Mittwoch, 15. Februar 2017

Die Polizei - als "wohlwollende" Weinkenner ...

Ja, und das solcherweise recht eigenwillig zu spüren bekommen im September 1972  - in Südfrankreich.
Damals, unterwegs auf einer Landstrasse in Richtung Aix-en-Provence, um später von dort aus Paris anzusteuern. -
Am Ende der Ortschaft Roquebrussane sah ich ihn dann rechtsseitig stehend winken, einen bäuerlich wirkenden alten Mann. Bereitwillig hielt ich drum an - und öffnete die Beifahrertür des Fahrzeugs. Im Rückspiegel sah ich ihn schlurfend herannahen. Bald darauf hatte er das Auto erreicht - und bat mich darum, mitfahren zu dürfen. Er wolle nach Aix-en-Provence, um dort sein allmonatlich eintreffendes Rentengeld abzuholen, gab er mir zu verstehen. - Zunehmend füllte sich die Fahrgastzelle mit einem köstlichen Knoblauch-Odeur, als mein Fahrgast nun damit begonnen hatte, mir Etappen aus seinen Lebenserinnerungen zu erzählen. -
Bis hin zu dem Augenblick, da ein uniformierter, gebieterisch ausgestreckter Arm uns autoritär zum Anhalten zwang: "Ausweis und Fahrzeugpapiere, bitte!" fuhr er mich an, der hochnäsig herabblickende Flic. "Haben Sie Alkohol getrunken? Wenn ja, dann hauchen Sie mich jetzt einmal nachfühlbar an", erweiterte er sein unglücklicherweise von Rechts wegen beglaubigtes Anliegen. - "Nique sa mère", (zumTeufel mit ihm!) murmelte ich mißgestimmt, mich angsterfüllt daran erinnernd, daß noch vor einigen Stunden, im nächtlichen Beisammensein mit Freunden einige Flaschen Rotwein geleert worden waren. Dann tat ich jedoch wie geheißen. -
Hm? Ohne ein Wort der gesetzmäßig zu erwartenden Entrüstung zu bezeugen, richtete er sich intensiv nachschnüffelnd auf, machte dann zackig kehrt, um gleich darauf dem im Polizeiauto sitzenden Kollegen über die gerade vollstreckten Nachforschungen Bericht zu erstatten: "Non, pas de probleme! Irrécusable un Cote du Rhone", hörte ich ihn deutlich verkünden, da ich noch immer, ängstlich aufhorchend, bei geöffnetem Fenster die Ohren spitzte. - Ja, und nach seinem Erlebnisbericht schwenkte er seltsamerweise stillvergnügt anmutend um, und näherte sich wohlwollend grinsend wieder dem Objekt seiner vorab so entschlossen in Angriff genommenen Spekulation, dem vermutlich alkololisierten Fahrer des Automobils: "Monsieur, es ist alles in Ordnung, dann weiterhin gute Fahrt!" gab er, mir freundlich zunickend, unbegreiflicherweise zu verstehen. -
Nur das fast wiehernde Gelächter des alten Mannes übertonte das sonore Brummen des Motors, als ich den Wagen erneut gestartet hatte, um eiligst davonzufahren.
"Das darf doch nicht wahr sein! Was war das denn soeben?" ließ ich kopfschüttelnd verlauten.
"Und was hat der uniformierte Staatsdiener damit gemeint, als er seinem Kollegen unter anderem noch: Einwandfrei Cote-du-Rhone! zugeraunt hat?" - Der Alte lehnte sich schmunzelnd zurück und legte dann los: "Oui, da ging es schlicht und ergreifend um Ihre alles spezifizierende Weinfahne, Monsieur!" - "Ja, das hab' ich an sich auch begriffen." - "Sie haben bisher noch gar nichts begriffen, das sehe ich Ihnen doch an!" prustete er daraufhin los. -
"Nein, nicht? Dann erklären Sie's mir doch 'mal etwas  genauer." -
"Das will ich gern tun, also: Wir sind hier ja bisher noch immer in einem Rhone-arrondissement ..." -
"Ja-ja, das ist mir inzwischen durchaus vertraut, mein Guter", unterbrach ich ihn lauernd. -
"Oui, inmitten einer der größten und sicherlich auch ertragreichsten Weinanbaugebiete! Es gibt aber in Frankreich noch andere Winzerbereiche - und zwischen ihnen tobt schon seit Jahrhunderten ein unversöhnlicher Wettstreit", klärte er mich gestenreich auf. -
"Schon möglich", brummte ich unwirsch. "Aber was - zum Teufel! - hat das mit mir und dieser ungewöhnlich verlaufenen Polizeivisitation zu tun?" -
"Sehr viel, Monsieur! Der Beamte hat bei Ihnen anscheinend zufriedenstellend einen vorab erlebten Cote-du-Rhone-Genuß gerochen. Wie gesagt, wir sind hier im Rhone-distrikt! Hätte er etwas anderes erschnüffelt, wie beispielsweise einen Burgunder-Rotwein oder einen Bordeaux, dann wären Sie sicher fatal in Schwierigkeiten geraten! - Und noch schlimmer wäre es wohl für Sie verlaufen, wenn dieser heimatverbundene Beamte dann fassungslos einen Rotwein aus dem Elsaß hätte erschnuppern müssen. Mon dieu! Dann hätte ich nicht in Ihrer Haut stecken wollen", betonte er seine unheilschwangere Verdeutlichung. -
"Adieu! Portez-vous bien! - Vielleicht war dieses bedeutungsvolle Erlebnis ja auch eine lehrreiche Begegnung." rief er mir noch beachtenswert zu, als wir uns in Aix-en-Provence voneinander verabschiedeten ...
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Dienstag, 31. Januar 2017

Griechenland: Auf der Suche nach "Wahrheit" ...

Liebe Leserin - und Leser.
Wir schreiben, für einen kurzen, erkennen lassenden Einblick, jetzt einmal das Jahr 600 vor Christi - und befinden uns indiskret lauschend im Garten des griechischen Lyrikers Alkaios - in Mytilene, nun vor Jahr und Tag auf der zauberhaften, bisher noch immer recht ursprünglichen Insel Lesbos:
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Nebst reimen und dem Drang zu dichten,
da wollte er sich einst verpflichten,
nun zielbewußt, wenn auch verschwommen,
der Wahrheit "auf die Spur" zu  kommen.
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Falls sie von Wert und auch vonnöten,
dann wird sie wohl zutage treten.
So dachte er, noch ungetrübt -
und hoffnungsvoll erwartet schiebt
sich auch Erkenntnis ins Gemüte -
doch leider reift sie nicht zur Blüte ...
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Schon hat sich, was er nicht bedacht,
die "Innere Stimme" breitgemacht ...
Als da nun zu vernehmen war:
Alkaios, mach dir endlich klar,
die Wahrheit steckt stets voller Zweifel!
Von allen Seiten anfechtbar,
ein Für und Wider, hol's der Teufel!
Allein "in vino veritas"***
ruht sie okkult, erkenne das!
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***  Eine aufschlußreiche Bekundung des griechischen Lyrikers Alkaios.
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"Glaube denen, die die Wahrheit suchen, zweifle jedoch an denen, die sie (angeblich!) gefunden haben", so hat sich der Dichter und "ästhetische Immoralist" André Gide dereinst dazu anmahnend geäußert.
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Ach ja, auch das noch:
Da hat doch vor einigen Jahren ein namhafter Professor der idiographischen (= einzelbeschreibende) Wissenschaft diese bemerkenswerte Erkenntnis:
"Im Wein (ist) Wahrheit", dann seinem kopflastigen Formulierungsgeschick gemäß folgendermaßen in Worte gefaßt: "Die organische Verbindung mit einer oder auch mehreren Hydroxylgruppen aus der Gattung Vitis Vinifera impliziert eine tiefenpsychologische Kognition." 
 Sssst ... Mann - ey!
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Samstag, 21. Januar 2017

Diese fragwürdige Prominenz im TV ...

Ja doch, da zeigt man sich gern so ganz und gar überhöht -
als "Star" oder bisher noch immer ein "Sternchen".
Quotengenötigt von einer der Fernsehanstalten eingeladen, setzt man sich dummstolz in Positur und schwatzlüstern in Szene - berauscht von der Apotheose eines schier unvergleichlichen Ichs.
"Prominenz", die lateinische Benennung für hervorragende Persönlichkeiten, sowohl für all die zumeist selbstverliebt und geltungsbedürftig in Erscheinung tretenden Möchtegern-Berühmtheiten, nebst eines oftmals nicht immer spurlos zu verhindernden arrogantia et inscius ...
Tja, Arroganz ist, so sei's einmal schnippisch zu spüren gegeben, wohl gar nicht 'mal selten auch als "die Perücke geistiger Kahlheit" zu gewahren. -
"Ach, vermutlich fragt sich manch einer von Ihnen späterhin oftmals kopfschüttelnd, wie man vorab ein einigermaßen annehmbares Dasein denn überhaupt bewältigen konnte?" dermaßen bespöttelte neulich ein  bekannter (prominenter) Satiriker einige der anwesenden Stars und Sternchen in einer sogenannten Talkshow. - "Nun hat sich ja alles paradiesisch vergoldet - und Sie haben doch gewiß schon ein über Ihr nunmehr so unvergleichbar schillerndes Vorhandensein Auskunft gebendes Buch dabei, also anheischig machen wollend hier in Bereitschaft!" brach es mißbilligend aus ihm heraus.
Das hatten sie selbstverständlich eilfertig parat ... (Dem Ghostwriter sei Dank.)
Zugegen im lustvollen Miteinander der Selbstbeweihräucherung. 
"Ja, da lobt man sich, gesund und munter, stets einen nach dem anderen runter!" so hat es der Autor und Kabarettist Wolfgang Nitschke handfest und ausdrucksvoll gekennzeichnet.
Wohingegen das unaufdringlich geartete Verhalten einiger (nur wenige) - der auch in Gunst und Geneigtheit stehenden Persönlichkeiten -, erfreulicherweise all das wichtigtuerische Gefasel hin und wieder beachtenswert ausbalancieren; offenbar ganz und gar unbelastet von dieser Selbstverliebtheit, gefallsüchtig solch ein "unendliches Ich" (Robert Gernhardt) derart überbetont der Öffentlichkeit anpreisen zu müssen.    
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Fast schon ein wenig befürwortend, hat's der französische Philosoph Voltaire dereinst recht zutreffend zum Ausdruck gegeben: "Die Eigenliebe ist das Instrument der Selbsterhaltung".
Und gleichbedeutend sei darum hier noch apostelhaft hinzugefügt: Selig sind die "Armen im Geiste", denn ihrer ist jetzt schon auf Erden das Himmelreich.
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Nota bene:
In seinem Buch "Seichtgebiete", dort gibt der Autor Michael Jürgs einen tiefschürfenden Einblick in das geistesarme Beisammensein "der Eitelkeit" inmitten all dieser "prominenten Nullnummern".
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Freitag, 20. Januar 2017

Ein recht eigenwillig inszenierter Bankraub ...

Ja, alle Medien haben ja damals darüber berichtet - und man hat sich vermutlich köstlich amüsiert, als weitreichend publik gemacht worden war, daß der 21-jährige Literatur-Student Björn F. in der Stadt Frankfurt durch einen recht eigenwillig inszenierten Bankraub gleich darauf straffällig wurde.
Einer Tonbandaufzeichnung des Frankfurter Geldinstituts ist's zu verdanken, daß diese bisher wahrscheinlich äußerst selten praktizierte Art eines Überfalls noch immer wortgetreu erhalten geblieben ist. -
"Dumm gelaufen!" betitelte die alt-ehrwürdige BILD-Zeitung damals das spektakuläre Ereignis.
Und folgendermaßen soll sich die bedrohlich vom Stapel gelassene Forderung seinerzeit so wortreich und wohl auch offenherzig ereignet haben:
"Seid mir gegrüßt, ihr Geldverwalter!
Besonders Sie, dort an dem Schalter.
Sie werden auch sogleich verstehen, warum Sie mich hier vor sich sehen:
Ich werde diese heil'gen Hallen, jetzt zwangsgesteuert überfallen!
Wieso? - Das möchten Sie gern wissen? D'rum werde ich's erläutern müssen:
Es sind die Geldverlegenheiten, die mir enorm Verdruß bereiten!
Und deshalb werde ich Sie zwingen, daß Sie da in die Bresche springen. -
Vor Wochen war ich schon 'mal hier, doch Ihr Gelächter zeigte mir,
daß Sie mich nicht für voll genommen!
Das läßt mich heute wiederkommen -
mit dieser bitterernsten Frage, ob meine finanzielle Lage
nun hier, in Ihrem Institut, augenblicklich - und das gut!
hilfsbereiten Beistand findet - was mich Ihnen sehr verbindet ...
Betont sei freilich explizit: Mein Wunsch heißt keinesfalls Kredit!
Darauf sei höflich hingewiesen, bevor Sie mir die Tour vermiesen!
Das Namensschild an Ihrer Jacke, besagt, daß Sie Frau Petra Kracke.
Mich werden Sie bisher nicht kennen, Sie dürfen mich "Johannes" nennen.
Und wenn ich jetzt noch die Pistole, bedrohend aus der Tasche hole,
dann möge das nun präzisieren, daß wir jetzt keine Zeit verlieren;
um schleunigst - ohne zu verneinen, viel Geld - und zwar in großen Scheinen,
für mich hier greifbar aufzuschichten. -
Auf Münzen will ich gern verzichten!
Hernach dann, in der zweiten Runde, zeigt sich für Sie ein neuer Kunde! - (!)
Der hoffnungsvoll Gewißheit sucht, wenn er auf's eigene Konto bucht.
Mir scheint, daß Sie das nicht verdauen?
Man sollte seiner Bank vertrauen! -
Noch etwas möcht' ich dazu sagen: Sie können sich wohl kaum beklagen!
Nein-nein, Sie schulden mir noch Dank:
Das Geld bleibt ja in Ihrer Bank!"
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Post Skriptum:
"Bankraub ist doch nur eine Unternehmung von Dilettanten. 
Die wahren Profis gründen eine Bank!"
(Da hat er recht, der Bertold Brecht).
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Sonntag, 15. Januar 2017

So schamlos im Schnee ...

Ein eiskalter Typ - !
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Ja! Und seine stets teilnahms- und leidenschaftslos dastehende Erscheinung, sie sollte darüber nicht trickreich hinwegmauscheln!
Der homo nivis - oder auch "Schneemann", wie er seit Urzeiten, treuherzig-märchenhaft umschwärmt, noch immer benannt wird. -
Alljährlich zur Winterzeit dank der aus himmlischen Sphären herabrieselnden hexagonalen Eiskristalle, wie auch durch menschliches Geschick Gestalt angenommen, stellt er sich daraufhin, gönnerhaft unverfroren, als eine "Krone der derzeitig möglichen Schöpfung" so greifbar zur Schau.Das hinsichtlich dessen von einigen Physiologen oftmals in Angriff genommene akribische Forschen nach sich eventuell bemerkbar machenden psychophysisch gearteten Problemen, was meint: die Frage nach dem Zusammenhang von Leib und Seele, bzw. Bewußtsein und Körper, war, so hat's sich vor kurzem herausgestellt, dann doch von unwichtiger Bedeutung. Denn, so war's zu vernehmen, eine Art "Conditio sine qua non"* von wärmebedingter Auflösung, offenbare hier zwangsläufig die Erkenntnis.
(*unerläßliche Bedingung)
Die oben abgebildete Szene zeigt Walburga-Yvonne, die auffassungsschnelle, 5-jährige Tochter des Tübinger Anatomie-Gelehrten Professor Oswald G., offenbar freudig erregt, im Januar 2016 in einer durchaus winterlicher Atmosphäre.
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Freitag, 13. Januar 2017

Der Rainer - das Schlitzohr ...

Und das "Objekt der Begierde":

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Da hatte sich letzthin der Rentner Rainer F. wieder einmal von der Nachbarin Wilma S. ihr Fahrrad ausgeliehen - und diesen Drahtesel späterhin, nur nach mehrmaligen, lautstark über den Gartenzaun zum Ausdruck gebrachten Aufforderungen, unbekümmert grinsend zurückgebracht. 
Zu der schlechthin als Dreistigkeit zu beurteilenden Pflichtvergessenheit hatte er sich obendrein noch erfrecht, Wilma in ihrem Garten - theatralisch betont - kniefällig um Vergebung zu bitten.
Ein unverschämtes Verhalten. Wilma war spür- und sichtbar verärgert, wie wohl auch arg im Zweifel darüber, daß sich diesbezüglich zukünftig etwas verändern würde. -
Tja, und kurz entschlossen hat sie ihm neulich dann brieflich die folgende, durchaus Bescheid stoßende Ermahnung postalisch zukommen lassen:
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Rainer - Du:
Hör auf, vor mir im Staub zu knie'n, 
das Fahrrad ist Dir nur geliehen!
Und dieser Korb, mein lieber Rainer, 
der bleibt ganz unbarmherzig meiner!
Auch das noch:
Laß ja nicht, wie vor knapp zwei Jahren, 
den dicken Helmut damit fahren!
Sonst kommst Du, wie vor einigen Wochen, 
hier gramgebeutelt angekrochen;
in einer Hand den platten Reifen! 
Denn dann, das wirst Du wohl begreifen,
ist ganz bestimmt, du alter Schleimer, 
auch unsere Freundschaft gleich im Eimer!
Gemahnt Dich sehr eindringlich
die Nachbarin Wilma.
-
(Foto: Ulrike Schäfer)
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Freitag, 6. Januar 2017

Spottsüchtiges: Notiert von unseren einstmals doch so schöpferischen Persönlichkeiten ...

Hm? Als schnippisch und wohl auch dreist kann man's ermessen, was da dereinst namhaft gewordene Geistesgrößen bisweilen so vielsagend zur Sprache gebracht haben sollen.
Wie auch immer ...
Als "Anekdoten" charakterisiert, sei hier nun dies und das 'mal so schlechthin zu spüren gegeben:
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Shakespeare wütend einst zur Mutter:
"In meiner Jacke fehlt das Futter!"
Wagner lauthals in Bayreuth:
"Die Götterdämmerung droht erneut!"
Balzac verfälscht zu Baudelaire:
"Le Fleurs du mal est un malheur!"
Einst Sokrates zu Epikur:
"Der Mensch ist wider die Natur!"
Schliemann, als er bei den Griechen:
"Ich kann den Ouzo nicht mehr riechen!"
Adorno tadelnd zu Ernst Jünger:
"Deinen Blumen fehlt der Dünger!"
Nietzsche zu formellen Pflichten:
"Darauf kann ich recht gut verzichten!"
Tucholsky über die Krämerseelen:
"Der Mief mag sie zu Tode quälen!"
Goethe aufmerksam zu Schiller:
"Euch läuft die Tinte aus dem Füller!"
George Sand aufseufzend zu Flaubert:
"Wenn nur dein Mundgeruch nicht wär'!"
Euklid im Kreis der Philosophen:
"Ihr nervt mich jetzt, d'rum geh' ich schwofen!"
Kleist dereinst zu Hölderlin:
"Ihr solltet vor mir niederknien!"
Hölderlin darauf zu Kleist.
"Er ist mir heut ein wenig dreist!"
-
Etwas blumiger geprägt, jedoch auf dem zuvor vollmundig beschrittenen trivialen, wie wohl auch im rundum Geistlosen durchaus harmonisierenden Redseligkeits-Flachland, da sei noch schalkhaft hinzugefügt:
-
Hindemith zum Löwenmaul:
"Sag Du zu mir, ich heiße Paul!"
Tolstoi zu seinen Gladiolen:
"Soll ich jetzt 'mal die Bienchen holen?"
Kant besorgt zum Seidelbast:
"Ist Dir der Blumentopf verhaßt?"
Helene Weigel zu Bert Brecht:
"Dein Rittersporn steht gar nicht schlecht!"
Freud erbost zur Gerbera:
"Jetzt wird geblüht! - Ist euch das klar?"
Ringelnatz zum Sauerampfer:
"Hier siehst Du niemals einen Dampfer!"
Hemingway - im Komposthaufen:
"Hab' mich wohl nachts im Suff verlaufen!"
-
All das sei nun freundlicherweise nach der einstmals lauthals geäußerten Bekundung des geistreich belehrenden römischen Dichter-Kollegen Horaz: "Aut prodesse volunt aut delectare poetae! - entweder verfolgen die Dichter einen nützlichen Zweck, oder sie wollen bloß unterhalten!" zu begutachten. -
Einverstanden?
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Dienstag, 3. Januar 2017

Ebbe und Flut ...

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Dieser beachtenswerte Rhythmus der Gezeiten:
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Nun ja, 
da hatten sie, schon bereits zwei Monate zuvor, auf der Müritz, einem Wasserweg im Herzen der Mecklenburgischen Seenplatte, sich wieder einmal für einige reizvolle Tage ein Hausboot gemietet: 
Die Ingelore und der Karl-Heinz aus Wanne-Eickel ... 
Ein unvergessenes Reise-Erlebnis. - 
Jedoch offenbar dermaßen anregend Spuren hinterlassend, daß Karl-Heinz nun träumerisch in diese vor kurzem erlebte Boots-Beglückung hinein recht wirklichkeitsfremd entfleuchte ...  
Und das (unglücklicherweise) inmitten eines noch schläfrigen, sich so gedankenverloren entfaltendem Erwachen am ersten Urlaubstag - an der dem Tidenhub seit Urzeiten naturverbunden preisgegebenen Nordseeküste im nördlichen Dänemark. -
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"Auch können plötzlich die Gezeiten, ganz unverhofft Verdruß bereiten", hatte schon Schiller gemutmaßt, als der Freund Goethe eine Reise in nordische Küstenregionen zu tun gedachte. 
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Mittwoch, 28. Dezember 2016

Ach ja: Das Wunschdenken ...

Ins Leben gerufen eben jetzt.
Und so altersbewegt, zunehmend nachdenklich gestimmt ergriffen,
steht mir im Verlauf dieser aufkommenden Besinnlichkeit
sogleich ein beglückendes Wunschbild für die restlichen Tage auf Erden
augenblicklich malerisch harmonisierend wirklichkeitsnah vor Augen.
Und das folgendermaßen:
Nachmittage an südlichen Meeresgestaden - 
die nackten Füße ruhen im warmen Sand. 
Auf einem hölzernen, kunstlosen Tisch schimmert - illuminiert durch den Glanz der Sonne - fast goldfarben der soeben dem Kühlschrank entnommene Inhalt einer Flasche Weißwein,
recht unzutreffend als "trocken" bezeichnet. -
Nun ja, so daseinsfreudig verweilen zu dürfen,
"das wird dann zum Prachtvollsten, was die Welt zu geben hat,"
derart - fast schon paradiesisch - hat's der
 französische Schriftsteller Albert Camus einst bekundet.
*
Erkenntnis ...
Tja, da wird es nun wieder einmal spürbar:
Mein mediterran geartetes Lebensethos verweilt wohl mein Lebtag
untalentiert im leistungs- und karrierebetonten Arbeitsethos
einer nordeuropäischen Lebensgestaltung.
*
Wohlan, schon keimt da - aufs neue - ein "gnothi seauton". *
* "Erkenne dich selbst"
-
Ein Nachtrag:
"ti krama!" (Wie schade!)
Fast schon betroffen machend ruft sie's mir auf der Insel Lesbos zu,
die griechische Lyrikerin Sappho:
"Um nach dem Tod ruhmlos umherzuirren -
als Schatten im Schwarm nichtiger Toten?"
Ach ...
"Ultra posse nemo obligatur", so habe ich's damals abweisend bekundet.
(Über das Können hinaus ist niemand verpflichtet.)
óchi ... (nein)
-
***

Dienstag, 20. Dezember 2016

Nee, "kein Heiligabend"...

Nein - eigentlich so nicht!
Das sei im Voraus konkretisiert ...
-
Mondschein bleicht der Engel Schwingen,
als heisere Stimmen Chorus singen.
Fast wächsern blinkt der Abendstern,
ein Glockenton nervt laut von fern.
Stoisch, schon fast gottergeben,
zwingt festlich orientiertes Leben
sich grell in jeden Ort hinein -
willkommen trüber Dämmerschein!
Mit lausig kalter Abendluft,
mischt sich der Spekulatiusduft.
Beschwingt, gleich einem Wonnegraus,
zieht Festlichkeit in jedes Haus.
Wo stets ein Baum mit vielen Kerzen,
geschmückt von hoffnungsschweren Herzen,
still nadelnd, später pflichtbesungen,
von Eltern, Mädchen und auch Jungen,
so ausdrucksvoll den Raum betont.
Noch zeigt sich alles altgewohnt -
bis daß der Vater dann die "Blagen",  *
ermuntert zum Gedichtaufsagen ...
-
Was sich ab dann zusammenbraut,
hat stimmungsvoll das Fest versaut.
-
* Die etwas abfällig geartete Benennung der Sprößlinge sei mir im nachhinein verziehen, aber der leibliche Vater der oben erwähnten Nachkommenschaft hatte sich mir gegenüber ja dergestalt offenbart.
-
 Tja, und diesbezüglich sei noch erwähnt:
"Du solltest dich schämen, derart kratzbürstige Reime zu gestalten!" wurde mir schon bald darauf zu spüren gegeben. - Reumütig, habe ich hernach die erhitzte Stirn langdauernd an die eiskalte Tür zum Heizungsraum gepresst.
-
***