Dienstag, 24. November 2020

Nun denn, liebe Leserinnen und Leser ...

Am 24. November - zu später Stunde - sei noch hinzu-gefügt: 
 Ja, morgen ist ein "neuer Tag" - was immer da noch kommen mag - 
 und mein Dank für Ihr "unermüdliches Dabeisein". - 
"Gute Nacht" ...

Hm? - Diese derzeitige "CORONA-Krise" ...

Ist's ein vergleichbares Martyrium mit der bereits in früheren Jahrhunderten die Bevölkerung dezimierenden PEST - ?
-
"Soll plötzlich diese Zeit auf Erden, in Zukunft unerfreulich werden?" das gab neulich der Sohn des Nachbarn, der derzeitige Gymnasiast Claus B. nachdenklich gestimmt zum Ausdruck.
"Wir sollten `mal Frau Merkel fragen", fügte er noch schmunzelnd hinzu. -
"Das wäre "vollauf dann daneben" - sie wird Dir keine Antwort geben", 
winkte ich kopfschüttelnd ab. -
"Die große Pleite - doch Scherz beiseite", mit dieser selbstgefälligen Bemerkung trennten wir uns - als ein aufkommender Gewitter-Regen nun einen "Ton angebenden Schlusspunkt setzte". -
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Ein Abgesang? -  Sind wir am Rande eines Abgrunds - ?
Tja - und somit droht nun alsbald das unabänderliche Ende einer menschlichen Zivilisation. -
Ach nee ...
Trotz all der Bedrängnisse in dieser anhaltenden "Krisen-Zeit":
Ausgehend davon, daß der Mensch sich im tiefsten Inneren in seiner Identität bedroht fühlen kann, wurde seit Urzeiten schon in phantastischen Bildern ein "Weltende" dramatisch ausgemalt. -
Und in erschreckenden Dimensionen eines ganz und gar zerstörerischen Endstadiums von einigen dieser derart vorausahnenden Verkünder ja auch dermaßen zugrunde gehend beschrieben. 
Ein die Öffentlichkeit einweihen in diese orakelhaften Abgründe der "Apokalyptik", griechisch "Enthüllung", nein, solch eine optimistischer stimmende Literatur über die "Geheimnisse am Ende der Tage" - kam bisher nicht vor ... Ist aber vielleicht informativ beachtenswert. -
Tja, diesen "Weltuntergangsvorstellungen" jetzt doch einmal humorig und noch daseinsfreudig aufmunternd dawiderzureden. Und somit vermutlich dieser weltweit inzwischen allzuoft laut werdenden "Endzeitprophetie" etwas entgegenzuwirken - das sei mit den nachfolgenden Zeilen hier noch spitzbübisch hinzu-gefügt:
-
In Endzeitstimmung:
Der Maler malt, der Klempner klempt.
Die Oma bleicht das letzte Hemd.
Doch steht's bei vielen nicht zum besten,
manch einer zehrt längst von den Resten.
Auch auf den Dodekanes-Inseln,
hört man die Chresmologen winseln.
Da andererseits, auch unter Tage,
schon weltenweit die gleiche Frage:
"Wer hilft denn nun aus der Misere?"
seit Ewigkeiten zielt ins Leere,
sagt sich die Mehrheit recht gelassen:
man soll den Mut nicht sinken lassen.
Ja ...
Und letztlich ist's verfrüht zu klagen.
Da hat sich noch nichts zugetragen.
-
Noch lebensfroh haben wir ja - 
diesen oftmals prophezeiten "Weltuntergang" bisher immerhin überlebt!
Ja - nee: Bis auf eine Person ...
Der Klempner, der bis jetzt geklempt,
ihn hat's erwischt: "das letzte Hemd" ...
-
Hm? Einer für Alle ...
-
***

Samstag, 21. November 2020

Der beachtenswerte "Rhythmus der Gezeiten" !

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 EBBE undFLUT - benannt als "Tidenhub"...
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Ja, vorab war man sich dessen, in all seiner "Tragweite", wohl offenbar nicht so bewußt ...
Denn:
Bereits zwei Monate zuvor hatten sie sich, auf der Müritz, einem Wasserweg im Herzen der Mecklenburgischen Seenplatte, wieder einmal für einige Tage ein Hausboot gemietet: 
Die Ingelore und der Karl-Heinz aus dem nicht "Meeres-umschlungenen" Ort Wanne-Eickel. -
In Erinnerung: Als ein offenbar unvergessenes Reise-Erlebnis ...
Jedoch noch derart anregend Spuren hinterlassend, daß der zur Zeit im Auto schlafende Karl-Heinz in diese damals erlebte Boots-Beglückung vermutlich träumerisch  entfleucht war ...  
Und das (unglücklicherweise) im schläfrigen Zustand des "Erwachens" am ersten Urlaubstag - an der diesem "Tidenhub" seit Urzeiten preisgegebenen Nordseeküste in Dänemark. -*
Dort darf man mit dem Auto an den Stränden Kilometer-weit entlang fahren. -
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"Auch können plötzlich die Gezeiten, ganz unverhofft Verdruß bereiten", hatte schon Schiller gemutmaßt, als der Freund Goethe eine Reise in nordische Küstenregionen zu tun gedachte. 
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***

Eine gedankliche Verstiegenheit -

die macht sich "hier" in Zeilen breit: 
Liebe Leserin und Leser. - 
Denn - 
schon ist es "bitter-kalt" geworden - 
zumindest hier, im "deutschen" Norden. 
Da denk´ ich gern an Griechenland,  
wo ich des öfteren "Wärme fand"... 
Doch jetzt, in den "Corona-Zeiten", 
würd´s "eingeschränkt" mein Sein "begleiten". 
Das läßt sich nicht "beiseite schieben", 
und darum bin ich "hier geblieben" ... 
Ich hol´ mir nun `ne Flasche Wein - 
und bleib´ dann "grüblerisch" daheim.- 
 - 
Danke für Ihre eventuelle "Anteilnahme". 
-
*

Donnerstag, 19. November 2020

Es war eine neue - und recht beunruhigende Nachricht von "OBEN":

Übermittelt, wie oftmals,  aus der - inzwischen weltweit bekannten - "Himmelreich-Literatur-Wolken-Sphäre" ... 
Von Robert und Jacques - (Gernhardt und Brel):
"Nun ja, alter Freund und Gefährte - "einstmals" ... 
Es sieht nicht sehr "gut aus", derzeit da "UNTEN".
Diese inzwischen lang-anhaltende "Corona-Krise"! - 
Sie scheint nun, als einen "Wendepunkt" im bisher doch seit Jahrzehnten aufrechterhaltenen, demokratischen "Dasein" jetzt politisch doch so einiges "umgestalten" zu wollen ... 
Da könnte dann diese wohl "notgedrungen" als "Bevölkerungsschutz" benannte,  so inhaltsschwere Beeinträchtigung auch alsbald da "UNTEN" wahrscheinlich eine "Diktatur" zur Folge haben! - 
Trotz allem: Laß es Dir noch "eine Weile gut gehen" ... 
Der Robert winkt gerade schmunzelnd ab - und sagt: 
"Nun mach den "alten Knaben" da "UNTEN" nicht derzeit so dermaßen unruhig!" ...
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"Lasciate ogni speranza" - (laßt alle Hoffnung fahren),  murmelte ich, auch im Greisenalter (83) noch all dem in Zukunft ausgeliefert zu sein - doch etwas beunruhigt. -
Postskriptum:
Eine Frau "Rostock" brachte es neulich mit diesen Worten zum Ausdruck: 
"Man fühlt sich an die Zeit erinnert, bevor Hitler an die Macht kam". -
-
Ein Postskriptum zum Thema "Demokratie":
Und da lassen wir den Wolfgang Nietzsche einmal zu Wort kommen:
"In ´ner Demokratie gibt es ja vieles, was es nach menschlichem Dafürhalten eigentlich gar nicht geben dürfte: Die hintergründigen Interessen der politischen Parteien. - Die abseitigen Programme einiger Fernseh-Sender. - Die als "Bestseller-Literatur" bezeichneten Buch-Schmonzetten. - 
Und allzuviel mehr ...
Das könnte sich ja irgendwann doch dergestalt auswirken, daß man frühzeitig erkennen kann, wann man die Koffer zu packen hat". -
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Wohl wahr, lieber Wolfgang - aber wohin?
-
*

PARIS - und diese Art "Wiederverkörperung" in einer "theatralischen Rückschau":

Liebe Leserin, lieber Leser, da folgen Sie mir, bzw. uns, bitte so fast leibhaftig greifbar nun einmal "zurückblickend" in einen wahrlich Aufsehen erregenden Zeitabschnitt ...
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Vorab sei bedeutsam bezeugt, daß nicht nur ein sauflustiger, bereits zügellos gewordener Alkoholkonsum - oder der anhaltende Gebrauch halluzinogener Drogen immerhin so viel bewirken kann, daß sich da etwas urplötzlich heraufbeschwört - und alsbald ichbezogen in die hernach überraschend offenbar werdenden Wege geleitet. -
Nein, denn ...
Ein psychologisches Phänomen, das einstmals französisch als „Déjà-vécu“ bezeichnete - und zuweilen bedenklich Wirklichkeit werdende „Schon erlebt“. - (auch als: déjà = bereits oder schon, vu = gesehen), das läßt hin und wieder auch ohne stimulierende Rauschmittel so einiges lebensvoll zutage treten.
Im ersten Abschnitt seines Buches „Dichtung und Wahrheit“ beschreibt Goethe eine Begebenheit, die solch einem Fausse reconnaissance, diesem „falschen Wiedererkennen“, so allerhand Ausdruck verleiht. -  
„Kokolores! Vernunftwidrige, hirnrissig gesponnene Flausen!“ räsonierte einst unbelehrbar abweisend der Freud-Schüler Sebastian Heil-Resistere, als der Großmeister der Psychoanalyse sich hinsichtlich dessen murmelnd ins Nachdenken vertieft hatte.
„Nein-nein, sie vereinsamter Nihilist! - Der Auftakt für die als Déjà-vu charakterisierten Erlebnisse, ist einzig und allein mit den verdrängten Phantasien der menschlichen Wesen präzis zu verdeutlichen!“ wurde der angehende Seelen-Voyeur sogleich eines Besseren belehrt. -
-
Ja, all das gab mir nun doch zu denken, als ich vor kurzem einen mehrseitigen Brief aus Paris - geschrieben von einem Freund, dem Pianisten Javiero Garcia Sánchez - neugierig geöffnet und zunehmend beunruhigt gelesen hatte. - 
Javiero, seit seinem Studium an der Académie Royale zumeist in Paris wohnhaft, im Quartier Latin, im fünften Arrondissement dieser Stadt. -
Wir hatten uns 1973 in Paris kennengelernt, als ich dort einige Jahre freiberuflich als umherreisender Journalist für die bereits im Jahr 1964 von dem französischen Philosophen André Gorz dereinst in Szene gesetzten Wochenzeitung "Le Nouvel Observateur" tätig - und Javiero daselbst einige Monate als Volontär beschäftigt gewesen war. -
Ja, da ich seit langem in einer norddeutschen Region und einige Monate in Griechenland ansässig geworden bin, trafen wir uns hin und wieder nur noch in Frankreich; das aber selten. -
Doch nun zurück zur soeben geöffneten Post aus Paris: Nebst einer CD mit der Klaviermusik des Komponisten Erik Satie, hielt ich vier eng-beschriebene Seiten in Händen. Und war mir - nach einem kurzen Überblick dessen - sogleich auch darüber bewußt, daß mich das Wesentliche einer brieflich anscheinend derart eindringlich beschworenen Imagination vermutlich im nachhinein wohl erst einmal nachdenklich stimmen - und sich dann, als schwer zu bewältigend, alsbald offenbaren würde:
-
"Paris, 12. Juni, 2009 -
Didier cher ... Qu‘est-ce qui s‘est passé?  -  (Was ist geschehen?)
Oui, Du wirst es vermutlich gar nicht für möglich halten - und Deiner diesbezüglichen Einstellung gemäß, nur milde gestimmt lächeln. Aber die meinen Zeilen beiliegende Tondichtung des Erik Satie, sie beschwörte da neulich urplötzlich in mir einen recht melodramatisch gearteten Rückblick zutage ... Reinkarnation? Haben wir schon einmal gelebt?
Uns muß es schon 'mal gegeben haben!
Denk einen Augenblick angestrengt nach und zugleich auch inhaltsgeladen zurück - dann wird die im folgenden nun wieder auflebende Begebenheit auch Dir sogleich wahrhaft und wirklichkeitsnah vor einem geistigen Auge erscheinen:
Dieser dereinst gemeinsam erlebte Monat Mai 1917, hier, in den für uns einstmals heimatlich gewordenen, wie wohl oftmals auch desillusionierend aufblitzenden Gegebenheiten in dieser einzig benutzbaren Wüste (Camus) Paris ...
Ist das präsent? Liegt all das für Dich nun zutage? - Nein?
Dann werde ich Dir jetzt hinweisend auf die Sprünge helfen! - Eh bien:
Rauchend und Wein trinkend saßen wir damals nachdenklich gestimmt in der Feuilleton-Redaktion des Nouvel-Observateur und sprachen über die demnächst im Théâtre du Châtelet stattfindende Inszenierung von Musik, Ballett und der Malerei, dieser als „kubistisches Manifest“ bezeichneten, alsbald debütierenden Theateraufführung. 
Du erinnerst dich? - Nein, noch immer nicht?“
-
Unabhängig davon, daß ich mich daran partout nicht erinnern konnte, war es erst einmal in Betracht zu ziehen, daß es den Nouvel Observateur damals noch gar nicht gegeben hat.
Denn als Erstveröffentlichung dieser bald zur meist gelesenen Zeitung gediehenen Druckschrift, ist der von Claude Bourdet 1950 in Umlauf gesetzte L‘Observateur zu erwähnen.
Da offenbarte sich in Javieros phantastisch aufblühendem Sentimentalitäts-Geschehen doch schon ein inkorrekt aufscheinendes Denkzeichen, so bedachte ich‘s kurz - um gleich darauf erwartungsvoll weiterzulesen:
-
„Incroyable! (unglaublich!) Aber ein vermutlich aufsehenerregender Hinblick auf das bevorstehende Spektakel war schon vorab zu gewärtigen, als wir drei Tage vor der Uraufführung nachmittags bei der Anbahnung dessen dort dann schaulüstern zu Gast waren! 
Na, ist es nun doch gegenwärtig?
Du mußt das vor Augen haben! Den übereifrig herumwieselnden Jean Cocteau, in dem von ihm so absonderlich geplanten Szenario.
Dazu, gewöhnungsbedürftig im Hintergrund eines futuristisch erschaffenen Bühnengeschehens: Erik Saties für uns ja bis dato noch ungewohnte, von ihm extra für diese Aufführung konzertierte exzentrische Tondichtungen ... Nein, da ist noch kein Rückblick in Reichweite? Das nehme ich Dir nicht ab; gib‘s zu, Du verweigerst dich! Mußt Du jetzt alles derart ernüchternd vereiteln wollen? - Auch die Choreographie und zudem noch tänzerische Meisterschaft des Léonide Massine? Der Tänzer des Balletts Russes - und Liebhaber des Choreographen Diaghilew - der ja damals dort auch umtriebig zugegen war. Oui, schieb einmal all diese unfreundlich aufblitzende Abwehr aufnahmefähig beiseite! Dann wird sich Dir alles umgehend durchaus so malerisch offenbaren: Gewiß der übereifrig umhereilende Kostüm- und Bühnenbildner Pablo Picasso ... - Aha! Aufhorchen lassend, zeigt sich da zwingend der Malerfürst! Er setzt wohl ad hoc unter Druck und nötigt nun doch zu einem bereitwillig aufkeimenden Wiedererscheinen dieses vor Jahren ja gemeinsam so eindrucksvoll miterlebten Bühnenspektakels.
Nein, noch immer nicht?
Denk 'mal zurück: Wir waren ja damals durchaus beeindruckt ...
Nicht so der Großteil des Publikums am Abend der Premiere am 18. Mai 1917! - Lautstark geäußerte Ablehnungen brachten Tumult in den Saal - und verursachten einen Skandal! Wie Du wohl weißt.“
-
Hm? - Javiero - und erneut die Beeinflussung durch Opium?
Versuchte ich‘s zu ergründen; mich auch daran erinnernd, daß er seit langem schon ein Bewunderer des am 11. Oktober 1963 in Milly-la-Forêt verstorbenen enfant terribles Jean Cocteau war. Und sich 1976, in Paris, als Besucher einer Versteigerungs-Aktion Cocteaus‘scher Wertobjekte im Bereich der beweglichen Habe, zwei der hier unter anderem angebotenen Opium-Pfeifchen zu eigen gemacht hatte. -
Oui, offenbarte sich hier nun doch eine derart beeinflußte Willenslenkung halluzinierend einwirkender Drogen? 
Trotz allem laß ich erwartungsvoll weiter:
-
„Voilà, erinnerst Du dich manchmal noch an den oftmals abwertend begutachtenden Schmähredner Jean Poueigh? „Man hat da auf die nie endende Dummheit der Menschen spekuliert“, ließ er, der bekannte Musikkritiker, sich damals derart gestreng in einigen Zeitungen über das extravagant inszenierte Bühnenereignis aus. Eventuell ist es Dir wahrhaftig nicht mehr in Erinnerung geblieben, daß Erik Satie ihm daraufhin stockwütend eine Postkarte mit dem folgenden Wortlaut geschrieben hat: „Monsieur et cher ami - vous êtes un cul, un cul sans musique!“ (Mein Herr und lieber Freund - Sie sind ein Arsch, ein Arsch ohne Musik!) -
„Am darauffolgenden Tag - Das wirst Du wohl kaum vergessen haben! Da saßen wir ja dann noch, vertieft in ein wortgewaltig gestaltetes Miteinander, bei der reizenden Madame Misia Sert im eleganten Salon ihrer Wohnung am Quai Voltaire ... - Anwesend waren - wie es nun wirklich noch erinnerlich sein müßte: Ein oft buhlerisch um Léonide Massine herumtänzelnder Serge Diaghilew. Und der spür- und sichtbar um Aufmerksamkeit bemühte Jean Cocteau. Ein dandyhaft gekleideter Marcel Proust, dessen hin und wieder durchdringend laut werdendes Lachen uns alle erschauern ließ. Und im kontemplativen Abseits ein sich angeregt mit dem Maler August Renoir unterhaltender Freund und Kumpan Toulouse Lautrec. - Oui, und um Mitternacht erschien dann auch noch der unserer Misia dereinst das Musikstück „La Valse“ gewidmet habende Komponist Maurice Ravel“. -
-
„Javiero, Du hast Max Jakob, Guillaume Apollinaire und auch den damals dort anwesenden Pablo Picasso gar nicht erwähnt!“ murmelte ich, obschon noch immer recht unzugänglich gestimmt ...
Kopfschüttelnd und trotz allem nun doch auch schon schwärmerisch zwangsgesteuert in eine gefühlvoll aufleuchtende Rückschau in die reizvoll erlebte Zeit in Paris entrückt, nahm ich die bereits geöffnete Flasche Rotwein zur Hand und begab mich nebst Glas und dem Brief des Freundes auf die Terrasse meines Häuschens im Norden der griechischen Insel Lesvos. - Sanftmütig gestimmt, war ich dann gleich darauf weiterverfolgend wieder in Javieros daseinsfreudiges und wortreich zu spüren gegebenes Wunschtraum-Gebilde vertieft - in diesem erweiterten Ausmaß:
-
„Verspätet kam dann, wieder einmal angetrunken, „Monsieur Pauvré“, wie er in einschlägigen Kreisen oftmals benannt wurde: der Erik Satie. - Didier, das kannst Du unmöglich vergessen haben!“ stand da zu bewegen suchend geschrieben. - „Auch eingedenk dessen, daß Du es ja warst, der dann, bereits in den beginnenden Morgenstunden, den inzwischen volltrunken wankenden, rheumatisch einherstolpernden Erik hilfreich nach Hause, in sein zellenartiges, mit allerhand Trödel, Gerümpel und Plunder vollgestopftes Kämmerlein, damals noch in der Rue Corot, stützend geleitet hast!“ -
-
Par bleu! Ich versuchte mir das nun leibhaftig vor Augen zu stellen. Und dachte dabei an Platon, der einmal diesbezüglich bekundet hat: Nur die ewigen Ideen sind das eigentlich Seiende!
Ach Javiero! - Beeindruckt und nun wohl auch zunehmend beeinflußbar Wirkung gewahr werdend, las ich aufmerksam weiter:
-
„Unterwegs, so hast Du es damals uns allen erzählt, warst Du ja angeblich immer wieder sehr darum bemüht, ein wenig mehr über sein der mittelalterlichen Mystik entliehenes Musik-Emfinden, dieser Rückkehr zu einer klassischen Prägung dessen zu ergründen. -
Das sollte nun doch gegenwärtig sein ... "Er sei noch immer in die Erweiterung seiner Gymnopedien vertieft und das kontinuierlich!" hat Dir der trunken einherstiefelnde Erik abwinkend zu verstehen gegeben, so hast Du uns damals darüber berichtet. - Nebenbei bemerkt, sind das die Kompositionen, die mir noch immer am besten gefallen. Nein, nicht so die einstmals erlebten Tondichtungen dieser theatralischen Aufführung „Parade“
Stimmen wir da überein?“ -
-
Was das angeht: ja, dachte ich beiläufig ...
-
„Im Flur seiner ärmlichen Bleibe angelangt“, berichtete Javiero schriftlich weiter, „hat er Dir - wie Du es derzeit ja stillvergnügt betont hast -, dann schlußendlich noch aufgebracht zugeraunt: "Möge dem Armseligen, der mich übersieht, die Zunge verbrennen - und auch das Trommelfell platzen!" -
Mon dieu! Wenn Du dich daran nun nicht mehr erinnern kannst, dann schöpfe ich doch den Verdacht, daß ich ab jetzt unerfreulicherweise an Deiner Merkfähigkeit zweifeln muß! - Laß es mich wissen, ruft sorgenvoll ausharrend einer der wenigen Dir aller Wahrscheinlichkeit nach wohl noch verbliebenen Freunde, im derzeit regnerisch verschnupft machendem Molloch Paris.“ -
-
Unserer langjährigen Freundschaft zuliebe, galt es nun herzlich und angemessen darauf zu antworten ...
Immerhin, dem bereits genußfreudig getrunkenen Wein zur Folge, würde die Beantwortung seiner gefühlsselig formulierten Zeilen dann auch hoffentlich zusagend und erfreulich zuwege gebracht werden.
Nun ja:
„Wer ein bewußtes Leben führen will, der muß das im flüchtigen Strom seiner Erinnerungsbilder tun!“ so hatte es ja schon der in Berlin lebende Philosoph Stephan Otto dereinst konkretisiert. -
In Anbetracht dessen, griff ich bald darauf seelenvergnügt zur Feder, um gleichgestimmt, wie einstmals Schulter an Schulter, nun emotional aufgekratzt aufs Geratewohl "zurückzublicken":
-
Skala Sykaminias, Lesvos, Greece, am 14. Juni, 2009 -
Mon cher Javiero,
wohl wahr, es bleibt unvergessen - und natürlich erinnere ich mich an all das von Dir urplötzlich nun so gefühlsreich erneut vor Augen geführte damalige Geschehen. - Wenn ich da zutreffend zurückschaue, dann bist Du ja damals bald darauf, im Juni 1917, nach Madrid abgereist, um Deine Mutter zu besuchen und am dortigen Konservatorium drei Jahre lang als Musiklehrer zu unterrichten. - Das ist nun durchaus erwähnenswert, mein Freund!  -
Denn in diesem beachtenswerten Zeitraum, da hat sich ja noch so einiges aufsehenerregend ereignet ...
Als Du noch in Paris anwesend warst, da sprachen wir eines Abends mit Guillaume Apollinaire über einen neuen Geist des Überrealismus - er nannte es „sur-realisme“, Du erinnerst dich daran? Gemeint war: Das Wirkliche mit dem Unwirklichen zu verknüpfen ... -
So annähernd im Unwirklichen trat dann zutage, was ich kurz nach Deiner Abreise erleben durfte:
Wir (die Redaktion) hatten in Erfahrung gebracht, daß Picasso wieder einmal die Gespielinnen ausgewechselt hatte, Olga Chochlowa war jetzt die Favoritin. Im Juli 1918 hat er die Dame dann geheiratet. - Cocteau war der Trauzeuge. Oui, und ihn habe ich dann gebeten, mir einen Termin für ein Interview zu beschaffen. - In der darauffolgenden Woche hat‘s dann auch geklappt, der Meister hatte es gönnerhaft geschehen lassen ...
Wohlan - und somit zurück ins damalige "Geschehen":
Picasso war ja inzwischen nicht nur berühmt, sondern auch wohlhabend geworden. Als ich die neue Wohnung in der Rue la Boétie betreten hatte, stand mir ein auffallend bürgerlich sichtbar werdender Maler gegenüber: Im maßgeschneiderten Anzug, mit einem Ziertuch in der oberen Jackentasche und einer auffällig hervorleuchtenden goldenen Uhrkette am Knopfloch. - Es verschlug mir die Sprache, als ich die luxuriös ausgestatteten Räume näher in Augenschein nehmen konnte: Olgas strategische Einflußnahme, so bedachte ich‘s, als mich der Meister überraschend freundlich dazu aufforderte, nun ihm gegenüber Platz zu nehmen. - Kurz zusammengefaßt: Im Laufe des einseitig stattfindenden Gesprächs wurde mir deutlich gemacht, daß ich ein Interview nur bekommen könnte, wenn ich schon morgen früh als Chauffeur zur Verfügung stehen würde. - Er habe sich gestern ein Automobil gekauft, einen Hispano-Suiza; weder er noch Madame Olga hätten jedoch eine notwendige Fahrerlaubnis. Auch der Freund Erik, Monsieur Satie nicht, der ja morgen dabeisein würde ...
„Wo man denn so übereilt hinfahren wolle?“ habe ich, offensichtlich total überrumpelt, nachgefragt.
„Nach Antibes, um dort, am La Garoupe benannten Strand im Kreis der feinen Gesellschaft ein wenig mitmischen zu wollen!“ gab mir Picasso abfällig grinsend zu verstehen. -
Ich hatte begriffen: Le High Life - das Treiben der Prominenten - und Madame Olgas offenbar lebenswichtiges Begehren, daselbst nun beachtet werdend mithalten zu können. -
-
Am Morgen darauf klingelte ich, repräsentabel gekleidet - ich hatte mir am Abend zuvor von Max Jakob noch einen Anzug geliehen -, abreisebereit dastehend, an der Wohnungstür der Familie Picasso.
Olga öffnete mir - und nahm mich mißbilligend in Augenschein: „Nein-nein, so geht das nicht!“ fuhr sie mich an. „Das werden wir jetzt sofort passend umgestalten!“ ließ sie mich wissen, rauschte davon und schon wenige Minuten später hielt sie mir die vollständige, komödienhafte Montur eines Chauffeurs unter die Nase! - „Keine Widerrede, Sie ziehen das nun sofort an!“ wurde bestimmt. -
Javiero, et cétait tout - und das war alles ... Und Du kannst dir vielleicht deutlich einmal mitfühlend vor Augen führen, wie mir damals zumute war. -
-
Trotz allem gestalteten sich diese dereinst erlebten Tage wahrhaft zu einem unvergeßlichen Reisegeschehen. Am ersten Tag fuhren wir bis hin nach Lyon - es gab ja damals noch keine Autobahn -, und am zweiten Tag erreichten wir dann gut gelaunt schließlich das Städtchen Antibes. -
Fürwahr: Eine anstrengend verlaufene Autofahrt ...
Andererseits sich ausreichend ergebende Stunden, um hernach wirklich ein aufschlußreiches und bemerkenswertes Interview konzipieren zu können. -
Javiero, derart inhaltsgeladen nun so überraschend zurückblickend, ist da noch etwas erwähnenswert: Als der Erik Satie am 1. Juli, 1925 in Paris verstorben war, da fanden wir - Max Jakob und ich - in seiner Wohnung noch die inzwischen weltweit bekannt gewordene Komposition „Vexations“ - „Quälereien für ein Soloklavier“, wie er die Tondichtung ja scherzhaft benannt hatte. -
So viel erst einmal für heute, mon ami; auch hinsichtlich eines hin und wieder aufblühenden Erinnerungsvermögens, - salut, à bientôt - ton Didier. -
*
Post Skriptum: 
Wissenschaftliche Untersuchungen haben aufsehenerregend erkundet, daß 50 bis 90 Prozent der auf diesem Globus gern lustbetont weilenden Menschen derartig traumhafte Erscheinungen dieser beunruhigend phantasievollen Beschaffenheit bereits oftmals durchlebt haben - und gegebenenfalls auch uneingeschränkt beurkunden können.  
-
***

Dienstag, 17. November 2020

Etwas abwertend "rückblickend" auf diesen "Julius August Walther" von GOETHE:

Nun ja, der offenbar recht einfältige Sohn des großartigen Dichterfürsten. -
"Das Gewöhnliche im Ausdruck", hatte Charlotte von Stein einmal das charakterisiert, was im folgenden so freiheraus nun doch ein wenig näher in Augenschein genommen werden soll ...
Zuvor:
War man damals hoffnungsvoll angespannt und wohl auch unruhig abwartend beieinander ... 
Denn vordem mußte sie den Leidensweg einiger Fehlgeburten ertragen, die Ehefrau des Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe, Christiane Vulpius. - 
Am 25. Dezember, 1789 war dann endlich das bereits lang ersehnte, freudige Ereignis trotz allem Wirklichkeit geworden: Ein Knäblein hatte in Weimar mühevoll das Licht der Welt erblickt. -
Heranwachsend zuvor als zumeist unauffällig beschrieben, geisterte der Filius schon bald darauf unaufhaltsam hinein, in eine aufmüpfig sich in Szene setzende Sturm-und-Drangzeit. - Nach diesen Flegeljahren jedoch achtbar zur Ruhe gekommen, ehelichte er 1817 Ottilie Freiin von Pogwisch - und avancierte, dank ihrer guten Beziehungen zum Souverän, bald auch zum Kammerherren am Hofe des Weimarer Fürsten. -
So viel informativ vorab ...
Die nachfolgende Geschichte schildert hingegen eine Situation, in welcher ein stets Gelassenheit wahrmachen wollender Vater dereinst fast an den Rand des Erträglichen getrieben wurde. -
Als da zu spüren gegeben worden war:
Im Freien dringt der Sonnenschein,
schon gleißend in den Tag hinein.
Was Goethe nicht einmal entdeckt,
da er in Schwierigkeiten steckt.
Der Schluß zum Goetz von Berlichingen,
war textlich nicht in Form zu bringen.
"Was hält euch fern, ihr holden Musen? -
Ich sehne mich nach euren Busen!
Auch fühl' ich mich nicht mehr geborgen",
so klingt es klagend in den Morgen.
Als plötzlich stürmt sein Sohn herein,
der ruft: "Ach, liebster Vater mein!
Du brüllst hier laut, in edlem Zwirne,
obwohl mir derzeit dröhnt die Birne!"
Der Vater, tief noch in Gedanken,
sieht seinen August haltlos schwanken.
Sagt dann, mit zornentbranntem Schnaufen:
"Er sollte tunlichst nicht mehr saufen!"
Der Sohn - da ihn die Rüge traf -
erwidert kühl, ein wenig scharf:
"Mein lieber, wortgewandter Vater!
Kaum Alkohol bewirkt den Kater.
Nicht nur der Suff ist's wohl, mitnichten!
Auch Du trägst Schuld - Dein Drang zum dichten! -
Ich komm' nach Haus - ja, oftmals spät,
und Du bist, eh der Hahn noch kräht,
zu tierisch-frühen Morgenstunden,
schon aufgedreht dem Bett entschwunden!
Und während Du ein Frühstück kaust,
grölst Du zugleich auch Deinen Faust.
Wie soll man dabei noch entspannen? -
Ich mache mich demnächst von dannen!
Möcht' nicht als Geistesgröße leben,
im Intellektuellen schweben ...
Auch mag ich keinen Klotz am Bein,
wie Du ihn spürst, durch Frau von Stein!
Schlürf weiter Deine kluge Tinte,
nur laß mich zieh'n, in meine Pinte.
Schreib Deine RÄUBER - und dergleichen,
ich werde diesem Haus entfleuchen!"
-
Der Vater wurde merklich stiller ...
"Die Räuber fabulierte Schiller!" brummelte er daraufhin verstimmt noch kopfschüttelnd vor sich hin. -
-
Anmerkung:
Behauptet wird, daß letztendlich Goethes Beziehung zu Charlotte von Stein den Johann Wolfgang zum klassischen Dichter reifen ließ; nun einzig die Klarheit der Form, zudem die Mäßigung all der Leidenschaften und eine organische Selbstentfaltung anstrebend. -
Wohl abweichend davon, erlebnishungrig und unkonventionell, gedachte Ottilie von Pogwisch ihr Dasein zu gestalten. - Sie war die Herausgeberin einer Zeitschrift, die sich spitzbübisch "CHAOS" nannte - und führte ein dementsprechendes, recht ungebändigtes Leben ...
Tja, warum wohl auch nicht?
-
***

Sonntag, 15. November 2020

PARIS : Vor Jahr und Tag, als WIR dort wohl doch schon dereinst "zugegen waren":

Und das dann gemeinsam, in einer ausschweifenden Gemütsbeschaffenheit - "un impression de déjà vu - ?
"Ja, uns muß es derzeit so leibhaftig schon einmal gegeben haben!" betonte ein Maler-Freund vor kurzem in Paris enthusiastisch und fast schon beschwörend diese scheinbare Rückschau. -
"Oui, zweifellos! Diese als Reinkarnation oder auch Wiederfleischwerdung benannte Rückkehr, sie verschafft uns erneut eine traumhafte Entfaltung und Neubelebung am reizvollen Schauplatz all dieser dereinst so liebgewordenen Lebensbejahungen", murmelte ich beipflichtend - und zudem wohl auch schwärmerisch zustimmend.
"Très bien! (Sehr gut!) - Aber eine beachtliche Anzahl der Erdenbürger meint, das sei hirnverbrannt, abwegig und lachhaft!"
"Vergiß sie! Das sind desillusioniert dahinlebende Verweigerer."
"Certainement! (Gewiß!). - Oui, man sollte das demnach wohl nicht allzusehr überbewerten ... Hm? Kannst Du dich jetzt denn noch so ganzheitlich zurückversetzen, in das nun seit langem entschwundene Paris d'autrefois - unser altes Paris?" brach es ergriffen aus ihm heraus.
"Selbstverständlich. Und das immer wieder - liebend gern!" gab ich ihm wünschenswert zu verstehen.
"Oui, dann laß uns 'mal miteinander entfleuchen, in ein Wiederaufleben der einstmals so tatendurstig geschätzten Lebensgestaltung."             
"Avec plaisir! (mit Vergnügen!) Erinnerst Du dich jetzt noch an diesen gemeinsam wohl doch als beeindruckend erlebten Tag im Monat März des Jahres 1908?"
"Da muß ich erst einmal nachdenken ... Oui, nun entsinne ich mich. -
Allein schon deswegen, weil ich ja nachmittags mit dem Kunsthändler AmbroiseVollard verabredet gewesen bin, um ihm hoffentlich eine kleine Federzeichnung von Henri Matisse verkaufen zu können."
"Ein Original vom Maler Matisse, wie konntest Du das denn so hinterlistig erbeuten?"
"Als eine Leihgabe - vom Galeristen Daniel Kahnweiler."
"Als Leihgabe? Ich verstehe. - Mon dieu! Julien, irgendwann hätte dich Monsieur Kahnweiler dabei erwischt!" gab ich anmahnend zu bedenken.
"Non, bisher hatte es ja immer geklappt, bei Dir doch auch, mon ami! - Aber was war denn da für dich so aufregend geschehen, an diesem Tag im Monat März?" versuchte er ausweichend zu taktieren.
"Zumindest nichts mit einem kriminellen Hintergrund!" ließ ich's noch einmal anmahnend fühlen.
"Du nervst, denn meine diesbezügliche Kunstfertigkeit hatte uns dazumal ja des öfteren ein wenig vor Not und Verelendung bewahrt, das sollte Dir doch als befürwortend in Erinnerung geblieben sein!"
"Julien, Du übertreibst 'mal wieder! Denn das hatte sich doch inzwischen "zum Guten" gewandelt, hast Du das etwa schon wieder vergessen?"
"Hm? An was müßte ich mich denn da jetzt so hinlänglich nacherleben könnend erinnern?" horchte er kopfschüttelnd auf.
"Daran, daß ich seit dem so vielsagend erwähnten Tag im März immerhin der stolze Besitzer von zwei Picasso-Tuschezeichnungen gewesen war!"
"Von Pablo - geklaut!! - Wie hattest Du das denn gemeistert?" schaute er mich tief beeindruckt an.
"Nicht mitgehen lassen! Er hatte sie mir geschenkt, weil ich seine damalige Lebensgefährtin, die bezaubernde Fernande Olivier ja hin und wieder ... Aber das möchte ich hier nun doch nicht näher verdeutlichen. Jamais! (Niemals!)  - Bei Pablo stibitzen! Für wen oder was hältst Du mich eigentlich?"
"Wenn ich das jetzt gefühlvoll zur Sprache bringe, dann ... Ach, ne m'en veuillez pas! (Nichts für ungut!) Aber was hatte sich denn an diesem besagten März-Tag so aufsehenerregend abgespielt? Ich kann's momentan gar nicht so bildhaft wiederauftauchen lassen", gab er mir zu verstehen.
"Auch das nicht, daß ich in unserer damaligen Bleibe, dieser chaotisch-heimeligen La ruche, mit meinem damaligen Nachbarn Georges Braque in eine Art Disharmonie hineingeraten war?"
"Ach ja, von Guillaume Apollinaire wurde mir später darüber berichtet! Du hattest dir von Georges das Fahrrad geliehen - und ohne Bedenken zu Bruch gefahren, weil Du wieder 'mal stockbesoffen ..."
"Jetzt beherrsch' Dich erst einmal bitte!" unterbrach ich ihn schmollend. -
"Ja, wir hatten vorab im Lapin à Gill ein wenig dem Wein zugesprochen, drei Flaschen vom Feinsten, die Cocteau uns spendiert hatte. - Weit nach Mitternacht, wollte ich dann Pablo noch heimwärts ins Bateau-Lavoir kutschieren - und dabei ist's dann geschehen."
"Wie das denn?"
"Du stellst mir da saudumme Fragen. Ich möchte Dich 'mal erleben, mit einem betrunkenen Picasso hinten auf dem Gepäckträger eines Fahrrads, der lauthals spanische Lieder singend auch noch andauernd "Olé! brüllt - und dir dazu dann stimmungsvoll mit beiden Fäusten auf dem Rücken herumtrommelt!"
"Das ist bedauerlicherweise ja nun nicht mehr durchführbar", wandte er zutreffend ein.
"Nun ja, leider ging's dabei noch zunehmend bergab, auf dem damaligen Kopfsteinpflaster der Rue Ravignan! Abbremsen war schlechthin nicht mehr möglich, und wir sind dann somit recht unsanft an der hölzernen Tür der alten Maler-Klause verhängnisvoll zum Stillstand gekommen." -
"Und dabei wurde das unentbehrliche Fahrrad dann ein wenig zertrümmert! Oui, was offenbar den Eigentümer dieser sicherlich liebgewonnenen Gerätschaft verzweifelt die Hände ringen ließ."
"Non, zu Fäusten geballt, wollte er mir damit seine derzeitige Entrüstung so handgemein zu Leibe gehend schmerzhaft zum Ausdruck geben! - Oui, und wenn nicht der stets mitleidend empfindende Guillaume Apollinaire beschwichtigen wollend dazwischengegangen wäre, dann ...
Ich mag jetzt gar nicht daran zurückdenken!"
"Das ist naheliegend, aber immerhin hattest Du ja dem Georges so allerlei Ungemach bereitet! - 
Der Max Jakob erzählte mir am Tag danach, daß euer so lautstark vom Stapel gelassenes Palaver den Maler Van Dongen anscheinend dermaßen in Rage gebracht haben soll, daß er sogleich eine tote, bereits unangenehm riechende Katze, die er vorab zu malen begonnen hatte, Dir daraufhin wutentbrannt ins Genick geschleudert haben soll."
"Non, Du dramatisierst da alles ein wenig überbetont! Denn es war ja nur noch das Fell der Katze. - Der Kees van Dongen war ja seinerzeit dermaßen verarmt, daß die Innereien rein zufällig bei ihm und seiner großen Familie endlich einmal eine sättigende Mahlzeit möglich gemacht hatten ..."
 -
Oui, töricht und unüberlegt letztendlich noch in Szene gesetzt, war sie bedauerlicherweise nun offenbar doch als recht "unappetitlich" entzaubert worden, unsere geistesverwandte Rückschau.
Denn ...
"Das von Dir ja geplante Abendessen in der Rhumerie Martiniquaise, das mußt Du wohl demnächst allein genießen, da mir hinsichtlich dessen ein kulinarisches Gelüst vorerst abhanden gekommen ist", gab mir der Freund abwinkend zu verstehen, als wir unglücklicherweise unsere Rückschau so desillusionierend zum Erliegen gebracht hatten. -
Ein "diesbezüglicher" Hinweis sei hier noch gegeben:
In Frankreich sagt man gern schmunzelnd: "Pour les Francais, l´ estomac est l´organe le plus important" - der Magen ist das wichtigste Organ im Leben. -
-
*

Samstag, 14. November 2020

Damals: Der Robert Gernhardt - und sein doch so ausdrucksvoller "Kragenbär" ...

Lieber Robert - der du bist zur Zeit  leider: "procul a domo" ... 
("fern der Heimat") - trotz allem:
Ach ja, da nimm bitte dort "Oben" das im Nachhinein beschriebene "Ereignis hier UNTEN" nun doch einmal "schmunzelnd" zur Kenntnis ... 
Als da "zutage getreten" war:
Es gibt sie tagtäglich noch immer, diese Tugendbolde und zudem so intuitiven Sittenwächter. -
Denn, als ich da neulich, in einer Kleinstadt im Ammerland. - Am Ende eines vorab als bisher angenehm empfundenen Leseabends, hernach noch Bücher signierend am Tisch saß, da hat mir dann einer dieser als Moralapostel auftretenden Erdenbürger - entrüstet dreinblickend - eine herausgerissene Buchseite auf die Tischplatte geklatscht! - Zu sehen war nun der von Dir in einer Bildfolge dereinst gezeichnete Bär, mit dieser textlich so bedeutsamen Anspielung: 
"Der Kragenbär, der holt sich munter, 
nun einen nach dem anderen runter."
-
Tja, ich habe dann den so sichtbar erbosten Philister nun darauf aufmerksam gemacht, daß die so unübertrefflich schelmisch geprägte Arbeit derzeit nicht von mir erschaffen wurde.
"Das sei ihm egal!" fuhr er mich an. "So etwas zu Papier zu bringen und dann auch zu veröffentlichen, das sei ekelerregend und unzumutbar! Bücher dieser negativ beeinflussenden Machart sollten schleunigst auf einem Scheiterhaufen verbrannt werden!" fügte er aufgebracht noch hinzu.
"Aber Sie haben das Buch doch irgendwann käuflich erworben", machte ich ihn darauf aufmerksam.
"Um Gotteswillen - nein!" brach es abweisend aus ihm heraus. "Im Zimmer meines Sohnes Eberhard habe ich diese abscheuliche Lektüre leider vor kurzem gewahren müssen."
-
Robert, "um des lieben Friedens willen" habe ich dem Tugendwächter dann erzählt, daß der hinweisende Text von den bestimmenden Redakteuren im Verlag leidenschaftlich gern so eindeutig verkürzt unter den Zeichnungen zur Aussage kommen würde. - In diesem Fall hätte der vom Autor ursprünglich gereimt zum Ausdruck gegebene Wortlaut jedoch die offenbar im Pelz des Bären so unangenehm blutsaugenden Parasiten verdeutlichen wollen -
und das folgendermaßen:
Der Kragenbär, der holt sich munter, 
nun einen nach dem anderen runter. - (die Schädlinge aus dem Pelz!)
Um sie, nach den Höllenqualen, 
dann mit den Tatzen zu zermahlen. -
-
Ach Robert, ich hoffe Du bist - wenn auch in "dieser weiten Ferne" - diesbezüglich als "annehmbar" damit einverstanden. -
Ach ja, auch das noch - tatsächlich:
Du wirst verdutzt von oben schauen,
man will Dir jetzt ein Denkmal bauen.
Nein-nein, ganz ehrlich, keine Mär!
Erschaffen wird der "KRAGENBÄR" ...
-
(In Göttingen - vermutlich). -
-
***

Freitag, 13. November 2020

NAPOLEON - und die damals offenbar so "gehorsamen" Frauen:

Zutreffend ist's: In Frankreich wird er noch immer verehrt, der am 15. August 1769 in der Ortschaft Ajaccio, auf der Insel Korsika einstmals geborene Napoleon Bonaparte.
1804 zum Kaiser gekrönt - und als solcher 10 Jahre lang absolutistisch Regierungsgewalt verfestigend.
Bis anno 1813, als nach der Völkerschlacht bei Leipzig jedoch 1814 ein bis dato ja unermüdliches Bestreben nach der Alleinherrschaft unrühmlich zum Stillstand gekommen war. 
Anhaltend erinnerlich an Monsieur ist das in Frankreich noch immer gültige Gesetzbuch. Juristisch benannt als "Code Civil des Francais" oder auch kurzum "Code Napoleon" ...
Ein Erlaß, in welchem seinerzeit (unter anderem) gesetzgebend folgendes vermerkt worden ist: 
Die Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz. / Die Trennung von Kirche und Staat. / - und dem damaligen Zeitgepräge entsprechend: Die Frau schuldet ihrem Mann Gehorsam.
Letzteres hatte uns mißbilligend motiviert, als wir - Freund Jacques Brel und ich - Anfang Mai 1975 nachmittags im Café  Le Deux Magots saßen - und über die sich am 5. Mai, dem Todestag des streitbaren Herrschers, erneut schwärmerisch und hurrapatriotisch, beinahe geisterhaft Schatten vorauswerfenden Entfaltungen debattierten. - Eingedenk dessen, sollte nun diesbezüglich spottlüstern einiges Einspruch erhebend zur Sprache gebracht werden. Oui, über eine unbestrittene Größe, die schlußendlich zur Hybris entartet, wie es schon ehedem, vor unserer Planung, von einem bekannten Geschichtswissenschaftler so überdeutlich zum Ausdruck geraten war.
Und beabsichtigt war's ja von uns, diese spöttelnden Zeilen in dem damals noch publizierenden Wochenmagazin Hara-Kiri zu veröffentlichen. 
(Die Zeitschrift ist später, ab 1992 als Charlie Hebdo bekannt geworden). -
Par bleu! Die geisterhaften Napoleonischen-Schatten ...
"Sünden und böse Geister scheuen an sich ja das Licht!" brachte sich Jacques, anspruchsvoll Schiller aus "Kabale und Liebe" zitierend, grüblerisch ein.
"Oui, es geht wieder einmal geisterhaft zu, doch jeder Augenblick des Lebens will uns wohl doch etwas sagen, hat ja Nietzsche schon dereinst geistreich aufhorchen lassen", fügte ich grinsend hinzu.   
"Genau! Das ist der springende Punkt, das Non plus ultra: Ein Geist, die Bezeichnung für etwas zunächst Unfaßbares. - Zuweilen eine den Menschen jedoch durchaus ergreifende Spukgestalt! - Wie es ja einstmals so zügellos geschehen, vor fast 200 Jahren", gab daraufhin Jacques einen Geistesblitz zur Veranschaulichung faustisch grinsend zum Ausdruck.
Mon dieu ...
So ist - unter anderem - etwas abwegig überhandnehmend, vor Jahr und Tag das nachfolgende Elaborat derart anrüchig zu Papier gebracht worden. Und hoffnungsvoll, sahen wir uns damals schon im Olymp der "monstres sacrés", diesen "heiligen Monstern französischer Kultur" willkommen geheißen! -
Oui, und das nun "infolgedessen":
-
Nach jener Schmach von Waterloo, verzog Er sich nach Fontainebleau.
Ins Landschloß, um zu hinterfragen: wieso sein Feldzug fehlgeschlagen?
Und dort, in dieser Abseitsklause, in der Napoleon oft zu Hause,
verspürt Monsieur de Bonaparte, daß ihn, in die erlauchte Schwarte,
ein Nachtgespenst, genannt auch Geist, nächtens ins Gemächte beißt!
Der Kaiser, wohl zutiefst erschrocken, 
macht sich dann eiligst auf die Socken.
Mit kaum noch hoheitsvoller Miene, raus auf den Hof, hin zur Latrine.
Nachdem er dort die Tür verriegelt, hat er sich sofort, ungezügelt,
von Kopf bis Fuß, ganz ungeniert, mit den Fäkalien eingeschmiert.
Was Majestät damit bezweckt?
Sie hofft, daß dies den Geist abschreckt ...
Und so, mit diesem Schmutz besudelt, ist er ins Haus zurückgetrudelt.
Gezielt in Richtung Kemenate, wo die Mätresse seiner harrte.
Hüpft ungeniert auf die Matratze, umklammert wild die Schmusekatze. -
Bevor es zur Vereinigung kommt, erstarrt sie - widersetzt sich prompt:
„So wahr ich Georgina * heiße, Ihr Aussehen heut’ ist wirklich Scheiße!"
-
(gemeint ist die französische Schauspielerin Marguerite Joséphine George
genannt: "Georgina", eine der vielen Geliebten des Napoleon Bonaparte.)
-
Eh bien ...
"Très cést fâcheux" (Sehr ärgerlich), das wird aus der großen Gemeinde der Napoleon-Sympathisanten wohl demnächst zu hören sein. 
"Oui, je le regrette beaucoup" (Ja, ich bedauere es sehr), das "könnte" ich ja jetzt schuld-bewußt darauf antworten. -
"Nein, das eigentlich "nicht", denn DER war Zeit seines Lebens wohl niemals als "schuld-bewußt zugegen" - wie mir Jacques "abwinkend" zu verstehen gab. -
Ein Nachtrag:
Schon zwei Jahre danach, hat Jacques dann leider "sein Hiersein" beenden müssen. -
-
*

Donnerstag, 12. November 2020

November: Eine neue Nachricht von "OBEN":

Übermittelt aus der "Himmelreich-Literatur-Wolken-Sphäre", 
von Robert und Jacques (Gernhardt und Brel) : 
"Ach Didier: 
Schon wieder bist Du offenbar diesem derzeitigen Politik-Geschehen textlich "anheim gefallen" ... 
Da nimm nun "diesbezüglich" jetzt einmal zur Kenntnis: 
Hier "OBEN", da ist schon seit langem für all diese "fehlgeleiteten" Politik-Strategen "hernach" eine besondere "Himmels-Wolken-Sphäre" parat. - 
Ein fast undurchdringliches "Dunkel", in welchem sich die von "UNTEN" so weltweit gen "OBEN" entfleuchenden Abgase nun schon seit etlichen Zeiten angereichert haben. -
Ein wohl " durchaus gerechtfertigtes Domizil" für all diese dort "UNTEN" so geltungsbedürftigen Regierungs-Tragöden" ...
Das sei Dir, als ein vielleicht auch zufrieden-stellender Hinweis von uns übermittelt. -
Der Robert nickt mir soeben "gut-heißend" zu. -
Salut - mon ami. -
-
*

USA: Dort zeigte ER sich stets ungezügelt - in all seiner "selbstgefälligen Unfähigkeit" :

Und das noch immer ...
Dieser nun doch ehemalige, seinerzeit oftmals als recht beunruhigend in Erscheinung tretende amerikanische Präsident "Plump". -
Tagtäglich gegenwärtig als so dummstolz und auch rücksichtslos ichbezogen! -
Und das sei hier nun doch einmal veranschaulichend zu spüren gegeben:
Denn es präsidierte dort einige Jahre, sich oftmals selbstsüchtig aufplusternd, ein amerikanischer Politiker, der auch die wohl unanzweifelbare globale Erwärmung lauthals hoffnungsvoll leugnete - und den Schutz der Natur, stets auf den eigenen Vorteil bedacht, nun unbarmherzig als ein "Affentheater" bezeichnete.
"Horribel! Das alles bewirkt ja beunruhigend auch all meinen Bereicherungs-Interessen verlustbringend entgegen", wird ER befürchtet haben ...
"Yes - und da wird man als derzeitiger Präsident jetzt wohl durchaus beeinflussen dürfen!"
Hinzugefügt sei daher als angemessen:
Ave trump, lucrifacturi te salutant! 
Was gleichgestimmt meint:
Sei gegrüßt Trump, (alle) die sich bereichern wollen, grüßen dich!
Auch das noch - in Folge:
Denn dieser (gewesene) amerikanische Präsident, er hat letztendlich ja auch das wieder einmal offenbar werden lassen: Warum die Politik-Verdrossenheit weltweit immer mehr zunimmt. -
-
Am 8. November habe ich's dann vernommen: 
Diesem zweifelhaften TRUMP wurde "eine Abfuhr erteilt"! 
Und ein gewisser "Joe Biden" will alles jetzt "neu beleben" - ? - ?
Im derzeitigen "politischen Schmieren-Theater" der USA ... -
-
Hernach:
Der wutschnaubende TRUMP - und was zu erwarten war:
Er wird sich hemmungslos gerieren - und jetzt die Contenance verlieren! 
Yes - ist schon vom Stapel gelassen geworden ...
Und das "Coram populo (publico)" - in Gegenwart aller (der Öffentlichkeit) . -
-
*

Mittwoch, 11. November 2020

Shakespeares Theaterstück "HAMLET", so kunstgerecht "eigenwillig" in Szene gesetzt ...

Es war ein beeindruckender Nachmittag in Berlin: Denn dort wurde ich - ahnungslos dessen - zum Augen- und Ohren-Zeugen einer amüsanten, so originell in Szene gestalteten Begebenheit, bevor noch die ursprüngliche abendliche Aufführung hernach dann all das wohlgeformte "Drum und Dran" zu einem konkret theatralischen Ausdruck gestalten sollte. -
Yes - doch das sei vorab auch erwähnt:
"Shakespeare läßt ja alles mit sich machen. Er kann sich nicht wehren", so hat's Tobias Döring, der Präsident der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft kritisierend zum Ausdruck gebracht.
Tja, und auf diesen stets so leichtfüßig begehbaren Trampelpfaden des "hinnehmen müssen" und "heimgesucht werden", da sei auch die folgende Begebenheit als geistvoll erheiternd nachzuempfinden:
Als im Theater Am Halleschen Ufer der Hamlet einstudiert wurde, durfte ich damals ergötzlich miterleben, wie man sprachlich dort all das einmal recht übermütig und schalkhaft gelungen so eigenwillig in Szene zu setzten vermag. - Das bleibt für mich "unvergessen" - denn:
Zwei Schauspieler agierten dort seelenvergnügt blödelnd auf der Bühne herum; der eine als Dänenprinz Hamlet und der andere als dessen Freund Horatio. - 
"Varietas delectat - Abwechslung ergötzt!" ...
Ja, erfreulich! Und was dabei dann so übermütig zum Ausdruck geraten ist, das möchte ich hier noch einmal rückblickend anschaulich machen:
"Oh, seid gegrüßt, mein Prinz! - Ihr schaut recht trübe drein. - Was ist Euch heuer denn so unerfreulich widerfahren?"
"Arglistiges, Horatio! - Die Luft zieht schneidend scharf durch unsere Berliner Gassen. Und gleichfalls ist's, wie es mir scheint, outdors now empfindlich kalt geworden."
"By God, ist's schikanierend das allein, was Euch nun hier so sauertöpfisch aufmarschieren läßt, mein werter Prinz?"
"Nicht nur, Horatio! Wie ekel schal und unersprießlich, scheint mir das ganze Treiben dieser depravierten Welt! Gleich einem arg verwahrlost' Garten; in welchem binnen kurzem üppig wuchernd Unkraut wird wohl zügellos gen Himmel treiben ... Fuck of, drum laß er mich nicht länger diesbezüglich spintisieren!"
"Fürwahr, mein Prinz! - Denkbar ist's, daß Ihr da halbwegs richtigliegen könntet. - Was mich jedoch in hohem Maß befremdet, das prunkt so unvereinbar deplaciert an Eurem Arm!"
"Aha! - Was gilt es da nun uneinsichtig stur an mir zu tadeln? - So leg er ohne Zwang jetzt unverzüglich  los, gleich frank und frei heraus damit!"
"Ach, letztendlich eigentlich wohl nur das eine: So solltet Ihr jetzt schlechterdings nicht angestiefelt kommen, da solch ein Kaschmirkinder-Machwerk ja zu Williams Zeiten nie gesehen ward. Drum legt nun erst einmal die prahlerische Rolex ab. - Denn das, was prunkgesüchtig Ihr so eitel da zur Schau stellt, ist zeitbezogen hier gewiß als übermütig zu gewahren, gnädger Herr!"
"Halt ein, Horatio! Und laß Dir unumstößlich sagen: Zweifel an der Sonne Klarheit, zweifel an der Sterne Licht. Zweifel häufig an der Wahrheit, jedoch an meiner Rolex nicht! - Drum sei's nun stracks als unabänderlich, auch hier in diesem Rampenlicht besiegelt."
"Sorry, but I dont like this bracelet-watch ... Erfüllt der Geltungsdrang Euch gänzlich? - Mein Prinz, das ängstigt mich!"
"Oha, da blickt er folglich unverzüglich finster ins Spektakel! - Wohlan, dann nehme er nun possenhaft zur Kenntnis: Dies Kleinod ist mir lieb und teuer - und sein Genörgel stößt bei mir auf taube Ohren - my dear Horatio!"
"Okay, mein Fürst, let me conclude: Mit oder ohne? Das ist de facto zu erfragen. - Ob edler die Gestalt, wenn nackt der Arm sich zeiget, ohne diesen wohl als neureich zu gewahrenden Zeitbestimmer? - Nur scheint's, daß dies für Euch so ganz und gar undenkbar? - Yes, I don't like this, so wird's wohl baldigst unvereinbar prompt zu einer Last, mein edler Prinz."
"Fürwahr? - Dann schenk er mir nun flugs Gehör: Die güldene Uhr, sie war dereinst des Yoricks treuer Stundenweiser; jahraus, jahrein, als vormals er ein Günstling war bei Hofe! - And now sei außerdem hier noch per Ratio beschworen: Es gibt gar wohl mehr Ding' im Himmel und auf Erden, als all die wunderliche Schulweisheit sich's so uneinsichtig selbstbesessen oftmals gern erträumt - my stupid friend Horatio! -

(Ach ja, für all die "Nichtkundigen": Eine ROLEX ist eine kostspielige Armbanduhr.
Man besitzt sie vermutlich nicht nur, um die derzeitige Uhrzeit in Augenschein zu nehmen.) -
-
Einstmals, in Berlin, im Theater Am Halleschen Ufer. -
Als Autor sei's mir erlaubt noch hinzuzufügen: 
Es ist ja wohl immer wieder vielversprechend: " in sich das zarte Wirken der Sprache zu vernehmen". 
So hat es der Philosoph NOVALIS zutreffend einmal zum Ausdruck gegeben. - 
Wohl wahr!
-
***

Dienstag, 10. November 2020

Zukünftige Auswirkungen dieser "Währungs-Reform" - mit dem derzeit so erwartungsvoll betitelten "EURO" ...

Da sei nun doch noch hinzugefügt:
Denn besorgniserregend oftmals in Kenntnis setzend, wurde ja damals von vielen Experten recht eindringlich auf das "zur Folge haben" klarsichtig aufmerksam gemacht! - In EUROPA ...
Das hatte wohl ganz offensichtlich zur Folge, daß überraschenderweise bald darauf mein Freund, der in Griechenland dereinst heimisch gewordene Geschichtswissenschaftler Gavrilos vermittels Telefon hinsichtlich dessen spürbar besorgt Fragen zu stellen begann: "Wie konnte solch ein überstürzt und zweifellos unüberlegt inszeniertes Währungs-Desaster so ganz und gar unwidersprochen Wirklichkeit werden?" versuchte er's zu ergründen. 
Ein wenig zusammengefaßt, habe ich versucht "eine Darlegung dessen" zu geben, über diese vor Jahren uns allen europaweit vorschnell und unausgereift aufoktroyierte EURO-Währung! - In Deutschland immer wieder auch als "TEURO charakterisiert" ...
"Ja - ein gewisser Monsieur Mitterand in Frankreich und ein derzeit in Deutschland keinen Widerspruch duldender Alleinherrscher, Helmut Kohl geheißen, sie wollten sich, stur als herausragende Staatenlenker für alle Zeiten unübersehbar einen stets Achtung-gebietenden Denkstein setzen!"
"Ein imaginär aufragendes Gebilde, das hernach als ein Grabstein zu gewärtigen sein könnte." bekam ich ironisierend zu hören.  "Ach ja, hier in Griechenland nennt man den EURO auch spottlüstern IKARUS - als ein passendes Beispiel für Absturz und Tod einer Unausgegorenheit! ..."
"Apropos: Absturz", unterbrach ich ihn eingrenzen müssend. "Bisher ist ja noch alles gutartig verlaufen. Aber wenn dem dann doch so sein wird, werden finanziell Absturz-gefährdet wohl nur tausende "Normalbürger" in ganz Europa irgendwann sein! - 
Denn all den Großkapitalisten hat diese Pseudo-Währung ja bereits enorm ihre Konten angereichert! Und das auch noch so steuerfrei sichergestellt in den berüchtigten Steuer-Oasen, mon Gavrilos. -
Beati possidentes! Glücklich die Besitzenden ..."
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Ein Nachtrag:
Als Mensch mit einer regen Vorstellungsgabe (phantasia), denke ich in Bezug auf ein beunruhigendes EURO-Währungs-Desaster schulmeisterlich gestimmt jetzt an Immanuel Kant, der sich schon seinerzeit auch über den "Ausgang aus einer selbstverschuldeten Unmündigkeit" Gedanken gemacht hat ...
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Sonntag, 8. November 2020

Er war wohl letzthin ein nur noch resignierender Kunst-Maler - !

Ja, und diese tagtäglich aufkommenden Beweggründe für eine Resignation - 
die werden nun im folgenden sehr deutlich - und auch nachfühlbar ansichtig werden ...
Nun denn:
"Ars longa, vita brevis - Die Kunst ist lang, das Leben kurz", diese einstmals vom griechischen Mediziner Hippokrates zum Ausdruck gebrachte Lebensweisheit, sie macht nun einigen dieser die Kunst in Szene setzenden Pinsel-Artisten des öfteren leidvoll zu schaffen. -
Unerquicklich wird dann ein der Kunst angeblich innewohnendes Prinzip der Harmonie zuweilen doch als recht zweifelhaft empfunden. -
So beispielsweise, wenn bei Sotheby's, in der englischen Stadt London, wieder einmal die Gemälde der namhaft gewordenen Maler für grandiose Summen versteigert werden - oder worden sind.    
Diese Güte eines derartigen Geschicks, sie war ihm bisher jedoch leider nicht zugänglich gemacht worden, dem inzwischen alten, grauhaarigen Maler Bartholomé Esteban Murillo.-
Etwas schwermütig gestimmt, hockte er in seiner Malerklause, als das eingeschaltete Fernsehgerät erneut eine sensationelle - ihm das derzeitige Sein vermiesende Berichterstattung offenbarte:
"Ein neuer Weltrekord! 106,4 Millionen Dollar wurden heute für das Picasso-Bild "Nu au plateau de sculpteur" ersteigert. - Und gleich darauf: 104,2 Millionen Dollar zahlte ein Amerikaner für das Gemälde "Junge mit Pfeife", so tönte es aufreizend und beunruhigend ins einstmals so heimelige Atelier hinein. - Ein aberwitzige Tücke des Geschicks, so zog es der Maler kopfschüttelnd in Frage, als es sich ihm offenbarte, daß nun die Kunst im Leben der Kapitalanleger, auf der Suche nach einem zusätzlichen Markt für ihre Investitionen, zunehmend hoffähiger wurde. -
"Felix ars!" (Glückliche Kunst!), murmelte er zähneknirschend ... 
Späterhin, nun so einigermaßen zur Ruhe gekommen, nahm er die Whisky-Flasche zur Hand - und ließ sich in einen der farbverschmierten Sessel fallen. - Eine kurze Zeit der Entspannung nur, denn schon bald darauf mußte er nun die folgende, unbarmherzig zum Ausdruck gebrachte Meldung ertragen:
"Sensationell! Ein neuer Höhepunkt ist erreicht: Denn für 104,3 Millionen Dollar ist gestern früh in London Alberto Giacomettis Skulptur "L'homme qui marche" unter den begierig zuschlagenden Auktions-Hammer geraten!" schnarrte es mitleidlos aus dem T.V.-Gerät heraus.
Empört und zunehmend verbittert, schleuderte der Maler daraufhin die sich inzwischen als leer darbietende Whisky-Flasche in die feucht schimmernde Leinwand eines vor kurzem bewältigten Gemäldes (2,10 m x 1,20 m). -
Und legte sich auf dem kunterbunt leuchtenden Fußboden schlafen ... 
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Damals, bei einem Besuch und "Versuch" in einer Galerie in Paris, da hatte der Besitzer noch schmunzelnd vom Stapel gelassen: "Vielleicht zeigt sich da eine kapitalkräftige Perspektive, wenn Sie ihr Erden-Dasein beenden". -
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Im Atelier war noch immer das Fernsehgerät eingeschaltet, als er sich schwankend erhoben hatte. - Im TV-Kanal arte wurde soeben ergriffen plappernd ins Bild gesetzt, daß für Paul Cezannes Gemälde "Pichet et fruits sur une table" bei einer Auktion zwölf Millionen Dollar erzielt worden seien!
Bedingt durch das zur Ruhe kommen wollen auf den bunten Dielen des Ateliers, ist ihm aber dann nicht mehr zu Ohren gekommen, daß Gustav Klimts Gemälde "Adele Bloch-Bauer", inzwischen bei Christies für schlappe 135 Millionen Dollar versteigert worden war. - In diesem bei vielen Malern vermutlich Verbitterung aufkommen lassenden Zusammenhang ist's nun doch noch erwähnenswert, daß in 2006 ein Bild des amerikanischen Malers Jackson Pollock ("No.5") für weltweit Schlagzeilen machende 140 Millionen Dollar wohl "offenbar zweifellos" einem "kunstsinnigen Gemäldesammler" übereignet worden ist.   -
"Beati possidentes - glücklich die Besitzenden!" murmelte einst spöttisch der griechische Tragödiendichter Euripides bei einer Gegebenheit, die der soeben beschriebenen "Wertschätzung" vergleichbar gewesen sein könnte.
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Ein Nachtrag, damals im (Wonne)-Monat Mai 2015:
Und da schaute nun der Pablo Picasso grinsend "von OBEN herab" ...
Denn für 180 Millionen Dollar wurde da seine einstmals gemalte Szenerie "Les femmes d'Alger" "UNTEN" aufsehenerregend auktioniert, um zweifellos einem feinsinnig empfindenden und kunstverständigen Sammler die tagtäglich so kunstverliebte Lebensgestaltung stets zu bereichern. -
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