Sonntag, 17. Januar 2021

Nun seit vielen Jahren - so heimisch geworden in einer naturverbundenen "Abgeschiedenheit".

Das ist ein noch immer beglückendes "Hier- und Dasein":
Dort, in unserem "einsam und weltentrückt" gelegenen, uralten Bauerngehöft.
In Deutschland, im Norden ...  
Nicht nur ein Paradies für uns "Erdenbürger" - nein, das ist es wohl auch für vielerlei tierische Lebewesen: 
Zahlreiche Fasane, eine vordem hier "wohnhaft gewordene Reh-Mutter" nebst Nachwuchs. - 
Zudem eine Igel-Familie, deren Schlafenszeit oftmals mit Schnarch-Tönen zu gewahren ist. - 
All das auf diesem ca. zwei Hektar großen "Abseits" ...
Viele der kleinen gefiederten Wirbeltiere, kurzum Vögel genannt, sie sind hier offenbar "heimisch" geworden. 
Und auch der alljährlich sich hinzufügende Nachwuchs dieser unzählbaren kleinen Flug-Akrobaten. -
Im Herbst, Winter und im Frühjahr tagtäglich "zusätzlich" mit Futter versorgt, sind nun all diese "Mitbewohner" anscheinend hier "fast  schon zugänglich" in Augenschein zu nehmen. -
Tja, und was da manchmal so "tierisch verspielt" stattfinden kann ...
Zwei Eichhörnchen "toben" munter, 
in all den Bäumen rauf und runter. -
Ein dicker "Waschbär" - hin und wieder - 
"läßt" sich gern auf dem Grundstück "nieder".
Selbst wenn unser Kater "faucht erschrocken", 
bleibt dieser "Geselle" dort ungerührt hocken. -
-
Eine große Eule, die im oberen Dach-Bereich eines Neben-Gebäudes ihr "Zuhause" hat, ist neulich gegen das Fenster meines Ateliers geflogen - und hernach verdutzt auf der Außenseite sitzen geblieben. 
Mit großen Augen, die angeblich zum "Dämmerungs-Geschehen" geeignet sind, schaute sie mich fast schon "vorwurfsvoll" an ... 
-
"Nun ja, da hast Du derzeitig anscheinend ein "domicilium amandus". - (liebenswerter Wohnsitz.) . -
So hatte es mir Mikis Theodorakis bejahend zum Ausdruck gegeben, als ich ihm "davon" erzählte. -
"Ich würde das alles wohl gern auch einmal in Augenschein nehmen. -
Aber das wird leider nicht mehr zu verwirklichen sein, - ti krima! (wie schade!) - Aber Du kommst ja immer noch oftmals hier her" ...
-
Ach ja: Griechenland!
Das war's "gewesen", bevor die "Corona-Zeiten" - weltweit noch immer - auch diesbezüglich eine Art "Schlusspunkt" inszeniert haben. - 
Ach, Mikis, der Du bist nun auch schon im "himmlischen Abseits". -
-
*

Freitag, 15. Januar 2021

In GRIECHENLAND "daseinsfreudig" leben - ?

Ja - und für  mich wäre das eine Art "zweite Heimat". -
So nachdenklich gestimmt, veranschaulicht sich mir nun schon des öfteren "ein beseligendes Bewusstsein": 
Im Hinblick dessen ...
Denn in diesen Gefilden kann man - trotz allem - noch immer lebensbejahend heimisch sein. - 
Und darum sei diesbezüglich hier nun so einiges "lebendig gemacht".
Im folgenden:
-
*

In GRIECHENLAND: Ein redselig gestimmtes Miteinander ...

Einstmals auf Hydra, dieser so eigengeprägten Insel - unweit von Athen. - (Autofrei!) 
An einem Tisch im Schatten der Mauer einer Taverne, saßen wir Wein trinkend beisammen, der Mikis Theodorakis und ich - der filoß Didier. 
"Da wir ja beide immerhin schon einige Jahrzehnte hin und wieder auch im zwielichtigen Gefunkel dieser manchmal gewöhnungsbedürftigen Welt zugegen sind", merkte ich´s hochtrabend an ... 
"Nitzsche, so wortgewaltig präsent?" horchte Mikis nun auf. Um dann schmunzelnd hinzuzufügen; "Wenn ja, dann redet der nun aber nur noch sehr weltflüchtig und dazu auch mutterseelenallein im Finstern - so oder so jetzt unter der Erde". - 
"Wohl wahr. Der Hipokrates hat es dereinst ja so manifestiert: Ars longa, vita brevis - die Kunst ist lang, das Leben kurz", das gab ich zu bedenken. - 
"Also demnach: Carpe diem - nütze den Tag, wie das ja schon Horaz dereinst betont zu spüren gegeben hat", pflichtete Mikis bedeutsam bei. - 
"Ja, das ist wohl alltäglich beachtenswert", stimmte ich lebensbejahend zu. "Der Herr von Goethe hat´s einmal sehr poetisch zum Ausdruck gebracht: Wie von unsichtbaren Geistern gepeitscht, gehen die Sonnenpferde der Zeit mit unseres Schicksals leichtem Wagen durch, und uns bleibt nichts, als mutig und gefaßt die Zügel festzuhalten. Wohin es nun geht, wer kann das wissen?" - 
"Ich schon, Didier, denn ich mache jetzt auf dieser traumhaften Insel noch weinselig einen peripato (Spaziergang) ... 
"Ach Mikis, da kommt mir jetzt ein altes griechisches Sprichwort in den Sinn: Griechen schweben, bleiben aber mit den Füssen auf der Erde". - 
Wahrhaftig, da geleitete uns diese gewichtige Wortprägung "Sophrosyne" dort auf eine Ebene eines "disziplinierten" Geistes, nebst der animierenden Eigenschaft, nun wieder einmal der inneren Gesetzmäßigkeit seines ICH´s zu begegnen.  
Auf Hydra, dieser eigenwüchsigen griechischen Insel, hockten wir damals wortreich beieinander. - 
 Unser Sprachgebrauch: frz./ gr./ dt./ lat./).
-
Damals! - Als Nachtrag ist da nun betrauernd zu vermerken: 
Leider ist er, der Mikis Theodorakis im fünfundneunzigsten "Hiersein" auf Erden inzwischen verstorben - somit nicht mehr so geistreich "zugegen" ...
-
*

Trotz allem: Mein heimatliches Griechenland ...

Denn: íne polí oréa chóra. (ist ein sehr schönes Land.) -
Doch - aber auch das sei hier "zurück-blickend" erwähnt:
"Ja, so schön, daß seine Schönheit auf der Seele der Griechen lastet wie der Schatten der Ahnen", mit diesen Worten gab uns der griechische Philosoph Nikos Dimous dereinst einen oftmals "mißbilligend" veranschaulichenden Einblick bedenklich hinzu ...
Als da - derzeit bedeutsam so einiges zutage gefördert worden war:
"Macht Blinde sehend!" - war dieses unerklärlich erscheinende Geschehnis nicht ursprünglich nur auf einer göttlichen Hochebene in ausschließlich biblischen Sphären zu gewärtigen? -
Wie auch immer ... Tatsache ist, daß auf der kleinen, griechischen Insel Zakynthos siebenhundert angeblich derartig Betroffene seit Jahren im Finstern nur noch blicklos dahinleben ...
Bisher! - Denn eine staatliche Willkür hat es nun wundersam möglich gemacht, daß fast alle Leidtragenden urplötzlich wieder sehen "können", zwangsläufig sehen "müssen" - hosianna! 
Diese anscheinend mitleidlos zuschlagende Obrigkeit will jetzt auch den 240.000 in Griechenland elend und wohl auch erbarmungswürdig sich durchschlagen müssenden "Behinderten" die ihnen seit Urzeiten zustehende Unterstützung streichen! - "peraßtiká" (gute Besserung).
Folgenreich wird es sich abspielen, wenn demnächst auch den rund 4500 seit Jahren verstorbenen Griechen das Jenseits verdüstert wird: Denn man will ihnen von jetzt an das bisher vertraute, anstandslos ausgezahlte "Ruhegeld" nun zukünftig (man höre und staune!) nicht mehr so ungeprüft zukommen lassen. - (das sind 16 Millionen Euro jährlich).
> Nachtrag im Oktober 2012: Erneut in Griechenland erfolgte Kontrollen haben zutage treten lassen, daß 90.000 Angehörige verstorbener Griechen weiterhin deren "Rentengeld" einsacken - das ist immerhin eine Milliarde jährlich!
Eventuell doch ein stets rituell zu gewahrendes Totengedenken?
(Memorialwesen, lat. memoria "Gedächtnis").
Wohl eine in vielgestaltiger Ausprägung zum Totenkult der bürgerlichen Gesellschaft gehörende Ergriffenheit in Griechenland. Denn dort ist es offenbar hochherzig zur Gewohnheit geworden, daß man den Toten weiterhin das Rentengeld zahlt.
In diesem gegebenenfalls todtraurig stimmenden Zusammenhang ergibt sich nun  postum die Frage:
Braucht man denn im "Jenseits" noch Geld? -
"Ja, selbstverständlich, für diverse, wohl all diese unumgänglichen Fakelaki-Aufwendungen!" wurde uns das von einem griechischen Finanzbeamten - schmunzelnd - jedoch ernsthaft "dreinblickend" bestätigt.
("Fakelaki" = eine griechische Wortfindung für "Schmiergeld").
Ach - und wo soll das nun alles noch hinführen?
Nicht selten oftmals recht schlitzohrig ins Ausland ...
Beispielsweise: Ein Bauer in Griechenland, der gewitzt nur 497 Euro als Einkommen im Jahr gemeldet hatte, er wurde vor kurzem mit 12.587,84 ins Ausland überwiesenen Euros ertappt. Und ein griechischer Gärtner hatte 2011 sein Jahreseinkommen mit 2275 Euro bekundet, tatsächlich jedoch sicherheitshalber 610 000 Scheinchen ins Ausland verlagert - !
Wohl wahr - jedoch:
Aber nicht sehr viel anders geschieht doch so allerlei auch bei uns, hier in Deutschland!
-
Post Skriptum:
Da wir, die Ulrike und ich, seit immerhin 30 Jahren für Wochen und Monate auch in Griechenland liebend gern heimisch geworden sind, da ergibt sich alsbald so unausbleiblich auch eine Art von "Vertrautheit in all diese Lebensgestaltungen".
D'rum sei's auch erlaubt, nun diesbezüglich ´mal ein wenig "Anstoß zu nehmen"...
Tja, würde die beträchtliche Anzahl der als superreich einzuordnenden Hellenen (Reeder u.a.) in Griechenland steuerliche Abgaben entrichten, dann wäre der  Staatshaushalt umgehend im Plus! -
Wenn ... Aber das ist eine andere, wohl prähistorisch zu bewertende Geschichte.
Und leider:
Oftmals mit Auswirkungen eines "corriger la fortune" (das Glück verbessern ...)
-
Nun denn:
"Speramus meliora" - (Wir hoffen auf Besseres)
-
*

Griechenland: Ist´s nun ein Tanz in einen Abgrund - ?

Nein, dermaßen reißerisch betitelt, kann man es wohl doch offenkundig in Frage ziehen ... Darum sei hier jetzt - im folgenden - etwas doch als bedeutungsvoll offenbart, wenn wir einmal mitfühlend ins momentan von mancherlei Beeinträchtigungen in einer Art Untergangsstimmung außer Kurs geratene Land der Griechen hineinschauen. -
Denn der Tanz ist dort ein urwüchsiges und wohl althergebrachtes Ausdrucksmittel der Menschen, so freiheraus all den im Körper wieder einmal aufgestauten, seelisch-geistigen Beklommenheiten vermittels der leidenschaftlich in Szene gesetzten Bewegungen jetzt hoffnungsvoll einen Garaus machen zu wollen ...
"Ein Wunschziel der Tanzkunst, das sei offenbar auch die deutlich erkennbare Veranschaulichung von Empfindungen", betonte schon einstmals der aus Syrien nach Athen übersiedelte Philosoph Lucian. -
Nun ja, wenn dem leibhaftig so ist, dann wird da in Griechenland vermutlich (aufs neue) nun doch so einiges offenbar:
Beispielsweise, wenn wir abermals neugierig zugegen sind bei der Darbietung eines pidiktos choros, dem "gesprungenen Tanz". Schon seit Urzeiten, im 2/4 Takt "lang-kurz-kurz", stets daseinsfreudig in Szene gesetzt; jedoch zu Zeiten, als man in Griechenland noch so uneingeschränkt lebensbejahend Sprünge zu machen wagte, allabendlich kurzweilig vereint, im offenen Kreis hingebungsvoll beisammen ...
Bis hin zu der europaweit so unüberlegt inszenierten Zwangsfixierung einer sich im Laufe der Jahre (logischerweise!) als unrealisierbar und katastrophal offenbarenden Euro-Abhängigkeit. -
Da zeigt sich für all die tanzfreudig zueinanderfindenden Griechen schon allerorten desillusionierend, freudlos und niedergeschlagen dreinblickend, nur noch die tänzelnde Flucht in einen sirtos choros, einstmals namhaft geworden als "der schleppende Tanz".
Das "Ende vom Lied" ist ein nicht aus der Reihe tanzen dürfen aus diesem zuweilen schonungslos malträtierenden Rhythmus des Chasapiko, dem "Tanz der Schlachter", freudlos  im nunmehr eingeschränkt geselligen Beisammensein im dahinschwindenden Licht des Tages inmitten einer gottverlassen wirkenden póliß. (Stadt, Ortschaft) -
Was jetzt einmal sinnbildlich betrachtet meint: Hilflos und zunehmend eingeschüchtert, kriecht nun der griechische "Durchschnittsbürger" verarmt vor einem eiskalt gleißenden Euro-Altar preisgegeben zu Kreuze.
"Beati pauperes spiritu!" (Selig die Armen im Geiste!) hört man da oftmals Kirchturmpolitiker aufmuntern wollend unsinnig rufen. -
"óchi efcharißtó!" ("nein danke!") - Mit derartig frommen Sprüchen, ist wohl letztendlich nichts mehr wirksam ins reine zu bringen ...
Wohingegen trostbringend, als eine die Lebensgefühle aufrechterhaltende Art von Verdrängung, diese im Jahr 1964 vom griechischen Komponisten Mikis Theodorakis choreographierte Tonschöpfung sirtaki eventuell doch ein wenig von Nutzen sein kann - "íßoß" (vielleicht).
"ßighnómi" - (Entschuldigung): Aber um einigermaßen glaubhaft bleiben zu können, in bezug auf die naßforsch gewählte Titelzeile, muß ich die folgende Begebenheit hier noch hinzufügen dürfen, es sei mir erlaubt ...
Efcharißtó: Der fast neunzig Jahre alt gewordene Tragödiendichter Sophokles, er tanzte angeblich gern nackt - allerdings, hinsichtlich dessen dann Scham empfindend, zumeist nur allein - im Verborgenen.
-
"jiá chará! ta léme ßíndoma" - ("Tschüs! Bis bald")  -
Vermutlich werden wir uns ja irgendwann einmal in diesen traumhaften Gefilden begegnen ...
Denn dort füllt sich das Herz noch immer mit Licht - und öffnet sich bald darauf wie eine Blume. -
-
*

Die idyllische griechische Insel TINOS ...

Dort ist auch die "Vergangenheit" sichtbar geworden:

-
Sagenhaft - !
Denn da ermöglicht ein wahrhaft gigantisches Fossil 
einen ungewöhnlichen, wie wohl auch beachtenswerten Einblick 
in die orakelhaften Sphären der griechischen Mythologie:
Dieser im Laufe der Zeit versteinerte Backenzahn
 des einstigen Titanen Kronos,
Sohn des einstmals gebieterisch in Erscheinung tretenden Uranos 
und seiner stets gottergeben zu ihm aufschauenden Gemahlin Gäa - 
Allmächtige des ältesten, griechischen Göttergeschlechts ...
Der Zahn:
Anno dazumal (noch immer unübersehbar!) von fauligem Karies
befallen, bleibt da ein schmerzhaftes Nachempfinden
 für so manche Betrachter wohl doch nicht aus.
Und schon wird das zeitlos Ewige im Mythos postum
zu einer heimgesucht werdenden Wirklichkeit.
Greif- fühl- und wahrnehmbar auf der griechischen Insel TINOS.
-
"Und unter Toben und Gebraus
geschah es dann: Er fiel heraus!"
mutmaßte einst, diesbezüglich,
schmunzelnd
der Wilhelm Busch.
-
Foto: Ulrike Schäfer.
-
***



Donnerstag, 14. Januar 2021

So erwartungsvoll auf Reisen sein:

Das war ich neugierig "jahrzehntelang" - in Europa. 
Oft und gerne in Dänemark, in Holland und in Italien. 
Aber "bevorzugt" in Frankreich und in Griechenland. - 
Dort wohl mit einem "heimatlichen Empfindungsvermögen". - 
Über Frankreich habe ich ja letzthin "etwas erzählt". 
Nun würde ich erfreut zur Kenntnis nehmen, wenn Sie, 
liebe Leserin und Leser mit mir - nachfolgend - 
noch ein wenig in GRIECHENLAND verweilen. - 
Danke für Ihr "Dabeisein" ...

GRIECHENLAND - in einem beachtenswerten "Überblick" ...

Ja, so verheißungsvoll möchte ich nun versuchen, liebe Leserinnen und Leser, Sie jetzt - nachfolgend - für GRIECHENLAND zu begeistern:
Somit beglückend und zudem auch informativ hinein, in diesen Bannkreis der einstigen Wiege des Abendlandes. -
Einmal abgesehen von der Begegnung mit dem griechischen Festland, gibt es dort etwa 1400 Inseln, von denen 166 dieser Eilande nun schon seit Urzeiten "bevölkert" sind. -
Der griechische Schriftsteller Nikos Kazantzakis ("Alexis Sorbas" u.a.) hat's hinsichtlich dessen einmal so formuliert:
"Welch andere Freude auf Erden kann besser im Einklang mit dem Körper und der Seele stehen, als Griechenland zu bereisen". -
Der Zauber der griechischen Landschaften ...
Und Friedrich Hölderlin, der deutsche Dichter, er gab seine diesbezügliche Gemütsstimmung seinerzeit einmal doch sehr inbrünstig zum Ausdruck: 
"Ich liebe dieses Griechenland überall. Es trägt die Farbe meines Herzens!"
Ach ja ...
Herzlich willkommen - kalóß órißeß/orißate!
Und mit einem oftmals beseelenden - heimatlichen Empfindungsvermögen, da sei's mir hier nun erlaubt, so mancherlei über dieses beglückende Elysium zu erzählen:
Allerdings nicht ohne - auch darüber hinaus - hier eine kritisierende Stellungnahme zur derzeit oftmals überschatteten "Jetztzeit" ein wenig verdeutlichen zu müssen. -
"Das sei nun wohl diesbezüglich (leider) vonnöten - zudem auch eingedenk unserer humanitären Bürgerbewegung "Spitha" (der Funke)!" Gab Mikis Theodorakis, in Anbetracht dessen, noch zu bedenken. - 
Trotz allem: Kaló taxidhi! (Gute Reise!) - In GRIECHENLAND ... 
Noch etwas sei hier fast konkretisiert:
Denn der Herr von Goethe hat's einstmals schwärmerisch mit diesen Worten bekundet: "Unter allen Völkern haben die Griechen den Traum des Lebens am schönsten geträumt!"
"Ja, das einzige Paradies in Europa" so benannte es einst ein weltbekannter Schriftsteller. "Dort füllt sich mein Herz wieder zunehmend mit Licht - und öffnet sich hernach dann oftmals wie eine Blume".
Wie kann man´s noch inbrünstiger zum Ausdruck geben ...
Und appetitanregend sei da noch hinzugefügt:
In Griechenland gibt es viele vorzügliche Weine - "Jassas". -
Und die griechische "Kochkunst" offenbart sich in all der Zubereitung köstlicher Speisen doch oftmals als eine der besten auf diesem Erdenrund. - Nun ja, dort, wo man sie noch "derart" erleben darf. - Wohl nicht in der "dem Tourismus zur Liebe" als ausreichend "vereinfachten" Darbietung all dessen. -
Nein (óchi), nichts spricht dagegen ... Jedoch: Wenn Sie als Griechenland-Reisende "wirklichkeitsnah" zu speisen gedenken, dann ist's durchaus empfehlenswert, wie griechisch auch gang und gäbe, in der Küche mit dem Koch darüber erwartungsgemäß diesbezüglich zu "verhandeln"...
Denn auch dort ist man zumeist "sprachgewandt" zugegen. -
kali órexi! meint: Guten Appetit! -
-
Da sei nun - als durchaus erwägenswert - für Sie noch unaufdringlich hinzugefügt:
Ulrike, die mir Angetraute und ich, wir haben bisher, so innerhalb von 30 Jahren nun viele der griechischen Inseln bereist. - 
Das allerdings stets so eigensinnig in einem Abseits all dieser touristisch organisierten Infrastrukturen. -
Wie das? Problemlos: Einen sogenannten "Nur-Flug" nach Griechenland buchen (auch Insel direkt), dort ein Auto mieten und ein annehmbares Quartier suchen ...
Auf "die Art und Weise" dort zu reisen, da wird Ihnen dann alles sehr viel "aufschlussreicher" in einer Erinnerung bleiben. -
"ISLOMANIA" - die Verzauberung der Seele durch die griechische Inselwelt", so benannte es einmal ein Freund des Schriftstellers Lawrence Durrell. - *
-
*

Ein "kurzer" Blick nach GRIECHENLAND:

Wo "geistig" meine "Wiege stand" ...
Doch zuvor sei es mir erlaubt, hier eine weit zurückliegende "Rückblende" so bedeutsam zum Ausdruck zu bringen:
Als da - in Vorzeiten - vor einem schon arg verfinsterten Himmel - es derzeit so ganz überraschend zu wetterleuchten begonnen hatte. -
Zudem ein weitreichend rollender Donner hernach auch noch eine wohl scheinbar unausbleibliche, schwermütig stimmenden Disharmonie aufschrecken ließ.
Und dort ein versonnen gestimmter Aristoteles seinem Lehrherrn Platon - süffisant grinsend - jedoch anschaulich zu machen versuchte, daß er nun inmitten eines wohl leuchtkräftigen Denkprozesses so urplötzlich zu einer signifikanten Einsicht gekommen sei: 
"In diesem offenbar endlosen Weltraum", so gab er's damals bedeutungsvoll zum Ausdruck ... 
"Da ist unsere Erde im Vergleich zu dem umfassenden All dann doch nur noch als ein einzigartiges Nichts zu erkunden. 
Und somit sei es nun wohl eindringlich vonnöten, alsbald wahrhaftig dieser Endaimonia, dem Glücksempfinden jetzt zunehmend mehr Raum und Zeit zu gewähren." 
"Ja, und das dann bis hinein in das Füllhorn eine uns alle beglückende "Ataraxie", in welcher bereits zu Lebzeiten eine Art vollendete Seelenruhe verinnerlicht sein kann. (Epikur).
Als "tranquillitas animi", so wurde es einstmals lateinisch benannt. -
-
Kali idhéa - eine gute Idee ...
Und sie ist wohl nicht nur bedeutsam für mich, in einem heimatlichen Empfindungsvermögen ...
-
*

Tja, Griechenland - infolgedessen ...

Eine kritische "Rückschau" in "vergangene Zeiten": -
Noch bevor gegenwärtig die "Corona-Krise" auch dort nachhaltige Spuren hinterlassen hat ...
Also damals:
Da hatte es sich schon 2008 offenbart, daß alljährlich nur die 750 Millionen an Schmiergeldern (Fakelaki) die griechische Bevölkerung noch in die Lage versetzen konnte, weiterhin ein einigermaßen menschenwürdiges Dasein führen zu dürfen. -
Hm?
"Schließ Griechenland ins Herz, und du bekommst einen Infarkt", so hatte der griechische Philosoph Nikos Dimous eine einstmals bekundete Stellungnahme des Dionysios Solomos dereinst beunruhigend aktualisiert.  
Nun ja, da sind wir jetzt, gemeinsam mit dem dereinst in Griechenland zur Welt gekommenen Didier Vaselis, im derzeitigen Athener Theaterspektakel der schauspielernden Politikstrategen so indiskret "lauschend" zugegen: 
Im orakelhaft schillernden Hintergrund zeigt sich dort, den "gesunden Menschenverstand" versinnbildlichen wollend, die allen Griechen vertraute Schattenspielerfigur "Hadziavatis"; mit einer aufleuchtenden Spruchblase: "Arm und leidend, aber immer auf seinen Vorteil bedacht", so kann man es, nachdenklich gestimmt, sehr deutlich entziffern.
Und derartig präsentierte sich schon damals die alte, zumeist korrupte griechische Politiker-Clique, mit einem schlitzohrig und fintenreich auf Vertrauen hoffenden Regierungschef Antonis Samaras ...
"Das just dieser Wendehals das Zeug zum Helden hat, der die zerrissene Nation dazu bringt, sich aus dem Selbstmitleid zu befreien, ist nicht recht ersichtlich", textete derzeit der griechische Journalist Georg Anastasiadis in einer diesbezüglich geschriebenen Kolumne die bedeutsam zutage tretende Lebensgestaltung. -
Dann hatte sich anscheinend dort alles "verändert", in diesen griechischen "Theater-Kulissen". - 
Neubelebt, vermittels der ausschweifend agierenden Regierungsstrategen:
Alexis Tsipras domestizierte dort - bisher noch gewöhnungsbedürftig - (méßa apó polithrópos - mit Hilfe von List und Verschlagenheit) derzeit das Sagen. - Mit einer urgriechischen Motivation: 
"Wir dürfen auf keinen Fall panisch werden, denn wer Angst bekommt, der verliert das Spiel!" -
-
Ja, das ist eine unerfreuliche Bedeutsamkeit:
Hingegen ...
Als Griechenland-Kenner sei noch gewichtig hinzugefügt:
"i eládha ine poli oréa chóra - Griechenland ist ein sehr schönes Land". -
Trotz allem ...
"Und Du bekommst es - gegebenenfalls - allerorten zu spüren: 
"Filotimo" - dieses Selbstwertgefühl und die damit wohl einhergehende liebenswürdige griechische Seele", das gab mir dereinst filoß Theodorakis nachdenklich gestimmt zu verstehen!
Wohl wahr, lieber Mikos, der du bist nun auch schon im "Abseits", in diesen "himmlischen Sphären", dessen bin ich mir wohl stets zeitlebens bewußt - mit "heimatlicher Einfühlsamkeit". 
-
***


Montag, 11. Januar 2021

"Bonjour", liebe Leserinnen und Leser ...

"Nacherlebend", denke ich häufig an die Erlebnis-reichen Stunden und Tage. Diese bedeutsame Zeitspanne damals in Frankreich - all das oftmals in Paris. Und darum möchte ich mit Ihnen hier nun diesbezüglich gern zurückschauen. Nachfolgend: - Danke für Ihr "Dabeisein" - merci beaucoup. -

PARIS : Vor Jahr und Tag, als WIR dort wohl doch schon dereinst "zugegen waren":

Und das dann gemeinsam, in einer ausschweifenden Gemütsbeschaffenheit - "un impression de déjà vu - ?
"Ja, uns muß es derzeit so leibhaftig schon einmal gegeben haben!" betonte ein Maler-Freund vor kurzem in Paris enthusiastisch und fast schon beschwörend diese scheinbare Rückschau. -
"Oui, zweifellos! Diese als Reinkarnation oder auch Wiederfleischwerdung benannte Rückkehr, sie verschafft uns erneut eine traumhafte Entfaltung und Neubelebung am reizvollen Schauplatz all dieser dereinst so liebgewordenen Lebensbejahungen", murmelte ich beipflichtend - und zudem wohl auch schwärmerisch zustimmend.
"Très bien! (Sehr gut!) - Aber eine beachtliche Anzahl der Erdenbürger meint, das sei hirnverbrannt, abwegig und lachhaft!"
"Vergiß sie! Das sind desillusioniert dahinlebende Verweigerer."
"Certainement! (Gewiß!). - Oui, man sollte das demnach wohl nicht allzusehr überbewerten ... Hm? Kannst Du dich jetzt denn noch so ganzheitlich zurückversetzen, in das nun seit langem entschwundene Paris d'autrefois - unser altes Paris?" brach es ergriffen aus ihm heraus.
"Selbstverständlich. Und das immer wieder - liebend gern!" gab ich ihm wünschenswert zu verstehen.
"Oui, dann laß uns 'mal miteinander entfleuchen, in ein Wiederaufleben der einstmals so tatendurstig geschätzten Lebensgestaltung."             
"Avec plaisir! (mit Vergnügen!) Erinnerst Du dich jetzt noch an diesen gemeinsam wohl doch als beeindruckend erlebten Tag im Monat März des Jahres 1908?"
"Da muß ich erst einmal nachdenken ... Oui, nun entsinne ich mich. -
Allein schon deswegen, weil ich ja nachmittags mit dem Kunsthändler AmbroiseVollard verabredet gewesen bin, um ihm hoffentlich eine kleine Federzeichnung von Henri Matisse verkaufen zu können."
"Ein Original vom Maler Matisse, wie konntest Du das denn so hinterlistig erbeuten?"
"Als eine Leihgabe - vom Galeristen Daniel Kahnweiler."
"Als Leihgabe? Ich verstehe. - Mon dieu! Julien, irgendwann hätte dich Monsieur Kahnweiler dabei erwischt!" gab ich anmahnend zu bedenken.
"Non, bisher hatte es ja immer geklappt, bei Dir doch auch, mon ami! - Aber was war denn da für dich so aufregend geschehen, an diesem Tag im Monat März?" versuchte er ausweichend zu taktieren.
"Zumindest nichts mit einem kriminellen Hintergrund!" ließ ich's noch einmal anmahnend fühlen.
"Du nervst, denn meine diesbezügliche Kunstfertigkeit hatte uns dazumal ja des öfteren ein wenig vor Not und Verelendung bewahrt, das sollte Dir doch als befürwortend in Erinnerung geblieben sein!"
"Julien, Du übertreibst 'mal wieder! Denn das hatte sich doch inzwischen "zum Guten" gewandelt, hast Du das etwa schon wieder vergessen?"
"Hm? An was müßte ich mich denn da jetzt so hinlänglich nacherleben könnend erinnern?" horchte er kopfschüttelnd auf.
"Daran, daß ich seit dem so vielsagend erwähnten Tag im März immerhin der stolze Besitzer von zwei Picasso-Tuschezeichnungen gewesen war!"
"Von Pablo - geklaut!! - Wie hattest Du das denn gemeistert?" schaute er mich tief beeindruckt an.
"Nicht mitgehen lassen! Er hatte sie mir geschenkt, weil ich seine damalige Lebensgefährtin, die bezaubernde Fernande Olivier ja hin und wieder ... Aber das möchte ich hier nun doch nicht näher verdeutlichen. Jamais! (Niemals!)  - Bei Pablo stibitzen! Für wen oder was hältst Du mich eigentlich?"
"Wenn ich das jetzt gefühlvoll zur Sprache bringe, dann ... Ach, ne m'en veuillez pas! (Nichts für ungut!) Aber was hatte sich denn an diesem besagten März-Tag so aufsehenerregend abgespielt? Ich kann's momentan gar nicht so bildhaft wiederauftauchen lassen", gab er mir zu verstehen.
"Auch das nicht, daß ich in unserer damaligen Bleibe, dieser chaotisch-heimeligen La ruche, mit meinem damaligen Nachbarn Georges Braque in eine Art Disharmonie hineingeraten war?"
"Ach ja, von Guillaume Apollinaire wurde mir später darüber berichtet! Du hattest dir von Georges das Fahrrad geliehen - und ohne Bedenken zu Bruch gefahren, weil Du wieder 'mal stockbesoffen ..."
"Jetzt beherrsch' Dich erst einmal bitte!" unterbrach ich ihn schmollend. -
"Ja, wir hatten vorab im Lapin à Gill ein wenig dem Wein zugesprochen, drei Flaschen vom Feinsten, die Cocteau uns spendiert hatte. - Weit nach Mitternacht, wollte ich dann Pablo noch heimwärts ins Bateau-Lavoir kutschieren - und dabei ist's dann geschehen."
"Wie das denn?"
"Du stellst mir da saudumme Fragen. Ich möchte Dich 'mal erleben, mit einem betrunkenen Picasso hinten auf dem Gepäckträger eines Fahrrads, der lauthals spanische Lieder singend auch noch andauernd "Olé! brüllt - und dir dazu dann stimmungsvoll mit beiden Fäusten auf dem Rücken herumtrommelt!"
"Das ist bedauerlicherweise ja nun nicht mehr durchführbar", wandte er zutreffend ein.
"Nun ja, leider ging's dabei noch zunehmend bergab, auf dem damaligen Kopfsteinpflaster der Rue Ravignan! Abbremsen war schlechthin nicht mehr möglich, und wir sind dann somit recht unsanft an der hölzernen Tür der alten Maler-Klause verhängnisvoll zum Stillstand gekommen." -
"Und dabei wurde das unentbehrliche Fahrrad dann ein wenig zertrümmert! Oui, was offenbar den Eigentümer dieser sicherlich liebgewonnenen Gerätschaft verzweifelt die Hände ringen ließ."
"Non, zu Fäusten geballt, wollte er mir damit seine derzeitige Entrüstung so handgemein zu Leibe gehend schmerzhaft zum Ausdruck geben! - Oui, und wenn nicht der stets mitleidend empfindende Guillaume Apollinaire beschwichtigen wollend dazwischengegangen wäre, dann ...
Ich mag jetzt gar nicht daran zurückdenken!"
"Das ist naheliegend, aber immerhin hattest Du ja dem Georges so allerlei Ungemach bereitet! - 
Der Max Jakob erzählte mir am Tag danach, daß euer so lautstark vom Stapel gelassenes Palaver den Maler Van Dongen anscheinend dermaßen in Rage gebracht haben soll, daß er sogleich eine tote, bereits unangenehm riechende Katze, die er vorab zu malen begonnen hatte, Dir daraufhin wutentbrannt ins Genick geschleudert haben soll."
"Non, Du dramatisierst da alles ein wenig überbetont! Denn es war ja nur noch das Fell der Katze. - Der Kees van Dongen war ja seinerzeit dermaßen verarmt, daß die Innereien rein zufällig bei ihm und seiner großen Familie endlich einmal eine sättigende Mahlzeit möglich gemacht hatten ..."
 -
Oui, töricht und unüberlegt letztendlich noch in Szene gesetzt, war sie bedauerlicherweise nun offenbar doch als recht "unappetitlich" entzaubert worden, unsere geistesverwandte Rückschau.
Denn ...
"Das von Dir ja geplante Abendessen in der Rhumerie Martiniquaise, das mußt Du wohl demnächst allein genießen, da mir hinsichtlich dessen ein kulinarisches Gelüst vorerst abhanden gekommen ist", gab mir der Freund abwinkend zu verstehen, als wir unglücklicherweise unsere Rückschau so desillusionierend zum Erliegen gebracht hatten. -
Ein "diesbezüglicher" Hinweis sei hier noch gegeben:
In Frankreich sagt man gern schmunzelnd: "Pour les Francais, l´ estomac est l´organe le plus important" - der Magen ist das wichtigste Organ im Leben. -
-
*

PARIS - und diese Art "Wiederverkörperung" in einer "theatralischen Rückschau":

Liebe Leserin, lieber Leser, da folgen Sie mir, bzw. uns, bitte so fast leibhaftig greifbar nun einmal "zurückblickend" in einen wahrlich Aufsehen erregenden Zeitabschnitt ...
-
Vorab sei bedeutsam bezeugt, daß nicht nur ein sauflustiger, bereits zügellos gewordener Alkoholkonsum - oder der anhaltende Gebrauch halluzinogener Drogen immerhin so viel bewirken kann, daß sich da etwas urplötzlich heraufbeschwört - und alsbald ichbezogen in die hernach überraschend offenbar werdenden Wege geleitet. -
Nein, denn ...
Ein psychologisches Phänomen, das einstmals französisch als „Déjà-vécu“ bezeichnete - und zuweilen bedenklich Wirklichkeit werdende „Schon erlebt“. - (auch als: déjà = bereits oder schon, vu = gesehen), das läßt hin und wieder auch ohne stimulierende Rauschmittel so einiges lebensvoll zutage treten.
Im ersten Abschnitt seines Buches „Dichtung und Wahrheit“ beschreibt Goethe eine Begebenheit, die solch einem Fausse reconnaissance, diesem „falschen Wiedererkennen“, so allerhand Ausdruck verleiht. -  
„Kokolores! Vernunftwidrige, hirnrissig gesponnene Flausen!“ räsonierte einst unbelehrbar abweisend der Freud-Schüler Sebastian Heil-Resistere, als der Großmeister der Psychoanalyse sich hinsichtlich dessen murmelnd ins Nachdenken vertieft hatte.
„Nein-nein, sie vereinsamter Nihilist! - Der Auftakt für die als Déjà-vu charakterisierten Erlebnisse, ist einzig und allein mit den verdrängten Phantasien der menschlichen Wesen präzis zu verdeutlichen!“ wurde der angehende Seelen-Voyeur sogleich eines Besseren belehrt. -
-
Ja, all das gab mir nun doch zu denken, als ich vor kurzem einen mehrseitigen Brief aus Paris - geschrieben von einem Freund, dem Pianisten Javiero Garcia Sánchez - neugierig geöffnet und zunehmend beunruhigt gelesen hatte. - 
Javiero, seit seinem Studium an der Académie Royale zumeist in Paris wohnhaft, im Quartier Latin, im fünften Arrondissement dieser Stadt. -
Wir hatten uns 1973 in Paris kennengelernt, als ich dort einige Jahre freiberuflich als umherreisender Journalist für die bereits im Jahr 1964 von dem französischen Philosophen André Gorz dereinst in Szene gesetzten Wochenzeitung "Le Nouvel Observateur" tätig - und Javiero daselbst einige Monate als Volontär beschäftigt gewesen war. -
Ja, da ich seit langem in einer norddeutschen Region und einige Monate in Griechenland ansässig geworden bin, trafen wir uns hin und wieder nur noch in Frankreich; das aber selten. -
Doch nun zurück zur soeben geöffneten Post aus Paris: Nebst einer CD mit der Klaviermusik des Komponisten Erik Satie, hielt ich vier eng-beschriebene Seiten in Händen. Und war mir - nach einem kurzen Überblick dessen - sogleich auch darüber bewußt, daß mich das Wesentliche einer brieflich anscheinend derart eindringlich beschworenen Imagination vermutlich im nachhinein wohl erst einmal nachdenklich stimmen - und sich dann, als schwer zu bewältigend, alsbald offenbaren würde:
-
"Paris, 12. Juni, 2009 -
Didier cher ... Qu‘est-ce qui s‘est passé?  -  (Was ist geschehen?)
Oui, Du wirst es vermutlich gar nicht für möglich halten - und Deiner diesbezüglichen Einstellung gemäß, nur milde gestimmt lächeln. Aber die meinen Zeilen beiliegende Tondichtung des Erik Satie, sie beschwörte da neulich urplötzlich in mir einen recht melodramatisch gearteten Rückblick zutage ... Reinkarnation? Haben wir schon einmal gelebt?
Uns muß es schon 'mal gegeben haben!
Denk einen Augenblick angestrengt nach und zugleich auch inhaltsgeladen zurück - dann wird die im folgenden nun wieder auflebende Begebenheit auch Dir sogleich wahrhaft und wirklichkeitsnah vor einem geistigen Auge erscheinen:
Dieser dereinst gemeinsam erlebte Monat Mai 1917, hier, in den für uns einstmals heimatlich gewordenen, wie wohl oftmals auch desillusionierend aufblitzenden Gegebenheiten in dieser einzig benutzbaren Wüste (Camus) Paris ...
Ist das präsent? Liegt all das für Dich nun zutage? - Nein?
Dann werde ich Dir jetzt hinweisend auf die Sprünge helfen! - Eh bien:
Rauchend und Wein trinkend saßen wir damals nachdenklich gestimmt in der Feuilleton-Redaktion des Nouvel-Observateur und sprachen über die demnächst im Théâtre du Châtelet stattfindende Inszenierung von Musik, Ballett und der Malerei, dieser als „kubistisches Manifest“ bezeichneten, alsbald debütierenden Theateraufführung. 
Du erinnerst dich? - Nein, noch immer nicht?“
-
Unabhängig davon, daß ich mich daran partout nicht erinnern konnte, war es erst einmal in Betracht zu ziehen, daß es den Nouvel Observateur damals noch gar nicht gegeben hat.
Denn als Erstveröffentlichung dieser bald zur meist gelesenen Zeitung gediehenen Druckschrift, ist der von Claude Bourdet 1950 in Umlauf gesetzte L‘Observateur zu erwähnen.
Da offenbarte sich in Javieros phantastisch aufblühendem Sentimentalitäts-Geschehen doch schon ein inkorrekt aufscheinendes Denkzeichen, so bedachte ich‘s kurz - um gleich darauf erwartungsvoll weiterzulesen:
-
„Incroyable! (unglaublich!) Aber ein vermutlich aufsehenerregender Hinblick auf das bevorstehende Spektakel war schon vorab zu gewärtigen, als wir drei Tage vor der Uraufführung nachmittags bei der Anbahnung dessen dort dann schaulüstern zu Gast waren! 
Na, ist es nun doch gegenwärtig?
Du mußt das vor Augen haben! Den übereifrig herumwieselnden Jean Cocteau, in dem von ihm so absonderlich geplanten Szenario.
Dazu, gewöhnungsbedürftig im Hintergrund eines futuristisch erschaffenen Bühnengeschehens: Erik Saties für uns ja bis dato noch ungewohnte, von ihm extra für diese Aufführung konzertierte exzentrische Tondichtungen ... Nein, da ist noch kein Rückblick in Reichweite? Das nehme ich Dir nicht ab; gib‘s zu, Du verweigerst dich! Mußt Du jetzt alles derart ernüchternd vereiteln wollen? - Auch die Choreographie und zudem noch tänzerische Meisterschaft des Léonide Massine? Der Tänzer des Balletts Russes - und Liebhaber des Choreographen Diaghilew - der ja damals dort auch umtriebig zugegen war. Oui, schieb einmal all diese unfreundlich aufblitzende Abwehr aufnahmefähig beiseite! Dann wird sich Dir alles umgehend durchaus so malerisch offenbaren: Gewiß der übereifrig umhereilende Kostüm- und Bühnenbildner Pablo Picasso ... - Aha! Aufhorchen lassend, zeigt sich da zwingend der Malerfürst! Er setzt wohl ad hoc unter Druck und nötigt nun doch zu einem bereitwillig aufkeimenden Wiedererscheinen dieses vor Jahren ja gemeinsam so eindrucksvoll miterlebten Bühnenspektakels.
Nein, noch immer nicht?
Denk 'mal zurück: Wir waren ja damals durchaus beeindruckt ...
Nicht so der Großteil des Publikums am Abend der Premiere am 18. Mai 1917! - Lautstark geäußerte Ablehnungen brachten Tumult in den Saal - und verursachten einen Skandal! Wie Du wohl weißt.“
-
Hm? - Javiero - und erneut die Beeinflussung durch Opium?
Versuchte ich‘s zu ergründen; mich auch daran erinnernd, daß er seit langem schon ein Bewunderer des am 11. Oktober 1963 in Milly-la-Forêt verstorbenen enfant terribles Jean Cocteau war. Und sich 1976, in Paris, als Besucher einer Versteigerungs-Aktion "Cocteaus‘scher Wertobjekte im Bereich der beweglichen Habe", zwei der hier unter anderem angebotenen Opium-Pfeifchen zu eigen gemacht hatte. -
Oui, offenbarte sich hier nun doch eine derart beeinflußte Willenslenkung halluzinierend einwirkender Drogen? 
Trotz allem laß ich erwartungsvoll weiter:
-
„Voilà, erinnerst Du dich manchmal noch an den oftmals abwertend begutachtenden Schmähredner Jean Poueigh? „Man hat da auf die nie endende Dummheit der Menschen spekuliert“, ließ er, der bekannte Musikkritiker, sich damals derart gestreng in einigen Zeitungen über das extravagant inszenierte Bühnenereignis aus. Eventuell ist es Dir wahrhaftig nicht mehr in Erinnerung geblieben, daß Erik Satie ihm daraufhin stockwütend eine Postkarte mit dem folgenden Wortlaut geschrieben hat: „Monsieur et cher ami - vous êtes un cul, un cul sans musique!“ (Mein Herr und lieber Freund - Sie sind ein Arsch, ein Arsch ohne Musik!) -
„Am darauffolgenden Tag - Das wirst Du wohl kaum vergessen haben! Da saßen wir ja dann noch, vertieft in ein wortgewaltig gestaltetes Miteinander, bei der reizenden Madame Misia Sert im eleganten Salon ihrer Wohnung am Quai Voltaire ... - Anwesend waren - wie es nun wirklich noch erinnerlich sein müßte: Ein oft buhlerisch um Léonide Massine herumtänzelnder Serge Diaghilew. Und der spür- und sichtbar um Aufmerksamkeit bemühte Jean Cocteau. Ein dandyhaft gekleideter Marcel Proust, dessen hin und wieder durchdringend laut werdendes Lachen uns alle erschauern ließ. Und im kontemplativen Abseits ein sich angeregt mit dem Maler August Renoir unterhaltender Freund und Kumpan Toulouse Lautrec. - Oui, und um Mitternacht erschien dann auch noch der unserer Misia dereinst das Musikstück „La Valse“ gewidmet habende Komponist Maurice Ravel“. -
-
„Javiero, Du hast Max Jakob, Guillaume Apollinaire und auch den damals dort anwesenden Pablo Picasso gar nicht erwähnt!“ murmelte ich, obschon noch immer recht unzugänglich gestimmt ...
Kopfschüttelnd und trotz allem nun doch auch schon schwärmerisch zwangsgesteuert in eine gefühlvoll aufleuchtende Rückschau in die reizvoll erlebte Zeit in Paris entrückt, nahm ich die bereits geöffnete Flasche Rotwein zur Hand und begab mich nebst Glas und dem Brief des Freundes auf die Terrasse meines Häuschens im Norden der griechischen Insel Lesvos. - Sanftmütig gestimmt, war ich dann gleich darauf weiterverfolgend wieder in Javieros daseinsfreudiges und wortreich zu spüren gegebenes Wunschtraum-Gebilde vertieft - in diesem erweiterten Ausmaß:
-
„Verspätet kam dann, wieder einmal angetrunken, „Monsieur Pauvré“, wie er in einschlägigen Kreisen oftmals benannt wurde: der Erik Satie. - Didier, das kannst Du unmöglich vergessen haben!“ stand da zu bewegen suchend geschrieben. - „Auch eingedenk dessen, daß Du es ja warst, der dann, bereits in den beginnenden Morgenstunden, den inzwischen volltrunken wankenden, rheumatisch einherstolpernden Erik hilfreich nach Hause, in sein zellenartiges, mit allerhand Trödel, Gerümpel und Plunder vollgestopftes Kämmerlein, damals noch in der Rue Corot, stützend geleitet hast!“ -
-
Par bleu! Ich versuchte mir das nun leibhaftig vor Augen zu stellen. Und dachte dabei an Platon, der einmal diesbezüglich bekundet hat: Nur die ewigen Ideen sind das eigentlich Seiende!
Ach Javiero! - Beeindruckt und nun wohl auch zunehmend beeinflußbar Wirkung gewahr werdend, las ich aufmerksam weiter:
-
„Unterwegs, so hast Du es damals uns allen erzählt, warst Du ja angeblich immer wieder sehr darum bemüht, ein wenig mehr über sein der mittelalterlichen Mystik entliehenes Musik-Emfinden, dieser Rückkehr zu einer klassischen Prägung dessen zu ergründen. -
Das sollte nun doch gegenwärtig sein ... "Er sei noch immer in die Erweiterung seiner Gymnopedien vertieft und das kontinuierlich!" hat Dir der trunken einherstiefelnde Erik abwinkend zu verstehen gegeben, so hast Du uns damals darüber berichtet. - Nebenbei bemerkt, sind das die Kompositionen, die mir noch immer am besten gefallen. Nein, nicht so die einstmals erlebten Tondichtungen dieser theatralischen Aufführung „Parade“
Stimmen wir da überein?“ -
-
Was das angeht: ja, dachte ich beiläufig ...
-
„Im Flur seiner ärmlichen Bleibe angelangt“, berichtete Javiero schriftlich weiter, „hat er Dir - wie Du es derzeit ja stillvergnügt betont hast -, dann schlußendlich noch aufgebracht zugeraunt: "Möge dem Armseligen, der mich übersieht, die Zunge verbrennen - und auch das Trommelfell platzen!" -
Mon dieu! Wenn Du dich daran nun nicht mehr erinnern kannst, dann schöpfe ich doch den Verdacht, daß ich ab jetzt unerfreulicherweise an Deiner Merkfähigkeit zweifeln muß! - Laß es mich wissen, ruft sorgenvoll ausharrend einer der wenigen Dir aller Wahrscheinlichkeit nach wohl noch verbliebenen Freunde, im derzeit regnerisch verschnupft machendem Molloch Paris.“ -
-
Unserer langjährigen Freundschaft zuliebe, galt es nun herzlich und angemessen darauf zu antworten ...
Immerhin, dem bereits genußfreudig getrunkenen Wein zur Folge, würde die Beantwortung seiner gefühlsselig formulierten Zeilen dann auch hoffentlich zusagend und erfreulich zuwege gebracht werden.
Nun ja:
„Wer ein bewußtes Leben führen will, der muß das im flüchtigen Strom seiner Erinnerungsbilder tun!“ so hatte es ja schon der in Berlin lebende Philosoph Stephan Otto dereinst konkretisiert. -
In Anbetracht dessen, griff ich bald darauf seelenvergnügt zur Feder, um gleichgestimmt, wie einstmals Schulter an Schulter, nun emotional aufgekratzt aufs Geratewohl "zurückzublicken":
-
Skala Sykaminias, Lesvos, Greece, am 14. Juni, 2009 -
Mon cher Javiero,
wohl wahr, es bleibt unvergessen - und natürlich erinnere ich mich an all das von Dir urplötzlich nun so gefühlsreich erneut vor Augen geführte damalige Geschehen. - Wenn ich da zutreffend zurückschaue, dann bist Du ja damals bald darauf, im Juni 1917, nach Madrid abgereist, um Deine Mutter zu besuchen und am dortigen Konservatorium drei Jahre lang als Musiklehrer zu unterrichten. - Das ist nun durchaus erwähnenswert, mein Freund!  -
Denn in diesem beachtenswerten Zeitraum, da hat sich ja noch so einiges aufsehenerregend ereignet ...
Als Du noch in Paris anwesend warst, da sprachen wir eines Abends mit Guillaume Apollinaire über einen neuen Geist des Überrealismus - er nannte es „sur-realisme“, Du erinnerst dich daran? Gemeint war: Das Wirkliche mit dem Unwirklichen zu verknüpfen ... -
So annähernd im Unwirklichen trat dann zutage, was ich kurz nach Deiner Abreise erleben durfte:
Wir (die Redaktion) hatten in Erfahrung gebracht, daß Picasso wieder einmal die Gespielinnen ausgewechselt hatte, Olga Chochlowa war jetzt die Favoritin. Im Juli 1918 hat er die Dame dann geheiratet. - Cocteau war der Trauzeuge. Oui, und ihn habe ich dann gebeten, mir einen Termin für ein Interview zu beschaffen. - In der darauffolgenden Woche hat‘s dann auch geklappt, der Meister hatte es gönnerhaft geschehen lassen ...
Wohlan - und somit zurück ins damalige "Geschehen":
Picasso war ja inzwischen nicht nur berühmt, sondern auch wohlhabend geworden. Als ich die neue Wohnung in der Rue la Boétie betreten hatte, stand mir ein auffallend bürgerlich sichtbar werdender Maler gegenüber: Im maßgeschneiderten Anzug, mit einem Ziertuch in der oberen Jackentasche und einer auffällig hervorleuchtenden goldenen Uhrkette am Knopfloch. - Es verschlug mir die Sprache, als ich die luxuriös ausgestatteten Räume näher in Augenschein nehmen konnte: Olgas strategische Einflußnahme, so bedachte ich‘s, als mich der Meister überraschend freundlich dazu aufforderte, nun ihm gegenüber Platz zu nehmen. - Kurz zusammengefaßt: Im Laufe des einseitig stattfindenden Gesprächs wurde mir deutlich gemacht, daß ich ein Interview nur bekommen könnte, wenn ich schon morgen früh als Chauffeur zur Verfügung stehen würde. - Er habe sich gestern ein Automobil gekauft, einen Hispano-Suiza; weder er noch Madame Olga hätten jedoch eine notwendige Fahrerlaubnis. Auch der Freund Erik, Monsieur Satie nicht, der ja morgen dabeisein würde ...
„Wo man denn so übereilt hinfahren wolle?“ habe ich, offensichtlich total überrumpelt, nachgefragt.
„Nach Antibes, um dort, am La Garoupe benannten Strand im Kreis der feinen Gesellschaft ein wenig mitmischen zu wollen!“ gab mir Picasso abfällig grinsend zu verstehen. -
Ich hatte begriffen: Le High Life - das Treiben der Prominenten - und Madame Olgas offenbar lebenswichtiges Begehren, daselbst nun beachtet werdend mithalten zu können. -
-
Am Morgen darauf klingelte ich, repräsentabel gekleidet - ich hatte mir am Abend zuvor von Max Jakob noch einen Anzug geliehen -, abreisebereit dastehend, an der Wohnungstür der Familie Picasso.
Olga öffnete mir - und nahm mich mißbilligend in Augenschein: „Nein-nein, so geht das nicht!“ fuhr sie mich an. „Das werden wir jetzt sofort passend umgestalten!“ ließ sie mich wissen, rauschte davon und schon wenige Minuten später hielt sie mir die vollständige, komödienhafte Montur eines Chauffeurs unter die Nase! - „Keine Widerrede, Sie ziehen das nun sofort an!“ wurde bestimmt. -
Javiero, et cétait tout - und das war alles ... Und Du kannst dir vielleicht deutlich einmal mitfühlend vor Augen führen, wie mir damals zumute war. -
-
Trotz allem gestalteten sich diese dereinst erlebten Tage wahrhaft zu einem unvergeßlichen Reisegeschehen. Am ersten Tag fuhren wir bis hin nach Lyon - es gab ja damals noch keine Autobahn -, und am zweiten Tag erreichten wir dann gut gelaunt schließlich das Städtchen Antibes. -
Fürwahr: Eine anstrengend verlaufene Autofahrt ...
Andererseits sich ausreichend ergebende Stunden, um hernach wirklich ein aufschlußreiches und bemerkenswertes Interview konzipieren zu können. -
Javiero, derart inhaltsgeladen nun so überraschend zurückblickend, ist da noch etwas erwähnenswert: Als der Erik Satie am 1. Juli, 1925 in Paris verstorben war, da fanden wir - Max Jakob und ich - in seiner Wohnung noch die inzwischen weltweit bekannt gewordene Komposition „Vexations“ - „Quälereien für ein Soloklavier“, wie er die Tondichtung ja scherzhaft benannt hatte. -
So viel erst einmal für heute, mon ami; auch hinsichtlich eines hin und wieder aufblühenden Erinnerungsvermögens, - salut, à bientôt - ton Didier. -
*
Post Skriptum: 
Wissenschaftliche Untersuchungen haben aufsehenerregend erkundet, daß 50 bis 90 Prozent der auf diesem Globus gern lustbetont weilenden Menschen derartig traumhafte Erscheinungen dieser beunruhigend phantasievollen Beschaffenheit bereits oftmals durchlebt haben - und gegebenenfalls auch uneingeschränkt beurkunden können.  
-
***

Sonntag, 10. Januar 2021

SCHMUGGELN - und das so "schlitzohrig - bauernschlau" ...

War ja vor Jahr und Tag noch ab und zu "denk- und machbar". -
Wie ich es damals "miterlebt" habe - an einer der derzeitigen Zollstationen:
Oui, und unüberhörbar offenbarte sich dabei wohl auch der Anreiz eines "Corriger la fortune" - was meint: (Das Glück verbessern, d.h. mogeln).
Zuvor sei da noch folgendes anschaulich machend erwähnt: Wenn ein Franzose in Paris recht unbekümmert erkennen läßt, daß er dereinst in der Gascogne das Licht der Welt erblickt hat, dann wird er oftmals bespöttelt - man macht sich gern über ihn lustig. -
Solch ein "der Lächerlichkeit preisgeben" sollte zwar stets als engstirnig und taktlos zu gewärtigen sein. - Neugierig aufhorchen lassend, durfte ich im Juni 1972 dann diese nachfolgende Begebenheit schmunzelnd miterleben: 
Aus der spanischen Stadt Barcelona kommend, habe ich damals am dereinst noch grenzgebieterisch installierten Schlagbaum bei Irun haltmachen müssen. Und bald darauf, nun auf dem französischen Hoheitsgebiet angelangt, standen jetzt, Auto an Auto in Folge, all die dort als motorisiert Anwesenden im gleißenden Sonnenlicht abwartend hintereinander aufgereiht da. -  
Im geöffneten Cabriolet sitzend, gewahrte ich vor mir stehend einen alten, klapprigen Citroen-2-CV-Kleinlastwagen. - Und erkennbar wurden sogleich: Ein Hinweis gebendes Nummernschild auf die Gascogne - und ein schon älterer, allerdings untrüglich zutage tretender Bauer (paysan) aus diesem reizvollen, südfranzösischen Landesteil ...
Unübersehbar mißtrauisch dreinblickend, sprach nun der Zöllner den etwas unruhig dastehenden habitant de gascogne an: „Na, Monsieur, was haben wir denn heute gesetzmäßig zu verzollen?“
„Rien, pas-de-value de l'objet!“ (Nichts, keinerlei Wertsachen!) antwortete achselzuckend ein abwinkend gestikulierender Landmann.
„Merveilleux! (wunderbar!) - Dann können wir, immerhin ganz und gar problemlos, alles etwas näher in Augenschein nehmen“, wurde ihm schmunzelnd bedeutet.
Deutlich bemerkbar beunruhigt stand er jetzt da, der anscheinend nun doch in die Enge getriebene Gascogner.
„Oui, dann öffnen sie doch bitte einmal die hinteren Türen ihres Fahrzeugs!“ wurde er autoritär aufgefordert.
Widerwillig kam er dieser so barsch formulierten Anweisung nach - und sichtbar wurde dann gleich darauf eine dunkelblau leuchtende Plastiktonne; ein Großbehälter, mit annähernd fünfzig Liter als Fassungsvermögen. 
„Aha! - Was haben wir denn dort drinnen eventuell durchaus belastend verborgen?“ sprach ihn der offensichtlich sogleich einen Verdacht schöpfende Zollbeamte herrisch an.
„Nichts von Bedeutung, nur Katzenfutter!“ bekam er lakonisch zu hören.
„Interessant, das wollen wir dann gleich einmal etwas gründlicher kontrollieren!“ wurde nun sofort unbarmherzig bestimmt.
„Pourquoi? (Warum?)“ versuchte der Bauer fragend abzulenken - um dann eindringlich darauf hinzuweisen, daß so etwas wohl leider nicht möglich sei, weil ja der Deckel der Tonne, vom Hersteller des Katzenfutters rundum kunststoffverschweißt, bestimmt enorme Schwierigkeiten bereiten würde - und demnach nur gewaltsam zu öffnen sei!
„Non, das ist kein Problem für uns, denn wir sind ja für alles gerüstet!“ ließ nun der zweite Beamte verlauten; verschwand in der Zollstation - und erschien wenige Minuten später mit einer geeigneten Gerätschaft inmitten einer sich offenbar anbahnenden Bredouille.
Schon bald darauf war der Deckel der Tonne unproblematisch entfernt - und ein verwundert aufblickender Zöllner hielt nun ein Häufchen frischgerösteter Kaffeebohnen in der Hand ...
„Olala! - Das ist ja wohl zweifellos ein tierisch gewöhnungsbedürftiges Katzenfutter!“ herrschte er kopfschüttelnd den trotz allem weiterhin als selbstsicher erscheinenden Grenzgänger an.
Beipflichtend nickte der Mann aus der Gascogne ihm zu: „Oui, so wird es sich leider wohl demnächst bewahrheiten!“
Die beiden Zollbeamten starrten jetzt abwechselnd auf den bauernschlau agierenden paysan und auf den Inhalt der großen Plastiktonne.
„Wie dürfen wir das denn nun bitte verstehen?“ entfuhr es dann mißfällig dreinblickend einem der Zöllner.
„Ach, wissen sie“, stöhnte der Bauer mitleiderregend auf, „ich züchte seit einigen Wochen exotische Siam-Katzen. - Und diese Viecher sind unglaublich anspruchsvoll! Dermaßen wählerisch, daß sie mich bald in den Ruin treiben werden. - Alles erdenkliche an bei uns in Frankreich verfügbaren Fressalien habe ich diesen verkorksten Biestern schon zukommen lassen! - Das kann ich notfalls durchaus beweisen, glauben sie mir!“
„Ja - und?“ forschte man weiterhin anzweifelnd nach.
„Na, was wohl?“ klagte er’s demonstrativ ein. Und mit ausgestreckter Hand auf die Plastiktonne weisend, polterte er trickreich drauflos: „Oui, messieurs, und wenn die versaubeutelten Stubentiger sich das da nun auch nicht mehr einverleiben wollen, dann ist unwiderruflich Schluß mit der Aufzucht! - Und ich werde diesen versnobten Viechern stocksauer den Hals umdrehen! - Compendre?“
Sekundenlang lastete daraufhin erst einmal eine unentschlossen flackernde Reglosigkeit über dem grenzgebieterisch in Atem haltenden Geschehen ...
Bis hin zum besorgniserregenden Augenblick, da einer der Zollbeamten den Mann aus der Gascogne beinhart und unzugänglich anherrschte: „Conduisez votre voiture de ce cotè - là!“ (Fahren sie ihren Wagen dort an die Seite!)
Das habe ich letztendlich noch unüberhörbar mitbekommen, bevor mich der andere Zöllner erst einmal abfällig dreinblickend fixierte - und dann unwirsch zum Weiterfahren aufforderte ...
Ein bedeutsames "Miterleben" -
-
***



Samstag, 9. Januar 2021

PARIS: Oui - "certainement" ... Es war "gewiß" damals ein auf- und anregendes Miteinander:

Auch in diesen Abendstunden  - bei Gertrude Stein und Alice B. Toklas, 
in der rue de fleurus. - In Paris. -
Denn dort war dereinst folgendes "blumig" zur Sprache gebracht worden:
"Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose“, das rief Gertrude abschließend hinein, in die im Bannkreis der Künste wieder einmal versammelte Runde. - 
(Gemeint war damit: "Nun ja, es ist, wie es ist".)
"Unsere Charakterpflanze", murmelte daraufhin grinsend der am Kaminfeuer gelangweilt ausharrende Lyriker Tristan Tzara.
Oui, angeblich verfälscht (lt. Wilhelm Uhde), ist diese Bekundung ja späterhin weltweit beinahe zu einer Art Lebensweisheit gediehen. - 
Und diesbezüglich erinnern wir uns an die ab 1903 zumeist in Paris lebende amerikanische Autorin und Kunstsammlerin Getrude Stein.
Ein stets schöngeistig empfindender Kreis der damaligen künstlerischen Avantgarde umgab sie dereinst, die mit ihrer Lebensgefährtin Alice B. Toklas kontaktfreudig residierende Kunstverbündete: Ernest Hemingway, James Joyce, Jean Cocteau, Pablo Picasso, T.S. Eliot, George Braque, Maurice de Vlaminck, Juan Gris, Sherwood Andersen, Francis Picabia - und viele andere Persönlichkeiten des damaligen Zeitgeschehens, sie waren dort oftmals zugegen. -
Bei den Personen, die dort zu Besuch kamen, ist auch der Kunstschriftsteller Wilhelm Uhde zu nennen. 
„Dessen Lebenswandel doch nicht immer als gutbürgerlich zu bezeichnen sei“, als solchermaßen "unzivilisiert" verlebendigte Madame Toklas damals die Art und Weise des Bohemiens Wilhelm Uhde, sich in der Öffentlichkeit zu personifizieren - allerdings doch verständnisvoll schmunzelnd ...
Nun zutreffender zurückblickend, bleiben wir noch einen Augenblick bei der zuletzt genannten Person: Dem aus Deutschland stammenden Enfant terrible Wilhelm Uhde. - 
„Oui, ein großer, magerer Mensch, mit einer hohen Stirn und einem flinken Geist“, so hatte ihn Madame Alice B. Toklas vor Jahr und Tag einmal charakterisiert. -
Immerhin war Wilhelm Uhde der erste "Vermittler", der erfolgreich die so recht irreal-märchenhaft gemalten Schöpfungen des ehemaligen Zöllners Henri Rousseau alsbald in den oftmals recht unzugänglichen Kunsthandel geleitet hatte. -
Der Wilhelm Uhde ... Oui, mit ihm nun noch einmal nacherlebend zurück zum Wahlspruch der kunstsinnigen Madame Gertrude Stein:
Angeblich geschah es an einem Nachmittag im April des Jahres 1928. -
Uhde war wieder einmal daseinsfreudig zu Gast in der Rue de Fleurus 27.
Zu vorgerückter Stunde noch immer redselig beisammen, hatten Alice und Gertrude um mitreden zu können beschlossen, in der Wohnung des Wilhelm Uhde noch eine Ausstellung "naiver Malerei" erwartungsvoll in einen näheren Augenschein zu nehmen.
Eh bien ...
Bald darauf standen Gertrude und Wilhelm nun abwartend im unteren Bereich des Hauses in der Rue de Fleurus; weil die stets etwas wankelmütig in Erscheinung tretende Alice B. Toklas noch immer in ihrem Kleiderschrank hörbar verzweifelt nach einem passenden Beinkleid für dieses bedeutsame Kulturereignis suchte.
Den weinerlich gemurmelten, unten kaum zu verstehenden Worten, konnte man  jedoch entnehmen, daß Madame bei der endlosen Suche offenbar nicht sehr erfolgreich war ...
Bis hin zu dem Zeitpunkt, da Gertrude, spürbar verstimmt, dann mit lauter Stimme zum Ausdruck gebracht haben soll:
„Ma Chéri, il est déjà tard! (es ist schon spät!) Wie lange dauert das denn da oben noch? Mon dieu! -
"Eine Hose ist eine Hose ist eine Hose * - merde, maudit!“ - das rief Wilhelm Uhde - mit schmunzelndem Blick auf Gertrude Stein dann hinauf - nach oben, Alice betreffend. -
-
* ( Nun ja, das ist eine so genannte "Tautologie", zu verdeutlichen als: 
"Die Dinge sind, wenn sie sind". Zum Beispiel: "Spiel ist Spiel". - "Wurst ist Wurst". - "Schwachsinn ist Schwachsinn" - u.s.w. -)
-
Derart belustigend und aufschlußreich, hat es dereinst (nachweislich) der sich an all das erinnernde Kunstschriftsteller Wilhelm Uhde in handgeschriebenen Notizen nochmals lebendig werden lassen. -
-
Oui: "Il faut de tout pour faire un monde" . - Die Welt besteht aus Allem und Jedem, - das besagt schon ein altes französisches Sprichwort.
-
***