Sonntag, 23. September 2018

Die "diamantene Hochzeit" - !

Immerhin ... Seit sechzig Jahre waren sie nun schon ein Ehepaar, die Frau Marthe und der Herr Bernhard S. - wohnhaft in einem malerischen Dorf in der als "Nordheide" benannten Landschaft. -
Ja, und hinsichtlich eines festlichen Beisammenseins anläßlich dieser "diamantenen Hochzeit", da sollte am kommenden Wochenende eine bedeutsame gesellige Festivität veranstaltet werden; so hatten es die Kinder und Enkelkinder bereits seit Tagen recht aufwendig vorbereitet. -
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"Mein Gott! - Wie soll ich altersschwach auftretendes Frauchen jetzt das noch bewältigen? Ich bin sterbensmüde, andauernd schachmatt! Und eigentlich ja schon halbtot", klagte sie’s willensschwach ein, als man am Vortag der Festivität frühmorgens erwacht war - und apathisch am Rande der Bettstatt nachdenklich gestimmt ausharrte.
Still leidend schaute sie auf - und war nun wieder einmal der Meinung, daß ein mitleidlos wegschauender Herrgott ihr tagtäglich zu Leibe gehendes Martyrium anscheinend verantwortungslos nicht mehr bewußt zur Kenntnis nehmen wollte.
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"Ach, Marthe-Schätzchen, dann geh doch bitte noch heute zum Arzt!" meldete sich gleich darauf Ehemann Bernhard fürsorgend zu Wort.
"Das kann ich ja leider nicht! Denn der gute, alte Doktor hat doch Feierabend gemacht - sein ärztliches Wirken beendet. - Und da ist jetzt so’n neuer Doktor, ein Milchbart der darauf beharrt, daß allein diese Naturheilkunde ein gesundheitsförderliches Resultat ohne unerfreuliche Spätfolgen bewirken kann", bemängelte Marthe die Anregung ihres so einfühlsam zu bewegen suchenden Gatten.
"Aha! Demnach ein vis mediatrix", horchte der einstmals als Lateinlehrer werktätige Bernhard sogleich offenbar gutheißend auf.
"Ein was, bitte?" bat sie mißtrauisch um Aufschluß.
"Gemeint ist damit die unseren Körpern ja innewohnende Naturheilkraft, der innere Arzt, wie es der Erneuerer der Medizin, der Medikus und Philosoph Paracelsus seinerzeit einmal recht aufschlußreich bezeichnet hat!" erläuterte nun Bernhard seiner jedoch ablehnend dreinblickenden Gattin ratsam die Möglichkeiten eines naturverbundenen Heilverfahrens.
"Nein-nein, nie und nimmer, das ist für mich unannehmbar!" winkte Marthe sofort beinahe fluchtartig zurückschreckend ab.
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Ein entscheidender Anlaß für diese geäußerte Abneigung war wohl darauf zurückzuführen, daß Marthe nun schon seit etlichen Jahren den fast freundschaftlich gewordenen Kontakt zum vormals aktiven Doktor sehr oft nutzbar zu machen wußte. -
Dazu ist aber folgendes umfassender anschaulich zu machen:
Jahraus und jahrein, hatten die stets so umtriebig ihre Aufwartung in die Wege leitenden Handelsvertreter all der so weltweit Medikamente fabrizierenden Pharmahersteller dem ehemals aktiven Doktor in seiner Praxis immer die neuesten - und ihrer Meinung nach wirkungsvollsten Arzneimittel als Warenprobe, so eine Art Tauglichkeitsprüfung zukommen lassen. -
Der einstmals hilfsbereit praktizierende Arzt hatte diese Präparate allerdings unentgeltlich seinen Patienten überlassen ...
So auch Marthe, die’s sich inzwischen zur Gewohnheit gemacht hatte, all ihren Leiden auf diese Art und Weise fortschrittsgläubig Kontra zu geben ... - Bis jetzt! - Neuerdings war aber nun, unerfreulicherweise, nur dieser naturheilkundlich eingeschworene Doktor dynamisch zugegen.
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Der kurzfristig zu verschmerzenden Not gehorchend, gab dann Marthe aufseufzend klein bei - und saß schon zwei Stunden später dem noch jugendlich erscheinenden Arzt gegenüber:
"Hallo, guten Tag, was führt Sie denn leidend zu mir?“ erkundigte der Doktor sich altgewohnt.
"Meine Müdigkeit!" gab ihm Frau Marthe weinerlich zu verstehen. "Ich bin leider von morgens früh bis spät in die Nacht hinein vollkommen schachmatt", fügte sie aufstöhnend hinzu.
"Ach ja, das ist dann tagtäglich eine unangenehme Begleiterscheinung! - Wie alt sind Sie denn - bitte?"
"Nächste Woche werde ich neunundachtzig Jahre alt!" ließ sie ihn wissen.
"Hm? - Ich werde Sie erst einmal gründlich untersuchen. Machen Sie sich darum jetzt bitte frei", gab er ihr sachlich zu verstehen. -
Auch das noch! horchte sie beinahe entgeistert auf. - Mein Gott! Wo bin ich denn hier jetzt gelandet? dachte sie kopfschüttelnd - und zog dann unwillig nur ihre Bluse aus.
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Etwa fünfzehn Minuten später hatte der Doktor dann all die notwendigen Untersuchungen beendet. - Wohlmeinend sprach er nun Marthe an: "Alle Achtung! Somatisch betrachtet, ist bei Ihnen an und für sich alles noch recht zuversichtlich im Lot. - Ihre andauernde Müdigkeit wird organisch durch einen Eisenmangelzustand hervorgerufen!"
"Wie bitte? Eisenmangel?" horchte Marthe zutiefst erschrocken auf.
"Allerdings, eine sich körperlich verifizierende Verminderung des absolut lebensnotwendigen Eisengehalts im leistungsfähigen Organismus! -
Eine ungenügende Eisenzufuhr im gesamten Bereich der Beschaffenheit Ihrer Ernährung. - Diese allzuoft doch als mangelhaft zu bewertende Eisenaufsaugung in den feinnervigen Reichweiten des Magendarmkanals", fügte der Doktor noch veranschaulich machend freundlich hinzu ...
- -
Verstrickt in eine Mischung aus Ungläubigkeit, Empörung und wohl auch Erstaunen, sah man bald darauf Marthe abfällig murmelnd den Heimweg beschreiten. - Und sichtbar entrüstet, brachte sie dort auch all ihren Unmut mißgestimmt grollend zum Ausdruck:
"Ja-ja, ich hab’s doch zuvor schon befürchtet: Ein Quacksalber doktort da neuerdings offenbar unwissend herum! - Herr im Himmel, das ist ja alles unglaublich! Ich mag gar nicht darüber nachdenken!" kam es verdrießlich dreinblickend zum Ausdruck. - "Jetzt auch noch obendrein Eisen verzehren müssen! Das ist doch absolut unzumutbar - und wirklich des Guten zu viel ... Ich kann ja kaum noch frühmorgens das Brot ausreichend beißen!" beklagte sie weinerlich schluchzend ihre derzeitige Gestimmtheit.
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***

Mittwoch, 19. September 2018

Weshalb Politikverdrossenheit - ?

Hinsichtlich dessen:
"Herrschen ist Unsinn.
Regieren ist Weisheit.
Man herrscht also, weil man nicht regieren kann!" **
so hat's der Johann Gottfried Seume zutreffend in Worte gefaßt.
-
Und eingedenk dessen war ich damals erfreut,
als da im Internet die auflodernde "Kontraproduktivität"
des anderen Dieters*** in einer "Störsender-TV"
benannten Entlarvungs-Aktivität
auf- und wachrüttelnd zugegen war ... 
-
*** Dieter Hildebrandt, er starb am 20. November 2013.
"Das hätte er nicht tun sollen!"
Derart verdeutlichte Roger Willemsen ad hoc
diese Schreckensnachricht.
-
Regierungsvertreter:
Nun zeigt sich zunehmend Ernüchterung ...
Und zudem auch,
warum die Wahlbeteiligung immer geringer wird:
-
Da hat man vollauf nun genug,
von Reden, die als Selbstbetrug
nur Schall und Rauch verbreiten.
Da wird die Phrasendrescherei,
im staatsgelenkten Einerlei
doch nur Verdruß bereiten.
Begreiflich, daß des Bürgers Frust -
bei Wahlen zeitigt oft Verlust.
-
"Die Schwerenöter, sie ändern sich nie!
Interessenvertreter der Großindustrie",
so hört man's im Hintergrund murmeln.
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** Femina regnat, sed non gubernat.
Frau herrscht, aber regiert nicht. ***
Quousque tandem ? 
Wie lange noch?
(*** die "Worthülsen-Mutti")
-
Diesbezüglich muß noch ein Nachsatz hinzugefügt werden:
Politikverdrossenheit ist's nicht, die hier hin und wieder zum Ausdruck gerät.
Nein, bekunden wir's zutreffender als "Politikerverdrossenheit",
wie es der Volker Pispers so angemessen zur Sprache gebracht hat.
Verdeutlicht wird dieser zunehmender Grimm durch eine oftmals zutage tretende unsympathische Melange aus der politischen Heuchelei, der Feigheit, dem Geltungsbedürfnis und dieser professionellen Unzulänglichkeit der Damen und Herren, durchtränkt von der anhaltenden Sorge abdanken zu müssen - und somit den Abmarsch in eine unerträgliche Bedeutungslosigkeit zu gewahren.
-
Bald kennt man die Weise und kennt auch den Text.
Man kennt ohnehin die Verfasser ...
Man weiß, sie trinken stets heimlich den Wein,
jedoch predigen öffentlich Wasser.
Wiederbelebt sind hier die einstmals von Heinrich Heine fabulierten Zeilen
"Deutschland. Ein Wintermärchen".
-
*

Sonntag, 9. September 2018

Shakespeares "Hamlet": professionell so extravagant in Szene gesetzt.

Damals - in Berlin.
Yes ...
Vor 450 Jahren wurde er dereinst geboren, der englische Dramatiker ...
"Shakespeare läßt ja alles mit sich machen. Er kann sich nicht wehren", so hat's Tobias Döring, der Präsident der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft kritisierend zum Ausdruck gebracht.
Tja, und auf diesen stets so leichtfüßig begehbaren Trampelpfaden des "hinnehmen müssen" und "heimgesucht werden", da sei auch die folgende Begebenheit als erheiternd nachzuempfinden:
Well: In all seinen Bühnenwerken verknüpfen sich ja dichterische Einbildungskraft, Bildhaftigkeit und zudem eine großartige Vielfalt der theatralischen Rhetorik - bis hin zur grotesken Komik ...
An einem Nachmittag im Oktober 1982, als im Theater Am Halleschen Ufer der Hamlet einstudiert wurde, durfte ich nun ergötzlich miterleben, wie man sprachlich all das `mal recht übermütig und schalkhaft gelungen so eigenwillig in Szene zu setzten vermag.
Zwei Schauspieler agierten dort seelenvergnügt blödelnd auf der Bühne herum; der eine als Dänenprinz Hamlet und der andere als dessen Freund Horatio. - Was dabei so übermütig zum Ausdruck geraten ist, das möchte ich hier noch einmal rückblickend anschaulich machen:
"Oh, seid gegrüßt, mein Prinz! - Ihr schaut recht trübe drein. - Was ist Euch heuer denn so unerfreulich widerfahren?"
"Arglistiges, Horatio! - Die Luft zieht schneidend scharf durch unsere Berliner Gassen. Und gleichfalls ist's, wie es mir scheint, outdors now empfindlich kalt geworden."
"By God, ist's schikanierend das allein, was Euch nun hier so sauertöpfisch aufmarschieren läßt, mein werter Prinz?"
"Nicht nur, Horatio! Wie ekel schal und unersprießlich, scheint mir das ganze Treiben dieser depravierten Welt! Gleich einem arg verwahrlost' Garten; in welchem binnen kurzem üppig wuchernd Unkraut wird wohl zügellos gen Himmel treiben ... Fuck of, drum laß er mich nicht länger diesbezüglich spintisieren!"
"Fürwahr, mein Prinz! - Denkbar ist's, daß Ihr da halbwegs richtigliegen könntet. - Was mich jedoch in hohem Maß befremdet, das prunkt so unvereinbar deplaciert an Eurem Arm!"
"Aha! - Was gilt es da nun uneinsichtig stur an mir zu tadeln? - So leg er ohne Zwang jetzt unverzüglich  los, gleich frank und frei heraus damit!"
"Ach, letztendlich eigentlich wohl nur das eine: So solltet Ihr jetzt schlechterdings nicht angestiefelt kommen, da solch ein Kaschmirkinder-Machwerk ja zu Williams Zeiten nie gesehen ward. Drum legt nun erst einmal die prahlerische Rolex ab. - Denn das, was prunkgesüchtig Ihr so eitel da zur Schau stellt, ist zeitbezogen hier gewiß als übermütig zu gewahren, gnädger Herr!"
"Halt ein, Horatio! Und laß Dir unumstößlich sagen: Zweifel an der Sonne Klarheit, zweifel an der Sterne Licht. Zweifel häufig an der Wahrheit, jedoch an meiner Rolex nicht! - Drum sei's nun stracks als unabänderlich, auch hier in diesem Rampenlicht besiegelt."
"Sorry, but I dont like this bracelet-watch ... Erfüllt der Geltungsdrang Euch gänzlich? - Mein Prinz, das ängstigt mich!"
"Oha, da blickt er folglich unverzüglich finster ins Spektakel! - Wohlan, dann nehme er nun possenhaft zur Kenntnis: Dies Kleinod ist mir lieb und teuer - und sein Genörgel stößt bei mir auf taube Ohren - my dear Horatio!"
"Okay, mein Fürst, let me conclude: Mit oder ohne? Das ist de facto zu erfragen. - Ob edler die Gestalt, wenn nackt der Arm sich zeiget, ganz ohne diesen Zeitbestimmer? - Nur scheint's, daß dies für Euch undenkbar? - Yes, so wird's wohl baldigst unvereinbar prompt zu einer Last, mein edler Prinz."
"Fürwahr? - Dann schenk er mir nun flugs Gehör: Die güldene Uhr, sie war dereinst des Yoricks treuer Stundenweiser; jahraus, jahrein, als vormals er ein Günstling war bei Hofe! - And now sei außerdem hier noch per Ratio beschworen: Es gibt gar wohl mehr Ding' im Himmel und auf Erden, als all die wunderliche Schulweisheit sich's so uneinsichtig selbstbesessen oftmals gern erträumt - my stupid friend Horatio! -
(Für all die Nichtkundigen: Eine Rolex ist eine kostspielige Armbanduhr!)
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Leider wurde der kurzweilige, dermaßen vergnüglich und geistreich ins Unreine getriebene Dialog dann durch den urplötzlich auftauchenden - und freundlich protestierenden Regisseur Klaus Michael G. Einhalt gebietend beendet ...
Damals, in Berlin, im Theater Am Halleschen Ufer. -
Als Autor sei's mit erlaubt noch hinzuzufügen: Es ist immer wieder erfreulich, wie wohl auch vielversprechend: " in sich das zarte Wirken der Sprache zu vernehmen". So hat es der Philosoph und Schriftsteller NOVALIS zutreffend einmal zum Ausdruck gegeben. - Wohl wahr!
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Samstag, 1. September 2018

"Kunst-Verzweiflung" ...

So könnte man´s einfühlsam benennen.
Denn:
"Ars longa, vita brevis - Die Kunst ist lang, das Leben kurz", diese einstmals vom griechischen Mediziner Hippokrates zum Ausdruck gebrachte Lebensweisheit, sie macht nun einigen dieser die Kunst in Szene setzenden Pinsel-Artisten des öfteren leidvoll zu schaffen. -
Entmutigend wird dann ein der Kunst angeblich innewohnendes Prinzip der Harmonie zuweilen doch als recht zweifelhaft empfunden. -
So beispielsweise, wenn bei Sotheby's, in der englischen Stadt London, wieder einmal die Gemälde der namhaft gewordenen Maler versteigert werden - oder worden sind.    
Diese Güte eines derartigen Geschicks war ihm bisher jedoch nicht zugänglich gemacht worden, dem inzwischen alten, grauhaarigen Maler Bartholomé Esteban Murillo.-
Etwas schwermütig gestimmt, hockte er in seiner Malerklause, als das eingeschaltete Fernsehgerät erneut eine sensationelle - ihm das derzeitige Sein vermiesende Berichterstattung offenbarte:
"Ein neuer Weltrekord! 106,4 Millionen Dollar wurden heute für das Picasso-Bild "Nu au plateau de sculpteur" ersteigert. - Und gleich darauf: 104,2 Millionen Dollar zahlte ein Amerikaner für das Gemälde "Junge mit Pfeife", so tönte es aufreizend und beunruhigend ins einstmals so heimelige Atelier hinein. - Ein aberwitzige Tücke des Geschicks, so zog es der Maler kopfschüttelnd in Frage, als es sich ihm offenbarte, daß nun die Kunst im Leben der Kapitalanleger, auf der Suche nach einem zusätzlichen Markt für ihre Investitionen, zunehmend hoffähiger wurde. -
"Felix ars!" (Glückliche Kunst!), murmelte er zähneknirschend ... 
Späterhin, nun so einigermaßen zur Ruhe gekommen, nahm er die Whisky-Flasche zur Hand - und ließ sich in einen der farbverschmierten Sessel fallen. - Eine kurze Zeit der Entspannung nur, denn schon bald darauf mußte er nun die folgende, unbarmherzig zum Ausdruck gebrachte Meldung ertragen:
"Sensationell! Ein neuer Höhepunkt ist erreicht: Denn für 104,3 Millionen Dollar ist gestern früh in London Alberto Giacomettis Skulptur "L'homme qui marche" unter den begierig zuschlagenden Auktions-Hammer geraten!" schnarrte es mitleidlos aus dem T.V.-Gerät heraus.
Empört und zunehmend verbittert, schleuderte der Maler daraufhin die sich inzwischen als leer darbietende Whisky-Flasche in die feucht schimmernde Leinwand eines vor kurzem bewältigten Gemäldes (2,10 m x 1,20 m). -
Und legte sich auf dem kunterbunt leuchtenden Fußboden schlafen ... 
-
Im Atelier war noch immer das Fernsehgerät eingeschaltet, als er sich schwankend erhoben hatte. - Im TV-Kanal arte wurde soeben ergriffen plappernd ins Bild gesetzt, daß für Paul Cezannes Gemälde "Pichet et fruits sur une table" bei einer Auktion zwölf Millionen Dollar erzielt worden seien!
Bedingt durch das zur Ruhe kommen wollen auf den bunten Dielen des Ateliers, ist ihm aber dann nicht mehr zu Ohren gekommen, daß Gustav Klimts Gemälde "Adele Bloch-Bauer", inzwischen bei Christies für schlappe 135 Millionen Dollar versteigert worden war. - In diesem bei vielen Malern vermutlich Verbitterung aufkommen lassenden Zusammenhang ist's nun doch noch erwähnenswert, daß in 2006 ein Bild des amerikanischen Malers Jackson Pollock ("No.5") für weltweit Schlagzeilen machende 140 Millionen Dollar wohl "offenbar zweifellos" einem "kunstsinnigen Gemäldesammler" übereignet worden ist.   -
"Beati possidentes - glücklich die Besitzenden!" murmelte einst spöttisch der griechische Tragödiendichter Euripides bei einer Gegebenheit, die dem soeben beschriebenen Mißstand beinahe vergleichbar gewesen sein könnte.
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Ein Nachtrag im (Wonne)-Monat Mai 2015:
Und da schaut nun der Pablo Picasso grinsend "von oben herab" ...
Denn für 180 Millionen Dollar wurde da jüngst seine einstmals gemalte Szenerie "Les femmes d'Alger" aufsehenerregend auktioniert, um zweifellos einem überaus feinsinnig empfindenden, kunstverständigen Sammler die tagtäglich so kunstverliebte Lebensgestaltung zu bereichern.
So sei´s denn ...
-
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Donnerstag, 23. August 2018

Hm? - Liebe Leserin und Leser,

eventuell sind Sie ja zuweilen auch GRIECHENLAND-Reisende ...
Der griechische Schriftsteller Nikos Kazantzakis ("Alexis Sorbas" u.a.) hat's hinsichtlich dessen einmal so formuliert:
"Welch andere Freude auf Erden kann besser im Einklang mit dem Körper und der Seele stehen, als Griechenland zu bereisen". -
Der Zauber der griechischen Landschaften - wohl wahr ...
Und Friedrich Hölderlin, der deutsche Dichter, er gab seine diesbezügliche Gemütsstimmung seinerzeit einmal doch sehr inbrünstig zum Ausdruck: "Ich liebe dieses Griechenland überall. Es trägt die Farbe meines Herzens!"
Ach ja ...
Mit einem fast heimatlichen Empfindungsvermögen sei's mir erlaubt, nun gleichfalls mancherlei über dieses Elysium zu erzählen ...
Nicht ohne darüber hinaus auch eine kritisierende Stellungnahme zur überschatteten "Jetztzeit" zu verdeutlichen. -
Kaló taxidhi! (Gute Reise!)
Falls Sie des weiteren neugierig werdend dabei bleiben wollen.
Wenn ja, dann "klicken" Sie bitte rechtsseitig im Bereich der "Stichworte" GRIECHENLAND an.
Noch etwas sei hier fast konkretisiert:
Denn der Herr von Goethe hat's einstmals schwärmerisch mit diesen Worten bekundet: "Unter allen Völkern haben die Griechen den Traum des Lebens am schönsten geträumt!"
Das nur anno dazumal?
Nein-nein, trotz allem wohl auch in der Gegenwart.
-
Danke für Ihr "Dabeisein".
-
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Mittwoch, 15. August 2018

So ganz und gar heimatverbunden:

Patriotismus - einst die französische Wortfindung für eine vaterländische Gesinnung, die stets auf einem starken Zugehörigkeitsgefühl zur Heimat ruht, tja - und gegebenenfalls bis zur Hingabe an ...
Was ich im September 1972 recht eigenwillig zu spüren bekommen habe, in Südfrankreich:
Damals, unterwegs auf einer Landstrasse in Richtung Aix-en-Provence, um später von dort aus Paris anzusteuern. -
Das Ende der Ortschaft Roquebrussane war soeben erreicht, als ich ihn rechtsseitig stehend winken sah, einen bäuerlich wirkenden alten Mann. Bereitwillig hielt ich drum an - und öffnete die Beifahrertür des Fahrzeugs. Im Rückspiegel sah ich ihn schlurfend herannahen. Bald darauf hatte er das Auto erreicht - und bat mich darum, mitfahren zu dürfen.
Er müsse wieder einmal nach Aix-en-Provence, um dort sein allmonatlich eintreffendes Rentengeld abzuholen, gab er mir zu verstehen. - Zunehmend füllte sich die Fahrgastzelle mit einem köstlichen Knoblauch-Odeur, als mein Fahrgast nun damit begonnen hatte, mir einige Etappen aus seinen Lebenserinnerungen zu erzählen. -
Bis hin zu dem Augenblick, da ein uniformierter, gebieterisch ausgestreckter Arm uns autoritär zum Anhalten zwang: "Ausweis und Fahrzeugpapiere, bitte!" fuhr er mich an, der hochnäsig herabblickende Flic. "Haben Sie Alkohol getrunken? Wenn ja, dann hauchen Sie mich jetzt einmal nachfühlbar an", erweiterte er sein unglücklicherweise von Rechts wegen beglaubigtes Anliegen. - "Nique sa mère", (zumTeufel mit ihm!) murmelte ich mißgestimmt, mich angsterfüllt daran erinnernd, daß noch vor einigen Stunden, im nächtlichen Beisammensein mit Freunden einige Flaschen Rotwein geleert worden waren. Dann tat ich jedoch wie geheißen. -
Hm? - Ohne ein Wort der gesetzmäßig zu erwartenden Entrüstung zu bezeugen, richtete er sich intensiv nachschnüffelnd auf, machte dann zackig kehrt, um gleich darauf dem im Polizeiauto sitzenden Kollegen über die gerade vollstreckten Nachforschungen Bericht zu erstatten: "Non, pas de probleme! Irrécusable un Cote du Rhone", hörte ich ihn deutlich verkünden, da ich noch immer, ängstlich aufhorchend, bei geöffnetem Fenster die Ohren spitzte. - Ja, und nach seinem Erlebnisbericht schwenkte er seltsamerweise stillvergnügt anmutend um, und näherte sich wohlwollend grinsend wieder dem Objekt seiner vorab so entschlossen in Angriff genommenen Spekulation, dem vermutlich alkololisierten Fahrer des Automobils: "Monsieur, es ist alles in Ordnung, dann weiterhin gute Fahrt!" gab er, mir freundlich zunickend, unbegreiflicherweise zu verstehen. -
Nur das fast wiehernde Gelächter des alten Mannes übertonte das sonore Brummen des Motors, als ich den Wagen erneut gestartet hatte, um eiligst davonzufahren.
"Das darf doch nicht wahr sein! Was war das denn soeben?" ließ ich kopfschüttelnd verlauten.
"Und was hat der uniformierte Staatsdiener damit gemeint, als er seinem Kollegen unter anderem noch: Einwandfrei Cote-du-Rhone! zugeraunt hat?" - Der Alte lehnte sich schmunzelnd zurück und legte dann los: "Oui, da ging es schlicht und ergreifend um Ihre alles spezifizierende Weinfahne, Monsieur!" - "Ja, das hab' ich an sich auch begriffen." - "Sie haben bisher noch gar nichts begriffen, das sehe ich Ihnen doch an!" prustete er daraufhin los. -
"Nein, nicht? Dann erklären Sie's mir doch 'mal etwas  genauer." -
"Das will ich gern tun, also: Wir sind hier ja bisher noch immer in einem Rhone-arrondissement ..." -
"Ja-ja, das ist mir inzwischen durchaus vertraut, mein Guter", unterbrach ich ihn lauernd. -
"Oui, inmitten einer der größten und sicherlich auch ertragreichsten Weinanbaugebiete! Es gibt aber in Frankreich noch andere Winzerbereiche - und zwischen ihnen tobt schon seit Jahrhunderten ein unversöhnlicher Wettstreit", klärte er mich gestenreich auf. -
"Schon möglich", brummte ich unwirsch. "Aber was - zum Teufel! - hat das mit mir und dieser ungewöhnlich verlaufenen Polizeivisitation zu tun?" -
"Oui, sehr viel, Monsieur! Dieser Beamte hat bei Ihnen anscheinend zufriedenstellend einen vorab erlebten Cote-du-Rhone-Genuß gerochen. Wie gesagt, wir sind hier im Rhone-distrikt! Hätte er etwas anderes erschnüffelt, wie, mon dieu! so beispielsweise einen Burgunder-Rotwein oder einen Bordeaux, dann wären Sie sicher fatal in Schwierigkeiten geraten! - Und noch schlimmer wäre es wohl für Sie verlaufen, wenn dieser heimatverbundene Beamte dann fassungslos einen Rotwein aus dem Elsaß hätte erschnuppern müssen. Mon dieu! Dann hätte ich nicht in Ihrer Haut stecken wollen", betonte er seine unheilschwangere Verdeutlichung. -
"Adieu! Portez-vous bien! - Vielleicht war dieses bedeutungsvolle Erlebnis ja auch eine lehrreiche Begegnung." rief er mir noch beachtenswert zu, als wir uns in Aix-en-Provence voneinander verabschiedeten ...
-
***

Freitag, 10. August 2018

Traumhaft - so gut beieinander ...

Um auch dem so altgewohnten Geschehen letztlich doch
einen gefühlvoll erweiterten Stimulus angedeihen lassen zu können.
Tja ...
Und zunehmend nachdenklich gestimmt ergriffen,
steht mir im Verlauf dieser aufkommenden Besinnlichkeit
sogleich ein beglückendes Traumbild für diese restlichen Tage auf Erden
nun malerisch harmonisierend so wirklichkeitsnah vor Augen.
Und das folgendermaßen:
Nachmittage an einer südlichen Meeresküste - 
die hüllenlos inaktiven Füße ruhen entspannt im warmen Sand. 
Auf einem hölzernen, kunstlosen Tisch schimmert - fast goldfarben -
die Fülle einer soeben dem Kühlschrank entnommenen Flasche Weißwein; 
fühlbar wohl unzutreffend als "trocken" bezeichnet. -
Nun ja, so daseinsfreudig verweilen zu dürfen,
"das wird dann zum Prachtvollsten, was die Welt zu geben hat,"
derart - fast schon paradiesisch - so hat's der
 französische Schriftsteller Albert Camus dereinst bekundet.
*
Eine Erkenntnis ...
Ja, da wird es nun wieder einmal spürbar akzentuiert:
Mein wahrscheinlich mediterran geartetes Lebensethos verweilt wohl doch zeitlebens
recht untalentiert im leistungs- und karrierebetonten Arbeitsethos
einer derart ambitionierten Lebensgestaltung.
*
Wohlan, schon keimt da - aufs neue - ein "gnothi seauton". *
* "Erkenne dich selbst"
-
Ein (tadelnder) Nachtrag:
"ti krama!" (Wie schade!)
Fast schon betroffen machend ruft sie's mir auf der Insel Lesbos zu,
die griechische Lyrikerin Sappho:
"Um nach dem Tod ruhmlos umherzuirren -
als Schatten im Schwarm nichtiger Toten?"
Ach ...
"Ultra posse nemo obligatur", so habe ich's damals abweisend bekundet.
(Über das Können hinaus ist niemand verpflichtet.)
óchi ... (nein)
-
***

Dienstag, 7. August 2018

Reisen - in unbekannte Länder ...


Neulich, im Riesengebirge:
-
-
Nun ja ...
Im Landschafts-Bereich der Sudeten. - Geographisch betrachtet, im polnisch-tschechoslowakisches Grenzgebiet.
Und prähistorisch benannt nach einem einstmals dort heimischen und seit langem angeblich ausgestorbenen Geschlecht sehr großer und massiger Gestalten - in vorwiegend männlicher, jedoch hin und wieder auch sichtbar gewordener weiblicher Beschaffenheit. 
Im Hintergrund des oben verdeutlichten Geschehens, da präsentiert sich die 1600 Meter hohe, als "Schneekoppe" benannte Gebirgslandschaft. -
So viel entfaltend vorab ...
Die in der veranschaulichten Szenerie von der männlichen Person so leichthin und unerschrocken in Abrede gestellten Teufel, sie sind wohl im dortigen Moor tatsächlich nicht mehr präsent, wie es vor kurzem der in Worpswede lebende 96-jährige Ethnologe Horst-Eberhardt W. auf unsere diesbezügliche Anfrage glaubhaft versichert hat. - Der letzte Vertreter dieser "Verderbtheit" oder auch "Verkörperung des Bösen" sei ein harmloser und friedfertiger Sonderling gewesen - und bereits 1945, noch kurz vor Beendigung der Flächenbombardements im "Zweiten Weltkrieg", durch eine offenbar fehlgeleitete Bombe der diese ländliche Region anhaltend überfliegenden britischen Kampfflugzeuge, am Rande des Teufelsmoores todbringend verletzt - und dort bis zur Unkenntlichkeit zuschanden gekommen. Schon bald darauf jedoch von einem in dieser Gemarkung lustwandelnden Worpsweder Maler erschrocken haltmachend aufgefunden worden ... 
Da sei als Schlußfolgerung nun doch noch weitherzig hinzugefügt: 
"De mortuis nil nisi bene" - (Über die Toten nur Gutes), rief, in einer zeitgemäß vergleichbaren Situation, dereinst so gutgesinnt der griechische Denker Diogenes Laertius.
-
***

Samstag, 4. August 2018

Diese "Windhose" bereitete Beunruhigung ...

Neulich, in Amerika,
in Washington-D.C.:
Der weltweit oftmals als doch recht fragwürdig in Erscheinung tretende amerikanische Präsident Trump, er zeigte sich sichtbar wenig erfreut, als im Fernsehen, nach einer eindringlich gesendeten Hurrikan-Warnung, sich hernach der einstmals namhaft gewordene Modezar Charles Storefield via T.V. diesbezüglich so unpassend mit dem Hinweis: "Nun bedenken Sie aber bitte unbedingt, daß so eine Windhose keinesfalls als ein sturmerprobtes Beinkleid zu gewahren sein sollte", schmunzelnd zu Wort meldete.  -
Ach ja:
Die "Windhose", nachfolgend jetzt doch einmal als eine ironisierende Anspielung zweckentfremdet: Unheilverkündend - so alles in allem ...
Darum sei hier bedeutungsvoll zu spüren gegeben:
Yes, es präsidiert da zur Zeit, sich oftmals selbstsüchtig aufplusternd, ein amerikanischer Politiker ***, der die unanzweifelbare globale Erwärmung lauthals hoffnungsvoll leugnet - und den Schutz der Natur, stets auf den eigenen Vorteil bedacht, nun rücksichtslos als ein "Affentheater" bezeichnet.
Denn das alles wirkt ja beunruhigend lästig, fast schon zugrunde richtend seinen Bereicherungs-Interessen entgegen. -
Und da wird man als Präsident wohl durchaus beeinflussen dürfen!
Hochtrabend, sei da nun doch noch hinzugefügt:
Ave trump, lucrifacturi te salutant! 
Was gleichgestimmt meint:
Sei gegrüßt Trump, (alle) die sich bereichern wollen, grüßen dich!
-
*** Ach ja, in einem schlechterdings vergleichbaren Zusammenhang, da sprach der französische Journalist Octave Mirbeau dereinst einmal deutlich von einer "selbstgefälligen Unfähigkeit".
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*

Montag, 23. Juli 2018

Ebbe und Flut ...

-
Dieser beachtenswerte Rhythmus der Gezeiten:
***
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Ach ja, 
da hatten sie, schon bereits zwei Monate zuvor, auf der Müritz, einem Wasserweg im Herzen der Mecklenburgischen Seenplatte, sich wieder einmal für einige reizvolle Tage ein Hausboot gemietet: 
Die Ingelore und der Karl-Heinz aus Wanne-Eickel ... 
Ein unvergessenes Reise-Erlebnis. - 
Jedoch offenbar dermaßen anregend Spuren hinterlassend, daß Karl-Heinz nun träumerisch in diese vor kurzem erlebte Boots-Beglückung hinein recht wirklichkeitsfremd entfleuchte ...  
Und das (unglücklicherweise) inmitten eines noch schläfrigen, sich so gedankenverloren entfaltendem Erwachen am ersten Urlaubstag - an der dem Tidenhub seit Urzeiten naturverbunden preisgegebenen Nordseeküste im nördlichen Dänemark. -
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"Auch können plötzlich die Gezeiten, ganz unverhofft Verdruß bereiten", hatte schon Schiller gemutmaßt, als der Freund Goethe eine Reise in nordische Küstenregionen zu tun gedachte. 
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***
Zur Erläuterung "all dessen": In Dänemark darf man mit dem Auto an den Stränden der Nordseeküste fahren.
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Dienstag, 10. Juli 2018

Naturverbunden ... ?

Unser einsam gelegenes, uraltes Bauerngehöft, umgeben von einer Park-ähnlichen Landschaft, ist auch ein Paradies für viele der kleinen gefiederten Wirbeltiere, kurzum Vögel genannt. -
Im Herbst, Winter und im Frühjahr von Ulrike "zusätzlich" mit Futter versorgt, sind die meisten der kleinen Flug-Akrobaten nun heimisch geworden. Einschließlich Nestbau und Aufzucht des Nachwuchses. -
Wenn ich die Nesthäkchen des öfteren beim speisen beobachte, dann bin ich zuweilen versucht darauf hinzuweisen:
"Ihr sollt nicht so raffgierig schlingen, nein! Erst einmal vorab alles lustvoll zerkauen und dann vorsichtig hinunterschlucken!" -
Ein befreundeter Ornithologe hat mir nun ernsthaft geraten:
" Ich solle mich da nicht einmischen!"
-
*

Mittwoch, 4. Juli 2018

"Onkel Alfred" - und der NOBELPREIS ...

Immerhin:
Eine seit 1901 jährlich weltweit lobpreisende Auszeichnung.
Und hier sei nun doch einmal entschleiernd zur Sprache gebracht, was sich in Schweden hinsichtlich dessen dereinst so bedeutungsvoll zugetragen haben soll:
Nun, es ergab sich im Juni 2007; als ich auf einem Fährschiff, das uns von Frederikshavn nach Göteborg bringen sollte, rein zufällig mit einem bärtigen Mann älteren Jahrgangs in eine sich bald darauf aufschlußreich darbietende Plauderei hineingeraten war. - Per-Olof Eriksson, so nannte er sich, mein damals schon bald darauf so mitteilsam in Erscheinung tretender Gesprächspartner. -
Beeindruckt nahm ich im Laufe der Unterhaltung zur Kenntnis, daß er, Per-Olof, als ein entfernt einzuordnender Verwandter der Familie Nobel zu gewärtigen sei. - "Seine liebevoll gepflegte Zuneigung zur Spirituose Aquavit habe jedoch bewirkt, daß er den seriösen Überzeugungen dieser ehrenwerten Familie nicht mehr genügen konnte - und somit als gesellschaftlich unmöglich zu ächten sei. Der sich zeitlebens distinguiert in Szene setzende Familien-Clan hätte selbstherrlich als not amuset reagiert, wollte sogleich wohl auch die Spreu vom Weizen trennen - und man sei nun entfremdet", so gab mir Per-Olof schmunzelnd seinen Rausschmiß aus der feinen Sippschaft zu verstehen. -
"In Lidingö sei er 1928 zur Welt gekommen. - Den Onkel Alfred habe er jedoch nicht mehr leibhaftig erlebt, da dieser bereits 1896 im italienischen Küstenort San Remo das Irdische mit dem Zeitlichen habe eintauschen müssen! - Ob ich denn überhaupt wüßte, wer dieser "Onkel Alfred" einstmals gewesen sei?" forschte er stillvergnügt nach. -
Hm? - War damit etwa der Alfred Nobel, jener schwedische Ingenieur gemeint? bedachte ich's zweifelnd. Und hochtrabend hier von ihm so ungeniert in eine verwandtschaftliche Zugehörigkeit hineinprogammiert worden? Als sein Onkel Alfred! - Der am 21. Oktober 1833 in Stockholm geborene - und am 10. Dezember 1896 im damals zumeist vom Geldadel besuchten San Remo verstorbene Erfinder von einem per Zufall spleenig in Erscheinung tretenden Per-Olof selbstbesessen und schwelgerisch als Blutsverwandtschaft in Szene gesetzt? - Eine wohl doch als fragwürdig zu betrachtende Offenbarung ... -
Wenn's aber dennoch als zutreffend zu gewahren sein sollte, dann war es ja sein Onkel, der 1863, damals noch in Stockholm, das hernach oftmals welterschütternde Dynamit erfunden hatte, so zog ich's nun erst einmal aufgeschlossen in Betracht.  -
"Jou, Du wirst es vermutlich kaum glauben", meldete sich Per-Olof dann wieder zu Wort.
"Na-ja, ich hege da noch Bedenken", gab ich verhalten zu spüren.
Was dann sogleich ein übelnehmerisches Naserümpfen zur Folge hatte ...
"Sieh an: Er zweifelt! Ich lasse hier - nur weil Du mir anfangs als sympathisch erschienen bist -, so offenherzig meinen Gefühlen einen freien Lauf, öffne vertrauensselig die Familien-Schleusen mit all den modrigen Untiefen meiner Herkunft - und er hegt Bedenken! Zögert, ob er mir Glauben schenken kann! Soll ich nun eidesstattlich versichern ..."
"Nein-nein!" fiel ich ihm abwinkend ins Wort. "Verzeih mir, aber ich war wohl soeben unheilverkündend beinahe am Rande eines Abgrunds!"
"Aha! - Und was soll das besagen?" fragte er nach.
"Nun, zwangsläufig gibt es da einen bedrohlichen Anknüpfungspunkt: Da hätten wir nun den Onkel Alfred Nobel - und mithin, unheilschwanger aufblitzend, diesen verheerenden Sprengstoff Dynamit ..."
"Hast Du's nun endlich herausgefunden? Hat sich für Dich jetzt alles zusammengereimt?" fuhr er mich spitzzüngig an. - "Vortrefflich! - Das schafft immerhin die Voraussetzung dafür, daß wir nun doch des weiteren auf den spannungsgeladenen Spuren meiner Sippschaft verbleiben können. - Also: Hättest Du es tatsächlich für möglich gehalten, daß die Erfindung des Dynamits einem sich eigenwillig zugetragenen Zufall zu verdanken ist?" betonte Per-Olof todernst den Auftakt seiner Enthüllungsgeschichte.
"Einem Zufall?" horchte ich erwartungsvoll auf.
"Allerdings! - Bezweifelst Du das?" knurrte er mich argwöhnend an.
"Nein-nein! Denn mancherlei ist ja wahrscheinlich doch nur rein zufällig entstanden", wandte ich denkbar ein. "Auch Du und ich, wir sind wohl der Gunst oder auch Ungunst der jeweiligen ..."
"He, Mann, Du nervst mich!" wurde ich unwirsch unterbrochen.
"Doch dieses dereinst zufällig erschaffene, hochexplosive Produkt, dessen geheimnisumwitterte Entstehung ich jetzt ausnahmsweise Dir hier entschleiern werde, hatte ja eines unguten Tages einen peinlichen Schlußakkord aufzuweisen!"
Erstaunt blickte ich auf. "Hm? Ausnahmsweise mir willst Du jetzt davon berichten, daß die Erfindung des Dynamits dereinst einer aleatorisch stattgefundenen Begebenheit zu verdanken ist?"
"Nun red' mal nicht so geschwollen daher, ja!" wurde ich angeblafft. "Mach Dich mal fix auf den Weg zum Duty-free-shop! Dort holst Du mir eine Flasche Aquavit, okay? - Als stimulierenden Beistand, damit ich dann anschaulicher zurückblicken kann." -
O heilige Birgitta von Vadstena! - Urplötzlich sollte hier nun der Alfred Nobel als abgründig düster Gestalt annehmen? -  Solch eine sensationelle Story hatte ich ganz gewiß nicht erwartet, als ich mir vor kurzem diese Reise nach Schweden zum Ziel gesetzt hatte, um vor Ort eventuell so einiges über den einstmals angeblich so selbstquälerisch empfundenen Bekenntnisdrang des schwedischen Romanciers August Strindberg zu erkunden ... -
Aufgewühlt sauste ich los, um dann zehn Minuten später mit der zuvor eingeforderten Flasche Aquavit wieder im Aufenthaltsraum des Fährdampfers zu erscheinen. "Gläser dafür waren dort leider nicht zu erwerben", gab ich Per-Olof zu verstehen.
"Gib schon her, ich brauche kein Glas!" ließ er mich wissen - riß mir die Flasche aus der Hand, öffnete den Verschluß - und gluckernd flutete der Inhalt, nun hoffentlich hilfreich für eine Geheimnisse lüftende Darlegung, trinkfreudig seine Kehle hinab. -
Nun, eingedenk dessen betrachtete ich's jedoch als gegeben, daß mir ein hochgestimmter Trunkenbold gleich eine unglaubliche Geschichte zum besten geben würde.
"Jetzt hör' mir 'mal gut zu, ja?" wurde ich vorab ermahnt: "Weltweit ruft es noch immer Bewunderung hervor, wenn wieder einmal jemand mit einem Nobelpreis ausgezeichnet worden ist! - Das leitet Prestige in die Wege und allerhand Bares auf's Konto! - Aber wie es dereinst dazu gekommen ist, daß solch eine Lobpreisung Wirklichkeit werden konnte, das weißt Du sicherlich ganz bestimmt nicht! - Denn in dieses durchaus geheimnisumwitterte Ereignis sind ja bisher nur ganz wenige, ausschließlich die vom Familienclan als absolut charakterfest und auch vertrauenswürdig einzuschätzenden Personen eingeweiht worden!"
"Oh! - Darin bist demnach auch Du willkommen geheißen worden?" horchte ich tief beeindruckt auf. - Erwartungsvoll auf meinem plastikbespannten Sitzmöbel herumrutschend, wollte ich jetzt unbedingt herausbekommen, was sich da einstmals so spektakulär ereignet hatte: "Per-Olof, ein Vorschlag zur Güte: Im Duty-free-shop sah ich vorhin noch acht Flaschen Aquavit im Regal stehen! Und ich bin unverzüglich gern bereit, für ..."
"He! Für wen oder was hältst Du mich?" raunzte er mich aufgebracht an. "Sehe ich in Deinen Augen aus wie ein erbarmungswürdiger Saufbruder?"
"Nein! - Aber ich würde doch gern dahinterkommem - äh - stichhaltig auf dem laufenden sein ..."
"Nun beruhige Dich erst einmal - ja? - Denn alles wird - das versteht sich von selbst -, korrekt und gesittet der Reihe nach entschleiert." Und wie nach innen gerichtet, nahm er sogleich bedeutungsvoll Haltung an: "Nun ja, da denke ich jetzt geschlossenen Auges zurück ... Und finde mich ein auf dem Hintergrund einer wahrlich turbulenten Epoche!" brach es pathetisch aus ihm heraus. "Und wer ist dort wirklichkeitsnah zugegen? Fürwahr: Der unruhige Forschergeist Alfred Nobel! - Als Jüngling war mir zu Ohren gekommen, daß Onkel Alfred im März 1863 in Stockholm die fünfundzwanzig Jahre jüngere, einst bildschöne Inga Engstroem kennengelernt hatte. - Und angeblich leidenschaftlich ergriffen, soll er dieser Dame sofort einen Heiratsantrag gemacht haben!"
"Eine etwas leichtsinnig vom Stapel gelassene Gefühlsduselei!" mußte ich unbedingt anmerken.
"So kann man's wohl wahrlich bewerten", erhärtete Per-Olof meine Bedenken. "Und holterdipolter ist dieses Mädel dann wohlüberlegt bei ihm eingezogen, in sein pompöses Domizil, am exklusiven Stadtrand von Stockholm."
"Auch das noch!" konnte ich nicht umhin zu bekunden.
"Wohl wahr!" nickte Per-Olof mir zu. "Wie Du es vermutlich schon ahnst, war diese Liaison nicht von Bestand: Denn Inga entpuppte sich baldigst als einfältig, kindisch und aufsässig. - Der Onkel Alfred hatte in Kürze die Nase gestrichen voll, wie man so sagt. Und hat dann mißgestimmt versucht, dieses unleidliche Zuhause in einem berüchtigten Stockholmer Nachtlokal zumindest für einige Stunden aus dem gedemütigten Bewußtsein zu verbannen."
"Bejammernswert ... Und dann?" forschte ich sensationslüstern lauernd.
"Ist alles gescheitert - in die Brüche gegangen!" betonte er's grinsend.
Unruhig ausharrend, tippte ich ihn nun erwartungsvoll an: "Per-Olof, in etwa vierzig Minuten haben wir Göteborg erreicht! Spann mich nicht länger auf die Folter. - Was geschah dann?"
"Nun, der Onkel Alfred stand eines Abends, zu vorgerückter Stunde, angeblich leicht alkoholisiert vor der Haustür seines Palais. Die Inga war zwar im Haus; hatte aber, gereizt und zunehmend verdrossen, die Tür zum vordem doch so familiären Daheim anscheinend beinahe bollwerkartig verbarrikadiert!"
"Mein Gott! Ich ahne das Schlimmste, der Untergang des Hauses Nobel!" brach es beeinflußt aus mir heraus, da sich ein beinahe vergleichbares, dereinst von Edgar Ellen Poe beschriebenes Geschehen spontan vor meinem geistigen Auge beunruhigend verlebendigte.
"Da bist Du jetzt ziemlich nah dran!" erhärtete Per-Olof mein visionäres Empfinden. "Denn der Onkel Alfred hat daraufhin zornig kehrtgemacht, ist wutschnaubend in sein Chemielabor gestolpert - und hat dort sogleich 75% Nitroglyzerin und 24,5% Kieselgur mit 0,5% Soda zusammengemixt ..."
"Nein!!" unterbrach ich ihn aufstöhnend.
"... und ist dann gleich darauf mit diesem hochexplosiven Gemisch", erzählte er jedoch unabgelenkt weiter, "das später als sogenanntes Dynamit ja welterschütternd Furore gemacht hat, nun stockwütend zur kaltschnäuzig verrammelten Haustür marschiert!"
Mir stockte der Atem ... "Ein unbeherrscht aufloderndes Gebaren!" wandte ich baß erstaunt ein.
Kopfnickend wurde mir zugestimmt.
Bestürzt forschte ich weiter: "Mein Gott! Unglaublich ... Das hatte doch todsicher schreckliche, katastrophale Folgen?"
"Beileibe, das auch - und später ja weltenweit durchaus bedeutsame!" ließ er's gewichtig anschwellen.
"Weltweit bedeutsame?" murmelte ich, bisher noch uneingeweiht ...
"In der Tat!" nickte Per-Olof mir zu. "Denn unser an und für sich stets mildtätig zu gewärtigender Onkel Alfred, er hat ja bald darauf sein so heißblütig zum Ausdruck geratenes Handeln bitter bereut! - Und die zwangsläufig aufkeimenden Gewissensbisse haben wahrscheinlich so viel bewirkt, daß er vor seinem Ableben in San Remo noch testamentarisch angeordnet hat, daß ab 1901 ein finanziell hochdotierter Preis den wirklich herausragenden Persönlichkeiten des jeweiligen Zeitgeschehens aufhorchen lassend zur Ehre gereichen sollte!" -
Unglaublich! - Noch immer hochgradig ergriffen, schaute ich nachdenklich zu ihm auf: Der Onkel Alfred! - Und die dank seiner Existenz dereinst so beeindruckende Entstehung des ja noch immer weltweit tosenden Beifall hervorrufenden praemium Nobelianum - !          -
In der Zwischenzeit hatten wir den dichtbevölkerten, rundum mit Lärm erfüllten Aufenthaltsraum des Fährdampfers verlassen - und standen nun fröstelnd im Außenbereich an der Reling ...
Per-Olof nahm einen aufmunternden Schluck aus der inzwischen inhaltlich fast zur Neige gegangenen Aquavit-Flasche. - Kreischend und freßlüstern lauernd, begleiteten uns nun auch zahlreiche Möwen, als mein Reisegefährte sich aufs neue zu Wort meldete: "Ach ja, es gab auch schon namhafte Personen, die diesen Preis abgelehnt haben!"
"Wahrhaftig! - Und das bleibt ja auch unvergessen", pflichtete ich ihm kopfnickend bei. "Denn bereits 1964 verweigerte der französische Philosoph und Schriftsteller Jean-Paul Sartre - warum auch immer? - diese Belobigung seiner Person durch eine derartige Glorifizierung."
"Naja, vielleicht war der Franzose nicht ausreichend genug selbstverliebt?" mutmaßte Per-Olof nüchtern. - Um gleich darauf noch schelmisch hinzuzufügen, daß immerhin vor einigen Jahren dieser prominente deutsche Schriftsteller solch eine Auszeichnung als eine unzumutbare Gewissensqual demonstrativ von sich gewiesen habe!"
Diesbezüglich erstaunt, blickte ich ihn daraufhin neugierig geworden an: "Das ist eigentlich schwer vorstellbar ... Wer sollte das denn gewesen sein?"
"Den Namen des Mannes habe ich leider vergessen." rief er mir zu -  ein kraftvoller Wind beeinträchtigte unseren Plausch. "Hm? - Gleichlautend ist es in Deutschland die Bezeichnung für diese Feld- und Wiesenpflanzen!" versuchte er's zu verdeutlichen.
"Du sprichst in Rätseln, Per-Olof."
"Ernsthaft? - Vielleicht erinnerst Du dich aber daran, daß damals viele Zeitungen und Zeitschriften diese schriftlich formulierte Verweigerung des Autors ja veröffentlicht haben - nein, nicht?"
"Nee, eigentlich nicht ..."
"Das nehme ich Dir nicht ab!" wurde ich angeblafft. "Aber wenn es tatsächlich so sein sollte, dann spitz jetzt einmal sensationslüstern die Ohren! Also: Verwundert nahm unser Stockholmer-Nobelpreis-Komitee dereinst diese schriftlich übermittelte Verweigerung des besagten Romanciers zur Kenntnis; in welcher geharnischt zum Ausdruck gegeben worden war, daß solch ein Preis, derart grässlich und auch beunruhigend beseelt mit dem höllischen Brandmal einer zerstörerischen Inhumanität, für ihn bedauerlicherweise als absolut unzumutbar zu gewärtigen sei. - C'est un Désagrèment, Monseigneur! Ja, mit genau diesen Worten endete die ablehnende Aussage des Herrn G.", betonte Per-Olof den Ausklang seiner aufschlußreichen Rückschau.
"Ach, die Unannehmlichkeit war damit gemeint, kosmopolitisch verfeinert", erklärte ich's grinsend. "Der Autor ist wahrscheinlich ein Kosmopolit - die dereinst vom griechischen Philosophen Diogenes so wirkungsvoll schmückend geprägte Bezeichnung für Weltbürger."
-
Wir waren gerade in Göteborg angekommen, hatten die Gangway des Schiffes soeben verlassen, als sich - auf der Anlegestelle des Fährschiffes -, Per-Olof nun überraschend fast schon bedrohlich vor mir in Stellung brachte: "Du bist - wie Du's erwähnt hast - ein freiberuflich tätiger Journalist! Und trotzdem warst Du mir durchaus sympathisch, das habe ich ja bereits zu spüren gegeben. Aber solltest Du jemals dreist und unverfroren all die von mir so offenherzig zur Sprache gebrachten familialen Begebenheiten in einer Deiner stets klatschsüchtigen Zeitschriften veröffentlichen, jou, dann mach Dich auf etwas gefaßt! - Was immer Du tust, Du wirst es bitter bereuen!" wurde ich, à la Sokrates, gleich einem Schierlingsbecher, schlußendlich noch sehr eindringlich unter Druck gesetzt. "Zumindest trennen sich dann endgültig unsere Wege!" gab er mir auch noch deutlich zu verstehen. -
Hernach trennten sich dann tatsächlich unsere Wege ...
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Postskriptum:
Nachdenklich gestimmt, lag ich jedoch noch stundenlang wach, im Bett eines zweitklassigen Hotels in der Innenstadt von Göteborg.   -
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Samstag, 23. Juni 2018

Hund und Herrchen - zutiefst gefühlsbetont ...

Ja, denn seit anno 7000 vor Christi ist er nun schon das älteste Haustier des Menschen: Der Haushund - oder: Canis familiaris, wie ihn die Lateiner dereinst schon liebevoll kumpelhaft benannt haben.
Und möglicherweise ist die in der nachfolgenden, beinahe unglaublichen Geschichte zutage tretende Mißstimmung demnächst ein gefundenes Fressen für all die komplexen Betrachtungen in den unendlichen Reichweiten der Kynologie, dieser aufschlußreich deutlich machenden Wissenschaft von den zumeist so warmherzig umsorgten Haushunden:
-
Da hatte er, seit knapp zwei Wochen,
mit seinem Hund kein Wort gesprochen.
Trotz vieler Tränen und auch betteln,
verständigt wurde sich mit Zetteln.
Er schrieb dem Hund auf einem Blatt: 
Ich hab' das alles hier so satt!
Auf einem anderen stand geschrieben:
Wie konnte ich dich jemals lieben?
Am Mittwochmorgen dann der Bogen: 
Du hast mich pausenlos belogen!
So ging das weiter, viele Tage -
bis daß der Hund dann diese Frage:
Kannst Du mir aus zwei Rinderknochen,
eine starke Brühe kochen?
beherzt auf einen Zettel fetzte.
Was Herrchen wiederum verletzte. -
Er sei als Mensch ein Erbsenzähler,
so selbstverliebt und ohne Fehler.
Das war noch deutlich unterstrichen -
dann ist er still davongeschlichen ...
Der Canis familiaris.
-
Tja, und vorstellbar ist's, daß da irgend jemand fast schon bemitleidenswert schwermütig dasitzt, weil er nun urplötzlich in eine ähnlich schwerwiegende Situation hineingeraten ist.
Nein - niemals?
-
***

Montag, 18. Juni 2018

Namhaft, berühmt und bewundert ...

Ja - gleichwohl,
sich dennoch ein sogenanntes Pseudonym sachdienlich zunutze machen zu wollen, das genießt nach § 12 des BGB immerhin ganz und gar Rechtsschutz - und ist seit dem sechzehnten Jahrhundert weltweit zu einem literarischen Trend gediehen.
Wir erinnern uns sogleich an: Moliere, Novalis, Lenau, Stendhal, Mark Twain, Maxim Gorkij, Arsinoe, Tarzan, Micky-Mouse und einige andere inzwischen namhaft gewordene Persönlichkeiten.
Ja - und beachtenswert ist immerhin, daß da in Annäherung an diese als brauchbar erwähnte Maskierung es wohl nicht so ganz auszuschließen ist, daß sich bereits vor etwa 235 Jahren, vermutlich 1785, ein gewisser Wolfgang Amadeus Mozart in der österreichischen Stadt Wien dereinst auch einer solchen Tarnung bedient hat, um diese verlockend köstlichen, beinahe weltweit erhältlichen Schokoladenkugeln unbedingt schon zu seiner Zeit als unendlich gewinnbringend kommerzialisieren zu können ...
Die Mozart-Kugeln!
Denkbar ist's allemal - wir wissen es aber leider nicht so verbürgt. -
"Nomen est omen“, das verdeutlichte schon einstmals bedeutungsvoll der Titus Maccius Plautus, ein römischer Lustspieldichter aus Umbrien in seinen bereits 170 Jahre v. Chr. als „Persa“ publik gewordenen Schriften. Was ja mithin besagt, daß in der Namensgebung unglücklicherweise auch eine nicht immer Erfolg versprechende Vorbedeutung mitenthalten sein könnte.
-
Informativ und wohl auch beachtenswert, ist folglich ein erst vor kurzem in einer stadtbekannten Berliner Weinstube belauschtes Zwiegespräch zu beherzigen:
-
„Oh! Sie heißen wirklich Goethe?
Bringt das nicht gewisse Nöte, wenn man, trotz der späten Stunden,
noch immer keinen Reim gefunden?“
„Nein, ich kann mich nicht beklagen!
Denn an milden Sommertagen, ist mir - völlig ungezwungen -
oftmals Reim auf Reim gelungen!
Um meinen Onkel, Karlchen Kant, der einst das Wortgefecht erfand,
wurde es, wie bei Bernd Schiller, schon seit Wochen merklich stiller.
Ja, und der Harald Hölderlin, der hatte neulich, wie mir schien,
hier, wie auch an anderen Orten, sehr viel Kummer mit den Worten!
Letztlich wird es wenig sagen, daß wir große Namen tragen ...
Erwähnt sei da auch meine Tante,
die sich einst dummdreist Puschkin nannte!
Diese Frau hat, ungehobelt, oft literarisch ‘rumgeknobelt,
ob man nicht, wie auch Fontane, Tiergeschichten und Romane ...
Summarisch ging das voll daneben, 
denn ihr textverwirrtes Streben formte keinerlei Akzente!
Und wortlos ging sie dann in Rente."
"Ach ja, da ist man wohl überaus geltungsbedürftig!
Hm, als bisher namenloser Mann, bin ich da bisher besser dran," das ließ er letztlich verlauten, der einem bekannten Literaturkritiker fast zum verwechseln ähnliche Weinstuben-Gast. 
- -
Erstaunt, amüsiert und ergriffen, verließen wir bald darauf schmunzelnd diese fabulierfreudig anmutende Destille. - Und urplötzlich begann nun mein Freund, der Geschichtsforscher Gavrilos schwärmerisch trunken einen reizvollen Absatz aus Puschkins Roman in Versen „Eugen Onegin“ zu deklamieren: „Der Chor der Dichter zischt und kräht, - Gott nein, wie doch die Zeit vergeht!“ so tönte es damals - auf dem Weg zur Einkehr in den Bannkreis der "Kulturkneipe Zwiebelfisch" am Savignyplatz - laut und gewichtig in das nächtliche Berliner Treiben hinein ...
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Freitag, 15. Juni 2018

Eine (erfolglose?) väterliche Belehrung ...

Ja, so war's zu vernehmen ...
Und das nachfolgend beschriebene Erlebnis hat sich bereits im letzten Jahr, im Monat September in Oudekerk, dem holländischen Städtchen an der Amstel abgespielt. -
Da mir der herzenswarme Bannkreis der Familie damals davon abgeraten hatte, diese Begebenheit je zu veröffentlichen, auch Takt und Seriosität wurden bedenklich angemahnt, habe ich daraufhin monatelang gezögert, das seinerzeit miterlebte Geschehen stillvergnügt auszuposaunen. -
"Homo sum: humani nil a me alienum puto - Ich bin ein Mensch: nichts Menschliches ist mir fremd", hat er einstmals lebensklug ausgerufen, der römische Dichter Publius Terentius, genannt Terenz ...
Und eingedenk dessen, will ich's nun doch nicht für mich behalten, das damalige Ereignis:
Wie bereits schon in vielen Jahren zuvor, waren wir wieder einmal mit der Motoryacht Popeye auf den holländischen Wasserstraßen unterwegs - und in der bereits oben erwähnten Ortschaft Oudekerk abends vor Anker gegangen. - Neben uns hatte ein deutsches Ehepaar mit einem Mietboot festgemacht. Als dort der etwa 10-jährige Sohn mit seinem Vater die Bootsleinen befestigte, stolperte der Knabe plötzlich über das straff gespannte Seil, fiel auf die Knie - und gab mit einem lauthals gerufenen "SCHEISSE!" sein schmerzhaftes Leiden zum Ausdruck. - Der am Uferrand stehende Vater blickte erstarrt nach oben - und mit einem drohend erhobenen Zeigefinger wurde der Filius mit den folgenden Worten sogleich zur Besinnung gebracht: "He! Jetzt hör' mir 'mal gut zu: Man sagt nie und nimmer Scheiße!! Beherzige das! Kapiert?" - "Ja - nee, warum?" stöhnte der Knabe schmerzbewegt auf. - "Warum? Fragst Du da ... Mein Gott, weil dann die ganze Bildung wohl deutlich vernehmbar im Arsch ist, Du taube Nuss!" wurde klarmachend kein Blatt vor den Mund genommen. -
Eine Brise kräuselte das Wasser des Flusses und die Sonne näherte sich immer näher dem Horizont ...
"Tja, da offenbart sich die bisher angereicherte Vielfalt der Ausdruckskraft nun auflodernd aus der Tiefe all der derzeit so lebensnah angereicherten väterlichen Empfindungen", murmelte Ulrike, während ich schmunzelnd zwei (stillose) Gläser mit einem (exquisiten) französischen Rotwein füllte. -
tot ziens ...
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