Mittwoch, 15. August 2018

So ganz und gar heimatverbunden:

Patriotismus - einst die französische Wortfindung für eine vaterländische Gesinnung, die stets auf einem starken Zugehörigkeitsgefühl zur Heimat ruht, tja - und gegebenenfalls bis zur Hingabe an ...
Was ich im September 1972 recht eigenwillig zu spüren bekommen habe, in Südfrankreich:
Damals, unterwegs auf einer Landstrasse in Richtung Aix-en-Provence, um später von dort aus Paris anzusteuern. -
Das Ende der Ortschaft Roquebrussane war soeben erreicht, als ich ihn rechtsseitig stehend winken sah, einen bäuerlich wirkenden alten Mann. Bereitwillig hielt ich drum an - und öffnete die Beifahrertür des Fahrzeugs. Im Rückspiegel sah ich ihn schlurfend herannahen. Bald darauf hatte er das Auto erreicht - und bat mich darum, mitfahren zu dürfen.
Er müsse wieder einmal nach Aix-en-Provence, um dort sein allmonatlich eintreffendes Rentengeld abzuholen, gab er mir zu verstehen. - Zunehmend füllte sich die Fahrgastzelle mit einem köstlichen Knoblauch-Odeur, als mein Fahrgast nun damit begonnen hatte, mir einige Etappen aus seinen Lebenserinnerungen zu erzählen. -
Bis hin zu dem Augenblick, da ein uniformierter, gebieterisch ausgestreckter Arm uns autoritär zum Anhalten zwang: "Ausweis und Fahrzeugpapiere, bitte!" fuhr er mich an, der hochnäsig herabblickende Flic. "Haben Sie Alkohol getrunken? Wenn ja, dann hauchen Sie mich jetzt einmal nachfühlbar an", erweiterte er sein unglücklicherweise von Rechts wegen beglaubigtes Anliegen. - "Nique sa mère", (zumTeufel mit ihm!) murmelte ich mißgestimmt, mich angsterfüllt daran erinnernd, daß noch vor einigen Stunden, im nächtlichen Beisammensein mit Freunden einige Flaschen Rotwein geleert worden waren. Dann tat ich jedoch wie geheißen. -
Hm? - Ohne ein Wort der gesetzmäßig zu erwartenden Entrüstung zu bezeugen, richtete er sich intensiv nachschnüffelnd auf, machte dann zackig kehrt, um gleich darauf dem im Polizeiauto sitzenden Kollegen über die gerade vollstreckten Nachforschungen Bericht zu erstatten: "Non, pas de probleme! Irrécusable un Cote du Rhone", hörte ich ihn deutlich verkünden, da ich noch immer, ängstlich aufhorchend, bei geöffnetem Fenster die Ohren spitzte. - Ja, und nach seinem Erlebnisbericht schwenkte er seltsamerweise stillvergnügt anmutend um, und näherte sich wohlwollend grinsend wieder dem Objekt seiner vorab so entschlossen in Angriff genommenen Spekulation, dem vermutlich alkololisierten Fahrer des Automobils: "Monsieur, es ist alles in Ordnung, dann weiterhin gute Fahrt!" gab er, mir freundlich zunickend, unbegreiflicherweise zu verstehen. -
Nur das fast wiehernde Gelächter des alten Mannes übertonte das sonore Brummen des Motors, als ich den Wagen erneut gestartet hatte, um eiligst davonzufahren.
"Das darf doch nicht wahr sein! Was war das denn soeben?" ließ ich kopfschüttelnd verlauten.
"Und was hat der uniformierte Staatsdiener damit gemeint, als er seinem Kollegen unter anderem noch: Einwandfrei Cote-du-Rhone! zugeraunt hat?" - Der Alte lehnte sich schmunzelnd zurück und legte dann los: "Oui, da ging es schlicht und ergreifend um Ihre alles spezifizierende Weinfahne, Monsieur!" - "Ja, das hab' ich an sich auch begriffen." - "Sie haben bisher noch gar nichts begriffen, das sehe ich Ihnen doch an!" prustete er daraufhin los. -
"Nein, nicht? Dann erklären Sie's mir doch 'mal etwas  genauer." -
"Das will ich gern tun, also: Wir sind hier ja bisher noch immer in einem Rhone-arrondissement ..." -
"Ja-ja, das ist mir inzwischen durchaus vertraut, mein Guter", unterbrach ich ihn lauernd. -
"Oui, inmitten einer der größten und sicherlich auch ertragreichsten Weinanbaugebiete! Es gibt aber in Frankreich noch andere Winzerbereiche - und zwischen ihnen tobt schon seit Jahrhunderten ein unversöhnlicher Wettstreit", klärte er mich gestenreich auf. -
"Schon möglich", brummte ich unwirsch. "Aber was - zum Teufel! - hat das mit mir und dieser ungewöhnlich verlaufenen Polizeivisitation zu tun?" -
"Oui, sehr viel, Monsieur! Dieser Beamte hat bei Ihnen anscheinend zufriedenstellend einen vorab erlebten Cote-du-Rhone-Genuß gerochen. Wie gesagt, wir sind hier im Rhone-distrikt! Hätte er etwas anderes erschnüffelt, wie, mon dieu! so beispielsweise einen Burgunder-Rotwein oder einen Bordeaux, dann wären Sie sicher fatal in Schwierigkeiten geraten! - Und noch schlimmer wäre es wohl für Sie verlaufen, wenn dieser heimatverbundene Beamte dann fassungslos einen Rotwein aus dem Elsaß hätte erschnuppern müssen. Mon dieu! Dann hätte ich nicht in Ihrer Haut stecken wollen", betonte er seine unheilschwangere Verdeutlichung. -
"Adieu! Portez-vous bien! - Vielleicht war dieses bedeutungsvolle Erlebnis ja auch eine lehrreiche Begegnung." rief er mir noch beachtenswert zu, als wir uns in Aix-en-Provence voneinander verabschiedeten ...
-
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Freitag, 10. August 2018

Traumhaft - so gut beieinander ...

Um auch dem so altgewohnten Geschehen letztlich doch
einen gefühlvoll erweiterten Stimulus angedeihen lassen zu können.
Tja ...
Und zunehmend nachdenklich gestimmt ergriffen,
steht mir im Verlauf dieser aufkommenden Besinnlichkeit
sogleich ein beglückendes Traumbild für diese restlichen Tage auf Erden
nun malerisch harmonisierend so wirklichkeitsnah vor Augen.
Und das folgendermaßen:
Nachmittage an einer südlichen Meeresküste - 
die hüllenlos inaktiven Füße ruhen entspannt im warmen Sand. 
Auf einem hölzernen, kunstlosen Tisch schimmert - fast goldfarben -
die Fülle einer soeben dem Kühlschrank entnommenen Flasche Weißwein; 
fühlbar wohl unzutreffend als "trocken" bezeichnet. -
Nun ja, so daseinsfreudig verweilen zu dürfen,
"das wird dann zum Prachtvollsten, was die Welt zu geben hat,"
derart - fast schon paradiesisch - so hat's der
 französische Schriftsteller Albert Camus dereinst bekundet.
*
Eine Erkenntnis ...
Ja, da wird es nun wieder einmal spürbar akzentuiert:
Mein wahrscheinlich mediterran geartetes Lebensethos verweilt wohl doch zeitlebens
recht untalentiert im leistungs- und karrierebetonten Arbeitsethos
einer derart ambitionierten Lebensgestaltung.
*
Wohlan, schon keimt da - aufs neue - ein "gnothi seauton". *
* "Erkenne dich selbst"
-
Ein (tadelnder) Nachtrag:
"ti krama!" (Wie schade!)
Fast schon betroffen machend ruft sie's mir auf der Insel Lesbos zu,
die griechische Lyrikerin Sappho:
"Um nach dem Tod ruhmlos umherzuirren -
als Schatten im Schwarm nichtiger Toten?"
Ach ...
"Ultra posse nemo obligatur", so habe ich's damals abweisend bekundet.
(Über das Können hinaus ist niemand verpflichtet.)
óchi ... (nein)
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Dienstag, 7. August 2018

Reisen - in unbekannte Länder ...


Neulich, im Riesengebirge:
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Nun ja ...
Im Landschafts-Bereich der Sudeten. - Geographisch betrachtet, im polnisch-tschechoslowakisches Grenzgebiet.
Und prähistorisch benannt nach einem einstmals dort heimischen und seit langem angeblich ausgestorbenen Geschlecht sehr großer und massiger Gestalten - in vorwiegend männlicher, jedoch hin und wieder auch sichtbar gewordener weiblicher Beschaffenheit. 
Im Hintergrund des oben verdeutlichten Geschehens, da präsentiert sich die 1600 Meter hohe, als "Schneekoppe" benannte Gebirgslandschaft. -
So viel entfaltend vorab ...
Die in der veranschaulichten Szenerie von der männlichen Person so leichthin und unerschrocken in Abrede gestellten Teufel, sie sind wohl im dortigen Moor tatsächlich nicht mehr präsent, wie es vor kurzem der in Worpswede lebende 96-jährige Ethnologe Horst-Eberhardt W. auf unsere diesbezügliche Anfrage glaubhaft versichert hat. - Der letzte Vertreter dieser "Verderbtheit" oder auch "Verkörperung des Bösen" sei ein harmloser und friedfertiger Sonderling gewesen - und bereits 1945, noch kurz vor Beendigung der Flächenbombardements im "Zweiten Weltkrieg", durch eine offenbar fehlgeleitete Bombe der diese ländliche Region anhaltend überfliegenden britischen Kampfflugzeuge, am Rande des Teufelsmoores todbringend verletzt - und dort bis zur Unkenntlichkeit zuschanden gekommen. Schon bald darauf jedoch von einem in dieser Gemarkung lustwandelnden Worpsweder Maler erschrocken haltmachend aufgefunden worden ... 
Da sei als Schlußfolgerung nun doch noch weitherzig hinzugefügt: 
"De mortuis nil nisi bene" - (Über die Toten nur Gutes), rief, in einer zeitgemäß vergleichbaren Situation, dereinst so gutgesinnt der griechische Denker Diogenes Laertius.
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Samstag, 4. August 2018

Diese "Windhose" bereitete Beunruhigung ...

Neulich, in Amerika,
in Washington-D.C.:
Der weltweit oftmals als doch recht fragwürdig in Erscheinung tretende amerikanische Präsident Trump, er zeigte sich sichtbar wenig erfreut, als im Fernsehen, nach einer eindringlich gesendeten Hurrikan-Warnung, sich hernach der einstmals namhaft gewordene Modezar Charles Storefield via T.V. diesbezüglich so unpassend mit dem Hinweis: "Nun bedenken Sie aber bitte unbedingt, daß so eine Windhose keinesfalls als ein sturmerprobtes Beinkleid zu gewahren sein sollte", schmunzelnd zu Wort meldete.  -
Ach ja:
Die "Windhose", nachfolgend jetzt doch einmal als eine ironisierende Anspielung zweckentfremdet: Unheilverkündend - so alles in allem ...
Darum sei hier bedeutungsvoll zu spüren gegeben:
Yes, es präsidiert da zur Zeit, sich oftmals selbstsüchtig aufplusternd, ein amerikanischer Politiker ***, der die unanzweifelbare globale Erwärmung lauthals hoffnungsvoll leugnet - und den Schutz der Natur, stets auf den eigenen Vorteil bedacht, nun rücksichtslos als ein "Affentheater" bezeichnet.
Denn das alles wirkt ja beunruhigend lästig, fast schon zugrunde richtend seinen Bereicherungs-Interessen entgegen. -
Und da wird man als Präsident wohl durchaus beeinflussen dürfen!
Hochtrabend, sei da nun doch noch hinzugefügt:
Ave trump, lucrifacturi te salutant! 
Was gleichgestimmt meint:
Sei gegrüßt Trump, (alle) die sich bereichern wollen, grüßen dich!
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*** Ach ja, in einem schlechterdings vergleichbaren Zusammenhang, da sprach der französische Journalist Octave Mirbeau dereinst einmal deutlich von einer "selbstgefälligen Unfähigkeit".
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Montag, 23. Juli 2018

Ebbe und Flut ...

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Dieser beachtenswerte Rhythmus der Gezeiten:
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Ach ja, 
da hatten sie, schon bereits zwei Monate zuvor, auf der Müritz, einem Wasserweg im Herzen der Mecklenburgischen Seenplatte, sich wieder einmal für einige reizvolle Tage ein Hausboot gemietet: 
Die Ingelore und der Karl-Heinz aus Wanne-Eickel ... 
Ein unvergessenes Reise-Erlebnis. - 
Jedoch offenbar dermaßen anregend Spuren hinterlassend, daß Karl-Heinz nun träumerisch in diese vor kurzem erlebte Boots-Beglückung hinein recht wirklichkeitsfremd entfleuchte ...  
Und das (unglücklicherweise) inmitten eines noch schläfrigen, sich so gedankenverloren entfaltendem Erwachen am ersten Urlaubstag - an der dem Tidenhub seit Urzeiten naturverbunden preisgegebenen Nordseeküste im nördlichen Dänemark. -
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"Auch können plötzlich die Gezeiten, ganz unverhofft Verdruß bereiten", hatte schon Schiller gemutmaßt, als der Freund Goethe eine Reise in nordische Küstenregionen zu tun gedachte. 
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Zur Erläuterung "all dessen": In Dänemark darf man mit dem Auto an den Stränden der Nordseeküste fahren.
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Dienstag, 10. Juli 2018

Naturverbunden ... ?

Unser einsam gelegenes, uraltes Bauerngehöft, umgeben von einer Park-ähnlichen Landschaft, ist auch ein Paradies für viele der kleinen gefiederten Wirbeltiere, kurzum Vögel genannt. -
Im Herbst, Winter und im Frühjahr von Ulrike "zusätzlich" mit Futter versorgt, sind die meisten der kleinen Flug-Akrobaten nun heimisch geworden. Einschließlich Nestbau und Aufzucht des Nachwuchses. -
Wenn ich die Nesthäkchen des öfteren beim speisen beobachte, dann bin ich zuweilen versucht darauf hinzuweisen:
"Ihr sollt nicht so raffgierig schlingen, nein! Erst einmal vorab alles lustvoll zerkauen und dann vorsichtig hinunterschlucken!" -
Ein befreundeter Ornithologe hat mir nun ernsthaft geraten:
" Ich solle mich da nicht einmischen!"
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Mittwoch, 4. Juli 2018

"Onkel Alfred" - und der NOBELPREIS ...

Immerhin:
Eine seit 1901 jährlich weltweit lobpreisende Auszeichnung.
Und hier sei nun doch einmal entschleiernd zur Sprache gebracht, was sich in Schweden hinsichtlich dessen dereinst so bedeutungsvoll zugetragen haben soll:
Nun, es ergab sich im Juni 2007; als ich auf einem Fährschiff, das uns von Frederikshavn nach Göteborg bringen sollte, rein zufällig mit einem bärtigen Mann älteren Jahrgangs in eine sich bald darauf aufschlußreich darbietende Plauderei hineingeraten war. - Per-Olof Eriksson, so nannte er sich, mein damals schon bald darauf so mitteilsam in Erscheinung tretender Gesprächspartner. -
Beeindruckt nahm ich im Laufe der Unterhaltung zur Kenntnis, daß er, Per-Olof, als ein entfernt einzuordnender Verwandter der Familie Nobel zu gewärtigen sei. - "Seine liebevoll gepflegte Zuneigung zur Spirituose Aquavit habe jedoch bewirkt, daß er den seriösen Überzeugungen dieser ehrenwerten Familie nicht mehr genügen konnte - und somit als gesellschaftlich unmöglich zu ächten sei. Der sich zeitlebens distinguiert in Szene setzende Familien-Clan hätte selbstherrlich als not amuset reagiert, wollte sogleich wohl auch die Spreu vom Weizen trennen - und man sei nun entfremdet", so gab mir Per-Olof schmunzelnd seinen Rausschmiß aus der feinen Sippschaft zu verstehen. -
"In Lidingö sei er 1928 zur Welt gekommen. - Den Onkel Alfred habe er jedoch nicht mehr leibhaftig erlebt, da dieser bereits 1896 im italienischen Küstenort San Remo das Irdische mit dem Zeitlichen habe eintauschen müssen! - Ob ich denn überhaupt wüßte, wer dieser "Onkel Alfred" einstmals gewesen sei?" forschte er stillvergnügt nach. -
Hm? - War damit etwa der Alfred Nobel, jener schwedische Ingenieur gemeint? bedachte ich's zweifelnd. Und hochtrabend hier von ihm so ungeniert in eine verwandtschaftliche Zugehörigkeit hineinprogammiert worden? Als sein Onkel Alfred! - Der am 21. Oktober 1833 in Stockholm geborene - und am 10. Dezember 1896 im damals zumeist vom Geldadel besuchten San Remo verstorbene Erfinder von einem per Zufall spleenig in Erscheinung tretenden Per-Olof selbstbesessen und schwelgerisch als Blutsverwandtschaft in Szene gesetzt? - Eine wohl doch als fragwürdig zu betrachtende Offenbarung ... -
Wenn's aber dennoch als zutreffend zu gewahren sein sollte, dann war es ja sein Onkel, der 1863, damals noch in Stockholm, das hernach oftmals welterschütternde Dynamit erfunden hatte, so zog ich's nun erst einmal aufgeschlossen in Betracht.  -
"Jou, Du wirst es vermutlich kaum glauben", meldete sich Per-Olof dann wieder zu Wort.
"Na-ja, ich hege da noch Bedenken", gab ich verhalten zu spüren.
Was dann sogleich ein übelnehmerisches Naserümpfen zur Folge hatte ...
"Sieh an: Er zweifelt! Ich lasse hier - nur weil Du mir anfangs als sympathisch erschienen bist -, so offenherzig meinen Gefühlen einen freien Lauf, öffne vertrauensselig die Familien-Schleusen mit all den modrigen Untiefen meiner Herkunft - und er hegt Bedenken! Zögert, ob er mir Glauben schenken kann! Soll ich nun eidesstattlich versichern ..."
"Nein-nein!" fiel ich ihm abwinkend ins Wort. "Verzeih mir, aber ich war wohl soeben unheilverkündend beinahe am Rande eines Abgrunds!"
"Aha! - Und was soll das besagen?" fragte er nach.
"Nun, zwangsläufig gibt es da einen bedrohlichen Anknüpfungspunkt: Da hätten wir nun den Onkel Alfred Nobel - und mithin, unheilschwanger aufblitzend, diesen verheerenden Sprengstoff Dynamit ..."
"Hast Du's nun endlich herausgefunden? Hat sich für Dich jetzt alles zusammengereimt?" fuhr er mich spitzzüngig an. - "Vortrefflich! - Das schafft immerhin die Voraussetzung dafür, daß wir nun doch des weiteren auf den spannungsgeladenen Spuren meiner Sippschaft verbleiben können. - Also: Hättest Du es tatsächlich für möglich gehalten, daß die Erfindung des Dynamits einem sich eigenwillig zugetragenen Zufall zu verdanken ist?" betonte Per-Olof todernst den Auftakt seiner Enthüllungsgeschichte.
"Einem Zufall?" horchte ich erwartungsvoll auf.
"Allerdings! - Bezweifelst Du das?" knurrte er mich argwöhnend an.
"Nein-nein! Denn mancherlei ist ja wahrscheinlich doch nur rein zufällig entstanden", wandte ich denkbar ein. "Auch Du und ich, wir sind wohl der Gunst oder auch Ungunst der jeweiligen ..."
"He, Mann, Du nervst mich!" wurde ich unwirsch unterbrochen.
"Doch dieses dereinst zufällig erschaffene, hochexplosive Produkt, dessen geheimnisumwitterte Entstehung ich jetzt ausnahmsweise Dir hier entschleiern werde, hatte ja eines unguten Tages einen peinlichen Schlußakkord aufzuweisen!"
Erstaunt blickte ich auf. "Hm? Ausnahmsweise mir willst Du jetzt davon berichten, daß die Erfindung des Dynamits dereinst einer aleatorisch stattgefundenen Begebenheit zu verdanken ist?"
"Nun red' mal nicht so geschwollen daher, ja!" wurde ich angeblafft. "Mach Dich mal fix auf den Weg zum Duty-free-shop! Dort holst Du mir eine Flasche Aquavit, okay? - Als stimulierenden Beistand, damit ich dann anschaulicher zurückblicken kann." -
O heilige Birgitta von Vadstena! - Urplötzlich sollte hier nun der Alfred Nobel als abgründig düster Gestalt annehmen? -  Solch eine sensationelle Story hatte ich ganz gewiß nicht erwartet, als ich mir vor kurzem diese Reise nach Schweden zum Ziel gesetzt hatte, um vor Ort eventuell so einiges über den einstmals angeblich so selbstquälerisch empfundenen Bekenntnisdrang des schwedischen Romanciers August Strindberg zu erkunden ... -
Aufgewühlt sauste ich los, um dann zehn Minuten später mit der zuvor eingeforderten Flasche Aquavit wieder im Aufenthaltsraum des Fährdampfers zu erscheinen. "Gläser dafür waren dort leider nicht zu erwerben", gab ich Per-Olof zu verstehen.
"Gib schon her, ich brauche kein Glas!" ließ er mich wissen - riß mir die Flasche aus der Hand, öffnete den Verschluß - und gluckernd flutete der Inhalt, nun hoffentlich hilfreich für eine Geheimnisse lüftende Darlegung, trinkfreudig seine Kehle hinab. -
Nun, eingedenk dessen betrachtete ich's jedoch als gegeben, daß mir ein hochgestimmter Trunkenbold gleich eine unglaubliche Geschichte zum besten geben würde.
"Jetzt hör' mir 'mal gut zu, ja?" wurde ich vorab ermahnt: "Weltweit ruft es noch immer Bewunderung hervor, wenn wieder einmal jemand mit einem Nobelpreis ausgezeichnet worden ist! - Das leitet Prestige in die Wege und allerhand Bares auf's Konto! - Aber wie es dereinst dazu gekommen ist, daß solch eine Lobpreisung Wirklichkeit werden konnte, das weißt Du sicherlich ganz bestimmt nicht! - Denn in dieses durchaus geheimnisumwitterte Ereignis sind ja bisher nur ganz wenige, ausschließlich die vom Familienclan als absolut charakterfest und auch vertrauenswürdig einzuschätzenden Personen eingeweiht worden!"
"Oh! - Darin bist demnach auch Du willkommen geheißen worden?" horchte ich tief beeindruckt auf. - Erwartungsvoll auf meinem plastikbespannten Sitzmöbel herumrutschend, wollte ich jetzt unbedingt herausbekommen, was sich da einstmals so spektakulär ereignet hatte: "Per-Olof, ein Vorschlag zur Güte: Im Duty-free-shop sah ich vorhin noch acht Flaschen Aquavit im Regal stehen! Und ich bin unverzüglich gern bereit, für ..."
"He! Für wen oder was hältst Du mich?" raunzte er mich aufgebracht an. "Sehe ich in Deinen Augen aus wie ein erbarmungswürdiger Saufbruder?"
"Nein! - Aber ich würde doch gern dahinterkommem - äh - stichhaltig auf dem laufenden sein ..."
"Nun beruhige Dich erst einmal - ja? - Denn alles wird - das versteht sich von selbst -, korrekt und gesittet der Reihe nach entschleiert." Und wie nach innen gerichtet, nahm er sogleich bedeutungsvoll Haltung an: "Nun ja, da denke ich jetzt geschlossenen Auges zurück ... Und finde mich ein auf dem Hintergrund einer wahrlich turbulenten Epoche!" brach es pathetisch aus ihm heraus. "Und wer ist dort wirklichkeitsnah zugegen? Fürwahr: Der unruhige Forschergeist Alfred Nobel! - Als Jüngling war mir zu Ohren gekommen, daß Onkel Alfred im März 1863 in Stockholm die fünfundzwanzig Jahre jüngere, einst bildschöne Inga Engstroem kennengelernt hatte. - Und angeblich leidenschaftlich ergriffen, soll er dieser Dame sofort einen Heiratsantrag gemacht haben!"
"Eine etwas leichtsinnig vom Stapel gelassene Gefühlsduselei!" mußte ich unbedingt anmerken.
"So kann man's wohl wahrlich bewerten", erhärtete Per-Olof meine Bedenken. "Und holterdipolter ist dieses Mädel dann wohlüberlegt bei ihm eingezogen, in sein pompöses Domizil, am exklusiven Stadtrand von Stockholm."
"Auch das noch!" konnte ich nicht umhin zu bekunden.
"Wohl wahr!" nickte Per-Olof mir zu. "Wie Du es vermutlich schon ahnst, war diese Liaison nicht von Bestand: Denn Inga entpuppte sich baldigst als einfältig, kindisch und aufsässig. - Der Onkel Alfred hatte in Kürze die Nase gestrichen voll, wie man so sagt. Und hat dann mißgestimmt versucht, dieses unleidliche Zuhause in einem berüchtigten Stockholmer Nachtlokal zumindest für einige Stunden aus dem gedemütigten Bewußtsein zu verbannen."
"Bejammernswert ... Und dann?" forschte ich sensationslüstern lauernd.
"Ist alles gescheitert - in die Brüche gegangen!" betonte er's grinsend.
Unruhig ausharrend, tippte ich ihn nun erwartungsvoll an: "Per-Olof, in etwa vierzig Minuten haben wir Göteborg erreicht! Spann mich nicht länger auf die Folter. - Was geschah dann?"
"Nun, der Onkel Alfred stand eines Abends, zu vorgerückter Stunde, angeblich leicht alkoholisiert vor der Haustür seines Palais. Die Inga war zwar im Haus; hatte aber, gereizt und zunehmend verdrossen, die Tür zum vordem doch so familiären Daheim anscheinend beinahe bollwerkartig verbarrikadiert!"
"Mein Gott! Ich ahne das Schlimmste, der Untergang des Hauses Nobel!" brach es beeinflußt aus mir heraus, da sich ein beinahe vergleichbares, dereinst von Edgar Ellen Poe beschriebenes Geschehen spontan vor meinem geistigen Auge beunruhigend verlebendigte.
"Da bist Du jetzt ziemlich nah dran!" erhärtete Per-Olof mein visionäres Empfinden. "Denn der Onkel Alfred hat daraufhin zornig kehrtgemacht, ist wutschnaubend in sein Chemielabor gestolpert - und hat dort sogleich 75% Nitroglyzerin und 24,5% Kieselgur mit 0,5% Soda zusammengemixt ..."
"Nein!!" unterbrach ich ihn aufstöhnend.
"... und ist dann gleich darauf mit diesem hochexplosiven Gemisch", erzählte er jedoch unabgelenkt weiter, "das später als sogenanntes Dynamit ja welterschütternd Furore gemacht hat, nun stockwütend zur kaltschnäuzig verrammelten Haustür marschiert!"
Mir stockte der Atem ... "Ein unbeherrscht aufloderndes Gebaren!" wandte ich baß erstaunt ein.
Kopfnickend wurde mir zugestimmt.
Bestürzt forschte ich weiter: "Mein Gott! Unglaublich ... Das hatte doch todsicher schreckliche, katastrophale Folgen?"
"Beileibe, das auch - und später ja weltenweit durchaus bedeutsame!" ließ er's gewichtig anschwellen.
"Weltweit bedeutsame?" murmelte ich, bisher noch uneingeweiht ...
"In der Tat!" nickte Per-Olof mir zu. "Denn unser an und für sich stets mildtätig zu gewärtigender Onkel Alfred, er hat ja bald darauf sein so heißblütig zum Ausdruck geratenes Handeln bitter bereut! - Und die zwangsläufig aufkeimenden Gewissensbisse haben wahrscheinlich so viel bewirkt, daß er vor seinem Ableben in San Remo noch testamentarisch angeordnet hat, daß ab 1901 ein finanziell hochdotierter Preis den wirklich herausragenden Persönlichkeiten des jeweiligen Zeitgeschehens aufhorchen lassend zur Ehre gereichen sollte!" -
Unglaublich! - Noch immer hochgradig ergriffen, schaute ich nachdenklich zu ihm auf: Der Onkel Alfred! - Und die dank seiner Existenz dereinst so beeindruckende Entstehung des ja noch immer weltweit tosenden Beifall hervorrufenden praemium Nobelianum - !          -
In der Zwischenzeit hatten wir den dichtbevölkerten, rundum mit Lärm erfüllten Aufenthaltsraum des Fährdampfers verlassen - und standen nun fröstelnd im Außenbereich an der Reling ...
Per-Olof nahm einen aufmunternden Schluck aus der inzwischen inhaltlich fast zur Neige gegangenen Aquavit-Flasche. - Kreischend und freßlüstern lauernd, begleiteten uns nun auch zahlreiche Möwen, als mein Reisegefährte sich aufs neue zu Wort meldete: "Ach ja, es gab auch schon namhafte Personen, die diesen Preis abgelehnt haben!"
"Wahrhaftig! - Und das bleibt ja auch unvergessen", pflichtete ich ihm kopfnickend bei. "Denn bereits 1964 verweigerte der französische Philosoph und Schriftsteller Jean-Paul Sartre - warum auch immer? - diese Belobigung seiner Person durch eine derartige Glorifizierung."
"Naja, vielleicht war der Franzose nicht ausreichend genug selbstverliebt?" mutmaßte Per-Olof nüchtern. - Um gleich darauf noch schelmisch hinzuzufügen, daß immerhin vor einigen Jahren dieser prominente deutsche Schriftsteller solch eine Auszeichnung als eine unzumutbare Gewissensqual demonstrativ von sich gewiesen habe!"
Diesbezüglich erstaunt, blickte ich ihn daraufhin neugierig geworden an: "Das ist eigentlich schwer vorstellbar ... Wer sollte das denn gewesen sein?"
"Den Namen des Mannes habe ich leider vergessen." rief er mir zu -  ein kraftvoller Wind beeinträchtigte unseren Plausch. "Hm? - Gleichlautend ist es in Deutschland die Bezeichnung für diese Feld- und Wiesenpflanzen!" versuchte er's zu verdeutlichen.
"Du sprichst in Rätseln, Per-Olof."
"Ernsthaft? - Vielleicht erinnerst Du dich aber daran, daß damals viele Zeitungen und Zeitschriften diese schriftlich formulierte Verweigerung des Autors ja veröffentlicht haben - nein, nicht?"
"Nee, eigentlich nicht ..."
"Das nehme ich Dir nicht ab!" wurde ich angeblafft. "Aber wenn es tatsächlich so sein sollte, dann spitz jetzt einmal sensationslüstern die Ohren! Also: Verwundert nahm unser Stockholmer-Nobelpreis-Komitee dereinst diese schriftlich übermittelte Verweigerung des besagten Romanciers zur Kenntnis; in welcher geharnischt zum Ausdruck gegeben worden war, daß solch ein Preis, derart grässlich und auch beunruhigend beseelt mit dem höllischen Brandmal einer zerstörerischen Inhumanität, für ihn bedauerlicherweise als absolut unzumutbar zu gewärtigen sei. - C'est un Désagrèment, Monseigneur! Ja, mit genau diesen Worten endete die ablehnende Aussage des Herrn G.", betonte Per-Olof den Ausklang seiner aufschlußreichen Rückschau.
"Ach, die Unannehmlichkeit war damit gemeint, kosmopolitisch verfeinert", erklärte ich's grinsend. "Der Autor ist wahrscheinlich ein Kosmopolit - die dereinst vom griechischen Philosophen Diogenes so wirkungsvoll schmückend geprägte Bezeichnung für Weltbürger."
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Wir waren gerade in Göteborg angekommen, hatten die Gangway des Schiffes soeben verlassen, als sich - auf der Anlegestelle des Fährschiffes -, Per-Olof nun überraschend fast schon bedrohlich vor mir in Stellung brachte: "Du bist - wie Du's erwähnt hast - ein freiberuflich tätiger Journalist! Und trotzdem warst Du mir durchaus sympathisch, das habe ich ja bereits zu spüren gegeben. Aber solltest Du jemals dreist und unverfroren all die von mir so offenherzig zur Sprache gebrachten familialen Begebenheiten in einer Deiner stets klatschsüchtigen Zeitschriften veröffentlichen, jou, dann mach Dich auf etwas gefaßt! - Was immer Du tust, Du wirst es bitter bereuen!" wurde ich, à la Sokrates, gleich einem Schierlingsbecher, schlußendlich noch sehr eindringlich unter Druck gesetzt. "Zumindest trennen sich dann endgültig unsere Wege!" gab er mir auch noch deutlich zu verstehen. -
Hernach trennten sich dann tatsächlich unsere Wege ...
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Postskriptum:
Nachdenklich gestimmt, lag ich jedoch noch stundenlang wach, im Bett eines zweitklassigen Hotels in der Innenstadt von Göteborg.   -
-
***
    

Montag, 25. Juni 2018

William Shakespeare: "Hamlet" hingebungsvoll spleenig in Szene gesetzt.

Damals - in Berlin.
Yes ...
Vor 450 Jahren wurde er dereinst geboren, der englische Dramatiker ...
"Shakespeare läßt ja alles mit sich machen. Er kann sich nicht wehren", so hat's Tobias Döring, der Präsident der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft kritisierend zum Ausdruck gebracht.
Tja, und auf diesen stets so leichtfüßig begehbaren Trampelpfaden des "hinnehmen müssen" und "heimgesucht werden", da sei auch die folgende Begebenheit als erheiternd nachzuempfinden:
Well: In all seinen Bühnenwerken verknüpfen sich ja dichterische Einbildungskraft, Bildhaftigkeit und zudem eine großartige Vielfalt der theatralischen Rhetorik - bis hin zur grotesken Komik ...
An einem Nachmittag im Oktober 1982, als im Theater Am Halleschen Ufer der Hamlet einstudiert wurde, durfte ich nun ergötzlich miterleben, wie man sprachlich all das `mal recht übermütig und schalkhaft gelungen so eigenwillig in Szene zu setzten vermag.
Zwei Schauspieler agierten dort blödelnd auf der Bühne herum; der eine als Dänenprinz Hamlet und der andere als dessen Freund Horatio. - Was dabei so übermütig zum Ausdruck geraten ist, das möchte ich hier noch einmal rückblickend anschaulich machen:
"Oh, seid gegrüßt, mein Prinz! - Ihr schaut recht trübe drein. - Was ist Euch heuer denn so unerfreulich widerfahren?"
"Arglistiges, Horatio! - Die Luft zieht schneidend scharf durch unsere Berliner Gassen. Und gleichfalls ist's, wie es mir scheint, outdors now empfindlich kalt geworden."
"By God, ist's schikanierend das allein, was Euch nun hier so sauertöpfisch aufmarschieren läßt, mein werter Prinz?"
"Nicht nur, Horatio! Wie ekel schal und unersprießlich, scheint mir das ganze Treiben dieser depravierten Welt! Gleich einem arg verwahrlost' Garten; in welchem binnen kurzem üppig wuchernd Unkraut wird wohl zügellos gen Himmel treiben ... Fuck of, drum laß er mich nicht länger diesbezüglich spintisieren!"
"Fürwahr, mein Prinz! - Denkbar ist's, daß Ihr da halbwegs richtigliegen könntet. - Was mich jedoch in hohem Maß befremdet, das prunkt so unvereinbar deplaciert an Eurem Arm!"
"Aha! - Was gilt es da nun uneinsichtig stur an mir zu tadeln? - So leg er ohne Zwang jetzt unverzüglich  los, gleich frank und frei heraus damit!"
"Ach, letztendlich eigentlich wohl nur das eine: So solltet Ihr jetzt schlechterdings nicht angestiefelt kommen, da solch ein Kaschmirkinder-Machwerk ja zu Williams Zeiten nie gesehen ward. Drum legt nun erst einmal die prahlerische Rolex ab. - Denn das, was prunkgesüchtig Ihr so eitel da zur Schau stellt, ist zeitbezogen hier gewiß als übermütig zu gewahren, gnädger Herr!"
"Halt ein, Horatio! Und laß Dir unumstößlich sagen: Zweifel an der Sonne Klarheit, zweifel an der Sterne Licht. Zweifel häufig an der Wahrheit, jedoch an meiner Rolex nicht! - Drum sei's nun stracks als unabänderlich, auch hier in diesem Rampenlicht besiegelt."
"Sorry, but I dont like this bracelet-watch ... Erfüllt der Geltungsdrang Euch gänzlich? - Mein Prinz, das ängstigt mich!"
"Oha, da blickt er folglich unverzüglich finster ins Spektakel! - Wohlan, dann nehme er nun possenhaft zur Kenntnis: Dies Kleinod ist mir lieb und teuer - und sein Genörgel stößt bei mir auf taube Ohren - my dear Horatio!"
"Okay, mein Fürst, let me conclude: Mit oder ohne? Das ist de facto zu erfragen. - Ob edler die Gestalt, wenn nackt der Arm sich zeiget, ganz ohne diesen Zeitbestimmer? - Nur scheint's, daß dies für Euch undenkbar? - Yes, so wird's wohl baldigst unvereinbar prompt zu einer Last, mein edler Prinz."
"Fürwahr? - Dann schenk er mir nun flugs Gehör: Die güldene Uhr, sie war dereinst des Yoricks treuer Stundenweiser; jahraus, jahrein, als vormals er ein Günstling war bei Hofe! - And now sei außerdem hier noch per Ratio beschworen: Es gibt gar wohl mehr Ding' im Himmel und auf Erden, als all die wunderliche Schulweisheit sich's so uneinsichtig selbstbesessen oftmals gern erträumt - my stupid friend Horatio!" - 
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Leider wurde der kurzweilige, dermaßen vergnüglich und geistreich ins Unreine getriebene Dialog dann durch den urplötzlich auftauchenden - und freundlich protestierenden Regisseur Klaus Michael G. Einhalt gebietend beendet ...
Damals, in Berlin, im Theater Am Halleschen Ufer. -
Als Autor sei's mit erlaubt noch hinzuzufügen: Es ist immer wieder erfreulich, wie wohl auch vielversprechend: " in sich das zarte Wirken der Sprache zu vernehmen". So hat es der Philosoph und Schriftsteller NOVALIS zutreffend einmal zum Ausdruck gegeben. - Wohl wahr!
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Samstag, 23. Juni 2018

Hund und Herrchen - zutiefst gefühlsbetont ...

Ja, denn seit anno 7000 vor Christi ist er nun schon das älteste Haustier des Menschen: Der Haushund - oder: Canis familiaris, wie ihn die Lateiner dereinst schon liebevoll kumpelhaft benannt haben.
Und möglicherweise ist die in der nachfolgenden, beinahe unglaublichen Geschichte zutage tretende Mißstimmung demnächst ein gefundenes Fressen für all die komplexen Betrachtungen in den unendlichen Reichweiten der Kynologie, dieser aufschlußreich deutlich machenden Wissenschaft von den zumeist so warmherzig umsorgten Haushunden:
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Da hatte er, seit knapp zwei Wochen,
mit seinem Hund kein Wort gesprochen.
Trotz vieler Tränen und auch betteln,
verständigt wurde sich mit Zetteln.
Er schrieb dem Hund auf einem Blatt: 
Ich hab' das alles hier so satt!
Auf einem anderen stand geschrieben:
Wie konnte ich dich jemals lieben?
Am Mittwochmorgen dann der Bogen: 
Du hast mich pausenlos belogen!
So ging das weiter, viele Tage -
bis daß der Hund dann diese Frage:
Kannst Du mir aus zwei Rinderknochen,
eine starke Brühe kochen?
beherzt auf einen Zettel fetzte.
Was Herrchen wiederum verletzte. -
Er sei als Mensch ein Erbsenzähler,
so selbstverliebt und ohne Fehler.
Das war noch deutlich unterstrichen -
dann ist er still davongeschlichen ...
Der Canis familiaris.
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Tja, und vorstellbar ist's, daß da irgend jemand fast schon bemitleidenswert schwermütig dasitzt, weil er nun urplötzlich in eine ähnlich schwerwiegende Situation hineingeraten ist.
Nein - niemals?
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Montag, 18. Juni 2018

Namhaft, berühmt und bewundert ...

Ja - gleichwohl,
sich dennoch ein sogenanntes Pseudonym sachdienlich zunutze machen zu wollen, das genießt nach § 12 des BGB immerhin ganz und gar Rechtsschutz - und ist seit dem sechzehnten Jahrhundert weltweit zu einem literarischen Trend gediehen.
Wir erinnern uns sogleich an: Moliere, Novalis, Lenau, Stendhal, Mark Twain, Maxim Gorkij, Arsinoe, Tarzan, Micky-Mouse und einige andere inzwischen namhaft gewordene Persönlichkeiten.
Ja - und beachtenswert ist immerhin, daß da in Annäherung an diese als brauchbar erwähnte Maskierung es wohl nicht so ganz auszuschließen ist, daß sich bereits vor etwa 235 Jahren, vermutlich 1785, ein gewisser Wolfgang Amadeus Mozart in der österreichischen Stadt Wien dereinst auch einer solchen Tarnung bedient hat, um diese verlockend köstlichen, beinahe weltweit erhältlichen Schokoladenkugeln unbedingt schon zu seiner Zeit als unendlich gewinnbringend kommerzialisieren zu können ...
Die Mozart-Kugeln!
Denkbar ist's allemal - wir wissen es aber leider nicht so verbürgt. -
"Nomen est omen“, das verdeutlichte schon einstmals bedeutungsvoll der Titus Maccius Plautus, ein römischer Lustspieldichter aus Umbrien in seinen bereits 170 Jahre v. Chr. als „Persa“ publik gewordenen Schriften. Was ja mithin besagt, daß in der Namensgebung unglücklicherweise auch eine nicht immer Erfolg versprechende Vorbedeutung mitenthalten sein könnte.
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Informativ und wohl auch beachtenswert, ist folglich ein erst vor kurzem in einer stadtbekannten Berliner Weinstube belauschtes Zwiegespräch zu beherzigen:
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„Oh! Sie heißen wirklich Goethe?
Bringt das nicht gewisse Nöte, wenn man, trotz der späten Stunden,
noch immer keinen Reim gefunden?“
„Nein, ich kann mich nicht beklagen!
Denn an milden Sommertagen, ist mir - völlig ungezwungen -
oftmals Reim auf Reim gelungen!
Um meinen Onkel, Karlchen Kant, der einst das Wortgefecht erfand,
wurde es, wie bei Bernd Schiller, schon seit Wochen merklich stiller.
Ja, und der Harald Hölderlin, der hatte neulich, wie mir schien,
hier, wie auch an anderen Orten, sehr viel Kummer mit den Worten!
Letztlich wird es wenig sagen, daß wir große Namen tragen ...
Erwähnt sei da auch meine Tante,
die sich einst dummdreist Puschkin nannte!
Diese Frau hat, ungehobelt, oft literarisch ‘rumgeknobelt,
ob man nicht, wie auch Fontane, Tiergeschichten und Romane ...
Summarisch ging das voll daneben, 
denn ihr textverwirrtes Streben formte keinerlei Akzente!
Und wortlos ging sie dann in Rente."
"Ach ja, da ist man wohl überaus geltungsbedürftig!
Hm, als bisher namenloser Mann, bin ich da bisher besser dran," das ließ er letztlich verlauten, der einem bekannten Literaturkritiker fast zum verwechseln ähnliche Weinstuben-Gast. 
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Erstaunt, amüsiert und ergriffen, verließen wir bald darauf schmunzelnd diese fabulierfreudig anmutende Destille. - Und urplötzlich begann nun mein Freund, der Geschichtsforscher Gavrilos schwärmerisch trunken einen reizvollen Absatz aus Puschkins Roman in Versen „Eugen Onegin“ zu deklamieren: „Der Chor der Dichter zischt und kräht, - Gott nein, wie doch die Zeit vergeht!“ so tönte es damals - auf dem Weg zur Einkehr in den Bannkreis der "Kulturkneipe Zwiebelfisch" am Savignyplatz - laut und gewichtig in das nächtliche Berliner Treiben hinein ...
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Freitag, 15. Juni 2018

Eine (erfolglose?) väterliche Belehrung ...

Ja, so war's zu vernehmen ...
Und das nachfolgend beschriebene Erlebnis hat sich bereits im letzten Jahr, im Monat September in Oudekerk, dem holländischen Städtchen an der Amstel abgespielt. -
Da mir der herzenswarme Bannkreis der Familie damals davon abgeraten hatte, diese Begebenheit je zu veröffentlichen, auch Takt und Seriosität wurden bedenklich angemahnt, habe ich daraufhin monatelang gezögert, das seinerzeit miterlebte Geschehen stillvergnügt auszuposaunen. -
"Homo sum: humani nil a me alienum puto - Ich bin ein Mensch: nichts Menschliches ist mir fremd", hat er einstmals lebensklug ausgerufen, der römische Dichter Publius Terentius, genannt Terenz ...
Und eingedenk dessen, will ich's nun doch nicht für mich behalten, das damalige Ereignis:
Wie bereits schon in vielen Jahren zuvor, waren wir wieder einmal mit der Motoryacht Popeye auf den holländischen Wasserstraßen unterwegs - und in der bereits oben erwähnten Ortschaft Oudekerk abends vor Anker gegangen. - Neben uns hatte ein deutsches Ehepaar mit einem Mietboot festgemacht. Als dort der etwa 10-jährige Sohn mit seinem Vater die Bootsleinen befestigte, stolperte der Knabe plötzlich über das straff gespannte Seil, fiel auf die Knie - und gab mit einem lauthals gerufenen "SCHEISSE!" sein schmerzhaftes Leiden zum Ausdruck. - Der am Uferrand stehende Vater blickte erstarrt nach oben - und mit einem drohend erhobenen Zeigefinger wurde der Filius mit den folgenden Worten sogleich zur Besinnung gebracht: "He! Jetzt hör' mir 'mal gut zu: Man sagt nie und nimmer Scheiße!! Beherzige das! Kapiert?" - "Ja - nee, warum?" stöhnte der Knabe schmerzbewegt auf. - "Warum? Fragst Du da ... Mein Gott, weil dann die ganze Bildung wohl deutlich vernehmbar im Arsch ist, Du taube Nuss!" wurde klarmachend kein Blatt vor den Mund genommen. -
Eine Brise kräuselte das Wasser des Flusses und die Sonne näherte sich immer näher dem Horizont ...
"Tja, da offenbart sich die bisher angereicherte Vielfalt der Ausdruckskraft nun auflodernd aus der Tiefe all der derzeit so lebensnah angereicherten väterlichen Empfindungen", murmelte Ulrike, während ich schmunzelnd zwei (stillose) Gläser mit einem (exquisiten) französischen Rotwein füllte. -
tot ziens ...
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Dienstag, 29. Mai 2018

Diese fragwürdige Prominenz im TV ...

Ja doch, da zeigt man sich gern so ganz und gar überhöht -
als "Star" oder bisher noch immer ein "Sternchen".
Quotengenötigt von einer der Fernsehanstalten eingeladen, setzt man sich dummstolz in Positur und schwatzlüstern in Szene - berauscht von der Apotheose eines schier unvergleichlichen Ichs.
Nun denn: "Prominenz", die lateinische Benennung für hervorragende Persönlichkeiten, sowohl auch für all die zumeist selbstverliebt und geltungsbedürftig in Erscheinung tretenden Möchtegern-Berühmtheiten, nebst eines oftmals nicht spurlos zu verhindernden arrogantia et inscius ...
Tja, Arroganz ist, so sei's einmal schnippisch zu spüren gegeben, wohl gar nicht 'mal selten auch als "die Perücke geistiger Kahlheit" zu gewahren. -
"Ach, vermutlich fragt sich manch einer von Ihnen späterhin oftmals kopfschüttelnd, wie man vorab ein einigermaßen annehmbares Dasein denn überhaupt bewältigen konnte?" dermaßen bespöttelte neulich ein bekannter (prominenter) Satiriker einige der anwesenden Stars und Sternchen in einer sogenannten Talkshow. - "Nun hat sich ja alles paradiesisch vergoldet - und Sie haben doch gewiß schon ein über Ihr nunmehr so unvergleichbar schillerndes Vorhandensein Auskunft gebendes Buch dabei, also anheischig machen wollend hier in Bereitschaft!" brach es mißbilligend aus ihm heraus.
Das hatten sie selbstverständlich eilfertig parat ...
(Dem Ghostwriter sei Dank.)
Zugegen im lustvollen Miteinander der Selbstbeweihräucherung. 
"Ja, da lobt man sich, gesund und munter, stets einen nach dem anderen runter!" so hat es der Autor und Kabarettist Wolfgang Nitschke handfest und ausdrucksvoll gekennzeichnet.
Wohingegen das unaufdringlich geartete Verhalten einiger (nur wenige) - der ebenfalls in Gunst und Geneigtheit stehenden Persönlichkeiten -, erfreulicherweise all das so wichtigtuerische Gefasel hin und wieder beachtenswert ausbalancieren; offenbar ganz unbelastet von dieser Selbstverliebtheit, gefallsüchtig solch ein "unendliches Ich" (Robert Gernhardt) derart überbetont der Öffentlichkeit anpreisen zu müssen.    
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Fast schon ein wenig befürwortend, so hat's der französische Philosoph Voltaire wohl dereinst schon recht zutreffend zum Ausdruck gegeben: "Die Eigenliebe ist das Instrument der Selbsterhaltung".
Und gleichbedeutend sei darum hier noch apostelhaft hinzugefügt: Selig sind die "Armen im Geiste", denn ihrer ist jetzt schon auf Erden das Himmelreich.
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Nota bene:
Der französische Kunstkritiker Octave Mirbeau philosophierte in diesem Zusammenhang einmal über eine Art "selbstgefällige Unfähigkeit".
Und:
In seinem Buch "Seichtgebiete" gibt der Autor Michael Jürgs einen tiefschürfenden Einblick in das geistesarme Beisammensein "der Eitelkeit" inmitten all dieser "prominenten Nullnummern".
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Noch etwas kommt da nachdenklich stimmend hinzu:
In neuzeitlichen Talkshows wird uns ein Sprachverhau zugemutet, der an Flauberts Behauptung zweifeln läßt, dass "die Sprache das erste Genie eines Volkes ist", kritisierte einst Andreas Altmann das dargebotene Formulierungsgeschick in der TV-Manege Geltungssucht-Striptease.
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Und in dieser Verquickung all dessen, da bleibt mir nun doch in Erinnerung, daß mein Patenonkel seinerzeit einmal kopfschüttelnd zu spüren gegeben hat: "Mein Gott! Diese ungebildete Vielfalt!" -
Um dann noch schmunzelnd hinzuzufügen: "Nun ja, wenn die Sonne der Kultur niedrig steht, dann werfen selbst Zwerge lange Schatten." - 
Das hatte er von Karl Kraus "ausgeliehen". -
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Freitag, 25. Mai 2018

Joachim Ringelnatz - der "Kuttel Daddeldu" ...

"Ein kerniges Hamburger Weibsbild besucht -
und über die lästigen Folgen geflucht!"
Hm?
Ringelnatz - und seine Gedichte,
die heiteren, die derben - und wohl auch besinnlichen. -
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Nun ja, zugegeben: Die nachfolgende Versdichtung habe ich liebevoll neubelebt und "ausufernd" erweitert ...
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"Da sei doch -
wie er es untrüglich glaube -
ein Nagel verliebt in eine Schraube":

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Und seit Tagen habe er's schon belauscht,
wie der sich am Anblick der Schraube berauscht.
So lüsternen Blicks ihr Gepräge anstierte -
und neidvoll erregt das Gewinde fixierte.
Die Schraube schien aber mitnichten bereit,
ihr Ausdruck war Leidenschaftslosigkeit.
Und solch ein Gebaren verdeutlichte ihm:
Wir beide werden wohl niemals intim.
Blasiert und gefühllos entfernte sie sich,
ließ stahlhart den lüsternen Nagel im Stich.
Er, der die Leiden der Liebe gekostet,
ist bald darauf voller Kummer verrostet.
 -

-
Joachim Ringelnatz, Poet und wohl auch "Wissenschaftler". 
Hier mit einer mathematisch-naturwissenschaftlichen Erkenntnis: 
Denn bedeutungsvoll war's, als er 'mal beschrieb:
"Das Entscheidende sind ja die Löcher im Sieb!"
-
Auch das noch:
"Da ging einst im Bett eine Wanze,
bei 'nem älteren Herrn gleich aufs Ganze!"
-
Des weiteren:
"Im Bereich der Erkenntnis erhellt sich auch das:
Selbst Vegetarier beißen nur ungern ins Gras!"
-
Verzweifelt:
"Ein Meerschweinchen rannte nervös hin und her,
instinktiv mit der Frage: Wo ist denn das Meer?"
-
Festlich gemeint:
"Wenn der Osterhase wieder da hinten presst,
dann ist es im Anmarsch, das Osterfest!"
-
Daddelduristisch:
"Saß auf 'ner Bank 'ne alte Schrulle,
die so etwa sechzehn war.
In der Hand 'ne Butterstulle,
die mit Schmalz bestrichen war."
-
Und nun "Kuttel" so höchstpersönlich:
"Einst war ich verliebt, in eine Maid in Berlin.
Die Liebe war aufrichtig, wie's mir erschien.
Und darum wollte ich ihr - ohne Bedenken -
eine Kachel aus meinem Ofen schenken."
-
Joachim Ringelnatz: Seemann, Artist und Poet.
1934 im Alter von einundfünfzig Jahren verstorben.
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Montag, 21. Mai 2018

Damals - mit Sir Peter Ustinov ...

Per Zufall in Zürich!
Für mich ein bedeutungsvolles Beisammensein. -
Am Nachmittag, im hauseigenen "Miro-Garten" der Kunsthalle ...
Als ein Überblick dessen, da sei hier nun so einiges komprimiert zum Ausdruck gegeben:
"Ein Pessimist lacht höchstens so, daß es keiner bemerkt", gab er mir schmunzelnd zu verstehen, als wir - nach einem gemeinsamen Besuch in der Kunsthalle (Plastiken von Alberto Giacometti) - noch angeregt plaudernd beisammen saßen.
Und ...
"Wo man nicht lacht, da laß Dich niemals nieder! Denn das Dasein zeigt sich dort zumeist nur bieder." fügte er schelmisch dreinblickend hinzu.
Nun, dessen war ich mir seit langem durchaus bewußt, derzeit bühnenaktiv, und als Glossenschreiber, der hin und wieder Lesungen in Szene zu setzen gedachte. - 
"Ach, da hüte Dich vor der sich bedauerlicherweise ja oftmals in Rufweite vergegenwärtigenden Mittelmäßigkeit!" wurde es mir als beachtenswert nahegelegt. - "Eine zufriedenstellende Erkenntnis wird es wohl irgendwann sein, daß man sich nur einem kleinen Kreis von Lesern verständlich machen kann", ließ er mich abgeklärt wissen. Um dann noch lachend hinzuzufügen: "Aber zum Glück gibt es ja immer noch neugierige Leser, wie es der Schweizer Verleger Daniel Keel vor kurzem hoffnungsvoll zur Sprache gebracht hat, als wir im Restaurant Kronenhalle über anspruchsvolle Literatur diskutierten". -
All das ließ er mich lebenserfahren wissen, der Autor, Regisseur und Schauspieler Peter Ustinov, bevor wir uns spätnachmittags, im August 1984 in Zürich voneinander verabschiedet hatten.
Wohl wahr, das wird mir doch stets in Erinnerung bleiben. -
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Samstag, 19. Mai 2018

Die Heimsuchung von all diesen Quälgeistern - !

Neulich - und zunehmend ärgerniserregend im Hinblick dessen ...
Anheimelnd zuvor:
Denn ein aromatisch mundender Wein, ein 1995er Chambertin "Clos de Bèze" Gran cru, er gab mir eine angenehme Art von "Geleit", als ich mich in das von Jean-Paul Sartre einstmals geschriebene Drama "Die Fliegen" (Les Mouches) momentan lesend vertieft hatte. -
Vielsagend anklingend an die griechische Mythologie, thematisiert hier der einst als "maître àpenser" lobpreisend benannte "Vordenker" in dieser Lektüre unter anderem all die wohl lebensnotwendigen Belange und wohl auch Bedeutsamkeiten von "Freiheit" und "Hoffnung" ... 
Ein Überblick: "In der antiken Stadt Argos wimmelt es fortdauernd peinigend von Fliegen." 
Ein Leitfaden - hinsichtlich des dramatisch verlaufenden Geschehens. -
Ach ja, apropos Fliegen:
Wußten Sie schon, daß es so etwas tatsächlich gibt? Diese aus meiner Sicht als "hinterhältig" zu bewertenden, sogenannten "Van-der-Waals-Kräfte", also "Anziehungskräfte"; mit deren Hilfe die lästigen Viecher auch Hals über Kopf einen Halt an Zimmerdecken und spiegelglatten Oberflächen zu meistern wissen. - Bevor sie dann nervend um uns herumschwirren und alsbald die Speisen auf dem appetitlich gedeckten Abendbrottisch belagern.
Insbesondere all diese widerwärtigen "Schmeißfliegen"; wir Neolatinistiker reden da wissenschaftlich und gern etwas selbstgefällig, von einer penetrant aufdringlich attackierenden "Calliphoridae". Ein stahlblau fluoreszierender Brummer, dessen Lebensabschnittsgespielin immerhin bis zu dreihundert Eier als bedrohlichen Nachwuchs erzeugt; Initialstadien, die bereits 24 Stunden später als ekelerregende Maden ... Man mag gar nicht daran denken! -
Auch nicht daran, daß da irgendwann verträumt durch die Landschaft stolpernde Tierphysiologen so unüberlegt und verniedlichend eine der Spezies dieser Quälgeister als "Stubenfliege" benannten. - Stubenfliege!
Der Inbegriff "gute Stube", bisher ja noch immer als stets "heimelig" empfunden - als eine rundum beglückende "Wohn-Wohlfühl-Sensualität"!
Und dann (man will es nicht wahrhaben wollen!) diese vernunftwidrige Kennzeichnung derartig kontinuierlich piesackender Eindringlinge.
-
Beunruhigt blickte ich nun in das vor mir stehende, sich inhaltlich noch etwa dreiviertelvoll darbietende Weinglas; in dessen Substanz eine wahrscheinlich über kurz oder lang mit dem Tode ringende Fliege jetzt hektisch eine Mitleid erregende Willenskraft offenbar werden ließ. - Hm? - Nun ja ...
"Leben, das heißt überflüssig zu sein!" ("la vie, c'est-à-être redondant") das hatte er ja dereinst so unbarmherzig zum Ausdruck gebracht, der stets nachdenklich stimmende Philosoph Sartre ...
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