Samstag, 19. Mai 2018

Die Heimsuchung dieser Quälgeister - !

Neulich - und zunehmend ärgerniserregend im Hinblick dessen ...
Anheimelnd zuvor:
Denn ein aromatisch mundender Wein, ein 1995er Chambertin "Clos de Bèze" Gran cru, er gab mir eine angenehme Art von "Geleit", als ich mich in das von Jean-Paul Sartre einstmals geschriebene Drama "Die Fliegen" (Les Mouches) momentan lesend vertieft hatte. -
Vielsagend anklingend an die griechische Mythologie, thematisiert hier der einst als "maître àpenser" lobpreisend benannte "Vordenker" in dieser Lektüre unter anderem all die wohl lebensnotwendigen Belange und wohl auch Bedeutsamkeiten von "Freiheit" und "Hoffnung" ... 
Ein Überblick: "In der antiken Stadt Argos wimmelt es fortdauernd peinigend von Fliegen." 
Ein Leitfaden - hinsichtlich des dramatisch verlaufenden Geschehens. -
Ach ja, apropos Fliegen:
Wußten Sie schon, daß es so etwas tatsächlich gibt? Diese aus meiner Sicht als "hinterhältig" zu bewertenden, sogenannten "Van-der-Waals-Kräfte", also "Anziehungskräfte"; mit deren Hilfe die lästigen Viecher auch Hals über Kopf einen Halt an Zimmerdecken und spiegelglatten Oberflächen zu meistern wissen. - Bevor sie dann nervend um uns herumschwirren und alsbald die Speisen auf dem appetitlich gedeckten Abendbrottisch belagern.
Insbesondere all diese widerwärtigen "Schmeißfliegen"; wir Neolatinistiker reden da wissenschaftlich und gern etwas selbstgefällig, von einer penetrant aufdringlich attackierenden "Calliphoridae". Ein stahlblau fluoreszierender Brummer, dessen Lebensabschnittsgespielin immerhin bis zu dreihundert Eier als bedrohlichen Nachwuchs erzeugt; Initialstadien, die bereits 24 Stunden später als ekelerregende Maden ... Man mag gar nicht daran denken! -
Auch nicht daran, daß da irgendwann verträumt durch die Landschaft stolpernde Tierphysiologen so unüberlegt und verniedlichend eine der Spezies dieser Quälgeister als "Stubenfliege" benannten. - Stubenfliege!
Der Inbegriff "gute Stube", bisher ja noch immer als stets "heimelig" empfunden - als eine rundum beglückende "Wohn-Wohlfühl-Sensualität"!
Und dann (man will es nicht wahrhaben wollen!) diese vernunftwidrige Kennzeichnung derartig kontinuierlich piesackender Eindringlinge.
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Beunruhigt blickte ich nun in das vor mir stehende, sich inhaltlich noch etwa dreiviertelvoll darbietende Weinglas; in dessen Substanz eine wahrscheinlich über kurz oder lang mit dem Tode ringende Fliege jetzt hektisch eine Mitleid erregende Willenskraft offenbar werden ließ. - Hm? - Nun ja ...
"Leben, das heißt überflüssig zu sein!" ("la vie, c'est-à-être redondant") das hatte er ja dereinst so unbarmherzig zum Ausdruck gebracht, der stets nachdenklich stimmende Philosoph Sartre ...
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Donnerstag, 17. Mai 2018

Sie lagen vor Madagaskar ...

Angeheuert auf unterschiedlichen Schiffstypen, hatte er einstmals vier Jahre lang - unter nicht immer erfreulichen Bedingungen -, all die Weltmeere befahren, der 1883 in Würzen bei Leipzig geborene Hans Bötticher. -
Populär geworden als Joachim Ringelnatz - oder auch Kuttel Daddeldu, als der er sich später, bereits bühnenaktiv, herz- und scherzhaft in Szene zu setzen verstand.
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In einer Art Rückschau auf das damalige Seemannsleben, sei hier nun die folgende Begebenheit uns allen noch einmal so einigermaßen illustrativ vor Augen geführt:
Nachweislich war es im April 1903, als man anwesend an Bord eines arg heruntergekommenen Frachters, der vor kurzem den Indischen Ozean durchquert hatte, hernach in die sogenannte Straße von Mocambique gedampft - und schon bald darauf in der Hafenstadt Majunga (auf der Insel Madagaskar) dort dann vor Anker gegangen war, nun endlich ein wenig zur Ruhe kommen durfte.
Genußfreudig Wein trinkend - und dabei unbewegt auf das hektische Treiben der Hafenarbeiter starrend, hockten dereinst der Seemann Hans Bötticher (Joachim Ringelnatz) und sein langjähriger Seeweggenosse Emil Kallotschke auf zusammengerollten Schiffstauen draußen im hinteren Oberdecksbereich des rostigen Seelenverkäufers ...
Ein belebender und zunehmend auffrischender Wind verdrängte die nun seit einigen Stunden aufgestaute Sonnenglut, als sich dort oben irgendwann der folgende Dialog entfaltete:
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„Hm? - Was wohl mein Trinchen bei uns daheim gerade so alles veranstaltet?“ brach es hinterfragend aus dem Gefährten Emil heraus.
„Wer is’n Trinchen?“ horchte der Hans daraufhin auf.
„Meine Verlobte - bei uns, in Berlin!“ ließ ihn der Emil wissen.
„Vergiß sie! - Wahrscheinlich hat die schon längst ‘n Anderen.“ bekam er leidenschaftslos zu hören.
„Mensch, spinnst Du, Hannes? - Die is’ mir doch treu ergeben!“ war Emil jedoch davon überzeugt.
„Na bitte, dann is’ doch für Dich noch alles bürgerlich bestens.“ wurde ihm unberührt zugeraunt.
„Hoffentlich - na ja, ich muß ihr wohl doch ‘mal schreiben.“ bedachte es Emil.
„Klar - ist ‘ne gute Idee, Emil!“ daraufhin achselzuckend Hans.
„Nee, kann ich aber nich’ - denn mir fällt da partout nix ein!“ brach es hilfebedürftig aus Emil heraus.
„Dann laß es doch bleiben, Du Simpel!“ wurde ihm fast wegwerfend erwidert.
„Nee - aber Du bist doch so’n Dichterling! Da kannste mir doch für sie ein paar warmherzige Zeilen aufkritzeln.“ flehte ihn Emil daraufhin an.
„Hm, was willst Du dem vergötterten Mädel denn unbedingt mitteilen?“ wurde kameradschaftlich hinterfragt.
„Na ja, nur so ‘n freundlichen Gruß aus der Ferne. Einfach so ‘ne Art Lebenszeichen - verstehste?“ gab Emil nun grinsend zum Ausdruck.
„Na gut, ich schreib’ Dir nachher dafür 'n mittelprächtig passenden Text.“ wurde sein Wunsch erhört.
„Toll, da bin ich Dir wirklich dankbar - und werd’ mich dafür auch demnächst erkenntlich  zeigen!“ strahlte ihn Emil hocherfreut an.
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Dem inhaltsreichen Archiv einer Berliner Kleinkunstbühne ist‘s zu verdanken, daß auch die folgenden Zeilen, einst handgeschrieben notiert auf einer inzwischen schon arg verblichenen Postkarte, gottseidank lesbar erhalten geblieben sind:
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Mein liebes Trinchen!
Wenn die Sonne netzt die Fresse,
hebt das mein Sein - und tilgt die Blässe.
Ein Wohlgefühl verschafft der Wein,
belebt sogar das "dritte" Bein.
Schon stehst Du mir entblößt vor Augen,
auf ewig mein - in treuem Glauben.
Das hofft - zur Zeit am Arsch der Welt -,
Dein Emil, der stets zu Dir hält.
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Tja, der nicht selten so spitzzüngig textende "Joachim Ringelnatz", schon einstmals im Knabenalter als ein "Schulrüpel ersten Ranges" apostrophiert.
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Samstag, 12. Mai 2018

Die idyllische griechische Insel TINOS ...

Dort ist auch die "Vergangenheit" sichtbar geworden:

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Sagenhaft - !
Denn da ermöglicht ein wahrhaft gigantisches Fossil 
einen ungewöhnlichen, wie wohl auch beachtenswerten Einblick 
in die orakelhaften Sphären der griechischen Mythologie:
Dieser im Laufe der Zeit versteinerte Backenzahn
 des einstigen Titanen Kronos,
Sohn des einstmals gebieterisch in Erscheinung tretenden Uranos 
und seiner stets gottergeben zu ihm aufschauenden Gemahlin Gäa - 
Allmächtige des ältesten, griechischen Göttergeschlechts ...
Anno dazumal (noch immer unübersehbar!) von fauligem Karies
befallen, bleibt da ein schmerzhaftes Nachempfinden
 für so manche Betrachter wohl doch nicht aus.
Und schon wird das zeitlos Ewige im Mythos postum
zu einer heimgesucht werdenden Wirklichkeit.
Greif- fühl- und wahrnehmbar auf der griechischen Insel TINOS.
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"Und unter Toben und Gebraus
geschah es dann: Er fiel heraus!"
mutmaßte einst, diesbezüglich,
schmunzelnd
der Wilhelm Busch.
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Foto: Ulrike Schäfer.
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Mittwoch, 9. Mai 2018

Griechische Psycho- und Ablenkungsspiele:

Stimmen weiterhin sorgenvoll ...
Wenn ja, dann ist jedoch vorab hier erst einmal ein "angesichts dessen" überdeutlich zu konkretisieren:
Denn -
das zügellose Tun der Banken,
ließ die Finanzwelt übel schwanken.
Schon kam auch in den Euro-Landen
der Wert des Geldes arg zuschanden.
Weltweit gab's auch kein Unterfangen,
die Bänker dafür zu belangen.
Verniedlichend das Wörtchen "schlimm",
gemünzt auf die vom Stamme "Nimm".
-
Seit Jahren ist ein Teil der Welt,
gebunden an das Eurogeld ...
Ein überstürzt vollstrecktes Handeln,
ließ Länder bald am Abgrund wandeln.
Folglich:
Schaut halb Europa ganz gebannt,
beklommen hin nach Griechenland ...
-
"Aha, warum?" fragt leicht befremdet der Hellene.
"Naja! Ein wenig schlitzohrig, wurde bei der Anbahnung zum Euro von den griechischen Politikern die Defizitstatistik schöngezeichnet."
"Mein Gott! Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein."
"Späterhin, dann das wiederholt nicht eingehaltene Versprechen, jetzt umgehend all die dringend notwendigen Reformen doch endlich einmal Wirklichkeit werden zu lassen."
"Wir verwahren uns gegen diese aufdringliche Einmischung in unsere politischen Gegebenheiten! - Das ergibt sich doch irgendwann gänzlich von selbst. - Panta rhei, alles fließt. Da muß man nicht uneingeweiht so taktlos eingreifen. -  Und? Was gibt es da noch unangebracht zu bemängeln?"
"Beunruhigend ist da die Wahrnehmung des im Wahlkampf gegen die EU hetzenden Radikallinken ..."
"Ach, diese lautstark hinausposaunte Ohrenbläserei des kírioß Tsipras! - Vergiß ihn! Er ist ein Unfrieden stiftender Klugschwätzer und Möchtegern. Eine ephemer aufflackernde Zeitspanne ... " 
"Hoffentlich! - Gleichwohl keimt da noch immer Besorgnis auf."
"Wir verbitten uns solch eine dreiste Art von Einmischung in unsere angeblich Staub aufwirbelnden Probleme und Begebenheiten!"
"All das könnte ein böses Ende nehmen ..."
"Was soll das so angriffslustig besagen?"
"Nun, die griechische Grundeinstellung ist offenbar nicht imstande, jetzt notwendigerweise endlich einmal Selbstkritik und auch Selbsterkenntnis Wahrheit werden zu lassen."
 "Na und? Nemo ante mortem beatus, mein Lieber!"
(Niemand ist vor dem Tode glücklich) 
"Das mag sein ... Aber schon hat sich's ja leider auch folgenreich ergeben, daß die Population arg dezimiert wird:
Da zeigt sich für die jungen Leute, beängstigend das Hier und Heute.
Führt hoffnungslos dann der Verdruß, enttäuscht zuhauf zum Exodus."
-
Offenbar die griechische, recht eigendynamische Wesensart: Das Dasein mit allen Freuden und Katastrophen nehmen, wie es ist - auch die Niederlagen. - Und schon steht er uns lebhaft vor Augen: Der Grieche Alexis Sorbas, dieser von Nikos Katzantzakis geschaffene "Philosoph des einfachen Herzens".
Ja, wir erinnern uns an das von ihm dereinst so heimatverbunden beschriebene Geschehen: Als schlußendlich dann am Hang des alten Kohlebergwerks alles ohrenbetäubend zu Bruch geht, da hört man Alexis Sorbas ungetrübt rufen: "He, Boss! Hast du jemals erlebt, daß etwas so bildschön zusammenkracht?" * (Anthony Quinn)
-
Nun denn: "Glück auf!" - mein Griechenland. - "Griechenland lieben und doch auch an ihm verzagen", so hat es der Philosoph Nikos Dimou einst bedeutsam zum Ausdruck gebracht. -
(ßighnómi Mikis: Wunderschön, diese wahrscheinlich weltweit bekannte, von Dir (tha élinaß Theodorakis) dereinst meisterlich geschaffene musikalische Untermalung des so beeindruckend und wohl auch unvergeßlich in Szene gesetzten Filmgeschehens.)
-
Eine durchaus beziehungsreiche Anmerkung zum "coolen Haudegen", dem kurzum disqualifizierten griechischen Finanzminister Giannis Varoufakis:
In seiner "Odyssee" spricht der griechische Dichter Homer immerhin auch schon über die "polytropos", die "Durchtriebenheit" des "Vielgewandten" oder "Verschlagenen" ...
Eine seit Jahrhunderten in Szene gesetzte Strategie.
-
Nichtsdestotrotz - 
als Griechenland-Kenner kann ich nur immer wieder betonen: 
"i eládha ine poli oréa chóra!" Griechenland ist ein sehr schönes Land! - 
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***

Tanzen - "nackt in den Abgrund" - ?

Derartig reißerisch betitelt, jetzt einmal mitfühlend ins momentan von Elend und Untergangsstimmung betroffene Land der Hellenen. -
Als da - im folgenden - so  mancherlei bedeutungsvoll offenbart werden soll:
Der Tanz, ein urwüchsiges und althergebrachtes Ausdrucksmittel der Menschen, so freiheraus all den im Körper wieder einmal aufgestauten, seelisch-geistigen Beklommenheiten vermittels leidenschaftlich in Szene gesetzter Bewegungen hoffnungsvoll den Garaus machen zu wollen ...
"Denn ein Wunschziel der Tanzkunst, das sei wohl offenbar die deutlich erkennbare Veranschaulichung von Empfindungen", betonte schon einstmals der aus Syrien nach Athen übersiedelte Philosoph Lucian. -
Nun ja, wenn dem leibhaftig so ist, dann wird da in Griechenland vermutlich (aufs neue) so einiges offenbar:
Beispielsweise, wenn wir abermals neugierig zugegen sind bei der Darbietung eines pidiktos choros, dem "gesprungenen Tanz". Schon seit Urzeiten, im 2/4 Takt "lang-kurz-kurz", stets daseinsfreudig in Szene gesetzt; jedoch zu Zeiten, als man in Griechenland noch so uneingeschränkt lebensbejahend Sprünge zu machen wagte, allabendlich kurzweilig vereint, im offenen Kreis hingebungsvoll beisammen ...
Bis hin zu der europaweit so unüberlegt inszenierten Zwangsfixierung einer sich im Laufe der Jahre (logischerweise!) als unrealisierbar und katastrophal offenbarenden Euro-Abhängigkeit. - ***
Da zeigt sich für all die tanzfreudig zueinanderfindenden Griechen schon allerorten desillusionierend, freudlos und niedergeschlagen dreinblickend, nur noch die tänzelnde Flucht in einen sirtos choros, einstmals namhaft geworden als "der schleppende Tanz".
Das "Ende vom Lied" ist ein nicht aus der Reihe tanzen dürfen aus diesem zuweilen schonungslos malträtierenden Rhythmus des Chasapiko, dem "Tanz der Schlachter", freudlos  im nunmehr eingeschränkt geselligen Beisammensein im dahinschwindenden Licht des Tages inmitten einer gottverlassen wirkenden póliß. (Stadt, Ortschaft) -
Was jetzt einmal sinnbildlich betrachtet meint: Hilflos und zunehmend eingeschüchtert, kriecht nun der griechische "Durchschnittsbürger" verarmt vor einem eiskalt gleißenden Euro-Altar preisgegeben zu Kreuze.
"Beati pauperes spiritu!" (Selig die Armen im Geiste!) hört man da oftmals Kirchturmpolitiker aufmuntern wollend unsinnig rufen. -
"óchi efcharißtó!" ("nein danke!") - Mit derartig frommen Sprüchen, ist wohl letztendlich nichts mehr wirksam ins reine zu bringen ...
Wohingegen trostbringend, als eine die Lebensgefühle aufrechterhaltende Art von Verdrängung, diese im Jahr 1964 vom griechischen Komponisten Mikis Theodorakis choreographierte Tonschöpfung sirtaki eventuell doch ein wenig von Nutzen sein kann - "íßoß" (vielleicht).
"ßighnómi" - (Entschuldigung): Aber um einigermaßen glaubhaft bleiben zu können, in bezug auf die naßforsch gewählte Titelzeile, muß ich die folgende Begebenheit hier noch hinzufügen dürfen, es sei mir erlaubt ...
Efcharißtó: Der fast neunzig Jahre alt gewordene Tragödiendichter Sophokles, er tanzte angeblich gern nackt - allerdings, hinsichtlich dessen dann Scham empfindend, zumeist nur allein - im Verborgenen.
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*** Tatsächlich aber nur für all die im Zeitalter des "Turbokapitalismus" geringschätzig klassifizierten "Durchschnittsbürger"! - Denn für die deutsche Großindustrie und all die anderen Geldmogule, war (und ist's derzeit noch) der Euro als weiterhin durchaus gewinnbringend zu gewärtigen! Man hat sich seit langem exorbitant bereichern dürfen.
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"jiá chará! ta léme ßíndoma" - ("Tschüs! Bis bald") 
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Bleibend: Mein Griechenland - !

... íne polí oréa chóra. (... ist ein sehr schönes Land.) -
"Ja, so schön, daß seine Schönheit auf der Seele der Griechen lastet wie der Schatten der Ahnen", mit diesen Worten gab uns der griechische Philosoph Nikos Dimous dereinst einen deutlich veranschaulichenden Einblick dazu ...
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Als da  bedeutsam in Umlauf gesetzt wurde:
"Macht Blinde sehend!" - war dieses unerklärlich erscheinende Geschehnis nicht ursprünglich nur auf einer göttlichen Hochebene in ausschließlich biblischen Sphären zu gewärtigen? -
Wie auch immer ... Tatsache ist, daß auf der kleinen, griechischen Insel Zakynthos siebenhundert angeblich derartig Betroffene seit Jahren im Finstern nur noch blicklos dahinleben ...
Bisher! - Denn eine staatliche Willkür hat es nun wundersam möglich gemacht, daß fast alle Leidtragenden urplötzlich wieder sehen "können", zwangsläufig sehen "müssen" - hosianna! 
Diese anscheinend mitleidlos zuschlagende Obrigkeit will jetzt auch den 240.000 in Griechenland elend und wohl auch erbarmungswürdig sich durchschlagen müssenden "Behinderten" die ihnen seit Urzeiten zustehende Unterstützung streichen! - "peraßtiká" (gute Besserung).
Folgenreich wird es sich abspielen, wenn demnächst auch den rund 4500 seit Jahren verstorbenen Griechen das Jenseits verdüstert wird: Denn man will ihnen von jetzt an das bisher vertraute, anstandslos ausgezahlte "Ruhegeld" nun zukünftig (man höre und staune!) nicht mehr so ungeprüft zukommen lassen. - (das sind 16 Millionen Euro jährlich).
> Nachtrag im Oktober 2012: Erneut in Griechenland erfolgte Kontrollen haben zutage treten lassen, daß 90.000 Angehörige verstorbener Griechen weiterhin deren Rentengeld einsacken - 1 Milliarde jährlich!
Hm? ... ?
Eventuell doch ein rituell zu gewahrendes Totengedenken?
(Memorialwesen, lat. memoria "Gedächtnis").
Wohl eine in vielgestaltiger Ausprägung zum Totenkult der bürgerlichen Gesellschaft gehörende Ergriffenheit in Griechenland. Denn dort ist es offenbar hochherzig zur Gewohnheit geworden, daß man den Toten weiterhin das Rentengeld zahlt.
In diesem gegebenenfalls todtraurig stimmenden Zusammenhang ergibt sich postum die Frage:
Braucht man im "Jenseits" noch Geld? -
"Ja, selbstverständlich, für diverse, wohl all die unumgänglichen Fakelaki-Aufwendungen!" wurde uns von einem griechischen Finanzbeamten ernsthaft bestätigt.
("Fakelaki" = eine griechische Wortfindung für "Schmiergeld").
Ach - und wo soll das nun alles noch hinführen?
Nicht selten so schlitzohrig ins Ausland ...
Beispielsweise: Ein Bauer in Griechenland, der gewitzt nur 497 Euro als Einkommen im Jahr gemeldet hatte, er wurde vor kurzem mit 12.587,84 ins Ausland überwiesenen Euros ertappt. Und ein griechischer Gärtner hatte 2011 sein Jahreseinkommen mit 2275 Euro bekundet, tatsächlich jedoch sicherheitshalber 610 000 Scheinchen ins Ausland verlagert - !
Ja-ja:
Aber nicht sehr viel anders geschieht das auch bei uns, hier in Deutschland!
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Post Skriptum:
Da wir, die Ulrike und ich, seit immerhin 30 Jahren für Wochen und Monate auch in Griechenland liebend gern heimisch geworden sind, da ergibt sich alsbald so unausbleiblich auch eine Art von "Vertrautheit in all diese Lebensgestaltungen".
D'rum sei's auch erlaubt, nun diesbezüglich ´mal ein wenig "Anstoß zu nehmen"...
Tja, würde die beträchtliche Anzahl der als superreich einzuordnenden Hellenen (Reeder u.a.) in Griechenland steuerliche Abgaben entrichten, dann wäre der  Staatshaushalt umgehend im Plus! -
Wenn ... Aber das ist eine andere, wohl prähistorisch zu bewertende Geschichte.
Und leider:
Mit den oftmals zur Folge habenden Auswirkungen eines "corriger la fortune" (das Glück verbessern ...)
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Nochmals, trotz allem:
i eládha ine poli oréa chóra! (Griechenland ist ein sehr schönes Land)
Und für mich stets verbunden mit einem heimatlichen Empfindungsvermögen.
-
*

Dienstag, 1. Mai 2018

"Wenn du bist nicht willig" ...

Nun, da begeben wir uns jetzt einmal erwartungsvoll hinein, in die beunruhigenden Sphären des schon seit Urzeiten geheimnisumwitterten "Erlkönigs".
Einstmals dichterisch zum Ausdruck gebracht als eine Fehlübersetzung der Poesie des dänischen "ellekonge" (Elfenkönig). -
Und eine veranschaulichende Darlegung dieser dänischen Ballade durch den Kulturphilosophen Johann Gottfried Herder machte die Verserzählung dann in Deutschland publik ...
Was dem Vernehmen nach bald darauf dann wohl zur Folge hatte, daß der Johann Wolfgang von Goethe eiligst die Feder zur Hand nahm, um all das poetisch zum Ausdruck zu geben, was seither als "Erlkönig" benannt, fast jedem Pennäler geläufig werden durfte. -
Möglicherweise ein wenig ungestüm, dafür jedoch wesentlich zeitgemäßer, ist nun freundlicherweise die nachfolgende Variation dieser tragikomischen Geschichte zur Kenntnis zu nehmen. -
Einverstanden?
Na, denn ...
-
Nun rast sie vergnügt durch das nächtliche Moor.
Es ist meine Oma! - Was hat sie jetzt vor?
Zuhinterst sitz' ich, als der hilflose Enkel.
Sie ruft: "Halt Dich fest! Geh' mir nicht auf den Senkel."
Das Moped ist mein, und d'rum bin ich sauer.
Nun fängt's an zu regnen, ein bedrohlicher Schauer.
"Mein Sohn, was birgst Du so bang Dein Gesicht?"
"Siehst Oma, Du die Kurve da nicht?
Und in meinem Antlitz die tödliche Blässe!"
"Ach Söhnchen, halt's Maul, sonst gibt's auf die Fresse!"
"Mensch Oma, da vorn der König der Erlen!"
"Ich seh' nix, es ist schon ein Kreuz mit euch Kerlen."
"Oma, fahr' langsam, da naht eine Pfütze.
Du verlierst die Balance - und ich meine Mütze!" 
"Jetzt reiß Dich zusammen - und hör' auf zu plärren!
Und schwachmütig an mir herumzuzerren."
"He, Oma, gib acht! Denn siehst Du nicht dort,
den Nebel, den Schmodder an düsterem Ort?"
"Klaro, mein Söhnchen, ich seh' das genau,
nur zeigt's sich mir reizvoll - ich bin etwas blau."
O Gott, auch das noch! Ich halt's nicht mehr aus.
"Oma, mach kehrt! - Du formst Dich zum Graus."
Doch sie dreht sich um, ihre Stimme eiskalt:
"Wenn Du bist nicht willig, dann setzt es Gewalt!"
Und schon gibt sie Vollgas, rast wild durch die Nacht.
Nimmt keinerlei Rücksicht, genießt nur und lacht.
Erreicht unseren Hof dann mit Mühe und Not -
ich rutsch' hinten 'runter, vor Angst schon halbtot ...
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"Ach Söhnchen, wart's ab! Denn alsbald wird eine Kraft von mir ausgehen, die Dich schleunigst wieder beleben wird!" hat sie mir zugeraunt, als ich hernach unsicheren Schrittes ins Haus stolperte. -
"Nee, Oma, laß' gut sein. - Du schwafelst im Tran, noch voll des süßen Weines!" fuhr ich sie daraufhin tadelnd an. -
"Mit Freuden, mein Milchbart. - Trunken sollten wir alle sein. Die Jugend ist Trunkenheit ohne Wein. Trinkt sich das Alter dann wieder zur Jugend, so ist das wohl reizvoll, wird traumhaft zur Tugend!" gab sie mir hochtrabend zu verstehen - meine noch immer verschmitzt dreinblickende Oma. -
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Ach - meine herzliche Oma Ida, nun bist Du - einschließlich dieser oftmals bewundernswerten Multikultur -, seit langem verblichen - dahin, in einem unergründlichen Abseits.
Ja - doch ...
Du bleibst mir - mit allem - wohl stets als bedeutungsvoll in der Erinnerung.
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*** 

Montag, 23. April 2018

Liebe Leserin und Leser,

ich geb's so unumwunden zu:
Es würde mich erfreuen, wenn die nachfolgenden FRANKREICH-Erzählungen für Sie eine aufschlußreiche und somit lesenswerte Veranschaulichung zum Ausdruck bringen ...
Merci beaucoup.
Bon voyage!
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1. Paris im April 1971 ...
2. Mein Paris - so malerisch wiedererwachend.
3. Jacques Brel "verlebendigt" Jean Paul Sartre:
4. So "bauernschlau" schmuggeln ...
5. Paris - und eine "malerische Rückschau" ...
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Paris, im April 1971 ...

Oui, ein sonnendurchflutetes Frühlingslüftchen hatte wohl damals den Ausschlag dafür gegeben, daß wir nachmittags nun schon seit langem auf der weiträumigen Terrasse des Café Flore, am Boulevard Saint-Germain, noch immer angeregt plaudernd beisammen saßen, Jacques Brel und ich. -
Irgendwann gab er mir dort zu verstehen, daß er gern einen Text vertonen möchte, in welchem der oftmals aufkeimende Groll über die politischen Machenschaften als durchaus sarkastisch zum Ausdruck geraten solle ...
D’accord, eine reizvolle Mission, so dachte ich.
-
Schon in der Woche darauf saßen wir wieder Seite an Seite, in Maisons-Laffitte, der nordwestlich gelegenen Vorstadt von Paris - und dort nun am besonnten Ufer der Seine.
Vorausschauend hatte Jacques auch seine Gitarre mitgebracht, die er minutenlang gestrengen Blickes in Augenschein nahm - und angespannt zupfend gefügig zu machen suchte ...
„L'ascenseur“, der Fahrstuhl, so haben wir späterhin diese balladenartige Moritat, das in frühlingshafter Mutter Natur am Ufer der Seine erschaffene Chanson, wohlüberlegt betitelt.
Ja, und dank einer damals von Jacques musikalisch aufhorchen lassend komponierten Tonfolge, durften wir schon einige Stunden später, im Garten eines salon de thé, seelenvergnügt die folgende Lieddichtung gefühlvoll laut werden lassen:
Cäcille war zumeist, als laszive Kokotte,
in Paris sehr gern den Politikern hold.
Jüngst kam dann ein Kotzbrocken aus dieser Rotte,
doch der hat den Akt nur im Fahrstuhl gewollt.
Dabei blieb der Lift neulich stecken,
das Stromnetz war plötzlich gestört.
Sie mußten im Fahrstuhl verrecken,
Den Notruf hat niemand gehört ...
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Und als Refrain:
Im Kreis der perfiden Parteigenossen,
hat keiner gerührt eine Träne vergossen. -
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Als eine boshafte, fast schon rebellische Anspielung war dieses Chanson bald auch "in aller Munde", wie man‘s volkstümlich gern einmal leichthin benennt. - Tout le monde amüsierte sich köstlich, war mit dem Text vertraut - und auch mit der Tonrelation unseres oftmals erfolgreich ins Schwarze treffenden Kunstlied-Gestichels.
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Auch ist dazu nun noch recht befriedigend anzumerken, daß die Mehrzahl der damaligen französischen Regierungsvertreter stets wütend in Aufruhr geraten ist, wenn Jacques sich mit dem herausfordernden Chanson von neuem auf einer Bühne in Szene zu setzen verstand - oder vermittels Hörfunk ja landesweit so ausdrucksvoll aufhorchen lassen konnte.
Oui, zudem ist‘s wohl durchaus hier noch erwähnenswert, daß der damalige, französische Staatspräsident Georges Pompidou des öfteren von einigen schadenfroh grinsenden Journalisten auf diese Malice angesprochen worden ist. - Gewitzt und seit langem bereits professionell mit all den politischen Schmutz-Wassern immunisierend gewaschen, wußte er stets chevaleresk die Haltung zu wahren ...
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Einstmals. - Aber vielleicht ist das den älteren Mitbürgern unter uns ja doch in Erinnerung geblieben. - (?) *
* Oui, certainement! - Enchanté, chère Maddly ...
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Mein PARIS, so malerisch wiedererwachend - :

In einer ausschweifenden Gemütsbeschaffenheit ...
"Ja, uns muß es leibhaftig schon einmal gegeben haben!" betonte ein Maler-Freund vor kurzem in Paris enthusiastisch und fast schon beschwörend diese scheinbare Rückschau. -
"Oui, zweifellos! Diese als Reinkarnation oder auch Wiederfleischwerdung benannte Rückkehr, sie verschafft uns erneut eine traumhafte Entfaltung und Neubelebung am reizvollen Schauplatz all dieser dereinst so liebgewordenen Lebensbejahungen", murmelte ich beipflichtend - und wohl auch schwärmerisch zustimmend.
"Très bien! (Sehr gut!) - Aber eine beachtliche Anzahl der Erdenbürger meint, das sei hirnverbrannt, abwegig und lachhaft!"
"Vergiß sie! Das sind desillusioniert dahinlebende Verweigerer."
"Certainement! (Gewiß!). - Oui, man sollte das demnach wohl nicht allzusehr überbewerten ... Hm? Kannst Du dich jetzt denn noch so ganzheitlich zurückversetzen, in das nun seit langem entschwundene Paris d'autrefois - unser altes Paris?" brach es ergriffen aus ihm heraus.
"Selbstverständlich. Und das immer wieder - liebend gern!" gab ich ihm wünschenswert zu verstehen.
"Oui, dann laß uns 'mal miteinander entfleuchen, in ein Wiederaufleben der einstmals so tatendurstig geschätzten Lebensgestaltung."             
"Avec plaisir! (mit Vergnügen!) Erinnerst Du dich jetzt noch an diesen gemeinsam wohl doch als beeindruckend erlebten Tag im Monat März des Jahres 1908?"
"Da muß ich erst einmal nachdenken ... Oui, nun entsinne ich mich. -
Allein schon deswegen, weil ich ja nachmittags mit dem Kunsthändler AmbroiseVollard verabredet gewesen bin, um ihm hoffentlich eine kleine Federzeichnung von Henri Matisse verkaufen zu können."
"Ein Original von Matisse, wie konntest Du das denn erbeuten?"
"Als Leihgabe - von Daniel Kahnweiler."
"Als Leihgabe? Ich verstehe. - Mon dieu! Julien, irgendwann hätte dich Monsieur Kahnweiler dabei erwischt!" gab ich anmahnend zu bedenken.
"Non, bisher hatte es ja immer geklappt, bei Dir doch auch, mon ami! - Aber was war denn da für dich so aufregend geschehen, an diesem Tag im Monat März?" versuchte er ausweichend zu taktieren.
"Zumindest nichts mit einem kriminellen Hintergrund!" ließ ich's noch einmal anmahnend fühlen.
"Du nervst, denn meine diesbezügliche Kunstfertigkeit hatte uns dazumal ja des öfteren ein wenig vor Not und Verelendung bewahrt, das sollte Dir doch als befürwortend in Erinnerung geblieben sein!"
"Julien, Du übertreibst 'mal wieder! Denn das hatte sich doch inzwischen "zum Guten" gewandelt, hast Du das etwa schon wieder vergessen?"
"Hm? An was müßte ich mich denn da jetzt so hinlänglich nacherleben könnend erinnern?" horchte er kopfschüttelnd auf.
"Daran, daß ich seit dem so vielsagend erwähnten Tag im März immerhin der stolze Besitzer von zwei Picasso-Tuschezeichnungen gewesen war!"
"Von Pablo - geklaut!! - Wie hattest Du das denn gemeistert?" schaute er mich tief beeindruckt an.
"Nicht mitgehen lassen! Er hatte sie mir geschenkt, weil ich seine damalige Lebensgefährtin, die bezaubernde Fernande Olivier ja hin und wieder ... Aber das möchte ich hier nun doch nicht näher verdeutlichen. Jamais! (Niemals!)  - Bei Pablo stibitzen! Für wen oder was hältst Du mich eigentlich?"
"Wenn ich das jetzt gefühlvoll zur Sprache bringe, dann ... Ach, ne m'en veuillez pas! (Nichts für ungut!) Aber was hatte sich denn an diesem besagten März-Tag so aufsehenerregend abgespielt? Ich kann's momentan gar nicht so bildhaft wiederauftauchen lassen", gab er mir zu verstehen.
"Auch das nicht, daß ich in unserer damaligen Bleibe, dieser chaotisch-heimeligen La ruche, mit meinem damaligen Nachbarn Georges Braque in eine Art Disharmonie hineingeraten war?"
"Ach ja, von Guillaume Apollinaire wurde mir später darüber berichtet! Du hattest dir von Georges das Fahrrad geliehen - und ohne Bedenken zu Bruch gefahren, weil Du wieder 'mal stockbesoffen ..."
"Jetzt beherrsch' Dich erst einmal bitte!" unterbrach ich ihn schmollend. -
"Ja, wir hatten vorab im Lapin à Gill ein wenig dem Wein zugesprochen, drei Flaschen vom Feinsten, die Cocteau uns spendiert hatte. - Weit nach Mitternacht, wollte ich dann Pablo noch heimwärts ins Bateau-Lavoir kutschieren - und dabei ist's dann geschehen."
"Wie das denn?"
"Du stellst mir da saudumme Fragen. Ich möchte Dich 'mal erleben, mit einem betrunkenen Picasso hinten auf dem Gepäckträger eines Fahrrads, der lauthals spanische Lieder singend auch noch andauernd "Olé! brüllt - und dir dazu dann stimmungsvoll mit beiden Fäusten auf dem Rücken herumtrommelt!"
"Das ist bedauerlicherweise ja nun nicht mehr durchführbar", wandte er zutreffend ein.
"Nun ja, leider ging's dabei noch zunehmend bergab, auf dem damaligen Kopfsteinpflaster der Rue Ravignan! Abbremsen war schlechthin nicht mehr möglich, und wir sind dann somit recht unsanft an der hölzernen Tür der alten Maler-Klause verhängnisvoll zum Stillstand gekommen." -
"Und dabei wurde das unentbehrliche Fahrrad dann ein wenig zertrümmert! Oui, was offenbar den Eigentümer dieser sicherlich liebgewonnenen Gerätschaft verzweifelt die Hände ringen ließ."
"Non, zu Fäusten geballt, wollte er mir damit seine derzeitige Entrüstung so handgemein zu Leibe gehend schmerzhaft zum Ausdruck geben! - Oui, und wenn nicht der stets mitleidend empfindende Guillaume Apollinaire beschwichtigen wollend dazwischengegangen wäre, dann ...
Ich mag gar nicht daran zurückdenken!"
"Das ist naheliegend, aber immerhin hattest Du ja dem Georges so allerlei Ungemach bereitet! - Der Max Jakob erzählte mir am Tag danach, daß euer so lautstark vom Stapel gelassenes Palaver den Maler Van Dongen anscheinend dermaßen in Rage gebracht haben soll, daß er sogleich eine tote, bereits unangenehm riechende Katze, die er vorab zu malen begonnen hatte, Dir daraufhin wutentbrannt ins Genick geschleudert haben soll."
"Non, Du dramatisierst da alles ein wenig überbetont! Denn es war ja nur noch das Fell der Katze. - Der Kees van Dongen war ja seinerzeit dermaßen verarmt, daß die Innereien rein zufällig bei ihm und seiner großen Familie endlich einmal eine sättigende Mahlzeit möglich gemacht hatten ..."
 -
Oui, wir wollten es anfangs nicht wahrhaben, aber töricht und unüberlegt in Szene gesetzt, war sie bedauerlicherweise ein wenig entzaubert worden, unsere geistesverwandte Rückschau.
Denn ...
"Das von Dir ja geplante Abendessen in der Rhumerie Martiniquaise, das mußt Du wohl demnächst allein genießen, da mir diesbezüglich ein kulinarisches Gelüst vorerst abhanden gekommen ist", gab mir der Freund abwinkend zu verstehen, als wir unglücklicherweise unsere Rückschau desillusionierend zum Erliegen gebracht hatten.
Unlängst, mit Julien, im sich wieder einmal so gegenwartsnah anschaulich machenden Paris d'autrefois.
-
*
Eine Art "Nachtrag" -  im Mai 2016:
Oui Julien, Deine dionysisch gestimmte Nachricht habe ich erhalten.
Die Insel-Faszination! - (Griechenland - Ikaria)
Nein, nach meiner verhängnisvoll-niederdrückenden "Bruchlandung",
da bin ich inzwischen fast schon "wohlauf", es geht mir so "hinlänglich" gut.
Trotz allem mußt Du dich wohl doch noch ein wenig gedulden,
denn Ulrike ist ja beruflich gebunden. - Le vol aller?
Wir können infolgedessen erst im Herbst nach IKARIA kommen. -
Keine Sorge, die Gouachefarben bringe ich dann mit.
Je te salue - Didier - à bientôt.
-
***

Jacques Brel "verlebendigt" Jean-Paul Sartre:

Damals, im September 1967 ...
Erzählt, mit einem durchaus heimatlichen Empfindungsvermögen.
Oui:
„Ausgesetzt in eine absurde und oftmals Ekel erregende Welt, ist’s wohl ein Lichtblick in einer illusionslosen Leere!“ rief er mir zu, als wir in Paris, auf dem Monmartre-Hügel, in der Rue des Saules vor dem inzwischen wiederbelebten „Lapin à Gill“ schaulustig haltgemacht hatten. -
Eh bien, eine wortgetreu ausgeliehene Sartre-Bezeugung!  
Theatralisch bekundet vor der altehrwürdigen Fassade des Lapin agile, der Vergnügungsstätte mit einer glorreichen Vergangenheit: "Picasso, Braque, van Dongen, bisweilen Matisse, Apollinaire, Derain, Utrillo, Max Jacob, sie alle waren dort oftmals zu Gast; zuzeiten, als der damalige Besitzer Frédé sich allzu gern dummdreist als der beste Freund all dieser Künstler bezeichnete", schloß ich mich dem nun zurückblickend an. 
"Oui, Frede, der Mann mit dem zotteligen Esel namens "Lolo". Ein Schlitzohr par excellence, dieser aubergiste", ließ Jacques den einstmals so umtriebigen, struppig bärtigen Kneipier nun schmunzelnd wiederaufleben.
"So war's, aber was beflügelt Dich dermaßen bedacht, zuvor introduktiv Sartres gewichtige Worte zur Sprache zu bringen?“ versuchte ich's in Erfahrung zu bringen.
„Voilà! Allein Er wird dort thematisch zum Ausdruck gelangen, wenn ich demnächst in diesem Amüsierlokal stimmungsvoll auftreten werde!“ gab er mir daraufhin hingebungsvoll zu verstehen.
„Du hier, in diesem Etablissement?“
„Oui, naturellement. Warum denn wohl nicht? Man hat mich darum gebeten - und ich habe bereitwillig zugesagt. Inzwischen hat sich ja dort wieder eine Kleinkunstbühne sehr erfolgreich in Szene gesetzt. Der Yves Montand wird ja hier demnächst auch seine Liedchen tremolieren!“
Um dann - Sartre-betont - inbrünstig hinzuzufügen: „Und abermals kann sich der Einzelne, nun in totaler Verantwortung gegenüber der anwesenden Hörerschaft, ja neuerlich selbst erschaffen!“ 
„De facto. - Besitzt diese Verantwortung allerdings nur in der Entscheidung zu sich selbst!“ erweiterte ich grinsend die gewichtige Darlegung des einstigen Begründers des französischen Existentialismus: Monsieur Jean-Paul Sartre.
„Oui, certainement!“ (Ja, gewiß) nickte er mir beipflichtend zu. „Was hältst Du davon, wenn Du mir dabei nun ein wenig Beistand leistest?"
"Selbstverständlich! - Aber wie das denn?" horchte ich neugierig auf.
"Schreib mir dafür alsbald noch einen Text, in welchem Sartres Ideologie und Bestreben für mich und mein Publikum geistreich und auch phantasievoll zum Ausdruck geraten kann - d’accord?“
Nun denn:
Eilfertig habe ich diesen Wunsch dann ja auch einigermaßen zutreffend in die Tat umgesetzt - wie es die folgenden Zeilen nun hoffentlich noch immer zu spüren zu geben vermögen: 
-
Erbost schrieb einstmals Jean-Paul Sartre
quer über eine Tür, die knarrte:
Wir lassen uns, auch mit Geräuschen, niemals in der Erkenntnis täuschen,
daß Sinn und Zweck, gleich welcher Pforten,
sei’s hier, wie auch an anderen Orten,
sich offenstehend nur ergeben, wenn wir sie aus den Angeln heben!
-
Oui, und mit dem folgenden Ausklang haben wir diese Lieddichtung, zuvor ich und bald darauf auf einigen Bühnen auch hochgestimmt Jacques, noch für tout le monde so aufschlußreich an- und abschwellen lassen:
Und damit sprach er für Rimbaud, denn dieser dachte ebenso. -
-
Mon Jacques war zwar damals erfreut, hat diese schlicht und ergreifend als "Sprechgesang" gestaltete Kantilene bald auch in sein Chanson-Repertoire aufgenommen; als wahrscheinlich spitzbübisch aufheiternder, kam ihm hin und wieder auch der folgende Liedtext anscheinend doch gelegen:
Man kann im Hof der Tuilerien, im feuchten Rasen niederknien -
ermuntern die Fran-zo-o-sen ...
Doch ratsam ist’s im Sacré-Coeur, dort bleibt solch Handeln populär -
vermeidet nasse Ho-o-sen!
Pas de malheur - non malheur ...
- -
Der großen Gemeinde der Chansonfreunde wird jetzt wohl doch noch so einiges erinnerlich sein. -
Oui, das halte ich durchaus für möglich ...
Non? - Qui sait ...
-
***

So "bauernschlau" schmuggeln ...

Das war vor Jahr und Tag ja noch möglich -
damals miterlebt an einer Zollstation:
Oui, und unüberhörbar offenbarte sich dabei wohl auch der Anreiz eines "Corriger la fortune" - was meint: (Das Glück verbessern, d.h. mogeln).
Zuvor sei da noch folgendes anschaulich machend erwähnt: Wenn ein Franzose in Paris recht unbekümmert erkennen läßt, daß er dereinst in der Gascogne das Licht der Welt erblickt hat, dann wird er oftmals bespöttelt - man macht sich gern über ihn lustig. -
Das ist schon seit Urzeiten so - und selbst in Lyon, bis weit über Marseille hinaus, wird er nicht selten "zum besten gehalten". -
-
Solch ein "der Lächerlichkeit preisgeben" sollte zwar stets als engstirnig und taktlos zu gewärtigen sein - jedoch aufhorchen lassend durfte ich im Juni 1972 miterleben, daß da gegebenenfalls ein Schmunzeln kaum noch zu unterdrücken ist. - Aus der spanischen Stadt Barcelona kommend, habe ich damals am dereinst noch grenzgebieterisch installierten Schlagbaum bei Irun haltmachen müssen. Bald darauf, nun auf dem französischen Hoheitsgebiet angelangt, standen jetzt, Auto an Auto in Folge, all die dort Anwesenden im gleißenden Sonnenlicht wartend hintereinander aufgereiht da. -  
Im geöffneten Cabriolet sitzend, gewahrte ich vor mir stehend einen alten, klapprigen Citroen-2-CV-Kleinlastwagen. - Und erkennbar wurden sogleich: Ein Hinweis gebendes Nummernschild auf die Gascogne - und ein schon älterer, allerdings untrüglich zutage tretender Bauer (paysan) aus diesem südfranzösischen Landesteil.
Unübersehbar mißtrauisch dreinblickend, sprach nun der Zöllner den etwas unruhig dastehenden habitant de gascogne an: „Na, Monsieur, was haben wir denn heute gesetzmäßig zu verzollen?“
„Rien, pas-de-value de l'objet!“ (Nichts, keinerlei Wertsachen!) antwortete achselzuckend ein abwinkend gestikulierender Landmann.
„Merveilleux! (wunderbar!) - Dann können wir, immerhin ganz und gar problemlos, alles etwas näher in Augenschein nehmen“, wurde ihm schmunzelnd bedeutet.
Deutlich bemerkbar beunruhigt stand er jetzt da, der anscheinend nun doch in die Enge getriebene Gascogner.
„Oui, dann öffnen sie doch bitte einmal die hinteren Türen ihres Fahrzeugs!“ wurde er autoritär aufgefordert.
Widerwillig kam er dieser so barsch formulierten Anweisung nach - und sichtbar wurde dann gleich darauf eine dunkelblau leuchtende Plastiktonne; ein Großbehälter, mit annähernd fünfzig Liter als Fassungsvermögen. 
„Aha! - Was haben wir denn dort drinnen eventuell durchaus belastend verborgen?“ sprach ihn der offensichtlich sogleich einen Verdacht schöpfende Zollbeamte herrisch an.
„Nichts von Bedeutung, nur Katzenfutter!“ bekam er lakonisch zu hören.
„Interessant, das wollen wir dann gleich einmal gründlicher kontrollieren!“ wurde nun sofort unbarmherzig bestimmt.
„Pourquoi? (Warum?)“ versuchte der Bauer fragend abzulenken - um dann eindringlich darauf hinzuweisen, daß so etwas wohl leider nicht möglich sei, weil ja der Deckel der Tonne, vom Hersteller des Katzenfutters rundum kunststoffverschweißt, bestimmt enorme Schwierigkeiten bereiten würde - und demnach nur gewaltsam zu öffnen sei!
„Non, das ist kein Problem für uns, denn wir sind ja für alles gerüstet!“ ließ nun der zweite Beamte verlauten; verschwand in der Zollstation - und erschien wenige Minuten später mit einer geeigneten Gerätschaft inmitten einer sich offenbar anbahnenden Bredouille.
Schon bald darauf war der Deckel der Tonne unproblematisch entfernt - und ein verwundert aufblickender Zöllner hielt nun ein Häufchen frischgerösteter Kaffeebohnen in der Hand ...
„Olala! - Das ist ja wohl zweifellos ein tierisch gewöhnungsbedürftiges Katzenfutter!“ herrschte er kopfschüttelnd den trotz allem weiterhin als selbstsicher erscheinenden Grenzgänger an.
Beipflichtend nickte der Mann aus der Gascogne ihm zu: „Oui, so wird es sich leider wohl demnächst bewahrheiten!“
Die beiden Zollbeamten starrten jetzt abwechselnd auf den bauernschlau agierenden paysan und auf den Inhalt der großen Plastiktonne.
„Wie dürfen wir das denn nun bitte verstehen?“ entfuhr es dann mißfällig dreinblickend einem der Zöllner.
„Ach, wissen sie“, stöhnte der Bauer mitleiderregend auf, „ich züchte seit einigen Wochen exotische Siam-Katzen. - Und diese Viecher sind unglaublich anspruchsvoll! Dermaßen wählerisch, daß sie mich bald in den Ruin treiben werden. - Alles erdenkliche an bei uns in Frankreich verfügbaren Fressalien habe ich diesen verkorksten Biestern schon zukommen lassen! - Das kann ich notfalls durchaus beweisen, glauben sie mir!“
„Ja - und?“ forschte man weiterhin anzweifelnd nach.
„Na, was wohl?“ klagte er’s demonstrativ ein. Und mit ausgestreckter Hand auf die Plastiktonne weisend, polterte er trickreich drauflos: „Oui, messieurs, und wenn die versaubeutelten Stubentiger sich das da nun auch nicht mehr einverleiben wollen, dann ist unwiderruflich Schluß mit der Aufzucht! - Und ich werde diesen versnobten Viechern stocksauer den Hals umdrehen! - Compendre?“
Sekundenlang lastete daraufhin erst einmal eine unentschlossen flackernde Reglosigkeit über dem grenzgebieterisch in Atem haltenden Geschehen ...
Bis hin zum besorgniserregenden Augenblick, da einer der Zollbeamten den Mann aus der Gascogne beinhart und unzugänglich anherrschte: „Conduisez votre voiture de ce cotè - là!“ (Fahren sie ihren Wagen dort an die Seite!)
Das habe ich letztendlich noch unüberhörbar mitbekommen, bevor mich der andere Zöllner erst einmal abfällig dreinblickend fixierte - und dann unwirsch zum Weiterfahren aufforderte.
-
Zirka fünfunddreißig Minuten später war ich bereits unterwegs in der sich landschaftlich rundum als sehenswert darbietenden Gascogne*, in Richtung Bagnères-de-Bigorre, einer heimelig zutage liegenden Ortschaft am (damals) bisher noch uneingeschränkt strömenden Flüßchen Adour.
Und dort stand es mir nachdenklich gestimmt vor Augen, daß man, im so traditionell anhaltenden "Rundumblick" auf die Gascogne wohl doch ein wenig zum Umdenken geneigt sein sollte.
Oui, die Gascogne: für Wein- Connaisseure zusagend als eine durchaus diesbezügliche "Zweite Heimat" in Aussicht zu nehmen ...
-
Auch sei hier noch aufschlußreich angemerkt: Monsieur Jean-Jacques Rousseau hat bereits im Jahr 1768 recht eindringlich darauf hingewiesen, daß la opinion publique - also die öffentliche Meinung, oftmals sich durchaus verhängnisvoll auswirkende Ressentiments laut werden lassen kann. - (!)
C'est tout ...
-
***



PARIS - und eine "malerische Rückschau" ...

Oui, in einen wahrlich aufsehenerregenden Zeitabschnitt:
-
Vorab sei bedeutsam bezeugt, daß nicht nur ein sauflustiger, bereits zügellos gewordener Alkoholkonsum - oder der anhaltende Gebrauch halluzinogener Drogen immerhin so viel bewirken kann, daß sich da etwas urplötzlich heraufbeschwört - und alsbald ichbezogen in die hernach überraschend offenbar werdenden Wege geleitet. -
Nein, denn ...
Ein psychologisches Phänomen, das einstmals französisch als „Déjà-vécu“ bezeichnete - und zuweilen bedenklich Wirklichkeit werdende „Schon erlebt“. - (auch als: déjà = bereits oder schon, vu = gesehen), das läßt hin und wieder auch ohne stimulierende Rauschmittel so einiges lebensvoll zutage treten.
Im ersten Abschnitt seines Buches „Dichtung und Wahrheit“ beschreibt Goethe eine Begebenheit, die solch einem Fausse reconnaissance, diesem „falschen Wiedererkennen“, so allerhand Ausdruck verleiht. -  
„Kokolores! Vernunftwidrige, hirnrissig gesponnene Flausen!“ räsonierte einst unbelehrbar abweisend der Freud-Schüler Sebastian Heil-Resistere, als der Großmeister der Psychoanalyse sich hinsichtlich dessen murmelnd ins Nachdenken vertieft hatte.
„Nein-nein, sie vereinsamter Nihilist! - Der Auftakt für die als Déjà-vu charakterisierten Erlebnisse, ist einzig und allein mit den verdrängten Phantasien der menschlichen Wesen präzis zu verdeutlichen!“ wurde der angehende Seelen-Voyeur sogleich eines Besseren belehrt. -
-
Ja, all das gab mir nun doch zu denken, als ich vor kurzem einen mehrseitigen Brief aus Paris - geschrieben von einem Freund, dem Pianisten Javiero Garcia Sánchez - neugierig geöffnet und zunehmend beunruhigt gelesen hatte. - Javiero, ein Verwandter des 1894 in Madrid verstorbenen Musikpädagogen Francisco Asenjo Barbieri, er lebt seit seinem Studium an der Académie Royale zumeist in Paris, im Quartier Latin, im fünften Arrondissement dieser Stadt. -
Wir hatten uns 1973 in Paris kennengelernt, als ich dort einige Jahre freiberuflich als umherreisender Journalist für die bereits im Jahr 1964 von dem französischen Philosophen André Gorz dereinst in Szene gesetzten Wochenzeitung "Le Nouvel Observateur" tätig - und Javiero daselbst einige Monate als Volontär beschäftigt gewesen war. -
Da ich nun seit langem in einer norddeutschen Region und einige Monate in Griechenland ansässig geworden bin, trafen wir uns hin und wieder nur noch in Frankreich; das aber selten. -
Zurück zur soeben geöffneten Post aus Paris: Nebst einer CD mit der Klaviermusik des Komponisten Erik Satie, hielt ich vier eng-beschriebene Seiten in Händen. Und war mir - nach einem kurzen Überblick dessen - sogleich auch darüber bewußt, daß mich das Wesentliche einer brieflich anscheinend derart eindringlich beschworenen Imagination vermutlich im nachhinein wohl erst einmal nachdenklich stimmen - und sich dann, als schwer zu bewältigend, alsbald offenbaren würde:
-
"Paris, 12. Juni, 2009 -
Cher Didier ... Qu‘est-ce qui s‘est passé?  -  (Was ist geschehen?)
Oui, Du wirst es vermutlich gar nicht für möglich halten - und Deiner diesbezüglichen Einstellung gemäß, nur milde gestimmt lächeln. Aber die meinen Zeilen beiliegende Tondichtung des Erik Satie, sie beschwörte da neulich urplötzlich in mir einen recht melodramatisch gearteten Rückblick zutage ... Reinkarnation? Haben wir schon einmal gelebt?
Uns muß es schon 'mal gegeben haben!
Denk einen Augenblick angestrengt nach und zugleich auch inhaltsgeladen zurück - dann wird die im folgenden nun wieder auflebende Begebenheit auch Dir sogleich wahrhaft und wirklichkeitsnah vor einem geistigen Auge erscheinen:
Dieser dereinst gemeinsam erlebte Monat Mai 1917, hier, in den für uns einstmals heimatlich gewordenen, wie wohl oftmals auch desillusionierend aufblitzenden Gegebenheiten in dieser einzig benutzbaren Wüste (Camus) Paris ...
Ist das präsent? Liegt all das für Dich nun zutage? - Nein?
Dann werde ich Dir jetzt hinweisend auf die Sprünge helfen! - Eh bien:
Rauchend und Wein trinkend saßen wir damals nachdenklich gestimmt in der Feuilleton-Redaktion des Nouvel-Observateur und sprachen über die demnächst im Théâtre du Châtelet stattfindende Inszenierung von Musik, Ballett und der Malerei, dieser als „kubistisches Manifest“ bezeichneten, alsbald debütierenden Theateraufführung. 
Du erinnerst dich? - Nein, noch immer nicht?“
-
Unabhängig davon, daß ich mich daran partout nicht erinnern konnte, war es erst einmal in Betracht zu ziehen, daß es den Nouvel Observateur damals noch gar nicht gegeben hat.
Denn als Erstveröffentlichung dieser bald zur meist gelesenen Zeitung gediehenen Druckschrift, ist der von Claude Bourdet 1950 in Umlauf gesetzte L‘Observateur zu erwähnen.
Da offenbarte sich in Javieros phantastisch aufblühendem Sentimentalitäts-Geschehen doch schon ein inkorrekt aufscheinendes Denkzeichen, so bedachte ich‘s kurz - um gleich darauf erwartungsvoll weiterzulesen:
-
„Incroyable! (unglaublich!) Aber ein vermutlich aufsehenerregender Hinblick auf das bevorstehende Spektakel war schon vorab zu gewärtigen, als wir drei Tage vor der Uraufführung nachmittags bei der Anbahnung dessen dort dann schaulüstern zu Gast waren! 
Na, ist es nun doch gegenwärtig?
Du mußt das vor Augen haben! Den übereifrig herumwieselnden Jean Cocteau, in dem von ihm so absonderlich geplanten Szenario.
Dazu, gewöhnungsbedürftig im Hintergrund eines futuristisch erschaffenen Bühnengeschehens: Erik Saties für uns ja bis dato noch ungewohnte, von ihm extra für diese Aufführung konzertierte exzentrische Tondichtungen ... Nein, da ist noch kein Rückblick in Reichweite? Das nehme ich Dir nicht ab; gib‘s zu, Du verweigerst dich! Mußt Du jetzt alles derart ernüchternd vereiteln wollen? - Auch die Choreographie und zudem noch tänzerische Meisterschaft des Léonide Massine? Der Tänzer des Balletts Russes - und Liebhaber des Choreographen Diaghilew - der ja damals dort auch umtriebig zugegen war. Oui, schieb einmal all diese unfreundlich aufblitzende Abwehr aufnahmefähig beiseite! Dann wird sich Dir alles umgehend durchaus so malerisch offenbaren: Gewiß der übereifrig umhereilende Kostüm- und Bühnenbildner Pablo Picasso ... - Aha! Aufhorchen lassend, zeigt sich da zwingend der Malerfürst! Er setzt wohl ad hoc unter Druck und nötigt nun doch zu einem bereitwillig aufkeimenden Wiedererscheinen dieses vor Jahren ja gemeinsam so eindrucksvoll miterlebten Bühnenspektakels.
Nein, noch immer nicht?
Denk 'mal zurück: Wir waren ja damals durchaus beeindruckt ...
Nicht so der Großteil des Publikums am Abend der Premiere am 18. Mai 1917! - Lautstark geäußerte Ablehnungen brachten Tumult in den Saal - und verursachten einen Skandal! Wie Du wohl weißt.“
-
Hm? - Javiero - und erneut die Beeinflussung durch Opium?
Versuchte ich‘s zu ergründen; mich auch daran erinnernd, daß er seit langem schon ein Bewunderer des am 11. Oktober 1963 in Milly-la-Forêt verstorbenen enfant terribles Jean Cocteau war. Und sich 1976, in Paris, als Besucher einer Versteigerungs-Aktion Cocteaus‘scher Wertobjekte im Bereich der beweglichen Habe, zwei der hier unter anderem angebotenen Opium-Pfeifchen zu eigen gemacht hatte. -
Oui, offenbarte sich hier nun doch eine derart beeinflußte Willenslenkung halluzinierend einwirkender Drogen? 
Trotz allem laß ich erwartungsvoll weiter:
-
„Voilà, erinnerst Du dich manchmal noch an den oftmals abwertend begutachtenden Schmähredner Jean Poueigh? „Man hat da auf die nie endende Dummheit der Menschen spekuliert“, ließ er, der bekannte Musikkritiker, sich damals derart gestreng in einigen Zeitungen über das extravagant inszenierte Bühnenereignis aus. Eventuell ist es Dir wahrhaftig nicht mehr in Erinnerung geblieben, daß Erik Satie ihm daraufhin stockwütend eine Postkarte mit dem folgenden Wortlaut geschrieben hat: „Monsieur et cher ami - vous êtes un cul, un cul sans musique!“ (Mein Herr und lieber Freund - Sie sind ein Arsch, ein Arsch ohne Musik!) -
„Am darauffolgenden Tag - Das wirst Du wohl kaum vergessen haben! Da saßen wir ja dann noch, vertieft in ein wortgewaltig gestaltetes Miteinander, bei der reizenden Madame Misia Sert im eleganten Salon ihrer Wohnung am Quai Voltaire ... - Anwesend waren - wie es nun wirklich noch erinnerlich sein müßte: Ein oft buhlerisch um Léonide Massine herumtänzelnder Serge Diaghilew. Und der spür- und sichtbar um Aufmerksamkeit bemühte Jean Cocteau. Ein dandyhaft gekleideter Marcel Proust, dessen hin und wieder durchdringend laut werdendes Lachen uns alle erschauern ließ. Und im kontemplativen Abseits ein sich angeregt mit dem Maler August Renoir unterhaltender Freund und Kumpan Toulouse Lautrec. - Oui, und um Mitternacht erschien dann auch noch der unserer Misia dereinst das Musikstück „La Valse“ gewidmet habende Komponist Maurice Ravel“. -
-
„Javiero, Du hast Max Jakob, Guillaume Apollinaire und auch den damals dort anwesenden Pablo Picasso gar nicht erwähnt!“ murmelte ich, obschon noch immer recht unzugänglich gestimmt ...
Kopfschüttelnd und trotz allem nun doch auch schon schwärmerisch zwangsgesteuert in eine gefühlvoll aufleuchtende Rückschau in die reizvoll erlebte Zeit in Paris entrückt, nahm ich die bereits geöffnete Flasche Rotwein zur Hand und begab mich nebst Glas und dem Brief des Freundes auf die Terrasse meines Häuschens im Norden der griechischen Insel Lesvos. - Sanftmütig gestimmt, war ich dann gleich darauf weiterverfolgend wieder in Javieros daseinsfreudiges und wortreich zu spüren gegebenes Wunschtraum-Gebilde vertieft - in diesem erweiterten Ausmaß:
-
„Verspätet kam dann, wieder einmal angetrunken, „Monsieur Pauvré“, wie er in einschlägigen Kreisen oftmals benannt wurde: der Erik Satie. - Didier, das kannst Du unmöglich vergessen haben!“ stand da zu bewegen suchend geschrieben. - „Auch eingedenk dessen, daß Du es ja warst, der dann, bereits in den beginnenden Morgenstunden, den inzwischen volltrunken wankenden, rheumatisch einherstolpernden Erik hilfreich nach Hause, in sein zellenartiges, mit allerhand Trödel, Gerümpel und Plunder vollgestopftes Kämmerlein, damals noch in der Rue Corot, stützend geleitet hast!“ -
-
Par bleu! Ich versuchte mir das nun leibhaftig vor Augen zu stellen. Und dachte dabei an Platon, der einmal diesbezüglich bekundet hat: Nur die ewigen Ideen sind das eigentlich Seiende!
Ach Javiero! - Beeindruckt und nun wohl auch zunehmend beeinflußbar Wirkung gewahr werdend, las ich aufmerksam weiter:
-
„Unterwegs, so hast Du es damals uns allen erzählt, warst Du ja angeblich immer wieder sehr darum bemüht, ein wenig mehr über sein der mittelalterlichen Mystik entliehenes Musik-Emfinden, dieser Rückkehr zu einer klassischen Prägung dessen zu ergründen. -
Das sollte nun doch gegenwärtig sein ... "Er sei noch immer in die Erweiterung seiner Gymnopedien vertieft und das kontinuierlich!" hat Dir der trunken einherstiefelnde Erik abwinkend zu verstehen gegeben, so hast Du uns damals darüber berichtet. - Nebenbei bemerkt, sind das die Kompositionen, die mir noch immer am besten gefallen. Nein, nicht so die einstmals erlebten Tondichtungen dieser theatralischen Aufführung „Parade“
Stimmen wir da überein?“ -
-
Was das angeht: ja, dachte ich beiläufig ...
-
„Im Flur seiner ärmlichen Bleibe angelangt“, berichtete Javiero schriftlich weiter, „hat er Dir - wie Du es derzeit ja stillvergnügt betont hast -, dann schlußendlich noch aufgebracht zugeraunt: "Möge dem Armseligen, der mich übersieht, die Zunge verbrennen - und auch das Trommelfell platzen!" -
Mon dieu! Wenn Du dich daran nun nicht mehr erinnern kannst, dann schöpfe ich doch den Verdacht, daß ich ab jetzt unerfreulicherweise an Deiner Merkfähigkeit zweifeln muß! - Laß es mich wissen, ruft sorgenvoll ausharrend einer der wenigen Dir aller Wahrscheinlichkeit nach wohl noch verbliebenen Freunde, im derzeit regnerisch verschnupft machendem Molloch Paris.“ -
-
Unserer langjährigen Freundschaft zuliebe, galt es nun herzlich und angemessen darauf zu antworten ...
Immerhin, dem bereits genußfreudig getrunkenen Wein zur Folge, würde die Beantwortung seiner gefühlsselig formulierten Zeilen dann auch hoffentlich zusagend und erfreulich zuwege gebracht werden.
Nun ja:
„Wer ein bewußtes Leben führen will, der muß das im flüchtigen Strom seiner Erinnerungsbilder tun!“ so hatte es ja schon der in Berlin lebende Philosoph Stephan Otto dereinst konkretisiert. -
In Anbetracht dessen, griff ich bald darauf seelenvergnügt zur Feder, um gleichgestimmt, wie einstmals Schulter an Schulter, nun emotional aufgekratzt aufs Geratewohl "zurückzublicken":
-
Skala Scamia, Lesvos, Greece, am 14. Juni, 2009 -
Mon cher Javiero,
wohl wahr, es bleibt unvergessen - und natürlich erinnere ich mich an all das von Dir urplötzlich nun so gefühlsreich erneut vor Augen geführte damalige Geschehen. - Wenn ich da zutreffend zurückschaue, dann bist Du ja damals bald darauf, im Juni 1917, nach Madrid abgereist, um Deine Mutter zu besuchen und am dortigen Konservatorium drei Jahre lang als Musiklehrer zu unterrichten. - Das ist nun durchaus erwähnenswert, mein Freund!  -
Denn in diesem beachtenswerten Zeitraum, da hat sich ja noch so einiges aufsehenerregend ereignet ...
Als Du noch in Paris anwesend warst, da sprachen wir eines Abends mit Guillaume Apollinaire über einen neuen Geist des Überrealismus - er nannte es „sur-realisme“, Du erinnerst dich daran? Gemeint war: Das Wirkliche mit dem Unwirklichen zu verknüpfen ... -
So annähernd im Unwirklichen trat dann zutage, was ich kurz nach Deiner Abreise erleben durfte:
Wir (die Redaktion) hatten in Erfahrung gebracht, daß Picasso wieder einmal die Gespielinnen ausgewechselt hatte, Olga Chochlowa war jetzt die Favoritin. Im Juli 1918 hat er die Dame dann geheiratet. - Cocteau war der Trauzeuge. Oui, und ihn habe ich dann gebeten, mir einen Termin für ein Interview zu beschaffen. - In der darauffolgenden Woche hat‘s dann auch geklappt, der Meister hatte es gönnerhaft geschehen lassen ...
Wohlan - und somit zurück zum "Unwirklichen":
Picasso war ja inzwischen nicht nur berühmt, sondern auch wohlhabend geworden. Als ich die neue Wohnung in der Rue la Boétie betreten hatte, stand mir ein auffallend bürgerlich sichtbar werdender Maler gegenüber: Im maßgeschneiderten Anzug, mit einem Ziertuch in der oberen Jackentasche und einer auffällig hervorleuchtenden goldenen Uhrkette am Knopfloch. - Es verschlug mir die Sprache, als ich die luxuriös ausgestatteten Räume näher in Augenschein nehmen konnte: Olgas strategische Einflußnahme, so bedachte ich‘s, als mich der Meister überraschend freundlich dazu aufforderte, nun ihm gegenüber Platz zu nehmen. - Kurz zusammengefaßt: Im Laufe des einseitig stattfindenden Gesprächs wurde mir deutlich gemacht, daß ich ein Interview nur bekommen könnte, wenn ich schon morgen früh als Chauffeur zur Verfügung stehen würde. - Er habe sich gestern ein Automobil gekauft, einen Hispano-Suiza; weder er noch Madame Olga hätten jedoch eine notwendige Fahrerlaubnis. Auch der Freund Erik, Monsieur Satie nicht, der ja morgen dabeisein würde ...
„Wo man denn so übereilt hinfahren wolle?“ habe ich, offensichtlich total überrumpelt, nachgefragt.
„Nach Antibes, um dort, am La Garoupe benannten Strand im Kreis der feinen Gesellschaft ein wenig mitmischen zu wollen!“ gab mir Picasso abfällig grinsend zu verstehen. -
Ich hatte begriffen: Le High Life - das Treiben der Prominenten - und Madame Olgas offenbar lebenswichtiges Begehren, daselbst nun beachtet werdend mithalten zu können. -
-
Am Morgen darauf klingelte ich, repräsentabel gekleidet - ich hatte mir am Abend zuvor von Max Jakob noch einen Anzug geliehen -, abreisebereit dastehend, an der Wohnungstür der Familie Picasso.
Olga öffnete mir - und nahm mich mißbilligend in Augenschein: „Nein-nein, so geht das nicht!“ fuhr sie mich an. „Das werden wir jetzt sofort passend umgestalten!“ ließ sie mich wissen, rauschte davon und schon wenige Minuten später hielt sie mir die vollständige, komödienhafte Montur eines Chauffeurs unter die Nase! - „Keine Widerrede, Sie ziehen das nun sofort an!“ wurde bestimmt. -
Javiero, Du kannst dir vielleicht mitfühlend deutlich vor Augen führen, wie mir damals zumute war ...
-
Trotz allem gestalteten sich diese dereinst erlebten Tage wahrhaft zu einem unvergeßlichen Reisegeschehen. Am ersten Tag fuhren wir bis hin nach Lyon - es gab ja damals noch keine Autobahn -, und am zweiten Tag erreichten wir dann gut gelaunt schließlich das Städtchen Antibes. -
Fürwahr: Eine anstrengend verlaufene Autofahrt ...
Andererseits sich ausreichend ergebende Stunden, um hernach wirklich ein aufschlußreiches und bemerkenswertes Interview konzipieren zu können. -
Javiero, derart inhaltsgeladen nun so überraschend zurückblickend, ist da noch etwas erwähnenswert: Als der Erik Satie am 1. Juli, 1925 in Paris verstorben war, da fanden wir - Max Jakob und ich - in seiner Wohnung noch die inzwischen weltweit bekannt gewordene Komposition „Vexations“ - „Quälereien für ein Soloklavier“, wie er die Tondichtung ja scherzhaft benannt hatte. -
So viel erst einmal für heute, mon ami; auch hinsichtlich eines hin und wieder aufblühenden Erinnerungsvermögens, - salut, à bientôt - ton Didier. -
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Post Skriptum: 
Wissenschaftliche Untersuchungen haben aufsehenerregend erkundet, daß 50 bis 90 Prozent der auf diesem Globus gern lustbetont weilenden Menschen derartig traumhafte Erscheinungen dieser beunruhigend phantasievollen Beschaffenheit bereits oftmals durchlebt haben - und gegebenenfalls auch uneingeschränkt beurkunden können.  
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Samstag, 14. April 2018

Traumhaft - so gut beieinander ...

Um auch dem so altgewohnten Geschehen letztlich doch
einen gefühlvoll erweiterten Stimulus angedeihen lassen zu können.
Tja ...
Und zunehmend nachdenklich gestimmt ergriffen,
steht mir im Verlauf dieser aufkommenden Besinnlichkeit
sogleich ein beglückendes Traumbild für diese restlichen Tage auf Erden
nun malerisch harmonisierend so wirklichkeitsnah vor Augen.
Und das folgendermaßen:
Nachmittage an einer südlichen Meeresküste - 
die hüllenlos inaktiven Füße ruhen entspannt im warmen Sand. 
Auf einem hölzernen, kunstlosen Tisch schimmert - fast goldfarben -
die Fülle einer soeben dem Kühlschrank entnommenen Flasche Weißwein; 
fühlbar wohl unzutreffend als "trocken" bezeichnet. -
Nun ja, so daseinsfreudig verweilen zu dürfen,
"das wird dann zum Prachtvollsten, was die Welt zu geben hat,"
derart - fast schon paradiesisch - so hat's der
 französische Schriftsteller Albert Camus dereinst bekundet.
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Eine Erkenntnis ...
Ja, da wird es nun wieder einmal spürbar akzentuiert:
Mein wahrscheinlich mediterran geartetes Lebensethos verweilt wohl doch zeitlebens
recht untalentiert im leistungs- und karrierebetonten Arbeitsethos
einer derart ambitionierten Lebensgestaltung.
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Wohlan, schon keimt da - aufs neue - ein "gnothi seauton". *
* "Erkenne dich selbst"
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Ein (tadelnder) Nachtrag:
"ti krama!" (Wie schade!)
Fast schon betroffen machend ruft sie's mir auf der Insel Lesbos zu,
die griechische Lyrikerin Sappho:
"Um nach dem Tod ruhmlos umherzuirren -
als Schatten im Schwarm nichtiger Toten?"
Ach ...
"Ultra posse nemo obligatur", so habe ich's damals abweisend bekundet.
(Über das Können hinaus ist niemand verpflichtet.)
óchi ... (nein)
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Mittwoch, 11. April 2018

Die "Windhose" ... !

Neulich,
in Washington-D.C.:
Dieser weltweit oftmals als doch recht beunruhigend in Erscheinung tretende amerikanische Präsident Trump, er zeigte sich sichtbar wenig erfreut, als im Fernsehen, nach einer eindringlich gesendeten Hurrikan-Warnung, sich der namhaft gewordene Modezar Charles Storefield via T.V. diesbezüglich so unpassend mit dem Hinweis: "Das ist ja wirklich unheilverkündend! Aber bedenken Sie bitte unbedingt, daß eine Windhose nun keinesfalls als ein sturmerprobtes Beinkleid zu gewahren sein sollte", schmunzelnd zu Wort meldete.  -
Die "Windhose" - ein Scherz?
Hm? - Darum sei hier bedeutungsvoller doch noch zu spüren gegeben:
Yes, es präsidiert da zur Zeit, sich oftmals selbstsüchtig aufplusternd, ein amerikanischer Politiker ***, der die unanzweifelbare globale Erwärmung lauthals hoffnungsvoll leugnet - und den Schutz der Natur, stets auf den eigenen Vorteil bedacht, nun rücksichtslos als ein "Affentheater" bezeichnet.
Denn das alles wirkt ja beunruhigend lästig, fast schon zugrunde richtend seinen Bereicherungs-Interessen entgegen. -
Und da wird man als Präsident wohl durchaus beeinflussen dürfen!
Ein wenig zweckentfremdet sei da hinzugefügt:
Ave trump, lucrifacturi te salutant! 
Was gleichgestimmt meint:
Sei gegrüßt Trump, (alle) die sich bereichern wollen, grüßen dich!
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*** Ach ja, in einem schlechterdings vergleichbaren Zusammenhang, da sprach der französische Journalist Octave Mirbeau dereinst einmal deutlich von einer "selbstgefälligen Unfähigkeit".
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