Dienstag, 8. September 2020

Lüstern - und so wollüstig ergriffen - ?

"Oha, da hätten wir dann ja `mal einen homo impudicus in all seiner ausdrucksvollen inneren Aufruhr recht deutlich vor Augen!" horchte nun augenzwinkernd unser Chefredakteur offenbar erwartungsvoll auf, als wir neulich mitteilungsbedürftig begonnen hatten, ihm von einer unlängst schriftlich bezeugten Begebenheit zu berichten.
Ein "Homo impudicus"? Der so genannte "Lustmolch" war damit gemeint, wurde uns späterhin klar, als wir aufgeregt blätternd im Lexikon nachschauten. -
"Ja-ja, das ist absolut druckreif, astrein als eine gute Story - oberaffengeil!" hatte er im Laufe unserer Schilderung noch etwas unprätentiös hinzugefügt, als wir ihn dann noch Einblick in diesen handgeschriebenen Beleg lasziven Begehrens gewähren ließen ...
Folgendes durfte er dann schmunzelnd zur Kenntnis nehmen:
-
Ach Mutzi-Putzi ...
Aus meinem Auge rinnt die Träne, nur deinetwegen, Anna-Lene!
Ja, vorgestern lief alles schief, d'rum melde ich mich jetzt per Brief.
Und frage mich auch währenddessen:
Hast Du es wirklich schon vergessen, daß jüngst noch unser beider Streben,
bald wild und hemmungslos zu leben verschworen obenan gestanden?
Weil wir uns so sympathisch fanden! - 
So gleichgestimmt in Dur und Moll ...
Hast Du bereits die Schnauze voll?
Das frag' ich mich in meiner Bleibe, in der ich diese Zeilen schreibe.
Erst neulich hab' ich stumm gelitten, als wir dort auf dem Markt inmitten
dieser tumben Rentner standen; die Dein Erscheinen sexy fanden.
Schatz, mit Deinen achtzig Jahren, hast Du's doch schon oft erfahren,
daß jetzt, im Frühlingsflug der Pollen, ja alle nur das eine wollen ...
Bedenke das!
Gemahnt Dein Schnurli-Burli.
-
"Okay, aber was habt ihr denn wieder einmal angestellt, um diese lüstern vom Stapel gelassene Zügellosigkeit dann letztendlich so informativ zu ergattern?" wollte unser Chefredakteur hernach Verdacht schöpfend wissen.
"Ach, nichts von einem finanziellen Belang, es war keine derartige Einflußnahme! - Wir haben uns dort nur wohlüberlegt einige Informationen beschafft."
"Aha! Wo das denn?" horchte er sensationslüstern auf.
"In einem Seniorenheim ..."
"Wie bitte? Im Altersheim? - Was ist Euch denn dort widerfahren?" horchte er sichtbar verblüfft auf.
"Als wir daselbst einige Erkundigungen einziehen wollten, hat man uns kurz und bündig erklärt, daß: Die höheren Grade im Bereich dieser senilen Demenz in der Mehrzahl der Fälle nur zu Verwirrtheitszuständen und unsinnigen Handlungen führen - so wurde es anmaßend dargestellt, als wir uns in diesem offenbar puritanisch geführten Altenheim nach einem einundneunzigjährigen Herrn, dem Verfasser dieser lüsternen Zeilen erkundigten. - Ja, und derart aufdringlich umworben wurde damit eine Dame gesegneten Alters. -
Entrüstet aufblickend, erzählte sie uns später, daß sie dem sexhungrigen Opa demnächst ..."
"Demnächst? - Das heißt ja doch wohl, daß wir in Bälde bestimmt noch so einiges sensationell auflagensteigernd gewärtigen dürfen!" brach es euphorisch aus unserem Chefredakteur heraus.
"Möglicherweise", pflichtete mein Kollege ihm bei. - Um dann jedoch grinsend noch anzüglich hinzuzufügen: "Wo fast schon die Gebeine modern, scheint Sinnenlust erneut zu lodern".
Nachsichtig die Blicke gen Himmel gerichtet, sah man uns daraufhin erst einmal schweigsam dahocken ...
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***

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