Montag, 9. April 2012

PARIS: Einstmals zu Gast bei Gertrude Stein und Alice B.Toklas:

In den Abendstunden - in der rue de fleurus -
dort war dereinst folgendes recht unverblümt zutage getreten:
"Nun ja, es ist wie es ist: Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose“, rief Madame abschließend noch hinein, in die um sie herum im Bannkreis der Künste wieder einmal versammelte Runde.
"Charakterpflanze", murmelte daraufhin grinsend der am Kaminfeuer gelangweilt ausharrende Lyriker Tristan Tzara.
Oui, angeblich verfälscht, da laut werdend umgebildet (lt. Wilhelm Uhde), ist diese Bekundung ja späterhin weltweit beinahe zu einer Art Lebensweisheit gediehen. - 
Und diesbezüglich erinnern wir uns an die ab 1903 zumeist in Paris lebende amerikanische Autorin und Kunstsammlerin Getrude Stein.
Ein stets schöngeistig empfindender Kreis der damaligen künstlerischen Avantgarde umgab sie zuhauf, die mit ihrer Lebensgefährtin Alice B. Toklas in der Rue de Fleurus 27 so kontaktfreudig residierende Kunstverbündete: Ernest Hemingway, James Joyce, Jean Cocteau, Pablo Picasso, T.S. Eliot, George Braque, Maurice de Vlaminck, Juan Gris, Sherwood Andersen, Francis Picabia - und andere Persönlichkeiten des damaligen Zeitgeschehens waren dort oftmals zugegen. -
-
Unter den Deutschen, die in die Rue de Fleurus kamen, ist auch der Kunstschriftsteller Wilhelm Uhde zu nennen. „Dessen Lebenswandel nicht unbedingt immer als gutbürgerlich zu bezeichnen sei“, als solchermaßen "unzivilisiert" verlebendigte Madame Toklas damals die Art und Weise des Bohemiens Uhde, sich in der Öffentlichkeit zu personifizieren - allerdings verständnisvoll schmunzelnd ...
-
Nun einmal zutreffender zurückblickend, wie wohl auch entmystifizierend einwirken wollen auf eine blumig verfälscht publik gewordene Offenbarung mag es ein vielversprechender Anlaß sein, jetzt einen beachtenswerten Augenblick bei der zuletzt genannten Person zu verbleiben: dem aus Deutschland stammenden Enfant terrible Wilhelm Uhde. - 
„Oui, ein großer, magerer Mensch, mit einer hohen Stirn und einem flinken Geist“, so hat ihn Madame Alice B. Toklas vor Jahr und Tag einmal hochragend charakterisiert. -
Immerhin war Wilhelm Uhde der erste dem es erfolgreich gelang, die so irreal-märchenhaft, kurzum naiv und treuherzig gemalten Schöpfungen des ehemaligen Zöllners Henri Rousseau alsbald visionär in den oftmals recht unzugänglichen Kunsthandel zu geleiten. 
Der Wilhelm Uhde ... Oui, mit ihm, einschließlich seiner sich zeitlebens phantasievoll einfindenden Individualität, nun noch einmal nacherlebend zurück zum Wahlspruch der kunstsinnigen Madame Gertrude Stein:
Angeblich geschah es an einem Nachmittag im April des Jahres 1928 ...
Uhde war wieder einmal daseinsfreudig zu Gast in der Rue de Fleurus 27.
Zu vorgerückter Stunde noch immer redselig beisammen, hatten Alice und Gertrude um mitreden zu können beschlossen, sogleich in der Wohnung des Wilhelm Uhde noch eine Ausstellung naiver Malerei erwartungsvoll in einen näheren Augenschein zu nehmen.
Eh bien ...
Bald darauf standen Gertrude und Wilhelm nun abwartend im unteren Bereich des Hauses in der Rue de Fleurus; weil die stets etwas wankelmütig in Erscheinung tretende Alice B. Toklas noch immer in ihrem Kleiderschrank hörbar verzweifelt nach einem passenden Beinkleid für dieses bedeutsame Kulturereignis suchte.
Den weinerlich gemurmelten, unten nicht zu verstehenden Worten konnte man aber entnehmen, daß Madame bei der endlosen Suche offenbar nicht sehr erfolgreich war ...
Bis hin zu dem Zeitpunkt, da Gertrude, schon spürbar verstimmt, dann mit lauter Stimme zum Ausdruck gebracht haben soll:
„Ma Chéri, il est déjà tard! (es ist schon spät!) Wie lange dauert das denn da oben noch? Mon dieu!  -
Eine Hose ist eine Hose ist eine Hose * - merde, maudit!“ -
-
(* Eine Tautologie, zu verdeutlichen als: Die Dinge sind, wenn sie sind. Zum Beispiel: Spiel ist Spiel. - Wurst ist Wurst. - Schwachsinn ist Schwachsinn - u.s.w. -)
-
Derart belustigend und wohl auch aufschlußreich, hat es dereinst (so wurde es nachweislich beteuert) der sich an all das vermutlich stillvergnügt oftmals erinnernde Kunstschriftsteller Wilhelm Uhde in handgeschriebenen Notizen nochmals lebendig werden lassen. -
-
Oui: "Il faut de tout pour faire un monde" . - Die Welt besteht aus Allem und Jedem, - das besagt schon ein altes französisches Sprichwort.
-
***

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen