Donnerstag, 5. Dezember 2019

Ist es wohl doch ein beunruhigendes Reisen - in die bisher noch unbekannte Länder - ?


So neulich, im sagenhaften Riesengebirge:
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Nun ja, darum sei es nun fast "entmystifizierend" deutlich gemacht ...
In dem Landschafts-Bereich dieser Sudeten. - Geographisch jetzt so korrekt betrachtet: im polnisch-tschechoslowakisches Grenzgebiet.
Und prähistorisch benannt nach einem einstmals dort heimischen und seit langem angeblich ausgestorbenen Geschlecht sehr großer und massiger Gestalten - in vorwiegend männlicher, jedoch hin und wieder auch sichtbar gewordener weiblicher Beschaffenheit. 
Im Hintergrund des oben verdeutlichten Geschehens, da präsentiert sich die 1600 Meter hohe, als "Schneekoppe" benannte Gebirgslandschaft. -
So viel entfaltend vorab ...
Die in der veranschaulichten Szenerie von der männlichen Person so leichthin und unerschrocken in Abrede gestellten Teufel, sie sind wohl im dortigen Moor tatsächlich nicht mehr präsent, wie es vor kurzem der in Worpswede lebende 96-jährige Ethnologe Horst-Eberhardt W. auf unsere diesbezügliche Anfrage glaubhaft versichert hat. - Der letzte Vertreter dieser "Verderbtheit" oder auch "Verkörperung des Bösen" sei ein harmloser und friedfertiger Sonderling gewesen - und bereits 1945, noch kurz vor Beendigung der Flächenbombardements im "Zweiten Weltkrieg", durch eine offenbar fehlgeleitete Bombe der diese ländliche Region anhaltend überfliegenden britischen Kampfflugzeuge, am Rande des Teufelsmoores todbringend verletzt - und dort bis zur Unkenntlichkeit zuschanden gekommen. Schon bald darauf jedoch von einem in dieser Gemarkung lustwandelnden Worpsweder Maler erschrocken haltmachend aufgefunden worden ... 
Da sei als Schlußfolgerung nun doch noch weitherzig hinzugefügt: 
"De mortuis nil nisi bene" - (Über die Toten nur Gutes), rief, in einer zeitgemäß vergleichbaren Situation, dereinst so gutgesinnt der griechische Denker Diogenes Laertius.
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Freitag, 29. November 2019

Nervend: Diese fliegenden - so unangenehm belästigenden Quälgeister !

Wieder einmal - und zunehmend verstimmend im Hinblick dessen ...
Jedoch war es ja anheimelnd geeignet zuvor:
Denn ein aromatisch mundender Wein gab mir eine angenehme Art von "Geleit", als ich mich in das von Jean-Paul Sartre einstmals geschriebene Drama "Die Fliegen" (Les Mouches) lesend vertieft hatte. -
Anklingend an die griechische Mythologie, thematisiert hier der als "maître àpenser" so lobpreisend benannte "Vordenker" in dieser Lektüre unter anderem all die lebensnotwendigen Belange und wohl auch Tragweiten im Bereich "Freiheit" und "Hoffnung" ... 
Vorab nun ein "kurzum" doch anschaulich machender Überblick all dessen:
"In der antiken Stadt Argos wimmelt es fortdauernd so peinigend von Fliegen." 
Ein Leitfaden - hinsichtlich des dramatisch verlaufenden Geschehens. -
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Ach ja, nun denn, apropos Fliegen:
Wußten Sie schon, daß es so etwas tatsächlich gibt? Diese aus meiner Sicht als "hinterhältig" zu bewertenden, sogenannten "Van-der-Waals-Kräfte", also "Anziehungskräfte"; mit deren Hilfe die lästigen Viecher auch Hals über Kopf einen Halt an Zimmerdecken und spiegelglatten Oberflächen zu meistern wissen. - Bevor sie dann nervend um uns herumschwirren und alsbald die Speisen auf dem appetitlich gedeckten Abendbrottisch belagern.
Insbesondere all diese widerwärtigen "Schmeißfliegen"; wir Neolatinistiker reden da wissenschaftlich und gern etwas selbstgefällig, von einer penetrant aufdringlich attackierenden "Calliphoridae". Ein stahlblau fluoreszierender Brummer, dessen Lebensabschnittsgespielin immerhin bis zu dreihundert Eier als bedrohlichen Nachwuchs erzeugt; Initialstadien, die bereits 24 Stunden später als ekelerregende Maden ... Man mag gar nicht daran denken! -
Auch nicht daran, daß da irgendwann verträumt durch die Landschaft stolpernde Tierphysiologen so unüberlegt und verniedlichend eine der Spezies dieser Quälgeister als "Stubenfliege" benannten. - Stubenfliege!
Der Inbegriff "gute Stube", bisher ja noch immer als stets "heimelig" empfunden - als eine rundum beglückende "Wohn-Wohlfühl-Sensualität"!
Und dann (man will es nicht wahrhaben wollen!) diese vernunftwidrige Kennzeichnung derartig kontinuierlich piesackender Eindringlinge.
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Beunruhigt blickte ich nun in das vor mir stehende, sich inhaltlich noch etwa dreiviertelvoll darbietende Weinglas; in dessen Substanz eine wahrscheinlich über kurz oder lang mit dem Tode ringende Fliege jetzt hektisch eine Mitleid erregende Willenskraft offenbar werden ließ. - Hm? - Nun ja ...
"Leben, das heißt überflüssig zu sein!" ("la vie, c'est-à-être redondant") das hatte er ja dereinst so unbarmherzig zum Ausdruck gebracht, der stets nachdenklich stimmende Philosoph Sartre ...
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Donnerstag, 28. November 2019

So ganz und gar märchenhaft! - (?)

Wohl nur gegebenenfalls ...
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"Hören Sie 'mal: Ich nehme sonst keine Anhalter mit. Nur weil's da draußen saukalt ist - und Sie völlig verfroren dagestanden haben ... Jetzt frage ich Sie nach ihrem Namen - und Sie sagen: Schneewittchen! - Wollen Sie mich auf den Arm nehmen?"
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Seltsam ...
Tja, denn da wird eine bisher größtenteils lust- und leidenschaftslos vonstatten gegangene Alltagswelt so urplötzlich und unvorhersehbar in als übernatürlich zu bemessenen Einflußbereichen märchenhaft aus der Fassung gebracht.
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So auch damals, im Monat Januar des Jahres 2007, als dem Göttinger Wohnmobil- Handelsreisenden Horst-Michael W., auf einer beruflich bewerkstelligten Fahrt von Münden nach Bebra, die oben abgebildete Begebenheit widerfahren ist. -
Unglaublich ...
Beinahe. - Aber anstatt die sich so wunderlich darbietende Chance auch zu nutzen - und die Schöne damals (zweckgerichtet) folgendermaßen anzusprechen: "Da du nun greifbar zugegen bist! Willst du ab jetzt meinen Haushalt versehen? Dort tagtäglich wohlschmeckend kochen - und hernach mit mir lustbetont betten? - Wie wohl auch waschen, kehren und putzen (Autos?). Des weiteren mancherlei nähen, knüpfen und stricken (Schonbezüge für Wohnmobilsitze?). Ja, und bist du auch willens, all das erfreulicherweise reinlich zu halten? - Weder aufmüpfig noch rechthaberisch auftretend zugegen sein? - Auflodernden Widerspruch vorab stets im Keim ersticken? - Dann kannst du liebend gern bei mir bleiben, und es wird dir hinfort an nichts fehlen", hatte er ganz offenbar unüberlegt Fühlung genommen - und allzu ungeschickt die sich überraschend darbietenden Möglichkeiten deutlich erkennbar verspielt.
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Um (wie vermutlich des öfteren) geringfügig Eindruck schinden zu wollen, sei mir nun doch noch eine geistvolle Anmerkung erlaubt:
"Utile dulci - das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden," wie es dereinst schon Horaz in seiner "ars poetica" verdeutlichen wollte, das wäre, hinsichtlich der zuvor geschilderten Begebenheit, wohl lebensbejahend  empfehlenswert gewesen ...
Ja, ich verspreche hier meine absolute Verschwiegenheit! Aber wie würden Sie sich diesbezüglich so derart unempfindlich gegebenenfalls verhalten haben? -
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Donnerstag, 21. November 2019

Ach ja, diese feinfühligen "Pflanzenflüsterer" ...

Gefühlswarm anzutreffen im wild-wuchernden Bannkreis der Vegetation:
All diese, zum Gewächsreich organischer Wesen gehörenden Gebilde haben ja angeblich auch ein Empfindungsvermögen zu eigen, dessen ist sich nicht nur der englische Thronfolger Charles bewußt. Nein, auch der 1883 in Würzen geborene Hans Bötticher, besser bekannt als der lyrische Humorist Joachim Ringelnatz, er hat sich schon seinerzeit - als Eisenbahnwaggons ja noch von rußigen, Dampfwolken ausstoßenden Lokomotiven auf den Geleisen transportiert worden sind -, ja auch über die Gemütstiefen und Empfindungsfähigkeiten im Reich der Flora mitfühlend Gedanken gemacht. Als da - einschließlich Joachims diesbezüglicher Konkretisierung* - solches nun doch einmal zur Sprache gebracht sein soll:
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Der Herzenswunsch eines gepeinigten Rumex acetosa - (Sauerampfer):
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Tagtäglich war es oftmals Qualm, 
den er erdulden mußte.  >      ***
Verrußt war'n Blätter und auch Halm mit einer schwarzen Kruste.
So mochte er nicht mehr bestehen, er wollte "Wasserwege" sehen. -
Denn:
 *Der arme Sauerampfer ...
Sah immer nur die Eisenbahn,
doch niemals einen Dampfer.  - !
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*** Und in diesem gesundheitswidrigen Zusammenhang, da sei hier noch ergriffen nachdenklich stimmend an die in England schon vor Urzeiten von einem obskuren Geschöpf, diesem heiligen Nikolaus ins Leben gerufene obligatorische Art und Weise, dem "Old Father Christmas" am Weihnachtsabend stets nur durch den (versifften, rußsudeligen) Kamin (Schornstein) Zugang in die festlich geschmückte Stube zu gewähren. - Dieser unbarmherzigen Bestimmung zur Folge sind, angeblich auch im letzten Jahr, etliche als Weihnachtsmänner für eine kärgliche Entlohnung herhalten müssende Studenten hernach dann mit schmerzhaften Hautabschürfungen, Blutergüssen und Lungenödemen in Kliniken befördert worden. -
Wie oder was auch immer ... Wahrhaftig sind demnächst auch die festlichen Tage wieder einmal - trotz all dieser Hochstimmung - gegenwartsnah und nachdenklich stimmend zugegen. -
"Damnable, I don´t like that, ther is something rotten in the state of Britannia!" so hat es schon dereinst der William Shakespeare kritisiert. -
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Mittwoch, 13. November 2019

"Wie wenn da einer - und er bete ..."

Im Angedenken an Robert Gernhardt:
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Zurückblickend, erinnere ich mich auch daran, daß wir einmal über Dein lyrisch zum Ausdruck gebrachtes Geschehen "Wie wenn da einer, und er hielte ..." gesprochen haben. - Damals hast Du's bejaht, daß dieses beinahe betroffen machende Poem auch für Dich wohl weiterhin von Belang sein wird. - Und schon bald darauf durfte ich aufhorchen lassend miterleben, daß ein inzwischen durchaus als Poeta laureatus zu charakterisierender Mann der Feder, an einem als Dichterlesung publik gemachten Abend, einleitend mit dieser gereimten Gefühlsbetontheit wortgewandt Gestalt anzunehmen begann. -
Mir hat's gefallen - wie immer ... Und Du hast es - wie immer - geschehen lassen, daß ich diese ergreifende, so formvollendet zu spüren gegebene Verserzählung gelegentlich strukturell ausgeliehen habe. -
Ja, Robert. - So auch schlußendlich in Szene gesetzt neulich, als ein sichtbar verzweifelter Mann zu nachtschlafender Zeit rüttelnd und trommelnd vor meiner Haustür stand und penetrant Einlaß begehrte. - "Er sei nun am Ende!" ließ er mich wissen. "Trotz all der im Laufe so kunstverschworen erlebter Jahre ja überreichlich zuteil gewordenen Lasurfarben-Weisheit, sei jedoch größtenteils alles (wasserlöslich) danebengegangen!" fügte ein aufstöhnend vor mir stehender Aquarellist dann noch trübsinnig hinzu. -
Hernach - der resignierende Maler hatte bereits mein Haus verlassen -, saß ich noch nachdenklich gestimmt in meiner Bücher-Stube ... Der anregende Inhalt einer Flasche Wein, der ließ mich dann doch noch hochmotiviert zur Feder greifen. -
Und - ach Robert, ich konnte wieder einmal nicht umhin dieses bereits ausreichend belobigte Sprachkunstwerk nun inhaltlich eigengeprägt, jedoch sinnvoll und zweckentsprechend erneut so vielsagend zum Ausdruck zu bringen. Und das folgendermaßen:
Wie wenn da einer, und er bete,
die Muse, die, mit Namen Käthe
sich seiner - wenn auch nur verschwommen,
des öfteren 'mal angenommen -
sie möge bitte nicht mehr maulen,
und ihm somit das Sein vergraulen!
Wär' dieser nicht dem Typ vergleichbar,
für den ab jetzt als unausweichbar
die Schaffenslust ins Abseits schlittert;
die Existenz enorm verbittert?
Er bald dem Suff anheimgegeben -
vornehmlich nun dem Saft der Reben.
Er gleichwohl noch nach Käthe sucht
und dabei stumm den Tag verflucht,
an dem er dieser Erde Licht ...
Nein? Nicht vergleichbar? - Na, dann nicht! -

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Montag, 11. November 2019

Damals: Diese letztlich tragische Geschichte. -

So Nonsens-gereimt mit Robert Gernhardt ...

Dieter:
"Mein Goldfisch, der wird immer blasser!
Robert:
"Hm? - Du lässt ihn allzuviel im Wasser!"
Dieter:
"Er könnte sich `mal draußen sonnen ..."
Robert:
"Vermutlich machbar - unbenommen.
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Dieter - später:
"Das war wohl doch nicht angemessen,
die Katze hat ihn dort gefressen!"
Robert:
"Mein Gott! Nun bin ich ganz verwirrt,
vielleicht hab ich mich doch geirrt?"
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In Erinnerung an Robert -
er hat leider am 30 Juni 2006 das Zeitliche gesegnet.
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Ich vermisse IHN auch diesbezüglich ...
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Dienstag, 5. November 2019

Wohl wahr: Dieser bedeutsame Tag einer "diamantenen Hochzeit" - !

Immerhin ... Seit sechzig Jahre waren sie nun schon ein Ehepaar, die Frau Marthe und der Herr Bernhard S. - wohnhaft in einem malerischen Dorf in der als "Nordheide" benannten Landschaft. -
Ja, und hinsichtlich eines festlichen Beisammenseins anläßlich dieser "diamantenen Hochzeit", da sollte am kommenden Wochenende eine bedeutsame gesellige Festivität veranstaltet werden; so hatten es die Kinder und Enkelkinder bereits seit Tagen recht aufwendig vorbereitet. -
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"Mein Gott! - Wie soll ich altersschwach auftretendes Frauchen jetzt das noch bewältigen? Ich bin sterbensmüde, andauernd schachmatt! Und eigentlich ja schon halbtot", klagte sie’s willensschwach ein, als man am Vortag der Festivität frühmorgens erwacht war - und apathisch am Rande der Bettstatt nachdenklich gestimmt ausharrte.
Still leidend schaute sie auf - und war nun wieder einmal der Meinung, daß ein mitleidlos wegschauender Herrgott ihr tagtäglich zu Leibe gehendes Martyrium anscheinend verantwortungslos nicht mehr bewußt zur Kenntnis nehmen wollte.
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"Ach, Marthe-Schätzchen, dann geh doch bitte noch heute zum Arzt!" meldete sich gleich darauf Ehemann Bernhard fürsorgend zu Wort.
"Das kann ich ja leider nicht! Denn der gute, alte Doktor hat doch Feierabend gemacht - sein ärztliches Wirken beendet. - Und da ist jetzt so’n neuer Doktor, ein Milchbart der darauf beharrt, daß allein diese Naturheilkunde ein gesundheitsförderliches Resultat ohne unerfreuliche Spätfolgen bewirken kann", bemängelte Marthe die Anregung ihres so einfühlsam zu bewegen suchenden Gatten.
"Aha! Demnach ein vis mediatrix", horchte der einstmals als Lateinlehrer werktätige Bernhard sogleich offenbar gutheißend auf.
"Ein was, bitte?" bat sie mißtrauisch um Aufschluß.
"Gemeint ist damit die unseren Körpern ja innewohnende Naturheilkraft, der innere Arzt, wie es der Erneuerer der Medizin, der Medikus und Philosoph Paracelsus seinerzeit einmal recht aufschlußreich bezeichnet hat!" erläuterte nun Bernhard seiner jedoch ablehnend dreinblickenden Gattin ratsam die Möglichkeiten eines naturverbundenen Heilverfahrens.
"Nein-nein, nie und nimmer, das ist für mich unannehmbar!" winkte Marthe sofort beinahe fluchtartig zurückschreckend ab.
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Ein entscheidender Anlaß für diese geäußerte Abneigung war wohl darauf zurückzuführen, daß Marthe nun schon seit etlichen Jahren den fast freundschaftlich gewordenen Kontakt zum vormals aktiven Doktor sehr oft nutzbar zu machen wußte. -
Dazu ist aber folgendes umfassender anschaulich zu machen:
Jahraus und jahrein, hatten die stets so umtriebig ihre Aufwartung in die Wege leitenden Handelsvertreter all der so weltweit Medikamente fabrizierenden Pharmahersteller dem ehemals aktiven Doktor in seiner Praxis immer die neuesten - und ihrer Meinung nach wirkungsvollsten Arzneimittel als Warenprobe, so eine Art Tauglichkeitsprüfung zukommen lassen. -
Der einstmals hilfsbereit praktizierende Arzt hatte diese Präparate allerdings unentgeltlich seinen Patienten überlassen ...
So auch Marthe, die’s sich inzwischen zur Gewohnheit gemacht hatte, all ihren Leiden auf diese Art und Weise fortschrittsgläubig Kontra zu geben ... - Bis jetzt! - Neuerdings war aber nun, unerfreulicherweise, nur dieser naturheilkundlich eingeschworene Doktor dynamisch zugegen.
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Der kurzfristig zu verschmerzenden Not gehorchend, gab dann Marthe aufseufzend klein bei - und saß schon zwei Stunden später dem noch jugendlich erscheinenden Arzt gegenüber:
"Hallo, guten Tag, was führt Sie denn leidend zu mir?“ erkundigte der Doktor sich altgewohnt.
"Meine Müdigkeit!" gab ihm Frau Marthe weinerlich zu verstehen. "Ich bin leider von morgens früh bis spät in die Nacht hinein vollkommen schachmatt", fügte sie aufstöhnend hinzu.
"Ach ja, das ist dann tagtäglich eine unangenehme Begleiterscheinung! - Wie alt sind Sie denn - bitte?"
"Nächste Woche werde ich neunundachtzig Jahre alt!" ließ sie ihn wissen.
"Hm? - Ich werde Sie erst einmal gründlich untersuchen. Machen Sie sich darum jetzt bitte frei", gab er ihr sachlich zu verstehen. -
Auch das noch! horchte sie beinahe entgeistert auf. - Mein Gott! Wo bin ich denn hier jetzt gelandet? dachte sie kopfschüttelnd - und zog dann unwillig nur ihre Bluse aus.
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Etwa fünfzehn Minuten später hatte der Doktor dann all die notwendigen Untersuchungen beendet. - Wohlmeinend sprach er nun Marthe an: "Alle Achtung! Somatisch betrachtet, ist bei Ihnen an und für sich alles noch recht zuversichtlich im Lot. - Ihre andauernde Müdigkeit wird organisch durch einen Eisenmangelzustand hervorgerufen!"
"Wie bitte? Eisenmangel?" horchte Marthe zutiefst erschrocken auf.
"Allerdings, eine sich körperlich verifizierende Verminderung des absolut lebensnotwendigen Eisengehalts im leistungsfähigen Organismus! -
Eine ungenügende Eisenzufuhr im gesamten Bereich der Beschaffenheit Ihrer Ernährung. - Diese allzuoft doch als mangelhaft zu bewertende Eisenaufsaugung in den feinnervigen Reichweiten des Magendarmkanals", fügte der Doktor noch veranschaulich machend freundlich hinzu ...
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Verstrickt in eine Mischung aus Ungläubigkeit, Empörung und wohl auch Erstaunen, sah man bald darauf Marthe abfällig murmelnd den Heimweg beschreiten. - Und sichtbar entrüstet, brachte sie dort auch all ihren Unmut mißgestimmt grollend zum Ausdruck:
"Ja-ja, ich hab’s doch zuvor schon befürchtet: Ein Quacksalber doktort da neuerdings offenbar unwissend herum! - Herr im Himmel, das ist ja alles unglaublich! Ich mag gar nicht darüber nachdenken!" kam es verdrießlich dreinblickend zum Ausdruck. - "Jetzt auch noch obendrein Eisen verzehren müssen! Das ist doch absolut unzumutbar - und wirklich des Guten zu viel ... Ich kann ja kaum noch frühmorgens das Brot ausreichend beißen!" beklagte sie weinerlich schluchzend ihre derzeitige Gestimmtheit.
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Mittwoch, 30. Oktober 2019

Hildegard Knef: "Ach Hildchen" ...

Anfangs, vor allem, sei hier doch ein Einblick in ihre Lebensgeschichte verlebendigt:
Zutreffend ist, daß sie am 28. Dezember, 1925 in Baden-Württemberg, in der Stadt Ulm das Licht der Welt erblickte. -
Und bereits ab 1942 in einigen Filmen mitwirken konnte, die von der Filmgesellschaft Ufa in Szene gesetzt worden waren. - 
Zudem hat sie ab 1945 beachtliche Aktivitäten als Schauspielerin auf einigen Berliner-Theaterbühnen zur Schau gestellt. 
1954 kam dann der große Erfolg in Amerika, am legendären Broadway. 
Bald darauf traumhaft die "Tage der Rosen" als Chansonsängerin.  
Späterhin auch als Buchautorin ins Dasein getreten, gestaltete sie 1970 mit dem „Geschenkten Gaul“ einen Bestseller. -
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Und im Herbst 1994 geschah dann, zumindest für mich und für Walter, den Besitzer einer Weinstube in Gießen, diese amüsante Begebenheit: Es war kurz nach Mitternacht; die letzten Gäste hatten soeben weinselig das Lokal verlassen ... 
Daraufhin war ich gerade dabei die Tür zum Weinlokal zu schließen, als plötzlich ein junger Mann in der sich öffnenden Eingangstür stand: „Ob man denn jetzt doch noch ein Weinchen genießen dürfe“, fragte er mich, „Wenn ja, dann würde er dafür gern noch seine Begleiterin herein holen." -
Ich ließ die Tür unversperrt zugänglich - und schlurfte zur Theke zurück ... 
Gleich darauf stand sie dann in der jetzt offenen Tür; auf eine Gehhilfe gestützt, nickte sie uns freundlich zu: Die großartige alte Dame des Chansons, Hildegard Knef. - 
Verblüfft stieß ich den Wirt an: „He, Walter! Du wirst es nicht glauben, wer da soeben noch deine Weinstube betreten hat!“ gab ich ihm flüsternd zu verstehen. - 
„Wer da auch immer, jetzt ist Feierabend!“ fuhr er mich - ohne aufzublicken - abwinkend an. - 
„Oh, derart unzugänglich sind sie mir vorhin in der Stadt, von Ihrem Bürgermeister, gar nicht beschrieben worden!“ ließ sie ihn wissen, die inzwischen direkt neben dem Wirt stehende Künstlerin ... 
Völlig verdutzt, stand er nun da, als er plötzlich so unvorbereitet in ihre schalkhaft aufblitzenden Augen schauen durfte. - 
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Angesäuselt gestimmt, haben wir damals all diese Nachtstunden erlebt! - Auch ist mir noch immer gegenwärtig, daß Hildchen, nachdem wir bereits die fünfte Flasche Chateau Cheval Blanc, eine 1978er - St. Emilion-Kreation fast geleert hatten, ihren Kopf an die Schulter des inzwischen sichtbar wonnetrunken dasitzenden Wirtes gelehnt nun schwärmerisch summte: „Für mich soll’s gute Weine regnen, mir dürfen nur noch die besten begegnen! - Nur noch vom Feinsten möcht' ich genießen, und niemand wird mir mein Wollen verdrießen ..."
„Das war doch rundum erfreulich, per Zufall solch ein Ereignis miterleben zu dürfen!“ ließ später der Wirt, mein Schwager Walter, noch rückblickend verlauten. -
Diesbezüglich wohl eine bleibende Erinnerung ...
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Ach ja, damals, vor Jahr und Tag, in der Nähe von Gießen:
In Wetzlar, dieser hessischen Kreisstadt, in der einstmals der Johann Wolfgang von Goethe eine wie auch immer geartete Intimität mit einer gewissen Charlotte Buff dermaßen buhlerisch anschwellen ließ, daß er hernach dieser Liebespartnerin im Buch „Werthers Leiden“ spontan eine Art Denkmal gesetzt hat. 
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Samstag, 26. Oktober 2019

Traumhaft - so zufriedenstellend gestimmt ...

Trotz all dem seit Jahren altgewohnten Geschehen. -
Tja ...
Und derartig nachdenklich zumute ergriffen,
steht mir im Verlauf dieser aufkommenden Besinnlichkeit
sogleich ein beglückendes Traumbild für diese restlichen Tage auf Erden
nun malerisch harmonisierend so wirklichkeitsnah vor Augen.
Und das folgendermaßen:
Nachmittage an einer südlichen Meeresküste. 
"Mein Geist gibt sich den Wogen hin - und schmiegt sich
dem Rhythmus des Meeres an." So hat's schon dereinst der griechische 
Schriftsteller Kazantzakis ergreifend zu spüren gegeben. -
Und die hüllenlos inaktiven Füße ruhen entspannt im warmen Sand. 
Auf einem hölzernen, kunstlosen Tisch schimmert - fast goldfarben -
die Fülle einer aromatischen Flasche Weißwein.  *
Nun ja, so daseinsfreudig verweilen zu dürfen,
"das wird dann zum Prachtvollsten, was die Welt zu geben hat,"
derart - fast schon paradiesisch - so hat's der
 französische Schriftsteller Albert Camus dereinst bekundet.
*
Eine Erkenntnis ...
Ja, da wird es nun wieder einmal spürbar akzentuiert:
Mein wahrscheinlich mediterran geartetes Lebensethos verweilt wohl doch zeitlebens
recht untalentiert im leistungs- und karrierebetonten Arbeitsethos
einer derart ambitionierten Lebensgestaltung.
*
Wohlan, schon keimt da - aufs neue - ein "gnothi seauton". *
* "Erkenne dich selbst"
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Ein (tadelnder) Nachtrag:
"ti krama!" (Wie schade!)
Fast schon betroffen machend ruft sie's mir auf der Insel Lesbos zu,
die griechische Lyrikerin Sappho:
"Um nach dem Tod ruhmlos umherzuirren -
als Schatten im Schwarm nichtiger Toten?"
Ach ...
"Ultra posse nemo obligatur", so habe ich's damals abweisend bekundet.
(Über das Können hinaus ist niemand verpflichtet.)
óchi ... (nein)
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Erwähnt sei in diesem Gefühlstiefen-Zusammenhang nun doch noch
die in Griechenland oftmals und gerne in Anspruch genommene
Wortprägung "sophrosyne" - die "Selbstbeherrschung, Gelassenheit".
"Wie's ja gegebenenfalls nur schwerlich in Szene zu setzen ist", 
gab mir Theodorakis einstmals grinsend zu denken. -
Später, obwohl wir schon
einige Flaschen mit griechischem Wein "begutachtet" hatten.
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***

Mittwoch, 23. Oktober 2019

Nochmals, zu dieser doch freundschaftlichen "neuen Nachricht von "OBEN" :

"Didier, ich habe neulich "vor Ort" den Robert getroffen - und wir waren dann - dich betreffend - beide der sinnvollen Meinung:
Du solltest damit aufhören, dich über Politik zu ereifern! Denn da wird sich "auf Erden" auch zukünftig wohl kaum etwas humanitär kultivieren. - Erzähl etwas über unser Frankreich -
oder auch über Dein Griechenland. Das wäre dann daseinsfreudiger und unterhaltsamer."
(Tja, da machen mir Jacques Brel und Robert Gernhardt "von OBEN", aus dem himmlischen "Abseits" eindringlich Vorhaltungen ...
Nun denn: "Unser Frankreich" -
Seinerzeit, gemeinsam mit Jacques:
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***

Jacques Brel intoniert: "Ne me quitte pas" - verlass mich nicht - !

Damals, als Jacques das einmal trübsinnig gestimmt "in Szene zu setzen" versuchte:
Wie? - Auf welche Art und Weise?
Das wird sich hier in Kürze so tiefgreifend entschleiern ... 
Oui, und in der nachfolgend vor Augen geführten damaligen Begebenheit, da offenbart es sich dann, wie ein als "Stubenfliege" bezeichneter Quälgeist nun wohl rührselig-grotesk, jedoch unüberhörbar zu einer liebgewordenen „Auserwählten“ berufen wurde:
Im Oktober 1971. - Die ersten Tage im Monat waren bereits verstrichen, als wir im nordwestlichen Frankreich, in der ehemaligen Grafschaft Anjou, unweit der von einem Mischwald umgebenen Ortschaft Montjean, ein wenig heimisch geworden waren.
Und an einem tagsüber sonnendurchflutet leuchtenden Herbsttag saßen wir im derzeit farbenfreudig auflodernden Abendrot noch nachdenklich gestimmt am Ufergestade der Loire, ein momentan an Trennungsschmerz leidender Jacques Brel - und ich, in Frankreich "Didier". -
Wahrscheinlich mitfühlend, hatte angesichts dessen der Schauspieler Xavier Crauchet dem eine Beziehungskrise verschmerzen müssenden Jacques sein kleines Chalet am urwüchsigen Ufer des hier noch schiffbaren Flusses überlassen ...
Fast geräuschlos gleitend, war dort soeben ein Segelboot zum Vorschein gekommen. - 
In Ufernähe vorbeiziehend, hatten die Bootsfahrer anscheinend den trübsinnig auf das Wasser schauenden Jacques Brel erkannt.
Schwärmerisch angetan, wurde nun johlend und gestikulierend das kleine Boot von der Seglergemeinschaft dermaßen einseitig belastet, daß es abrupt zu kentern drohte.
„Oje, ich verflüchtige mich jetzt, es wird mir hier draußen ein wenig zu kühl“, murmelte Jacques; erhob sich gelassen - und zog sein knopfloses weißes Hemd über die im Verlauf der Stunden schon leicht sonnengeröteten Schultern. - Vorab der noch immer beeindruckt an Bord stehenden Besatzung zuwinkend, nahm er seine Gitarre zur Hand und trollte sich schlurfend davon.
Wohl wahr, es ist doch immer wieder bemerkenswert, wie überschwenglich dem Chansonnier allerorten Beachtung geschenkt wird, dachte ich, als ich nun ebenfalls kehrtmachte.
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Für den nachfolgenden Verlauf dieser erlebten Stunden in dem gemütlichen Chalet, da muß ich nun doch noch so einiges anschaulich machend erläutern:
Seit einigen Tagen wurden wir neugierig von einem kleinen, beflügelten, blau-grün-farben kostümierten "Mitbewohner" rastlos umschwirrt; ja, ununterbrochen schon am Frühstückstisch lebhaft und daseinsfreudig begrüßt. - Genußsüchtig war dem munteren Tierchen stets all das willkommen, was da so morgens und abends unseren Eßtisch schlemmerhaft anreicherte ...
Anfangs recht aufdringlich, ja ungebeten und auch zunehmend lästig, hatten wir uns bald - eingedenk einer moralischen Geisteshaltung: "Totschlagen ist nicht erlaubt!" - irgendwann doch an diese Art einer tagtäglich einfliegenden Frühstücks- und Abendessengeselligkeit gewöhnt. - 
Und bald darauf hatte sich dieses unabänderliche Miteinander darüber hinaus auch gefühlsmäßig fast schwärmerisch weiterentwickelt. -
Ein in den anbrechenden Morgenstunden wahrlich grotesk zum Ausdruck geratenes Geschehen ... 
Schwelgerisch Wein trinkend, hockten wir schon seit einigen Stunden vor einem stimmungsvoll flackernden Kaminfeuer.
Vier Flaschen "Musigny Grand cru", ein exquisiter Tropfen von der alten "Domaine Leroy, Vosne-Romanée" - alle zuvor schon entkorkt, „damit sich dann ansteigend ein umfassendes Bukett offenbart“, das hatte Jacques jedem verheißungsvollen „Plopp“ noch kundig hinzugefügt -, waren vermutlich recht anregend von Belang ...
Drei dieser zylindrischen Glasgefäße waren inzwischen geleert, als sich das bisherige Geplauder dann zunehmend in leicht absurden Sphären beflügelte.
Wohl noch immer vom Trennungsschmerz nachhaltig durchdrungen, verdeutlichte Jacques nun summend sein derzeitiges Herzeleid mit dem Chancon: „Ne me quitte pas, verlasse mich nicht ... wir müssen vergessen ... ich werde nicht mehr weinen ... ich verstecke mich ...“ - oder stierte nach innen gerichtet in die im Kamin oftmals knisternd aufflammenden Holzscheite. 
Bis hin zu einem stimmungsvoll aufhorchen lassenden Moment, in welchem vermittels Gitarre, lyrisch akzentuiert, die folgende Gefühlsduselei zum bedeutsamen Ausdruck gebracht wurde: „Was soll’s, die Erkenntnis: du mußt jetzt verzichten, gemahnt auch, sich seelisch bald aufzurichten!" fügte er, verschmitzt grinsend, noch geheimnisumwittert hinzu.
Rätselhaft ... „Was willst Du denn damit jetzt so urplötzlich verdeutlichen?“ forschte ich aufmerksam werdend nach.
„Oui, ma Cherie: Mon Nathalie! - Qu’est-ce qui s’est passe?“ psalmodierte er angeregt weiter.
„Cherie? Nathalie? Mon dieu! Was ist denn da jetzt so gefühlsselig geschehen? - Kannst Du das bitte etwas transparenter offenbaren?“ bat ich um Aufschluß.
„Auch wenn’s als Notbehelf erscheint, die Stubenfliege ist gemeint“, brach es nun schalkhaft aus ihm heraus.
Verwundert schaute ich sekundenlang ungläubig drein ...
Dann hatte sich alles gelichtet: „Aha! Und Nathalie nennst Du das Geschöpf deiner Begierde“, begann ich an seiner absonderlich aufblühenden Überspanntheit kumpelhaft Anteil zu nehmen.
„Oui, es war'n die freßvergnügten Stunden, in welchen wir uns wohl gefunden“, tremolierte er schwärmerisch weiter drauflos.
„Äh - wie das denn?“ mimte ich aufhorchend Erstaunen.
„D‘accord, ich erzähl’ mal, wie’s geschah, mit der Madame domestica“, begann er’s zutage tretend anschaulich zu machen. „Hungrig, völlig selbstvergessen, nascht sie beherzt am Abendessen.
Hernach hat sie, recht unbedacht, sich schwungvoll auf den Weg gemacht; 
aus einer Fleischpastetenspalte, ins Glas, das ich in Händen halte! - 
Chateau d’Yquem? Chateau Margaux? - 
Jedenfalls war's ein Bordeaux, in dem sie überstürzt versunken. - 
Und gleich darauf wohl auch ertrunken! 
Wenn nicht - trotz der Schrecksekunde - ich, mit zugespitztem Munde, 
hilfreich kämpfend um ein Leben, nun schnellstens diesen Saft der Reben, 
gleich schlürfend in mich aufgenommen! - 
Sonst wär’ sie darin umgekommen. - 
Und seither, so viel nur am Rande, vereint uns liebevolle Bande.“ 
Voilá! Jacques Brel beschwipst beschwingt in Reinkultur.
Schmunzelnd nahm ich diese eigenwillige Verdeutlichung zur Kenntnis.
Nicht ohne jedoch gleich darauf entmystifizierend enthüllen zu wollen: „Ne m’en veuillez pas! (Nichts für ungut!) Mon ami. - Aber dieses unruhig herumfliegende Objekt einer möglicherweise abartigen Begierde ist ja wohl unverkennbar als maskulin einzuordnen!“
„Non, für mich wiederum nicht!“ hielt er dagegen. „Nun schau doch ‘mal ganz genau hin! Diese langen, seidigen Augenwimpern. Zudem eine fast schon lasziv dargebotene Weiblichkeit! - Und all das offenbart sich hier auch noch freimütig so absolut hüllenlos!“
„Hm? Wie immer Du derzeit beeindruckbar bist, mon Jacques, aber Du weißt ja, daß Nathalie gern hingebungsvoll in jedem Unrat herumstochert? Getreu nach dem Motto: Eßt mehr Scheiße, denn Millionen Fliegen können sich wahrlich kaum irren!“ gab ich nun doch zu bedenken.
„Mon dieu! Didier, mußt Du derartig ordinär laut werden?“
„Das hat Depardieux neulich vom Stapel gelassen ...“
„Non, Nathalie ist fleckenlos sauber, drogenfrei und absolut stubenrein! 
Und beneidenswert werden wir miteinander glücklich sein“, verkündete er kopfnickend. - Um dann noch zu ergänzen: „Ich freue mich auf die romantischen Abende, wenn ich buchvertieft vor dem Kamin residiere, und mon chéri Nathalie lebensbejahend um mich herumsummt.“
„Wie rührselig! - So wolkenlos glücklich, derart umflügelt in solch ein himmlisch aufleuchtendes Elysium hineinzugleiten“, erweiterte ich seine hochschwingende Gefühls-Eigendynamik.
Gramgebeugt blickte er daraufhin auf: „Ach, sich neubelebt wiederfinden in einem wohltuenden Miteinander, nicht mehr lieblos beeinträchtigt durch all die kontinuierlich auflodernden Streitereien. - Ist das nicht verheißungsvoll und auch erstrebenswert?“ klagte er’s ein.
„Oui, an und für sich schon“, mußte ich beipflichten. „Jedoch schlummert in dieser, von klatschsüchtigen Zungen gern auch als sodomitisch für möglich gehaltenen Idylle, ja nachweislich ein wahrhaft unheildrohendes Risiko!“ 
„Didier, was willst Du denn jetzt damit so grausam und herzlos heraufbeschwören?“ fuhr er mich schmollend an.
„Eine wohl unvermeidliche Gegebenheit, mon ami!“ gab ich sogleich bedeutungsvoll zu verstehen. 
„Denn ein bösartig verlaufendes Infektionssiechtum, ausgelöst durch all diese Stubenfliegen, als sogenannte Fliegenkrankheit weltweit zu einer qualvollen Geißel geworden, das wird Dich in Kürze lebensgefährlich attackieren!“
„Das ist doch absolut schwachsinnig, imbécile! - Die so quicklebendig herumstreunende Nathalie macht auf mich augenfällig einen rundum gesunden Eindruck! - Ihre Blut- und Leberwerte sind vermutlich weitaus lebensbejahender als die meinen!“ winkte er unzugänglich ab.
„Ach, sieh an: Man kann sich im Dasein auch alles unwirklich schönreden“, hielt ich schonungslos dagegen. - „Dieser arglistige Krankheitsverlauf nistet sich jedoch irgendwann folgendermaßen in Deinem Körper ein: Ein sogenannter zweigeißliger Algenpilz, Mediziner sprechen da mahnend von einem Phycomycetes, der entwickelt sein Pilzgewebe parasitisch mit Vorliebe in Fliegen! Und aus solch einem tierischen Leib werden bald darauf unzählige Sporen ausgeschleudert. Um sich dann zutraulich geißelnd sofort im menschlichen Organismus festzubeißen. - Oui! Demnach auch unabänderlich demnächst in DEINEM - compendre?“
So, als sei er nun plötzlich doch ein wenig beunruhigt, schaute Jacques sekundenlang in das noch immer erfreulich stallwarm lodernde Kaminfeuer; um dann allerdings - Einspruch erhebend - lauthals dagegenzuhalten:
„Non Didier, hör‘ doch jetzt bitte auf mit dem Blödsinn! -
Denn mit diesen zwielichtigen, pseudowissenschaftlichen Erkenntnissen möchtest Du mich offenbar neiderfüllt liebend gern in Angst und Schrecken versetzen! So muß ich das leider verstehen - oder?“
„Non! - Wie kannst Du so etwas für möglich halten?“
„Ach, eine derart eifersüchtig aufwallende Anfälligkeit, noch dazu gepaart mit unbezähmbaren Neidgefühlen, solch ein bedrückend stimmendes Konglomerat läßt dann spornstreichs doch so einiges an Verbitterung lautwerden, Didier!“ knurrte er mich vorwurfsvoll an ... 
-
Am darauf folgenden Tag war ich erst gegen Mittag - zuvor im Schlaf oftmals von traumgesichtigen Halluzinationen heimgesucht, mehr hinfällig meinem Nachtlager entschwunden. - Unsicher auf energielosen Beinen stehend, versuchte ich schwankend in eine Hose zu schlüpfen, um mich - noch so einigermaßen zumutbar - in die Küche zu begeben. Wo ich dann stehenden Fußes von einer sentimental arrangierten Darbietung gefangen genommen wurde: 
Plaziert auf dem hölzernen Fensterbrett, stellte sich auffallend dort ein leeres, umgestülptes Marmeladenglas zur Schau. - Zuoberst ließ ein brennendes Talglicht flackernde Lichtreflexe aufscheinen. Rund um das Glas herum waren dekorativ die violettfarbenen Blüten einer Heckenrose gefühlsbetont hinzugefügt. -
Tja, und unter dem gläsernen Behältnis lag, offensichtlich reg- und leblos, die zuvor noch so inbrünstig umbuhlte Nathalie; die dünnen Beinchen nun erbarmungswürdig gen Himmel gestreckt ...
Oui, nun auf der Suche nach einem gegebenenfalls todunglücklich umherirrenden Leidtragenden, sah ich ihn bald darauf gesenkten Hauptes, kettenrauchend auf der Terrasse sitzen. - 
„Mon dieu! Was ist denn, während ich ahnungslos schlief, mit unserer Dir nun seit einigen Tagen so hilflos ausgelieferten Nathalie geschehen? Hat sie den Freitod gewählt, weil Du sie ja unaufhörlich bedrängt hast?“ forschte ich theatralisch zur Sprache gebracht nach.
Mißvergnügt schaute er daraufhin auf: „Nun, da sie mir nicht zu Willen sein wollte, hab’ ich sie wutschnaubend erwürgt!“ brach es mißgestimmt aus ihm heraus. - Um gleich darauf anklagend vom Stapel zu lassen: „Non, Du bist verantwortlich dafür, daß sie zu Tode gekommen ist! Denn eines der von Dir so leichtsinnig und recht unbekümmert halbvoll mit Wein stehengelassenen Gläser, ist der Nathalie anscheinend todbringend zum Verhängnis geworden!“
„Wieso das? - Äh ...“, einstweilen etwas begriffsstutzig, horchte ich daher hinlänglich erschrocken auf.
„Naja, vermutlich hat sie nur ihren Durst stillen wollen - und ahnungslos ob der so unheilvoll hereinbrechenden Auswirkungen, ein wenig zu viel davon geschlürft!“ 
„Und? Das muß ja letztendlich nicht unbedingt todbringend enden. -
Wir setzen das immerhin seit einigen Tagen trinkfreudig in Szene!“ wandte ich unbesorgt ein.
„Das schon, Didier“, stimmte er mir achselzuckend zu. „Nur haben wir bisher ja vorsichtshalber davon Abstand genommen, anschließend so wonnetrunken beseelt gegen die Fensterscheibe zu fliegen - und uns dabei vermutlich das Genick zu brechen!“ so gab er‘s mir als ein nicht akzeptables Verhalten wegweisend zu verstehen.
Damals, 1971, im Landhaus des Freundes Xavier Crauchet.
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Postskriptum:
Unglücklicherweise wurde dann drei Jahre später, im Herbst 1974, bei dem pausenlos Zigaretten rauchenden Jacques Lungenkrebs diagnostiziert ...
Vieles in Frage ziehend, wohl auch das sogenannte "Für und Wider" bedenkend, ist er dann anscheinend anderen Sinnes geworden - und zog sich erst einmal aus der Öffentlichkeit zurück.
Mit seinem hochseetauglichen Segelboot „Askoy“ segelte er bald darauf tagelang über den Atlantik, einen Zwischenstopp machend auf der kanarischen Insel Teneriffa.
Ab 1975 war er auf der Marquesas-Insel Hiva Oa in Französisch- Polynesien ansässig geworden. -
„Depuis quelques jours je ne me sens pas bien. (Seit einigen Tagen fühle ich mich nicht wohl). das hatte er - mehr nach innen gerichtet - doch schon zu spüren gegeben.
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Am 9. Oktober 1978 mußten wir uns schmerzbewegt damit abfinden, daß Jacques, in einer Klinik in Bobigny bei Paris, im 49sten Lebensjahr seinem "Hiersein" als unheilbar plötzlich erlegen war.
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C'est très regrettable ... Adieu! Jacques Chere.
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***




Paris, im April 1971 ...

Oui, ein sonnendurchflutetes Frühlingslüftchen hatte wohl damals den Ausschlag dafür gegeben, daß wir nachmittags nun schon seit langem auf der weiträumigen Terrasse des Café Flore, am Boulevard Saint-Germain, noch immer angeregt plaudernd beisammen saßen, Jacques Brel und ich. -
Irgendwann gab er mir dort zu verstehen, daß er gern einen Text vertonen möchte, in welchem der oftmals aufkeimende Groll über die politischen Machenschaften als durchaus sarkastisch zum Ausdruck geraten solle ...
D’accord, eine reizvolle Mission, so dachte ich.
-
Schon in der Woche darauf saßen wir wieder Seite an Seite, in Maisons-Laffitte, der nordwestlich gelegenen Vorstadt von Paris - und dort nun am besonnten Ufer der Seine.
Vorausschauend hatte Jacques auch seine Gitarre mitgebracht, die er minutenlang gestrengen Blickes in Augenschein nahm - und angespannt zupfend gefügig zu machen suchte ...
„L'ascenseur“, der Fahrstuhl, so haben wir späterhin diese balladenartige Moritat, das in frühlingshafter Mutter Natur am Ufer der Seine erschaffene Chanson, wohlüberlegt betitelt.
Ja, und dank einer damals von Jacques musikalisch aufhorchen lassend komponierten Tonfolge, durften wir schon einige Stunden später, im Garten eines salon de thé, seelenvergnügt die folgende Lieddichtung gefühlvoll laut werden lassen:
Cäcille war zumeist, als laszive Kokotte,
in Paris sehr gern den Politikern hold.
Jüngst kam dann ein Kotzbrocken aus dieser Rotte,
doch der hat den Akt nur im Fahrstuhl gewollt.
Dabei blieb der Lift neulich stecken,
das Stromnetz war plötzlich gestört.
Sie mußten im Fahrstuhl verrecken,
Den Notruf hat niemand gehört ...
-
Und als Refrain:
Im Kreis der perfiden Parteigenossen,
hat keiner gerührt eine Träne vergossen. -
-
Als eine boshafte, fast schon rebellische Anspielung war dieses Chanson bald auch "in aller Munde", wie man‘s volkstümlich gern einmal leichthin benennt. - Tout le monde amüsierte sich köstlich, war mit dem Text vertraut - und auch mit der Tonrelation unseres oftmals erfolgreich ins Schwarze treffenden Kunstlied-Gestichels.
-
Auch ist dazu nun noch recht befriedigend anzumerken, daß die Mehrzahl der damaligen französischen Regierungsvertreter stets wütend in Aufruhr geraten ist, wenn Jacques sich mit dem herausfordernden Chanson von neuem auf einer Bühne in Szene zu setzen verstand - oder vermittels Hörfunk ja landesweit so ausdrucksvoll aufhorchen lassen konnte.
Oui, zudem ist‘s wohl durchaus hier noch erwähnenswert, daß der damalige, französische Staatspräsident Georges Pompidou des öfteren von einigen schadenfroh grinsenden Journalisten auf diese Malice angesprochen worden ist. - Gewitzt und seit langem bereits professionell mit all den politischen Schmutz-Wassern immunisierend gewaschen, wußte er stets chevaleresk die Haltung zu wahren ...
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Einstmals. - Aber vielleicht ist das den älteren Mitbürgern unter uns ja doch in Erinnerung geblieben. - (?) *
* Oui, certainement! - Enchanté, chère Maddly ...
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Jacques Brel "verlebendigt" Jean-Paul Sartre:

Damals, im September 1967 ...
Erzählt, mit einem durchaus heimatlichen Empfindungsvermögen.
Oui:
„Ausgesetzt in eine absurde und oftmals Ekel erregende Welt, ist’s wohl ein Lichtblick in einer illusionslosen Leere!“ rief er mir zu, als wir in Paris, auf dem Monmartre-Hügel, in der Rue des Saules vor dem inzwischen wiederbelebten „Lapin à Gill“ schaulustig haltgemacht hatten. -
Eh bien, eine wortgetreu ausgeliehene Sartre-Bezeugung!  
Theatralisch bekundet vor der altehrwürdigen Fassade des Lapin agile, der Vergnügungsstätte mit einer glorreichen Vergangenheit: "Picasso, Braque, van Dongen, bisweilen Matisse, Apollinaire, Derain, Utrillo, Max Jacob, sie alle waren dort oftmals zu Gast; zuzeiten, als der damalige Besitzer Frédé sich allzu gern dummdreist als der beste Freund all dieser Künstler bezeichnete", schloß ich mich dem nun zurückblickend an. 
"Oui, Frede, der Mann mit dem zotteligen Esel namens "Lolo". Ein Schlitzohr par excellence, dieser aubergiste", ließ Jacques den einstmals so umtriebigen, struppig bärtigen Kneipier nun schmunzelnd wiederaufleben.
"So war's, aber was beflügelt Dich dermaßen bedacht, zuvor introduktiv Sartres gewichtige Worte zur Sprache zu bringen?“ versuchte ich's in Erfahrung zu bringen.
„Voilà! Allein Er wird dort thematisch zum Ausdruck gelangen, wenn ich demnächst in diesem Amüsierlokal stimmungsvoll auftreten werde!“ gab er mir daraufhin hingebungsvoll zu verstehen.
„Du hier, in diesem Etablissement?“
„Oui, naturellement. Warum denn wohl nicht? Man hat mich darum gebeten - und ich habe bereitwillig zugesagt. Inzwischen hat sich ja dort wieder eine Kleinkunstbühne sehr erfolgreich in Szene gesetzt. Der Yves Montand wird ja hier demnächst auch seine Liedchen tremolieren!“
Um dann - Sartre-betont - inbrünstig hinzuzufügen: „Und abermals kann sich der Einzelne, nun in totaler Verantwortung gegenüber der anwesenden Hörerschaft, ja neuerlich selbst erschaffen!“ 
„De facto. - Besitzt diese Verantwortung allerdings nur in der Entscheidung zu sich selbst!“ erweiterte ich grinsend die gewichtige Darlegung des einstigen Begründers des französischen Existentialismus: Monsieur Jean-Paul Sartre.
„Oui, certainement!“ (Ja, gewiß) nickte er mir beipflichtend zu. „Was hältst Du davon, wenn Du mir dabei nun ein wenig Beistand leistest?"
"Selbstverständlich! - Aber wie das denn?" horchte ich neugierig auf.
"Schreib mir dafür alsbald noch einen Text, in welchem Sartres Ideologie und Bestreben für mich und mein Publikum geistreich und auch phantasievoll zum Ausdruck geraten kann - d’accord?“
Nun denn:
Eilfertig habe ich diesen Wunsch dann ja auch einigermaßen zutreffend in die Tat umgesetzt - wie es die folgenden Zeilen nun hoffentlich noch immer zu spüren zu geben vermögen: 
-
Erbost schrieb einstmals Jean-Paul Sartre
quer über eine Tür, die knarrte:
Wir lassen uns, auch mit Geräuschen, niemals in der Erkenntnis täuschen,
daß Sinn und Zweck, gleich welcher Pforten,
sei’s hier, wie auch an anderen Orten,
sich offenstehend nur ergeben, wenn wir sie aus den Angeln heben!
-
Oui, und mit dem folgenden Ausklang haben wir diese Lieddichtung, zuvor ich und bald darauf auf einigen Bühnen auch hochgestimmt Jacques, noch für tout le monde so aufschlußreich an- und abschwellen lassen:
Und damit sprach er für Rimbaud, denn dieser dachte ebenso. -
-
Mon Jacques war zwar damals erfreut, hat diese schlicht und ergreifend als "Sprechgesang" gestaltete Kantilene bald auch in sein Chanson-Repertoire aufgenommen; als wahrscheinlich spitzbübisch aufheiternder, kam ihm hin und wieder auch der folgende Liedtext anscheinend doch gelegen:
Man kann im Hof der Tuilerien, im feuchten Rasen niederknien -
ermuntern die Fran-zo-o-sen ...
Doch ratsam ist’s im Sacré-Coeur, dort bleibt solch Handeln populär -
vermeidet nasse Ho-o-sen!
Pas de malheur - non malheur ...
- -
Der großen Gemeinde der Chansonfreunde wird jetzt wohl doch noch so einiges erinnerlich sein. -
Oui, das halte ich durchaus für möglich ...
Non? - Qui sait ...
-
***

Dienstag, 22. Oktober 2019

Gemeinsam mit Robert Gernhardt:

Den "Zuruf von OBEN" hinsichtlich der "nervenden Politik", den habe ich mir zu Herzen genommen. Und darum gebe ich nun nachfolgend so einiges über gleichgestimmte Begebenheiten zum besten ...

Damals: Satire-Zeitschrift im Endstadium ...

"Ja, nun ist's aus und vorbei! PARDON wird wohl demnächst so endgültig das Zeitliche segnen", gab er mir missgestimmt dreinblickend zu verstehen, der Robert Gernhardt, als wir vor Jahr und Tag in einer Frankfurter Kneipe über die zunehmend verlustbringende Auflage der Satire-Zeitschrift, wie auch über die recht eigenwillig gestaltete Zielstrebigkeit eines Verlegers diskutierten. -
Tja, ein sich späterhin dann noch weinselig bis in die frühen Morgenstunden ausweitendes Palaver.
Diesbezüglich ist mir noch immer so einiges in der Erinnerung geblieben.
Und das möchte ich jetzt gern einmal zum besten geben ...
Robert dereinst, vermutlich war's schon nach Mitternacht:
"Erst neulich, in der Redaktion.
Ein Schimmer! Und ich dachte schon:
Heureka! Ja, es werde Licht!
Ein Trugschluss - heller ward es nicht ...
Und schon war dann uns allen klar,
dass nun nichts mehr zu machen war!"
Schon bald darauf wurde seine augenblickliche Gestimmtheit dann noch folgendermaßen zum Ausdruck getrieben:
"Ja, es ist doch immer wieder verwunderlich! Man trinkt diesen roten Saft - und eine spürbar verkrampfte Seele wird dann alsbald dermaßen verwirrt, dass sie sogleich reagiert, in der überbetonten Annahme, in unserem derzeit gemütskranken Körper sei jetzt wohl kein Platz mehr zu finden. - Tja, und gleich darauf, bereits von allerhand Zweifeln geplagt, sie sich dann fühlbar anheischig macht, nun selbst den lieben Gott unverzüglich zum Zweikampf herausfordern zu wollen!"  Das hatte ER gefühlsbetont von Nikos Kazantzakis "ausgeliehen". -
Bewegt und wohl auch ergriffen, blickte ich noch immer erwartungsvoll zu ihm auf ...
Und hinsichtlich dessen erinnere ich mich daran, dass Robert - es mag wohl so drei Flaschen-Wein-später gewesen sein -, des weiteren leidenschaftlich ergriffen dann wortgewaltig noch die folgende Veranschaulichung zu spüren gegeben hat:
"Wie wenn da einer - und er fleucht,
oft missverstanden - aufgescheucht,
verstimmt gen Himmel - und er bäte:
O Herr, nun sieh doch meine Nöte!
Wer dieser nicht den Typ vergleichbar,
der schon auf Erden unerreichbar
stets hoffnungslos ins Abseits gleitet -
und dabei Ungemach verbreitet ...
Nein, nicht vergleichbar? Das mitnichten.
Wir können gut auf ihn verzichten!" 
-
Ein angebrochener Morgen schimmerte schon unaufhaltsam lüstern durch die bereits geöffneten Fenster der Trinkstube, als auf unserem Tisch aber noch zwei Flaschen Selters und eine bereits geöffnete Flasche Wein, benannt als "Puligny-Montrachet" so aufnahmebereit sichtbar geworden waren.
Eine Gegebenheit, die Robert dann nachdenklich gestimmt hinterfragen ließ:
"Ja, welcher der beiden sich hier aufgetischt darbietenden Flüssigkeiten soll ich mich jetzt noch sinnlich zuwenden? Auch derart, dass ich hernach noch so einigermaßen gefestigt sagen kann: Ja, das war mein Drang und Begehren, letztendlich diese eigenbrötlerischen Bestimmungen eines Verlegers in Bezug auf die Darbietung von Humor und Satire ... Ach nee, da lassen wir's lieber unaufgeklärt enden. - Hicks," 
-
Die Älteren unter uns werden sich vermutlich noch daran erinnern, dass es die soeben erwähnte Satire-Zeitschrift PARDON ja einstmals jahrzehntelang gegeben hat. 
-
***