Dienstag, 28. Juli 2015

Sie erinnern sich? An Harald Juhnke ...

Berlin, im März 1989: Nach einer Ausstellungseröffnung - in distinguierten Kreisen spricht man da allerdings stets vom Besuch einer Vernissage -, landeten wir (Ulrike, der Rolf und ich) dann noch in einer oftmals von Prominenten besuchten Bar in der Kantstraße. - Folglich war's schon vorherbestimmt, daß dort auch an diesem Abend einige bedeutungsvolle Personen zugegen sein würden. - Wahrhaftig: Nebeneinander auf den Barhockern an der Theke sitzend, präsentierten sich in einem redseligen Miteinander hier die Schauspieler Harald Juhnke und Claus Jürgen Wussow; anscheinend vertieft in das zu Ende bringen einer vermeintlichen Unbeholfenheit ...
Im durchaus wohlmeinenden Angedenken an die inzwischen verblichenen Mimen, möchte ich das damals miterlebte Ereignis hier noch einmal dichterisch frei zur Sprache bringen:
Der C. J. Wussow beobachtet schon leicht beunruhigt, wie sich der Harald Juhnke ergebnislos abmüht, die im Glas mit Alkohol liegende Olive hervorzuholen. - Hilfreich gesonnen, spricht er ihn gleich darauf kameradschaftlich an:
"Wir sitzen hier, in dieser Runde, 
wohl schon seit einer guten Stunde.
Du mit dem Cocktail, ich beim Klaren.
Da sehe ich nun Dein Gebaren, 
die Olive aufzupicken!
Und das scheint ständig zu mißglücken? -
Darf ich da 'mal behilflich sein? 
Du stichst das Ding ja kurz und klein!"
Und ohne zu zögern, rupft er dem schmunzelnd dasitzenden Juhnke den Zahnstocher aus der Hand und pickt das Hölzchen schwungvoll gezielt in die Olive hinein:
"Gib acht, mein Freund! 
So macht man das, und grapscht das Früchtchen aus dem Glas!"
fügt er, selbstsicher auf die Sprünge helfend, hinzu.
Juhnke, der ihm bisher amüsiert dabei zugeschaut hatte, war dann um keine Antwort verlegen. Getreu dem in solchen Situationen gewohnheitsmäßigen Sprachgebrauch, ließ er auflachend vom Stapel:
"Na watt'n Witz, nun kann det jeder! - 
So zieh ick och so'n Gag vom Leder! - 
Keen Wunder, Mann, det looft nun sachte, 
weil ick det Ding schon müde machte!" -
"Zweifelsfrei - und wohl auch sehr stichhaltig!" bekundete der in Hörweite sitzende Schriftsteller Cees Noteboom noch unverzüglich diese durchaus beeindruckende Folgerichtigkeit.
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Hernach ...
"Felix qui potuit rerum cognoscere causas" - (Glücklich, wenn es gelang, den Grund der Dinge zu erkennen), murmelte mein Freund, der Maler und Gipser Rolf-Wilhelm Fässer, den Dichter-Kollegen Vergil laut werden lassend, als wir dann bald darauf gemeinsam in Richtung "Zwiebelfisch" am Savignyplatz lustwandelten.
Damals, im einstigen Zentrum der Weltmetropole Berlin.
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