger. „Nun, etwas möchte ich jedoch als Verfeinerung ihrer ja so einfallsreichen Vorspeise fast flehentlich anempfehlen: Zukünftig sollte ihr maitre de cuisine diese ja unübersehbar im Süppchen auftauchenden Buchstaben nicht phantasie- und zudem auch noch leidenschaftslos im Gepräge der leider schon als etwas altbacken erscheinenden Acht-Punkt-Helvetica verwenden! - Um einiges kapriziöser und möglicherweise sogar geschmackvoller, offenbart sich dem speisenden Gast solch ein erlesenes Hors d’oeuvre wesentlich stilvoller durch eine nun extraordinäre Bereicherung mit zeitgemäßeren Buchstabennudeln!
Und als up to date sind Sie mit ziemlicher Gewißheit bald auch zu würdigen, wenn Sie für diese Vorspeise aufsehenerregend die Schrifttype Forschetta in Gebrauch nehmen werden ...
Das bezeugt dann immerhin eine gewisse Originalität und zudem auch noch ihre ganz persönliche Note! Offenbar werdend, in einem kulinarischen Highlight! Zumindest für die während der Buchmesse bei Ihnen speisenden Literaturliebhaber.“ so stellte er‘s damals derart gewichtig anheim. - Um gleich darauf dann auch noch anempfehlend hinzuzufügen: „Nun ja, und als abwechslungsreich ist‘s sicherlich zu gewahren, wenn einige der Buchstaben in all diesen appetitanregenden Süppchen 'mal schöpferisch ab und zu kursiv gestaltet in Erscheinung treten, also experimentierfreudig recht zügellos aus der Reihe tanzen!“ -
Sichtbar verblüfft, starrte der Wirt nun den noch immer ernsthaft zu ihm aufblickenden Verleger an. -
Sogleich meldete sich nun auch der Literaturkritiker zu Wort:
„Werter Herr Gastronom! Es zeigt sich nun doch als belastend! Denn ich bin immerhin schon minutenlang sehr gewissenhaft auf der Suche. Bisher jedoch bedauerlicherweise ganz und gar erfolglos!“ so mahnte er’s nüchtern an. - „Leider muß ich mich unglücklicherweise wohl damit abfinden!“ fügte er anklagend aufschauend hinzu.
„Mein Herr, womit denn?“ wurde erstaunt hinterfragt.
„Womit? - Das sei nun brühwarm erläutert: Wenn ich diese bedeutungsvolle Vorspeise einmal aufmerksam betrachte, dann fällt es mir doch zunehmend schwer, hier noch hinlänglich rücksichtsvoll die Contenance zu bewahren!“ gab er‘s mißbilligend zum Ausdruck. - „Zudem auch noch darüber hinwegzukommen, daß in diesem so beeindruckend Majuskeln zur Schau stellenden Süppchen ja unachtsam und wohl auch verantwortungslos zubereitet, der unentbehrliche und oftmals entscheidende Buchstabe R offenbar gar nicht vorhanden ist!“ Und weiterhin suchend herumrührend, fügte er dann noch unzufrieden hinzu: „Auch ist leider noch zu bemängeln, daß - vermutlich durch ein zu hitzig inszeniertes Kochgebaren -, selbst eine noch halbwegs nachvollziehbare Wortfindung für mich leider als ein hoffnungsloses Unterfangen zutage tritt!“ -
Mit einer zuvor knapp angedeuteten Verbeugung, zog dann der Chef des Lokals kopfschüttelnd von dannen. -
Abweichend davon bald auch die beiden Literatur-Kapazitäten: Spottlüstern aufblitzende Gesichtszüge ließen erkennen, daß man sich offenbar köstlich amüsiert zu haben schien ...
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