Montag, 11. November 2019

Damals: Diese tragische Geschichte. -

So nonsens-gereimt mit Robert Gernhardt ...

Dieter:
"Mein Goldfisch, der wird immer blasser!
Robert:
"Hm? - Du lässt ihn allzuviel im Wasser!"
Dieter:
"Er könnte sich `mal draußen sonnen ..."
Robert:
"Vermutlich machbar - unbenommen.
-
Dieter - später:
"Das war wohl doch nicht angemessen,
die Katze hat ihn dort gefressen!"
Robert:
"Mein Gott! Nun bin ich ganz verwirrt,
vielleicht hab ich mich doch geirrt?"
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Im Angedenken an Robert -
er hat leider am 30 Juni 2006 das Zeitliche gesegnet.
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Ich vermisse IHN auch diesbezüglich ...
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***

Dienstag, 5. November 2019

Wohl wahr: Dieser bedeutsame Tag einer "diamantenen Hochzeit" - !

Immerhin ... Seit sechzig Jahre waren sie nun schon ein Ehepaar, die Frau Marthe und der Herr Bernhard S. - wohnhaft in einem malerischen Dorf in der als "Nordheide" benannten Landschaft. -
Ja, und hinsichtlich eines festlichen Beisammenseins anläßlich dieser "diamantenen Hochzeit", da sollte am kommenden Wochenende eine bedeutsame gesellige Festivität veranstaltet werden; so hatten es die Kinder und Enkelkinder bereits seit Tagen recht aufwendig vorbereitet. -
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"Mein Gott! - Wie soll ich altersschwach auftretendes Frauchen jetzt das noch bewältigen? Ich bin sterbensmüde, andauernd schachmatt! Und eigentlich ja schon halbtot", klagte sie’s willensschwach ein, als man am Vortag der Festivität frühmorgens erwacht war - und apathisch am Rande der Bettstatt nachdenklich gestimmt ausharrte.
Still leidend schaute sie auf - und war nun wieder einmal der Meinung, daß ein mitleidlos wegschauender Herrgott ihr tagtäglich zu Leibe gehendes Martyrium anscheinend verantwortungslos nicht mehr bewußt zur Kenntnis nehmen wollte.
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"Ach, Marthe-Schätzchen, dann geh doch bitte noch heute zum Arzt!" meldete sich gleich darauf Ehemann Bernhard fürsorgend zu Wort.
"Das kann ich ja leider nicht! Denn der gute, alte Doktor hat doch Feierabend gemacht - sein ärztliches Wirken beendet. - Und da ist jetzt so’n neuer Doktor, ein Milchbart der darauf beharrt, daß allein diese Naturheilkunde ein gesundheitsförderliches Resultat ohne unerfreuliche Spätfolgen bewirken kann", bemängelte Marthe die Anregung ihres so einfühlsam zu bewegen suchenden Gatten.
"Aha! Demnach ein vis mediatrix", horchte der einstmals als Lateinlehrer werktätige Bernhard sogleich offenbar gutheißend auf.
"Ein was, bitte?" bat sie mißtrauisch um Aufschluß.
"Gemeint ist damit die unseren Körpern ja innewohnende Naturheilkraft, der innere Arzt, wie es der Erneuerer der Medizin, der Medikus und Philosoph Paracelsus seinerzeit einmal recht aufschlußreich bezeichnet hat!" erläuterte nun Bernhard seiner jedoch ablehnend dreinblickenden Gattin ratsam die Möglichkeiten eines naturverbundenen Heilverfahrens.
"Nein-nein, nie und nimmer, das ist für mich unannehmbar!" winkte Marthe sofort beinahe fluchtartig zurückschreckend ab.
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Ein entscheidender Anlaß für diese geäußerte Abneigung war wohl darauf zurückzuführen, daß Marthe nun schon seit etlichen Jahren den fast freundschaftlich gewordenen Kontakt zum vormals aktiven Doktor sehr oft nutzbar zu machen wußte. -
Dazu ist aber folgendes umfassender anschaulich zu machen:
Jahraus und jahrein, hatten die stets so umtriebig ihre Aufwartung in die Wege leitenden Handelsvertreter all der so weltweit Medikamente fabrizierenden Pharmahersteller dem ehemals aktiven Doktor in seiner Praxis immer die neuesten - und ihrer Meinung nach wirkungsvollsten Arzneimittel als Warenprobe, so eine Art Tauglichkeitsprüfung zukommen lassen. -
Der einstmals hilfsbereit praktizierende Arzt hatte diese Präparate allerdings unentgeltlich seinen Patienten überlassen ...
So auch Marthe, die’s sich inzwischen zur Gewohnheit gemacht hatte, all ihren Leiden auf diese Art und Weise fortschrittsgläubig Kontra zu geben ... - Bis jetzt! - Neuerdings war aber nun, unerfreulicherweise, nur dieser naturheilkundlich eingeschworene Doktor dynamisch zugegen.
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Der kurzfristig zu verschmerzenden Not gehorchend, gab dann Marthe aufseufzend klein bei - und saß schon zwei Stunden später dem noch jugendlich erscheinenden Arzt gegenüber:
"Hallo, guten Tag, was führt Sie denn leidend zu mir?“ erkundigte der Doktor sich altgewohnt.
"Meine Müdigkeit!" gab ihm Frau Marthe weinerlich zu verstehen. "Ich bin leider von morgens früh bis spät in die Nacht hinein vollkommen schachmatt", fügte sie aufstöhnend hinzu.
"Ach ja, das ist dann tagtäglich eine unangenehme Begleiterscheinung! - Wie alt sind Sie denn - bitte?"
"Nächste Woche werde ich neunundachtzig Jahre alt!" ließ sie ihn wissen.
"Hm? - Ich werde Sie erst einmal gründlich untersuchen. Machen Sie sich darum jetzt bitte frei", gab er ihr sachlich zu verstehen. -
Auch das noch! horchte sie beinahe entgeistert auf. - Mein Gott! Wo bin ich denn hier jetzt gelandet? dachte sie kopfschüttelnd - und zog dann unwillig nur ihre Bluse aus.
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Etwa fünfzehn Minuten später hatte der Doktor dann all die notwendigen Untersuchungen beendet. - Wohlmeinend sprach er nun Marthe an: "Alle Achtung! Somatisch betrachtet, ist bei Ihnen an und für sich alles noch recht zuversichtlich im Lot. - Ihre andauernde Müdigkeit wird organisch durch einen Eisenmangelzustand hervorgerufen!"
"Wie bitte? Eisenmangel?" horchte Marthe zutiefst erschrocken auf.
"Allerdings, eine sich körperlich verifizierende Verminderung des absolut lebensnotwendigen Eisengehalts im leistungsfähigen Organismus! -
Eine ungenügende Eisenzufuhr im gesamten Bereich der Beschaffenheit Ihrer Ernährung. - Diese allzuoft doch als mangelhaft zu bewertende Eisenaufsaugung in den feinnervigen Reichweiten des Magendarmkanals", fügte der Doktor noch veranschaulich machend freundlich hinzu ...
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Verstrickt in eine Mischung aus Ungläubigkeit, Empörung und wohl auch Erstaunen, sah man bald darauf Marthe abfällig murmelnd den Heimweg beschreiten. - Und sichtbar entrüstet, brachte sie dort auch all ihren Unmut mißgestimmt grollend zum Ausdruck:
"Ja-ja, ich hab’s doch zuvor schon befürchtet: Ein Quacksalber doktort da neuerdings offenbar unwissend herum! - Herr im Himmel, das ist ja alles unglaublich! Ich mag gar nicht darüber nachdenken!" kam es verdrießlich dreinblickend zum Ausdruck. - "Jetzt auch noch obendrein Eisen verzehren müssen! Das ist doch absolut unzumutbar - und wirklich des Guten zu viel ... Ich kann ja kaum noch frühmorgens das Brot ausreichend beißen!" beklagte sie weinerlich schluchzend ihre derzeitige Gestimmtheit.
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Mittwoch, 30. Oktober 2019

Hildegard Knef: "Ach Hildchen" ...

Anfangs, vor allem, sei hier doch ein Einblick in ihre Lebensgeschichte verlebendigt:
Zutreffend ist, daß sie am 28. Dezember, 1925 in Baden-Württemberg, in der Stadt Ulm das Licht der Welt erblickte. -
Und bereits ab 1942 in einigen Filmen mitwirken konnte, die von der Filmgesellschaft Ufa in Szene gesetzt worden waren. - 
Zudem hat sie ab 1945 beachtliche Aktivitäten als Schauspielerin auf einigen Berliner-Theaterbühnen zur Schau gestellt. 
1954 kam dann der große Erfolg in Amerika, am legendären Broadway. 
Bald darauf traumhaft die "Tage der Rosen" als Chansonsängerin.  
Späterhin auch als Buchautorin ins Dasein getreten, gestaltete sie 1970 mit dem „Geschenkten Gaul“ einen Bestseller. -
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Und im Herbst 1994 geschah dann, zumindest für mich und für Walter, den Besitzer einer Weinstube in Gießen, diese amüsante Begebenheit: Es war kurz nach Mitternacht; die letzten Gäste hatten soeben weinselig das Lokal verlassen ... 
Daraufhin war ich gerade dabei die Tür zum Weinlokal zu schließen, als plötzlich ein junger Mann in der sich öffnenden Eingangstür stand: „Ob man denn jetzt doch noch ein Weinchen genießen dürfe“, fragte er mich, „Wenn ja, dann würde er dafür gern noch seine Begleiterin herein holen." -
Ich ließ die Tür unversperrt zugänglich - und schlurfte zur Theke zurück ... 
Gleich darauf stand sie dann in der jetzt offenen Tür; auf eine Gehhilfe gestützt, nickte sie uns freundlich zu: Die großartige alte Dame des Chansons, Hildegard Knef. - 
Verblüfft stieß ich den Wirt an: „He, Walter! Du wirst es nicht glauben, wer da soeben noch deine Weinstube betreten hat!“ gab ich ihm flüsternd zu verstehen. - 
„Wer da auch immer, jetzt ist Feierabend!“ fuhr er mich - ohne aufzublicken - abwinkend an. - 
„Oh, derart unzugänglich sind sie mir vorhin in der Stadt, von Ihrem Bürgermeister, gar nicht beschrieben worden!“ ließ sie ihn wissen, die inzwischen direkt neben dem Wirt stehende Künstlerin ... 
Völlig verdutzt, stand er nun da, als er plötzlich so unvorbereitet in ihre schalkhaft aufblitzenden Augen schauen durfte. - 
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Angesäuselt gestimmt, haben wir damals all diese Nachtstunden erlebt! - Auch ist mir noch immer gegenwärtig, daß Hildchen, nachdem wir bereits die fünfte Flasche Chateau Cheval Blanc, eine 1978er - St. Emilion-Kreation fast geleert hatten, ihren Kopf an die Schulter des inzwischen sichtbar wonnetrunken dasitzenden Wirtes gelehnt nun schwärmerisch summte: „Für mich soll’s gute Weine regnen, mir dürfen nur noch die besten begegnen! - Nur noch vom Feinsten möcht' ich genießen, und niemand wird mir mein Wollen verdrießen ..."
„Das war doch rundum erfreulich, per Zufall solch ein Ereignis miterleben zu dürfen!“ ließ später der Wirt, mein Schwager Walter, noch rückblickend verlauten. -
Diesbezüglich wohl eine bleibende Erinnerung ...
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Ach ja, damals, vor Jahr und Tag, in der Nähe von Gießen:
In Wetzlar, dieser hessischen Kreisstadt, in der einstmals der Johann Wolfgang von Goethe eine wie auch immer geartete Intimität mit einer gewissen Charlotte Buff dermaßen buhlerisch anschwellen ließ, daß er hernach dieser Liebespartnerin im Buch „Werthers Leiden“ spontan eine Art Denkmal gesetzt hat. 
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Samstag, 26. Oktober 2019

Traumhaft - so zufriedenstellend gestimmt ...

Trotz all dem seit Jahren altgewohnten Geschehen. -
Tja ...
Und derartig nachdenklich zumute ergriffen,
steht mir im Verlauf dieser aufkommenden Besinnlichkeit
sogleich ein beglückendes Traumbild für diese restlichen Tage auf Erden
nun malerisch harmonisierend so wirklichkeitsnah vor Augen.
Und das folgendermaßen:
Nachmittage an einer südlichen Meeresküste. 
"Mein Geist gibt sich den Wogen hin - und schmiegt sich
dem Rhythmus des Meeres an." So hat's schon dereinst der griechische 
Schriftsteller Kazantzakis ergreifend zu spüren gegeben. -
Und die hüllenlos inaktiven Füße ruhen entspannt im warmen Sand. 
Auf einem hölzernen, kunstlosen Tisch schimmert - fast goldfarben -
die Fülle einer aromatischen Flasche Weißwein.  *
Nun ja, so daseinsfreudig verweilen zu dürfen,
"das wird dann zum Prachtvollsten, was die Welt zu geben hat,"
derart - fast schon paradiesisch - so hat's der
 französische Schriftsteller Albert Camus dereinst bekundet.
*
Eine Erkenntnis ...
Ja, da wird es nun wieder einmal spürbar akzentuiert:
Mein wahrscheinlich mediterran geartetes Lebensethos verweilt wohl doch zeitlebens
recht untalentiert im leistungs- und karrierebetonten Arbeitsethos
einer derart ambitionierten Lebensgestaltung.
*
Wohlan, schon keimt da - aufs neue - ein "gnothi seauton". *
* "Erkenne dich selbst"
-
Ein (tadelnder) Nachtrag:
"ti krama!" (Wie schade!)
Fast schon betroffen machend ruft sie's mir auf der Insel Lesbos zu,
die griechische Lyrikerin Sappho:
"Um nach dem Tod ruhmlos umherzuirren -
als Schatten im Schwarm nichtiger Toten?"
Ach ...
"Ultra posse nemo obligatur", so habe ich's damals abweisend bekundet.
(Über das Können hinaus ist niemand verpflichtet.)
óchi ... (nein)
-
Erwähnt sei in diesem Gefühlstiefen-Zusammenhang nun doch noch
die in Griechenland oftmals und gerne in Anspruch genommene
Wortprägung "sophrosyne" - die "Selbstbeherrschung, Gelassenheit".
"Wie's ja gegebenenfalls nur schwerlich in Szene zu setzen ist", 
gab mir Theodorakis einstmals grinsend zu denken. -
Später, obwohl wir schon
einige Flaschen mit griechischem Wein "begutachtet" hatten.
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Mittwoch, 23. Oktober 2019

Nochmals, zu dieser doch freundschaftlichen "neuen Nachricht von "OBEN" :

"Didier, ich habe neulich "vor Ort" den Robert getroffen - und wir waren dann - dich betreffend - beide der sinnvollen Meinung:
Du solltest damit aufhören, Dich über Politik zu ereifern! Denn da wird sich "auf Erden" auch zukünftig wohl kaum etwas humanitär kultivieren. - Erzähl etwas über unser Frankreich -
oder auch über Dein Griechenland. Das wäre dann daseinsfreudiger und unterhaltsamer."
(Tja, da machen mir Jacques Brel und Robert Gernhardt "von OBEN", aus dem himmlischen "Abseits" eindringlich Vorhaltungen ...
Nun denn:
Seinerzeit, gemeinsam mit Jacques:
-
***

Jacques Brel intoniert: "Ne me quitte pas" - verlass mich nicht - !

Damals, als Jacques das einmal trübsinnig gestimmt "in Szene zu setzen" versuchte:
Wie? - Auf welche Art und Weise?
Das wird sich hier in Kürze so tiefgreifend entschleiern ... 
Oui, und in der nachfolgend vor Augen geführten damaligen Begebenheit, da offenbart es sich dann, wie ein als "Stubenfliege" bezeichneter Quälgeist nun wohl rührselig-grotesk, jedoch unüberhörbar zu einer liebgewordenen „Auserwählten“ berufen wurde:
Im Oktober 1971. - Die ersten Tage im Monat waren bereits verstrichen, als wir im nordwestlichen Frankreich, in der ehemaligen Grafschaft Anjou, unweit der von einem Mischwald umgebenen Ortschaft Montjean, ein wenig heimisch geworden waren.
Und an einem tagsüber sonnendurchflutet leuchtenden Herbsttag saßen wir im derzeit farbenfreudig auflodernden Abendrot noch nachdenklich gestimmt am Ufergestade der Loire, ein momentan an Trennungsschmerz leidender Jacques Brel - und ich, Didier. -
Wahrscheinlich mitfühlend, hatte angesichts dessen der Schauspieler Xavier Crauchet dem eine Beziehungskrise verschmerzen müssenden Jacques sein kleines Chalet am urwüchsigen Ufer des hier noch schiffbaren Flusses überlassen ...
Fast geräuschlos gleitend, war dort soeben ein Segelboot zum Vorschein gekommen. - 
In Ufernähe vorbeiziehend, hatten die Bootsfahrer anscheinend den trübsinnig auf das Wasser schauenden Jacques Brel erkannt.
Schwärmerisch angetan, wurde nun johlend und gestikulierend das kleine Boot von der Seglergemeinschaft dermaßen einseitig belastet, daß es abrupt zu kentern drohte.
„Oje, ich verflüchtige mich jetzt, es wird mir hier draußen ein wenig zu kühl“, murmelte Jacques; erhob sich gelassen - und zog sein knopfloses weißes Hemd über die im Verlauf der Stunden schon leicht sonnengeröteten Schultern. - Vorab der noch immer beeindruckt an Bord stehenden Besatzung zuwinkend, nahm er seine Gitarre zur Hand und trollte sich schlurfend davon.
Wohl wahr, es ist doch immer wieder bemerkenswert, wie überschwenglich dem Chansonnier allerorten Beachtung geschenkt wird, dachte ich, als ich nun ebenfalls kehrtmachte.
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Für den nachfolgenden Verlauf dieser erlebten Stunden in dem gemütlichen Chalet, da muß ich nun doch noch so einiges anschaulich machend erläutern:
Seit einigen Tagen wurden wir neugierig von einem kleinen, beflügelten, blau-grün-farben kostümierten "Mitbewohner" rastlos umschwirrt; ja, ununterbrochen schon am Frühstückstisch lebhaft und daseinsfreudig begrüßt. - Genußsüchtig war dem munteren Tierchen stets all das willkommen, was da so morgens und abends unseren Eßtisch schlemmerhaft anreicherte ...
Anfangs recht aufdringlich, ja ungebeten und auch zunehmend lästig, hatten wir uns bald - eingedenk einer moralischen Geisteshaltung: "Totschlagen ist nicht erlaubt!" - irgendwann doch an diese Art einer tagtäglich einfliegenden Frühstücks- und Abendessengeselligkeit gewöhnt. - 
Und bald darauf hatte sich dieses unabänderliche Miteinander darüber hinaus auch gefühlsmäßig fast schwärmerisch weiterentwickelt. -
Ein in den anbrechenden Morgenstunden wahrlich grotesk zum Ausdruck geratenes Geschehen ... 
Schwelgerisch Wein trinkend, hockten wir schon seit einigen Stunden vor einem stimmungsvoll flackernden Kaminfeuer.
Vier Flaschen "Musigny Grand cru", ein exquisiter Tropfen von der alten "Domaine Leroy, Vosne-Romanée" - alle zuvor schon entkorkt, „damit sich dann ansteigend ein umfassendes Bukett offenbart“, das hatte Jacques jedem verheißungsvollen „Plopp“ noch kundig hinzugefügt -, waren vermutlich recht anregend von Belang ...
Drei dieser zylindrischen Glasgefäße waren inzwischen geleert, als sich das bisherige Geplauder dann zunehmend in leicht absurden Sphären beflügelte.
Wohl noch immer vom Trennungsschmerz nachhaltig durchdrungen, verdeutlichte Jacques nun summend sein derzeitiges Herzeleid mit dem Chancon: „Ne me quitte pas, verlasse mich nicht ... wir müssen vergessen ... ich werde nicht mehr weinen ... ich verstecke mich ...“ - oder stierte nach innen gerichtet in die im Kamin oftmals knisternd aufflammenden Holzscheite. 
Bis hin zu einem stimmungsvoll aufhorchen lassenden Moment, in welchem vermittels Gitarre, lyrisch akzentuiert, die folgende Gefühlsduselei zum bedeutsamen Ausdruck gebracht wurde: „Was soll’s, die Erkenntnis: du mußt jetzt verzichten, gemahnt auch, sich seelisch bald aufzurichten!" fügte er, verschmitzt grinsend, noch geheimnisumwittert hinzu.
Rätselhaft ... „Was willst Du denn damit jetzt so urplötzlich verdeutlichen?“ forschte ich aufmerksam werdend nach.
„Oui, ma Cherie: Mon Nathalie! - Qu’est-ce qui s’est passe?“ psalmodierte er angeregt weiter.
„Cherie? Nathalie? Mon dieu! Was ist denn da jetzt so gefühlsselig geschehen? - Kannst Du das bitte etwas transparenter offenbaren?“ bat ich um Aufschluß.
„Auch wenn’s als Notbehelf erscheint, die Stubenfliege ist gemeint“, brach es nun schalkhaft aus ihm heraus.
Verwundert schaute ich sekundenlang ungläubig drein ...
Dann hatte sich alles gelichtet: „Aha! Und Nathalie nennst Du das Geschöpf deiner Begierde“, begann ich an seiner absonderlich aufblühenden Überspanntheit kumpelhaft Anteil zu nehmen.
„Oui, es war'n die freßvergnügten Stunden, in welchen wir uns wohl gefunden“, tremolierte er schwärmerisch weiter drauflos.
„Äh - wie das denn?“ mimte ich aufhorchend Erstaunen.
„D‘accord, ich erzähl’ mal, wie’s geschah, mit der Madame domestica“, begann er’s zutage tretend anschaulich zu machen. „Hungrig, völlig selbstvergessen, nascht sie beherzt am Abendessen.
Hernach hat sie, recht unbedacht, sich schwungvoll auf den Weg gemacht; 
aus einer Fleischpastetenspalte, ins Glas, das ich in Händen halte! - 
Chateau d’Yquem? Chateau Margaux? - 
Jedenfalls war's ein Bordeaux, in dem sie überstürzt versunken. - 
Und gleich darauf wohl auch ertrunken! 
Wenn nicht - trotz der Schrecksekunde - ich, mit zugespitztem Munde, 
hilfreich kämpfend um ein Leben, nun schnellstens diesen Saft der Reben, 
gleich schlürfend in mich aufgenommen! - 
Sonst wär’ sie darin umgekommen. - 
Und seither, so viel nur am Rande, vereint uns liebevolle Bande.“ 
Voilá! Jacques Brel beschwipst beschwingt in Reinkultur.
Schmunzelnd nahm ich diese eigenwillige Verdeutlichung zur Kenntnis.
Nicht ohne jedoch gleich darauf entmystifizierend enthüllen zu wollen: „Ne m’en veuillez pas! (Nichts für ungut!) Mon ami. - Aber dieses unruhig herumfliegende Objekt einer möglicherweise abartigen Begierde ist ja wohl unverkennbar als maskulin einzuordnen!“
„Non, für mich wiederum nicht!“ hielt er dagegen. „Nun schau doch ‘mal ganz genau hin! Diese langen, seidigen Augenwimpern. Zudem eine fast schon lasziv dargebotene Weiblichkeit! - Und all das offenbart sich hier auch noch freimütig so absolut hüllenlos!“
„Hm? Wie immer Du derzeit beeindruckbar bist, mon Jacques, aber Du weißt ja, daß Nathalie gern hingebungsvoll in jedem Unrat herumstochert? Getreu nach dem Motto: Eßt mehr Scheiße, denn Millionen Fliegen können sich wahrlich kaum irren!“ gab ich nun doch zu bedenken.
„Mon dieu! Didier, mußt Du derartig ordinär laut werden?“
„Das hat Depardieux neulich vom Stapel gelassen ...“
„Non, Nathalie ist fleckenlos sauber, drogenfrei und absolut stubenrein! 
Und beneidenswert werden wir miteinander glücklich sein“, verkündete er kopfnickend. - Um dann noch zu ergänzen: „Ich freue mich auf die romantischen Abende, wenn ich buchvertieft vor dem Kamin residiere, und mon chéri Nathalie lebensbejahend um mich herumsummt.“
„Wie rührselig! - So wolkenlos glücklich, derart umflügelt in solch ein himmlisch aufleuchtendes Elysium hineinzugleiten“, erweiterte ich seine hochschwingende Gefühls-Eigendynamik.
Gramgebeugt blickte er daraufhin auf: „Ach, sich neubelebt wiederfinden in einem wohltuenden Miteinander, nicht mehr lieblos beeinträchtigt durch all die kontinuierlich auflodernden Streitereien. - Ist das nicht verheißungsvoll und auch erstrebenswert?“ klagte er’s ein.
„Oui, an und für sich schon“, mußte ich beipflichten. „Jedoch schlummert in dieser, von klatschsüchtigen Zungen gern auch als sodomitisch für möglich gehaltenen Idylle, ja nachweislich ein wahrhaft unheildrohendes Risiko!“ 
„Didier, was willst Du denn jetzt damit so grausam und herzlos heraufbeschwören?“ fuhr er mich schmollend an.
„Eine wohl unvermeidliche Gegebenheit, mon ami!“ gab ich sogleich bedeutungsvoll zu verstehen. 
„Denn ein bösartig verlaufendes Infektionssiechtum, ausgelöst durch all diese Stubenfliegen, als sogenannte Fliegenkrankheit weltweit zu einer qualvollen Geißel geworden, das wird Dich in Kürze lebensgefährlich attackieren!“
„Das ist doch absolut schwachsinnig, imbécile! - Die so quicklebendig herumstreunende Nathalie macht auf mich augenfällig einen rundum gesunden Eindruck! - Ihre Blut- und Leberwerte sind vermutlich weitaus lebensbejahender als die meinen!“ winkte er unzugänglich ab.
„Ach, sieh an: Man kann sich im Dasein auch alles unwirklich schönreden“, hielt ich schonungslos dagegen. - „Dieser arglistige Krankheitsverlauf nistet sich jedoch irgendwann folgendermaßen in Deinem Körper ein: Ein sogenannter zweigeißliger Algenpilz, Mediziner sprechen da mahnend von einem Phycomycetes, der entwickelt sein Pilzgewebe parasitisch mit Vorliebe in Fliegen! Und aus solch einem tierischen Leib werden bald darauf unzählige Sporen ausgeschleudert. Um sich dann zutraulich geißelnd sofort im menschlichen Organismus festzubeißen. - Oui! Demnach auch unabänderlich demnächst in DEINEM - compendre?“
So, als sei er nun plötzlich doch ein wenig beunruhigt, schaute Jacques sekundenlang in das noch immer erfreulich stallwarm lodernde Kaminfeuer; um dann allerdings - Einspruch erhebend - lauthals dagegenzuhalten:
„Non Didier, hör‘ doch jetzt bitte auf mit dem Blödsinn! -
Denn mit diesen zwielichtigen, pseudowissenschaftlichen Erkenntnissen möchtest Du mich offenbar neiderfüllt liebend gern in Angst und Schrecken versetzen! So muß ich das leider verstehen - oder?“
„Non! - Wie kannst Du so etwas für möglich halten?“
„Ach, eine derart eifersüchtig aufwallende Anfälligkeit, noch dazu gepaart mit unbezähmbaren Neidgefühlen, solch ein bedrückend stimmendes Konglomerat läßt dann spornstreichs doch so einiges an Verbitterung lautwerden, Didier!“ knurrte er mich vorwurfsvoll an ... 
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Am darauf folgenden Tag war ich erst gegen Mittag - zuvor im Schlaf oftmals von traumgesichtigen Halluzinationen heimgesucht, mehr hinfällig meinem Nachtlager entschwunden. - Unsicher auf energielosen Beinen stehend, versuchte ich schwankend in eine Hose zu schlüpfen, um mich - noch so einigermaßen zumutbar - in die Küche zu begeben. Wo ich dann stehenden Fußes von einer sentimental arrangierten Darbietung gefangen genommen wurde: 
Plaziert auf dem hölzernen Fensterbrett, stellte sich auffallend dort ein leeres, umgestülptes Marmeladenglas zur Schau. - Zuoberst ließ ein brennendes Talglicht flackernde Lichtreflexe aufscheinen. Rund um das Glas herum waren dekorativ die violettfarbenen Blüten einer Heckenrose gefühlsbetont hinzugefügt. -
Tja, und unter dem gläsernen Behältnis lag, offensichtlich reg- und leblos, die zuvor noch so inbrünstig umbuhlte Nathalie; die dünnen Beinchen nun erbarmungswürdig gen Himmel gestreckt ...
Oui, nun auf der Suche nach einem gegebenenfalls todunglücklich umherirrenden Leidtragenden, sah ich ihn bald darauf gesenkten Hauptes, kettenrauchend auf der Terrasse sitzen. - 
„Mon dieu! Was ist denn, während ich ahnungslos schlief, mit unserer Dir nun seit einigen Tagen so hilflos ausgelieferten Nathalie geschehen? Hat sie den Freitod gewählt, weil Du sie ja unaufhörlich bedrängt hast?“ forschte ich theatralisch zur Sprache gebracht nach.
Mißvergnügt schaute er daraufhin auf: „Nun, da sie mir nicht zu Willen sein wollte, hab’ ich sie wutschnaubend erwürgt!“ brach es mißgestimmt aus ihm heraus. - Um gleich darauf anklagend vom Stapel zu lassen: „Non, Du bist verantwortlich dafür, daß sie zu Tode gekommen ist! Denn eines der von Dir so leichtsinnig und recht unbekümmert halbvoll mit Wein stehengelassenen Gläser, ist der Nathalie anscheinend todbringend zum Verhängnis geworden!“
„Wieso das? - Äh ...“, einstweilen etwas begriffsstutzig, horchte ich daher hinlänglich erschrocken auf.
„Naja, vermutlich hat sie nur ihren Durst stillen wollen - und ahnungslos ob der so unheilvoll hereinbrechenden Auswirkungen, ein wenig zu viel davon geschlürft!“ 
„Und? Das muß ja letztendlich nicht unbedingt todbringend enden. -
Wir setzen das immerhin seit einigen Tagen trinkfreudig in Szene!“ wandte ich unbesorgt ein.
„Das schon, Didier“, stimmte er mir achselzuckend zu. „Nur haben wir bisher ja vorsichtshalber davon Abstand genommen, anschließend so wonnetrunken beseelt gegen die Fensterscheibe zu fliegen - und uns dabei vermutlich das Genick zu brechen!“ so gab er‘s mir als ein nicht akzeptables Verhalten wegweisend zu verstehen.
Damals, 1971, im Landhaus des Freundes Xavier Crauchet.
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Postskriptum:
Unglücklicherweise wurde dann drei Jahre später, im Herbst 1974, bei dem pausenlos Zigaretten rauchenden Jacques Lungenkrebs diagnostiziert ...
Vieles in Frage ziehend, wohl auch das sogenannte "Für und Wider" bedenkend, ist er dann anscheinend anderen Sinnes geworden - und zog sich erst einmal aus der Öffentlichkeit zurück.
Mit seinem hochseetauglichen Segelboot „Askoy“ segelte er bald darauf tagelang über den Atlantik, einen Zwischenstopp machend auf der kanarischen Insel Teneriffa.
Ab 1975 war er auf der Marquesas-Insel Hiva Oa in Französisch- Polynesien ansässig geworden. -
„Depuis quelques jours je ne me sens pas bien. (Seit einigen Tagen fühle ich mich nicht wohl). das hatte er - mehr nach innen gerichtet - doch schon zu spüren gegeben.
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Am 9. Oktober 1978 mußten wir uns schmerzbewegt damit abfinden, daß Jacques, in einer Klinik in Bobigny bei Paris, im 49sten Lebensjahr seinem "Hiersein" als unheilbar plötzlich erlegen war.
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C'est très regrettable ... Adieu! Jacques Chere.
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***




Paris, im April 1971 ...

Oui, ein sonnendurchflutetes Frühlingslüftchen hatte wohl damals den Ausschlag dafür gegeben, daß wir nachmittags nun schon seit langem auf der weiträumigen Terrasse des Café Flore, am Boulevard Saint-Germain, noch immer angeregt plaudernd beisammen saßen, Jacques Brel und ich. -
Irgendwann gab er mir dort zu verstehen, daß er gern einen Text vertonen möchte, in welchem der oftmals aufkeimende Groll über die politischen Machenschaften als durchaus sarkastisch zum Ausdruck geraten solle ...
D’accord, eine reizvolle Mission, so dachte ich.
-
Schon in der Woche darauf saßen wir wieder Seite an Seite, in Maisons-Laffitte, der nordwestlich gelegenen Vorstadt von Paris - und dort nun am besonnten Ufer der Seine.
Vorausschauend hatte Jacques auch seine Gitarre mitgebracht, die er minutenlang gestrengen Blickes in Augenschein nahm - und angespannt zupfend gefügig zu machen suchte ...
„L'ascenseur“, der Fahrstuhl, so haben wir späterhin diese balladenartige Moritat, das in frühlingshafter Mutter Natur am Ufer der Seine erschaffene Chanson, wohlüberlegt betitelt.
Ja, und dank einer damals von Jacques musikalisch aufhorchen lassend komponierten Tonfolge, durften wir schon einige Stunden später, im Garten eines salon de thé, seelenvergnügt die folgende Lieddichtung gefühlvoll laut werden lassen:
Cäcille war zumeist, als laszive Kokotte,
in Paris sehr gern den Politikern hold.
Jüngst kam dann ein Kotzbrocken aus dieser Rotte,
doch der hat den Akt nur im Fahrstuhl gewollt.
Dabei blieb der Lift neulich stecken,
das Stromnetz war plötzlich gestört.
Sie mußten im Fahrstuhl verrecken,
Den Notruf hat niemand gehört ...
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Und als Refrain:
Im Kreis der perfiden Parteigenossen,
hat keiner gerührt eine Träne vergossen. -
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Als eine boshafte, fast schon rebellische Anspielung war dieses Chanson bald auch "in aller Munde", wie man‘s volkstümlich gern einmal leichthin benennt. - Tout le monde amüsierte sich köstlich, war mit dem Text vertraut - und auch mit der Tonrelation unseres oftmals erfolgreich ins Schwarze treffenden Kunstlied-Gestichels.
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Auch ist dazu nun noch recht befriedigend anzumerken, daß die Mehrzahl der damaligen französischen Regierungsvertreter stets wütend in Aufruhr geraten ist, wenn Jacques sich mit dem herausfordernden Chanson von neuem auf einer Bühne in Szene zu setzen verstand - oder vermittels Hörfunk ja landesweit so ausdrucksvoll aufhorchen lassen konnte.
Oui, zudem ist‘s wohl durchaus hier noch erwähnenswert, daß der damalige, französische Staatspräsident Georges Pompidou des öfteren von einigen schadenfroh grinsenden Journalisten auf diese Malice angesprochen worden ist. - Gewitzt und seit langem bereits professionell mit all den politischen Schmutz-Wassern immunisierend gewaschen, wußte er stets chevaleresk die Haltung zu wahren ...
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Einstmals. - Aber vielleicht ist das den älteren Mitbürgern unter uns ja doch in Erinnerung geblieben. - (?) *
* Oui, certainement! - Enchanté, chère Maddly ...
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Jacques Brel "verlebendigt" Jean-Paul Sartre:

Damals, im September 1967 ...
Erzählt, mit einem durchaus heimatlichen Empfindungsvermögen.
Oui:
„Ausgesetzt in eine absurde und oftmals Ekel erregende Welt, ist’s wohl ein Lichtblick in einer illusionslosen Leere!“ rief er mir zu, als wir in Paris, auf dem Monmartre-Hügel, in der Rue des Saules vor dem inzwischen wiederbelebten „Lapin à Gill“ schaulustig haltgemacht hatten. -
Eh bien, eine wortgetreu ausgeliehene Sartre-Bezeugung!  
Theatralisch bekundet vor der altehrwürdigen Fassade des Lapin agile, der Vergnügungsstätte mit einer glorreichen Vergangenheit: "Picasso, Braque, van Dongen, bisweilen Matisse, Apollinaire, Derain, Utrillo, Max Jacob, sie alle waren dort oftmals zu Gast; zuzeiten, als der damalige Besitzer Frédé sich allzu gern dummdreist als der beste Freund all dieser Künstler bezeichnete", schloß ich mich dem nun zurückblickend an. 
"Oui, Frede, der Mann mit dem zotteligen Esel namens "Lolo". Ein Schlitzohr par excellence, dieser aubergiste", ließ Jacques den einstmals so umtriebigen, struppig bärtigen Kneipier nun schmunzelnd wiederaufleben.
"So war's, aber was beflügelt Dich dermaßen bedacht, zuvor introduktiv Sartres gewichtige Worte zur Sprache zu bringen?“ versuchte ich's in Erfahrung zu bringen.
„Voilà! Allein Er wird dort thematisch zum Ausdruck gelangen, wenn ich demnächst in diesem Amüsierlokal stimmungsvoll auftreten werde!“ gab er mir daraufhin hingebungsvoll zu verstehen.
„Du hier, in diesem Etablissement?“
„Oui, naturellement. Warum denn wohl nicht? Man hat mich darum gebeten - und ich habe bereitwillig zugesagt. Inzwischen hat sich ja dort wieder eine Kleinkunstbühne sehr erfolgreich in Szene gesetzt. Der Yves Montand wird ja hier demnächst auch seine Liedchen tremolieren!“
Um dann - Sartre-betont - inbrünstig hinzuzufügen: „Und abermals kann sich der Einzelne, nun in totaler Verantwortung gegenüber der anwesenden Hörerschaft, ja neuerlich selbst erschaffen!“ 
„De facto. - Besitzt diese Verantwortung allerdings nur in der Entscheidung zu sich selbst!“ erweiterte ich grinsend die gewichtige Darlegung des einstigen Begründers des französischen Existentialismus: Monsieur Jean-Paul Sartre.
„Oui, certainement!“ (Ja, gewiß) nickte er mir beipflichtend zu. „Was hältst Du davon, wenn Du mir dabei nun ein wenig Beistand leistest?"
"Selbstverständlich! - Aber wie das denn?" horchte ich neugierig auf.
"Schreib mir dafür alsbald noch einen Text, in welchem Sartres Ideologie und Bestreben für mich und mein Publikum geistreich und auch phantasievoll zum Ausdruck geraten kann - d’accord?“
Nun denn:
Eilfertig habe ich diesen Wunsch dann ja auch einigermaßen zutreffend in die Tat umgesetzt - wie es die folgenden Zeilen nun hoffentlich noch immer zu spüren zu geben vermögen: 
-
Erbost schrieb einstmals Jean-Paul Sartre
quer über eine Tür, die knarrte:
Wir lassen uns, auch mit Geräuschen, niemals in der Erkenntnis täuschen,
daß Sinn und Zweck, gleich welcher Pforten,
sei’s hier, wie auch an anderen Orten,
sich offenstehend nur ergeben, wenn wir sie aus den Angeln heben!
-
Oui, und mit dem folgenden Ausklang haben wir diese Lieddichtung, zuvor ich und bald darauf auf einigen Bühnen auch hochgestimmt Jacques, noch für tout le monde so aufschlußreich an- und abschwellen lassen:
Und damit sprach er für Rimbaud, denn dieser dachte ebenso. -
-
Mon Jacques war zwar damals erfreut, hat diese schlicht und ergreifend als "Sprechgesang" gestaltete Kantilene bald auch in sein Chanson-Repertoire aufgenommen; als wahrscheinlich spitzbübisch aufheiternder, kam ihm hin und wieder auch der folgende Liedtext anscheinend doch gelegen:
Man kann im Hof der Tuilerien, im feuchten Rasen niederknien -
ermuntern die Fran-zo-o-sen ...
Doch ratsam ist’s im Sacré-Coeur, dort bleibt solch Handeln populär -
vermeidet nasse Ho-o-sen!
Pas de malheur - non malheur ...
- -
Der großen Gemeinde der Chansonfreunde wird jetzt wohl doch noch so einiges erinnerlich sein. -
Oui, das halte ich durchaus für möglich ...
Non? - Qui sait ...
-
***

Dienstag, 22. Oktober 2019

Gemeinsam mit Robert Gernhardt:

Den "Zuruf von OBEN" hinsichtlich der "nervenden Politik", den habe ich mir zu Herzen genommen. Und darum gebe ich nun nachfolgend so einiges über gleichgestimmte Begebenheiten zum besten ...

Damals: Satire-Zeitschrift im Endstadium ...

"Ja, nun ist's aus und vorbei! PARDON wird wohl demnächst so endgültig das Zeitliche segnen", gab er mir missgestimmt dreinblickend zu verstehen, der Robert Gernhardt, als wir vor Jahr und Tag in einer Frankfurter Kneipe über die zunehmend verlustbringende Auflage der Satire-Zeitschrift, wie auch über die recht eigenwillig gestaltete Zielstrebigkeit eines Verlegers diskutierten. -
Tja, ein sich späterhin dann noch weinselig bis in die frühen Morgenstunden ausweitendes Palaver.
Diesbezüglich ist mir noch immer so einiges in der Erinnerung geblieben.
Und das möchte ich jetzt gern einmal zum besten geben ...
Robert dereinst, vermutlich war's schon nach Mitternacht:
"Erst neulich, in der Redaktion.
Ein Schimmer! Und ich dachte schon:
Heureka! Ja, es werde Licht!
Ein Trugschluss - heller ward es nicht ...
Und schon war dann uns allen klar,
dass nun nichts mehr zu machen war!"
Schon bald darauf wurde seine augenblickliche Gestimmtheit dann noch folgendermaßen zum Ausdruck getrieben:
"Ja, es ist doch immer wieder verwunderlich! Man trinkt diesen roten Saft - und eine spürbar verkrampfte Seele wird dann alsbald dermaßen verwirrt, dass sie sogleich reagiert, in der überbetonten Annahme, in unserem derzeit gemütskranken Körper sei jetzt wohl kein Platz mehr zu finden. - Tja, und gleich darauf, bereits von allerhand Zweifeln geplagt, sie sich dann fühlbar anheischig macht, nun selbst den lieben Gott unverzüglich zum Zweikampf herausfordern zu wollen!"  Das hatte ER gefühlsbetont von Nikos Kazantzakis "ausgeliehen". -
Bewegt und wohl auch ergriffen, blickte ich noch immer erwartungsvoll zu ihm auf ...
Und hinsichtlich dessen erinnere ich mich daran, dass Robert - es mag wohl so drei Flaschen-Wein-später gewesen sein -, des weiteren leidenschaftlich ergriffen dann wortgewaltig noch die folgende Veranschaulichung zu spüren gegeben hat:
"Wie wenn da einer - und er fleucht,
oft missverstanden - aufgescheucht,
verstimmt gen Himmel - und er bäte:
O Herr, nun sieh doch meine Nöte!
Wer dieser nicht den Typ vergleichbar,
der schon auf Erden unerreichbar
stets hoffnungslos ins Abseits gleitet -
und dabei Ungemach verbreitet ...
Nein, nicht vergleichbar? Das mitnichten.
Wir können gut auf ihn verzichten!" 
-
Ein angebrochener Morgen schimmerte schon unaufhaltsam lüstern durch die bereits geöffneten Fenster der Trinkstube, als auf unserem Tisch aber noch zwei Flaschen Selters und eine bereits geöffnete Flasche Wein, benannt als "Puligny-Montrachet" so aufnahmebereit sichtbar geworden waren.
Eine Gegebenheit, die Robert dann nachdenklich gestimmt hinterfragen ließ:
"Ja, welcher der beiden sich hier aufgetischt darbietenden Flüssigkeiten soll ich mich jetzt noch sinnlich zuwenden? Auch derart, dass ich hernach noch so einigermaßen gefestigt sagen kann: Ja, das war mein Drang und Begehren, letztendlich diese eigenbrötlerischen Bestimmungen eines Verlegers in Bezug auf die Darbietung von Humor und Satire ... Ach nee, da lassen wir's lieber unaufgeklärt enden. - Hicks," 
-
Die Älteren unter uns werden sich vermutlich noch daran erinnern, dass es die soeben erwähnte Satire-Zeitschrift PARDON ja einstmals jahrzehntelang gegeben hat. 
-
***


Vincent van Gogh: Diese "Ohren-Tragödie" - ! - !

Und der gefühlsbetonte Versuch einer Verdeutlichung dessen - damals, mit Robert Gernhardt ...
Annähernd zwei Jahrzehnte ist es nun her, daß ein Zufall es möglich machte: Wir trafen uns in der hessischen Stadt Gießen, als wir - ein jeder auf einer anderen Kleinkunstbühne -, unsere Lesungen bewältigt hatten.
-
Wohl auch erwartungsvoll und mitteilungsbedürftig, lustwandelten wir spätabends noch in eine stadtbekannte Weinstube in der Steinstraße.
Und dort - nachdem die zweite Flasche Chateau Lafite-Rothschild inhaltlich fast zur Neige gegangen war -, vertieften wir uns bald auch in eine sich beinahe schöngeistig offenbarende Redseligkeit:
„Robert, schenk mir doch bitte einmal aufgeschlossen Gehör“, versuchte ich seine Aufmerksamkeit zu erreichen. „Denn mit der folgenden Verserzählung ist es mir Wunsch nun eindeutig zu belegen, daß am 2. Januar 1889, in der südfranzösischen Stadt Arles, am späten Abend, am Place Lamertine ...“
„Ach ja: Der bemitleidenswerte Maler Vincent van Gogh - und diese dereinst erlittene, so brutal und unbarmherzig als eine Art Denkzettel vollstreckte Mißhandlung!“ unterbrach er mich derart bedeutungsvoll.
„Oha! Ein Denkzettel? Also demnach die zügellos aufflammende Art und Weise einer Strafmaßnahme. - Ist das jetzt tatsächlich ernstgemeint?“ schaute ich baß erstaunt fragend auf.
„Selbstverständlich!“ gab er mir forsch zu verstehen. „Der Vincent van Gogh wohnte ja derzeit in Arles mit dem oftmals erschreckend aufbrausenden Choleriker Paul Gaugin zusammen!“
„So war’s. - Na und?“ forschte ich angespannt nach.
„Nun denn, ich will das jetzt einmal folgendermaßen vergegenwärtigen: Der Vincent war eines Tages versessen darauf, von neuem ein im ländlichen Umkreis noch immer in einem leuchtenden Goldgelb aufscheinendes Sonnenblumenfeld malerisch kraft- und ausdrucksvoll auf die Leinwand zu bannen. -
Am Morgen darauf war er schon hochgestimmt sehr früh auf den Beinen. - Der Freund Gaugin lag noch in tiefem Schlaf.
Als Vincent dann seine Malutensilien zusammenpacken wollte, mußte er zutiefst erschrocken gewahr werden: kein Indischgelb und auch kein Kadmiumgelb vorhanden! Beide Tuben waren ausgequetscht leer! -
Nach einer alptraumartig durchlebten Schrecksekunde erinnerte er sich aber daran, daß Paul Gaugin neulich aus Paris unter anderem auch eine große Tube Indischgelb mitgebracht hatte. 
Gefühlsmäßig war ihm gewiß nicht wohl dabei, als er sich der Tube aus Pauls Malkasten bemächtigte.
Spätabends kam er dann heim - und begab sich sogleich freudig erregt nach oben ins Häuschen, das tagsüber in der freien Natur fertig gemalte Sonnenblumen-Bild erwartungsvoll in der Hand haltend.“
„Hm? - Robert, ich ahne nun wirklich Verhängnisvolles!“ beunruhigte mich der Verlauf seiner spannenden Geschichtsklitterung.
„Wohl wahr!“ informierte er weiter. „Denn im oberen Stockwerk wartete hinter der Tür seit langem ein wutschnaubend hin und her gehender Paul Gaugin auf den bisher ja noch immer nichtsahnenden Vincent! - Wütend riß er dem vertrauensselig dastehenden Freund das noch feucht schimmernde Bild aus den Händen, warf es zu Boden - und trampelte heftig darauf herum! Fluchend umklammerte er sogleich den Kopf seines sprachlos dastehenden Weggenossen, schlug zornentbrannt seine Zähne in dessen Ohr - und biß ...“
„Entschuldige Robert“, unterbrach ich ihn nun so bedeutungsgleich zurückdenkend. „Aber mir ist da soeben eine wohl kaum noch als kunstfertig zu betrachtende Nachäfferei der von Dir so atemberaubend geschilderten Fleischeslust eingefallen: Dieser amerikanische Faustkampf-Athlet,  Mike Tyson genannt, der hat doch da einst gleicherweise seinem Gegner ...“
Eine Verunglimpfung! - Eine von mir dummdreist und wichtigtuerisch zum Ausdruck gegebene Mißachtung dieser einstmals tatsächlich geschehenen Ereignisse im "Gelben Haus" in Arles. -
Zweifellos: Ich hatte es anscheinend zu weit getrieben.
Denn kopfschüttelnd schaute mich Robert daraufhin an: „Mußt Du jetzt unbedingt solch banale Abgeschmacktheiten töricht hineinschleudern, in eine dereinst aufsehenerregende und wohl auch kunsthistorisch durchaus als inhaltsgewichtig zu bewertende Tragödie?“ beschwerte er sich - zudem auch noch mißgestimmt dreinschauend.
-
Drei Tage waren wir damals lesend auf Tour, in den Ortschaften Gießen, Wetzlar und in der malerischen, oberhessischen Kleinstadt Lich.
Am letzten Abend haben wir uns dann noch einmal getroffen, in der vorab schon erwähnten Weinstube.
Irgendwann, im Laufe der red- und zugegeben auch weinselig gestalteten Stunden ergab es sich dann, daß rein zufällig erneut der Maler Vincent van Gogh zum Gesprächsthema wurde: 
„Robert, jetzt schenk‘ mir diesbezüglich bitte noch einmal gottergeben Gehör! Denn diese weltweit noch immer Mitgefühl anregende Ohren-Tragödie, sie hat sich ja seinerzeit wohl schwerwiegend sehr viel bösartiger zugetragen."
"Ach?" horchte er abwartend auf. "Ich befürchte nun ernsthaft, daß hinsichtlich dessen gleich eine abgrundtief grausame Veranschaulichung zu gewahren sein wird."
"Ja, so kann man's wohl kritisch betrachten", stimmte ich zu. "Theo van Gogh, der herzensgute Bruder des armen Vincent, er hat ja seinerzeit in Paris eine kleine Bilder-Galerie betrieben. Und am 4. Januar 1889 erhielt er postalisch geleitet dort un recommandée, einen eingeschriebenen Brief ausgehändigt; aufgegeben in der südfranzösischen Stadt Arles. - Ahnungslos öffnete er gleich darauf das Kuvert - und mußte schreckensbleich nun die folgende Androhung schlechthin zur Kenntnis nehmen:
Cher Theo van Gogh, stand da einleitend geschrieben.
Des weiteren dann:
Auch hier macht sich die Jahreszeit, 
mit ungewohnter Kälte breit.
Doch sollten wir darob nicht klagen, 
das ist halt so, an diesen Tagen.
Wir sehen Sie erstaunt verweilen, 
bei’m Überfliegen dieser Zeilen.
Wenn Sie uns Ihre Gunst gewähren, 
läßt sich das kurzerhand erklären:
Ihr Bruder sitzt in unserer Mitte! 
Und ihn betrifft auch diese Bitte:
Wir möchten für den bunten Knaben, 
von Ihnen gerne Bares haben!
Denn er gestand uns, unter Qualen, 
daß Sie seit Jahren für ihn zahlen.
Da Sie ihn finanziell umhegen, 
kommt uns das nun auch sehr gelegen.
Wenn Sie ihn wiedersehen wollen, 
dann sollten Sie mit uns nicht schmollen,
sondern schnellstens für ihn löhnen!
Das wollten wir nur kurz erwähnen.
Der Vincent sagt gerade leise: 
Mein Bruder will bestimmt Beweise ...
Na gut, das läßt sich alles machen, 
wir sind versiert in solchen Sachen!
D’rum werden wir, zu Ihren Händen, 
sein linkes Ohr postalisch senden.
Bedenken Sie, wir sind in Eile, 
sonst folgen dem noch andere Teile!
Das wär’s für heut’, von hier aus Arles.
Mit lieben Grüßen, stets Ihr Charles.
-
Robert hat mir daraufhin damals nur nachsichtig schmunzelnd zugenickt, zuprostend sein Weinglas erhoben - und spürbar gelassen zum Ausdruck gebracht: „Se non e vero, e ben trovato", wenn es nicht wahr ist, ist es doch gut erfunden. -
Damals, sich derart aufschlußreich offenbarend in der hessischen Stadt Gießen ...
-
***



Ein sympathischer "Faulpelz":

Verdeutlicht Gemütsruhe ...

Hier sichtbar zum Ausdruck geraten.
-
Ach ja,  dieses ständige "beschäftigt sein müssen", das hat den eigentlichen Sinn und die tiefgreifende Bedeutsamkeit der zeitweiligen Hingabe an das "Faulsein" anscheinend endgültig zerstört! 
Denn die "Mehrheit" gewahrt im "Nichtstun" wohl nur noch ein "zügellos, leichtfertig gelebtes Dasein", niemals bereit, das Leben auch einmal durch "Faulsein" in einem "Müßiggang" zu gestalten. -
-
"Oblomow" ...
Nun ist er seit einigen Jahren bereits im "Katzenhimmel".
Und dort wieder vereint mit einigen seiner damaligen Weggefährten. -
Ach ja: Wenn wir seinerzeit in freier Natur ein wenig lustgewandelt sind,
dann ist er uns immer gefolgt.
Als ich das einmal dem Robert erzählte, da wurde mir grinsend geantwortet:
  "Das ist die Angst, die wohlüberlegt und gewiß auch vorausschauend zur Vorsicht geleitet!" -
 "Wieso das?" habe ich unaufgeklärt um Aufschluß gebeten. -
"Es ist die Besorgnis, der "Dosenöffner" könnte auf und davon gehen!"
 wurde mir daraufhin schmunzelnd erwidert. -
- -
Oblomowtschina:
Immerhin ist's wohl durchaus bedeutungsvoll, daß von der als "schläft, träumt und dämmert vor sich hin" einstmals vom russischen Schriftsteller Iwan Gontscharow beschriebenen Hauptfigur in dem Roman "Oblomow", in der Psychiatrie zur sinnvollen Beschreibung der Persönlichkeitsstruktur eines willensschwachen Neurotikers, mit den hervortretenden Merkmalen Apathie, Faulheit und Parasitismus, einstmals der Fachausdruck "Oblomowtschina" geprägt worden ist. Im Gedenken an den russischen Schriftsteller Iwan Gontscharow. 
- - -
Diese Seite ist "Oblomow" und auch "Ulrike" gewidmet.
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Sonntag, 20. Oktober 2019

Hier nun ein Rückblick auf eine vorausgegangene Frankfurter BUCHMESSE ...

Damals, 2012, sollte es buchstäblich einmal so schmackhaft in Szene gesetzt werden.
Und das folgendermaßen:
„Ich weiß, das ist alles recht simpel - beinahe schon einfallslos,“ mußte der Frankfurter Restaurantbesitzer eingestehen, als er dem Koch eine kulinarische Erleuchtung zu begründen beabsichtigte. „Nein-nein, keine Widerrede, ich bestehe darauf!“ ließ er noch abwinkend wissen, als sein Speisengestalter, bereits Verdacht schöpfend, nun die schweißtriefende Stirn runzelte. -
„Morgen beginnt ja wieder einmal in Frankfurt die Buchmesse!“ gab er bedeutsam zum Ausdruck. „Und wie bereits in den vorangegangenen Jahren ja erfreulicherweise zur Kenntnis zu nehmen war, tauchen bei uns hin und wieder auch einige dieser durchaus als Leckermäulchen zu würdigenden Gäste auf! - Das ist Dir doch auch in Erinnerung geblieben?“ forschte er angeregt nach. - „Tja, und anläßlich dessen, da habe ich mir nun gestern Abend etwas Besonderes einfallen lassen!“
Argwöhnend horchte der Speisengestalter auf. -
„Triff all die dafür notwendigen Vorbereitungen - und stell Dich gewissenhaft darauf ein! - Denn als Vorspeise werden wir zur Zeit der Buchmesse eine immerhin durchaus beziehungsreiche Buchstabensuppe servieren!“ gab er dem Koch selbstbewußt grinsend zu verstehen ...
Der daraufhin sprachlos die Achseln zuckte.
-
Derart eigenbrötlerisch gestaltet, ging dann auch die Ausrichtung der Mahlzeiten tagtäglich ins schematisierte Geschehen: Anhaltend wurde als Entree die gewollte Buchstabensuppe aufgetischt ...
Und niemand nahm auffällig Anstoß daran. -
Bis hin zu dem denkwürdigen Abend, als plötzlich zwei ältere Herren - ein namhafter Verleger und ein seit langem berüchtigter Literaturkritiker -, diese bereits vor ihnen stehende Vorspeise staunend in Augenschein nahmen: „Ach bitte“, sprach der Verleger den soeben vorbeieilenden Kellner an, „sagen sie doch ihrem Chef, daß wir ihn gern einmal sprechen würden!“ -
Mißmutig aufblickend, verschwand der Oberkellner ...
Und wenige Minuten später stand dann der Chef des Hauses am Tisch der beiden Literatur-Autoritäten: „Ja, bitte? Ist da etwas nicht zu ihrer Zufriedenheit geraten?“ forschte er beunruhigt nach.
„Im großen und ganzen ist bisher alles vorzüglich präsent“, bekundete ein todernst aufblickender Verleger. „Nun, etwas möchte ich jedoch als Verfeinerung ihrer ja so einfallsreichen Vorspeise fast flehentlich anempfehlen: Zukünftig sollte ihr maitre de cuisine diese ja unübersehbar im Süppchen auftauchenden Buchstaben nicht phantasie- und zudem auch noch leidenschaftslos im Gepräge der leider schon als etwas altbacken erscheinenden Acht-Punkt-Helvetica verwenden! - Um einiges kapriziöser und möglicherweise sogar geschmackvoller, offenbart sich dem speisenden Gast solch ein erlesenes Hors d’oeuvre wesentlich stilvoller durch eine nun extraordinäre Bereicherung mit zeitgemäßeren Buchstabennudeln!
Und als up to date sind Sie mit ziemlicher Gewißheit bald auch zu würdigen, wenn Sie für diese Vorspeise aufsehenerregend die Schrifttype Forschetta in Gebrauch nehmen werden ...
Das bezeugt dann immerhin eine gewisse Originalität und zudem auch noch ihre ganz persönliche Note! Offenbar werdend, in einem kulinarischen Highlight! Zumindest für die während der Buchmesse bei Ihnen speisenden Literaturliebhaber.“ so stellte er‘s damals derart gewichtig anheim. - Um gleich darauf dann auch noch anempfehlend hinzuzufügen: „Nun ja, und als abwechslungsreich ist‘s sicherlich zu gewahren, wenn einige der Buchstaben in all diesen appetitanregenden Süppchen 'mal schöpferisch ab und zu kursiv gestaltet in Erscheinung treten, also experimentierfreudig recht zügellos aus der Reihe tanzen!“ -
Sichtbar verblüfft, starrte der Wirt nun den noch immer ernsthaft zu ihm aufblickenden Verleger an. -
Sogleich meldete sich nun auch der Literaturkritiker zu Wort:
„Werter Herr Gastronom! Es zeigt sich nun doch als belastend! Denn ich bin immerhin schon minutenlang sehr gewissenhaft auf der Suche. Bisher jedoch bedauerlicherweise ganz und gar erfolglos!“ so mahnte er’s nüchtern an. - „Leider muß ich mich unglücklicherweise wohl damit abfinden!“ fügte er anklagend aufschauend hinzu.
„Mein Herr, womit denn?“ wurde erstaunt hinterfragt.
„Womit? - Das sei nun brühwarm erläutert: Wenn ich diese bedeutungsvolle Vorspeise einmal aufmerksam betrachte, dann fällt es mir doch zunehmend schwer, hier noch hinlänglich rücksichtsvoll die Contenance zu bewahren!“ gab er‘s mißbilligend zum Ausdruck. - „Zudem auch noch darüber hinwegzukommen, daß in diesem so beeindruckend Majuskeln zur Schau stellenden Süppchen ja unachtsam und wohl auch verantwortungslos zubereitet, der unentbehrliche und oftmals entscheidende Buchstabe R offenbar gar nicht vorhanden ist!“ Und weiterhin suchend herumrührend, fügte er dann noch unzufrieden hinzu: „Auch ist leider noch zu bemängeln, daß - vermutlich durch ein zu hitzig inszeniertes Kochgebaren -, selbst eine noch halbwegs nachvollziehbare Wortfindung für mich leider als ein hoffnungsloses Unterfangen zutage tritt!“ -
Mit einer zuvor knapp angedeuteten Verbeugung, zog dann der Chef des Lokals kopfschüttelnd von dannen. -
Abweichend davon bald auch die beiden Literatur-Kapazitäten: Spottlüstern aufblitzende Gesichtszüge ließen erkennen, daß man sich offenbar köstlich amüsiert zu haben schien ...
-
***

Freitag, 18. Oktober 2019

So offensichtlich frivole Literatur ...

"Ja - und die gibt es zuhauf", räsonieren Literaturwissenschaftler, in einem unermüdlichen Bestreben, das Wesen und die Geschichte der Literatur wissenschaftlich tiefgreifender zu erfassen. -
Wohl wahr, da ist man seit Urzeiten darum bemüht, Text-, Stoff- und Motiverzählungen, inklusive der Lebensgeschichte des jeweiligen Dichters, Neigungen, Sinnenlust und mancherlei Regungen mehr, nun konsequent zu hinterfragen. -
Mein Gott! - Warum das?
Weil man in diesen erhabenen Sphären der wissenschaftlichen Forschung dieses nachfolgend erwähnte, ja so unverblümt die Lust betonende Poem, nun doch als eine recht wollüstige Verstiegenheit klassifizieren wollte.
Jedoch, trotz allem von etlichen Zweifeln geplagt fragt man sich dort seit Monaten: Sind diese schlüpfrigen Zeilen eventuell schon zuzeiten des Herrn von Goethe zu Papier gebracht worden?
Insofern, als die darin erwähnten Ledersitze wohl auch dem einstmals gebräuchlichen Verkehrsmittel Kutsche zugeordnet werden können?
Hm?  -  
Beurteilen Sie das freundlicherweise jetzt einmal "so ganz für sich selbst".
Als da zum Ausdruck gebracht worden war:
-
Sie werden rot und rundum warm. 
Sie ruhen lustvoll Arm in Arm,
um Leidenschaften wild zu stillen, 
in unerforschten Zauberhüllen.
Erregt beginnt man bald zu schwitzen, 
mit bloßer Haut auf Ledersitzen.
Die aufgeblühte Jugendkraft, 
gleicht einem Pfirsich - voller Saft.
Verlangend suchen pralle Lippen, 
vereint am Kelch der Lust zu nippen.
Für fremde Blicke zu ertragen, 
denn alle Scheiben sind beschlagen.
Man hat dort keinerlei Bedenken,
so Leib und Seele zu verrenken.
Mit stetem Drängen, Zittern, Drücken, 
gestreckt das Bein, gekrümmt der Rücken,
gestaltet sich barockes Treiben,
als wolle man sich einverleiben!
Es sei verziehen, daß ins Kleine,
hier Liebeslust erniedrigt scheine.
Nein, Phantasie in höchsten Flügen, 
sie strengt sich an, dem zu genügen.
Spricht jemand vom Gedeihen der Sünden,
wird er solch Treiben gräßlich finden ...
Doch gilt es tunlichst zu beachten:
Enthaltsamkeit wird endlos schmachten!   -
-
Nun denn, da sei noch bemerkenswert erwähnt:
Siegmund Freud, der bekannte österreichische Neurologe, er verdeutlichte dereinst durchaus besorgniserregend: 
"Diese unausbleiblichen Folgen eines verdrängten Sexualtriebes!"
-
***  

Freitag, 11. Oktober 2019

Tja: "Politikverdrossenheit" - warum ?

Auch hinsichtlich dessen:
"Herrschen ist Unsinn.
Regieren ist Weisheit.
Man herrscht also, weil man nicht regieren kann!" 
so hat's der Johann Gottfried Seume zutreffend in Worte gefaßt.
-
Folglich war ich damals erfreut,
als im Internet der andere Dieter* in einer "Störsender-TV" benannten
Entlarvungs-Aktivität so auf- und wachrüttelnd zugegen war ... 
-
Dieter Hildebrandt, er starb am 20. November 2013.
"Das hätte er nicht tun sollen" hatte der Roger Willemsen
diese Schreckensnachricht betroffen zur Kenntnis genommen.
-
Regierungsvertreter:
Nun zeigt sich zunehmend Ernüchterung ...
Und zudem auch,
warum die Wahlbeteiligung immer geringer wird:
-
Da hat man vollauf nun genug,
von Reden, die als Selbstbetrug
nur Schall und Rauch verbreiten.
Da wird die Phrasendrescherei,
im staatsgelenkten Einerlei
doch nur Verdruß bereiten.
Begreiflich, daß des Bürgers Frust -
bei Wahlen zeitigt oft Verlust.
-
"Die Schwerenöter, sie ändern sich nie!
Interessenvertreter der Großindustrie",
so hört man's im Hintergrund murmeln.
-
Diesbezüglich soll noch ein Nachsatz klarstellend hinzugefügt werden:
Politikverdrossenheit ist es nicht, die hier hin und wieder schon zum Ausdruck gerät.
Nein, bekunden wir's zutreffender als "Politikerverdrossenheit",
wie es der Volker Pispers so angemessen zur Sprache gebracht hat.
Verdeutlicht wird dieser zunehmender Grimm durch eine oftmals zutage tretende unsympathische Melange aus der politischen Heuchelei, der Feigheit, dem Geltungsbedürfnis und dieser professionellen Unzulänglichkeit der Damen und Herren, durchtränkt von der anhaltenden Sorge abdanken zu müssen - und somit den Abmarsch in eine unerträgliche Bedeutungslosigkeit zu gewahren.
-
Bald kennt man die Weise und kennt auch den Text.
Man kennt ohnehin die Verfasser ...
Man weiß, sie trinken stets heimlich den Wein,
jedoch predigen öffentlich Wasser.
Wiederbelebt sind hier die einstmals von Heinrich Heine fabulierten Zeilen
"Deutschland. Ein Wintermärchen".
-
*