Sonntag, 13. September 2020

Der Poet Joachim Ringelnatz - einstmals auch als "Kuttel Daddeldu" namhaft geworden ...

Nun denn:
Ringelnatz - und ein "Einblick" in einige seiner Gedichte,
in die heiteren, die besinnlichen - und wohl auch recht freizügigen. -

Als da derzeit gereimt worden war:
"Ein kerniges Hamburger Weibsbild besucht -
und über die lästigen Folgen geflucht!"

Des Weiteren:
"Da sei doch, wie er es untrüglich glaube:
Ein Nagel verliebt in eine Schraube".
In diesem Zusammenhang habe ich die nachfolgenden Verse liebevoll neubelebt und eigenmächtig zum Ausdruck gegeben:
"Und seit Tagen habe er's schon belauscht,
wie der sich am Anblick der Schraube berauscht.
So lüsternen Blicks ihr Gepräge anstierte -
und neidvoll erregt das Gewinde fixierte.
Die Schraube schien aber mitnichten bereit,
ihr Ausdruck war Leidenschaftslosigkeit.
Und solch ein Gebaren verdeutlichte ihm:
Wir beide werden wohl niemals intim.
Blasiert und gefühllos entfernte sie sich,
ließ stahlhart den lüsternen Nagel im Stich.
Er, der die Leiden der Liebe gekostet,
ist bald darauf voller Kummer verrostet.
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Joachim Ringelnatz, Poet - und hier wohl auch mit einem "Erkenntnisdrang" zugegen ... 
Somit derzeit mit einer fast schon wissenschaftlich zu wertenden Erkenntnis: 
Denn recht bedeutungsvoll war's, als er 'mal beschrieb:
"Das Entscheidende sind ja die Löcher im Sieb!"
Nun ja, auch das sei noch erheiternd beigefügt:
"Da ging einst im Bett eine Wanze,
bei 'nem älteren Herrn gleich aufs Ganze!"
Und:
"Im Bereich der Erkenntnis erhellt sich auch das:
Selbst Vegetarier beißen nur ungern ins Gras!"
Verzweifelt:
"Ein Meerschweinchen rannte nervös hin und her,
instinktiv mit der Frage: Wo ist denn das Meer?"
Festlich gemeint:
"Wenn der Osterhase wieder da hinten presst,
dann ist es im Anmarsch, das Osterfest!"
Daddelduristisch:
"Saß auf 'ner Bank 'ne alte Schrulle,
die so etwa sechzehn war.
In der Hand 'ne Butterstulle,
die mit Schmalz bestrichen war."
Und nun der "Kuttel" so höchstpersönlich:
"Einst war ich verliebt, in eine Maid in Berlin.
Die Liebe war aufrichtig, wie's mir erschien.
Und darum wollte ich ihr - ohne Bedenken -
eine Kachel aus meinem Ofen schenken."
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Joachim Ringelnatz: Seemann, Artist und Poet.
1934 im Alter von einundfünfzig Jahren verstorben.
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