Dienstag, 3. September 2013

Der Hund und "sein" Floh ...

"Ach ja, wie hilfreich wäre es sicherlich, wen er mich nicht nur verstehen, sondern auch mit mir reden könnte!" rief sie mir zu, meine neulich ratlos dastehende Nachbarin. "Dann würde ich letztendlich wohl bald auch herausfinden, was den lieben Bonzo derzeit so erbarmungswürdig bedrückt", fügte sie dann noch aufseufzend hinzu.
Ganz offensichtlich war damit ihr gepeinigt umhertapsender - und daher trübsinnig dreinschauender Hund gemeint ...
In der Tat. - Und da nachbarschaftliche Hilfeleistungen in unserem Dörfchen seit Jahrhunderten immer noch selbstverständlich sind, mußte ich mich hier nun sofort als nützlich erweisen, dessen war ich mir durchaus bewußt:
Nachdem ich einige Minuten unabgelenkt und hochkonzentriert die leidende Kreatur im Auge behalten hatte, war ich mir absolut sicher, denn ich hatte ihn tatsächlich husten gehört! Infolgedessen wollte ich's der alten, beunruhigt dastehenden Dame feinsinnig aufklärend deutlich machen:
"Man sieht es doch, ihr stolzer Recke, liegt mißvergnügt auf seiner Decke.
Der Grund für die Verdrießlichkeit, lebt quietschvergnügt im Hundekleid!
Und dort, vom Rücken bis zum Po, quält garstig ihn ein Hunde-Floh."
"O Gott! - Da muß ich jetzt aber ...", stöhnte Frau Nachbarin auf.
"Pst! Bitte schweigen Sie erst einmal", unterbrach ich sie zutiefst beeindruckt, denn ich hatte da - sage und schreibe! - soeben ein wütendes Geraune vernommen:
"Komm zeig dich endlich, sei ein Mann! - so knurrt Ihr Hund den Quälgeist an", teilte ich's der Nachbarin erstaunt und aufgewühlt mit. "Für diesen Juckreiz und dein Beißen, werd' ich dich in der Luft zerreißen! - hat Bonzo soeben knurrend hinzugefügt", verdeutlichte ich der alten Dame wortgetreu weiterhin diese tierisch folternde Heimsuchung.
"Ja, liebes Hundchen! Laß dir das nicht gefallen; mach ihn kalt, bring ihn zur Strecke!" brach es beinahe unbarmherzig aus der Frau Nachbarin heraus.
"Halt! Ich bitte erneut um Ruhe. Denn soeben hat sich überraschenderweise der Floh zu Wort gemeldet! - Mir scheint, der ist zutiefst erschrocken. Doch lispelt er sogleich recht trocken:"
"Dann tötest du, hast du den Mut? Letztendlich doch dein eigen Blut!
Ich liebe dich und will's vergessen, - es ist wohl auch kaum angemessen,
wie herzlos du zu mir gesprochen. Das trifft mich tief, bis auf die Knochen!
Daß ich nicht lache, alter Junge, - mir liegt da etwas auf der Zunge:
Treibt dir vielleicht mein zartes Saugen, 
vor Schmerz gleich Tränen in die Augen?
Beginnt, nach diesem kleinen Tropfen, nun ungestüm dein Herz zu klopfen?
Okay, dann bin ich gern bereit, zur Einschränkung per Kurzarbeit.
In jeder Woche, an zwei Tagen, wirst du mich hoffentlich ertragen!
Das muß dann für uns beide reichen, 
sonst kannst du unsere Freundschaft streichen!
Dann steig' ich aus, aus unserem Bunde, - 
es gibt da auch noch andere Hunde!"
"Tja, auch wenn es Ihnen nun beinahe unglaublich - vielleicht sogar als exzentrisch erscheint - aber der Floh hat das dem leidenden Bonzo soeben unmißverständlich zugeraunt!" gab ich der Nachbarin Auskunft über das schmerzhafte Martyrium ihres geliebten Vierbeiners.
Anscheinend trotz allem schon etwas beruhigt, ist die alte Dame dann gleich in die Küche geschlurft - und hat uns schon bald darauf einen echten Bohnenkaffee herbeigezaubert ...
Beiläufig erlebte Annehmlichkeiten, wie sie wohl nunmehr nur noch in all den ländlichen Regionen zu gewahren sind.
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