Sonntag, 8. Juli 2012

In "Schwulitäten" ...

autodynamisch - ?

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Der Kassandraruf der Schicksalskünder:
"Schon bald geht nun ein Traum zunichte,
das Auto wird zur Frühgeschichte!"
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Ach, keineswegs, nur nahezu:
Früh morgens, wie an vielenTagen, 
fährst du noch arglos mit dem Wagen ...
Doch bald darauf stockt der Verkehr,
mit der Bilanz: Da läuft nix mehr!
Nur Stop-and-Go auf langer Strecke, 
du blickst verstimmt zur Autodecke.
Dann fummelst du am Radio 'rum, 
doch der Verkehrsfunk bleibt g'rad stumm.
Schon machst du abseits dir Gedanken, 
die sich um's strenge Dasein ranken.
Vielleicht auch um laszive Sachen? - 
Da dröhnt von vorn ein dumpfes Krachen!
Nur kurz hast du nicht achtgegeben - 
und schon ging's scheppernd voll daneben:
Du bist, mit dem geliebten Schlitten, 
rums! auf den Vordermann geritten!
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Hernach, in unheilschwangerer Stille,
verfestigt sich in dir der Wille:
Du mußt dich jetzt, vor allen Dingen, 
so leicht beschämt zur Einsicht zwingen.
Ein Denkprozeß in groben Zügen ...
Da vorn ist jemand ausgestiegen!
Ein Muskelprotz Gestalt annimmt, 
der augenscheinlich leicht verstimmt
als Unheil naht, mit strammen Schritten ... 
Hat man nicht schon genug gelitten?
Was wird sich da in Bälde zeigen? 
Wozu mag dieses Mannsbild neigen?
Das wütend aus der Wäsche schaut -
und dir gleich auf die Fresse haut!
(Schon spürst du, daß sich die Gedanken, 
gleich um das Allerschlimmste ranken.)
Sei dir zunächst einmal im Klaren: 
Es gilt jetzt, das Gesicht zu wahren.
Auch wird es dir wohl kaum noch glücken, 
sich still und heimlich zu verdrücken.
So hockst du da, gerätst ins Schwitzen, 
bleibst angsterfüllt im Auto sitzen ...
Doch ist es seltsam dann verlaufen: 
Der Kraftmensch wollte gar nicht raufen.
Nein, lächelnd sucht er deine Nähe, 
beugt sich hinab auf Augenhöhe;
sagt, daß er's insgeheim schon wußte, 
wieso das jetzt passieren mußte!
Du solltest dich nicht töricht grämen, 
das würde nur's Befinden lähmen.
Verbündet sei man nun im Stau,
da wisse jedermann genau,
daß mancherlei geschehen kann - 
dabei schaut er dich sinnlich an. -
Dann streift er zärtlich deine Wange ... 
Jetzt wird dir wirklich angst und bange!
Und eilig, nun schon leicht verdrossen, 
hast du die Fahrertür verschlossen. -
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(Foto: Ulrike Schäfer)
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