Samstag, 12. Juli 2014

Immanuel Kant - in Wallung geraten ...

derart, daß er einst androhte verärgert davonzugehen ...

Vorab sei, zurückblickend und zudem auch informativ, übermütig ein wenig Schlüssellochguckerei im einstigen Wohnsitz des Philosophen im damaligen Königsberg betrieben:
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Eine über viele Jahre hinaus aufrechterhaltene, freundschaftlich gestimmte Verbundenheit, sie hatte einstmals auch einen ausdrucksvollen Briefwechsel hervorgerufen. - Und beachtenswert nicht nur das ...
Ein stichelndes „Sapere aude!" - Wage es, weise zu sein! Bzw.: "Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“, hatte Immanuel Kant in einem der Briefe noch scherzhaft hinzugefügt, als er die von Moses Mendelsohn im Jahre 1767 im Phädon* bedeutsam zur Sprache gebrachte Darlegung einer wohl doch zweifelsfrei „vernunftgemäß unabdingbaren Unsterblichkeit“ anscheinend mißbilligte - und infolgedessen zu widerlegen suchte.
„Mein Gott, dieser unermüdliche Alleszermalmer!“ soll er daraufhin kopfschüttelnd zum Ausdruck gebracht haben, der am 6. September, 1729 in Dessau zur Welt gekommene Philosoph und Ästhetiker Moses Mendelsohn.
„Er will es partout nicht wahrhaben wollen, starrköpfig in Abrede stellen! - Warum nur?“ soll Mendelsohn indigniert gemurmelt haben. „Ja, aber zehn Jahre lang schweigend herumdeuteln, um hernach mit dem unliebsamen und wohl kaum zu verwirklichenden Leitsatz, diesem Kategorischen Imperativ, so eigenwillig die Menschheit unter Druck setzen zu müssen!“ das habe er angeblich nörgelnd hinzugefügt, als er diese mißbilligende Bekundung damals brieflich gewahren mußte ... 
Beanstandend zu Papier gebracht von Immanuel Kant, dem am 12. Februar, 1724 in Königsberg geborenen Philosophen.
Einst heimisch geworden in einer Stadt, die er im Verlauf eines geistesmächtigen, zudem fast 80 Jahre bestehenden Erdendaseins nur hin und wieder in der Zeit von 1746 bis 1755 als Hauslehrer in ländlichen Regionen "unwillig verlassen hat". - 
„Nein-nein, das ist nicht ganz zutreffend!“ lassen uns die noch existierenden Notizen des Hausdieners Martin Lampe wissen. „Es ist Zeit!" so hätte er ihn, an einem Tag im Frühjahr 1765, wie immer früh morgens um 4.45 Uhr geweckt. "Ja, und urplötzlich sei dann sein Herr und Gebieter immerhin einhundertsiebenunddreißig Kilometer bis in die Nähe der russischen Grenze gereist, auf das einsam gelegene Gut des Generals Lossow, der ihn vor kurzem freundlicherweise eingeladen habe!“ -
Das und noch so einiges mehr, hat ja einstmals der vom ausgemusterten Soldaten hernach zum Hausdiener avancierte Martin Lampe in seinen Lebenserinnerungen vermerkt.
Ja, und unter anderem ist in diesen Aufzeichnungen auch noch notiert, daß der ihm stets wohlmeinend gesonnene Herr Kant einmal wutschnaubend bedrohlich geäußert habe: 
„Es sei wohl doch an der Zeit, nun der Stadt Königsberg enttäuscht Lebewohl sagen zu müssen!“
Aha, also doch!
"Warum - wieso?" das fragen sich viele bekannte Denker der philosophischen Wissenschaften nun schon seit Jahren ... **
Ja, möglicherweise geben die nachfolgenden Zeilen nun doch zutreffend darüber einen Aufschluß, was einstmals im Hause Kant so beunruhigend diese Abreisestimmung verursacht haben könnte:
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Vor über zweimal hundert Jahren, lagen sie sich in den Haaren:
Die Mutter etwas schneidend grell, gekränkt durch Sohn Immanuel ...
„Zehn Jahre hab’ ich nun geschwiegen, dies auch zum Thema Stubenfliegen“,
rief, als der Gelehrte Kant, jüngst eine in der Suppe fand ...
„Denn diese Art von Beigemenge, stimmt mißvergnügt, in aller Strenge!
Bis eben hab’ ich ‘rumgefummelt, doch dieses Mistvieh hier, es tummelt
sich quietschvergnügt auf meinem Teller - 
nun mach doch ‘mal die Lampe heller!
Vernunftbetont läßt’s sich erfassen: ich muß den Fraß wohl stehenlassen!
Ob Intention und Urteilskraft, das Übel aus der Suppe schafft,
ist leider nicht mehr zu beweisen, denn morgen werde ich verreisen!
Hinzukommt, daß ich diese Bürde: Die Wirklichkeit zeigt keine Würde,
nicht länger noch ertragen mag: Lebt wohl, Frau Mutter. - Guten Tag!“ 
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„Bitte, mein Lieber! - Nun sei er doch jetzt einmal durchaus vernunftgemäß zugänglich. - Was glaubt er denn damit letztendlich erreichen zu wollen?“ hat spür- und sichtbar beunruhigt, die stets warmherzig einfühlsam anteilnehmende Mutter Anna Regina den Sohn Immanuel nun besorgt um Aufschluß gebeten.
Dem Vernehmen nach soll der Immanuel daraufhin minutenlang schweigsam dagesessen sein.- 
Um jedoch gleich darauf abwinkend hinzuzufügen: „Ach, mein noch immer geliebtes Mütterlein! Was die Vernunft oftmals erkennt und was der Glaube zuweilen so hoffnungsvoll zu erfassen sucht, das sind zwei grundsätzlich verschiedene Dinge!“ -
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Einige Tage später, als der Immanuel noch auf dem Gut des Generals Lossow zu Gast war - also aushäusig verweilte -, war dann in Königsberg, im Hause Kant, bedeutsam die folgende Beredsamkeit zur Sprache gebracht worden:
„Nun, auch in solch einer vertrackten Situation sollte man sich der Zurechnungsfähigkeit aller Handlungen bewußt werden! Zudem ist’s wieder einmal auffällig geworden und somit undenkbar, daß er sie jemals verdrängen kann, diese den Geist der Aufklärung atmenden Worte!“ das soll gerüchtweise der Moses Mendelsohn ermuntern wollend gesagt haben, als er einige Tage in Königsberg weilte, und die alte Dame ihm ratlos dreinblickend ausführlich über die vor kurzem erlebte Disharmonie berichtet hatte.
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Damals - zugespitzt auflodernd im Hause Kant ...
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(* 1767 veröffentlichte Mendelsohn, der deutsche Sokrates, "Phädon oder die Unsterblichkeit der Seele", ein seinerzeit in 10 Sprachen übersetztes, gern- und vielgelesenes Schriftwerk. - 
Inhaltlich ist's eine lehrreiche Veranschaulichung des platonischen Dialogs "Phaidon".)
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(** erwartungsvoll auch der deutsch-französische Ersatzphilosoph Arsinoe - und der geschichtswissenschaftlich anhaltend neugierige Gavrilos auf der griechischen Insel Samos.)
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