Dienstag, 2. Juni 2020

FERNSEHEN derzeit: Die "Bildschirmwelt", so rundum fragwürdig mit all dieser aufgeputzt geltungsbedürftigen Selbstbeweihräucherung:

Sich oftmals ins Bild setzend als eine zweifelhafte "Prominenz" im TV ...
Da zeigt man sich gern so ganz und gar anbetungswürdig, als "Star" oder bisher so spürbar als ein sich recht geistesarm aufplusterndes "Sternchen" ...
Quotengenötigt von einer der Fernsehanstalten eingeladen, setzt man sich dummstolz in Positur und zudem schwatzlüstern in Szene, berauscht von der selbstgefälligen Apotheose eines sich dort so inniglich offenbarenden unvergleichlichen Ichs.
Der Wolfgang Herles hat es einmal derartig charakterisiert: "Primitives wurde gesellschaftsfähig. Mit den größenwahnsinnigen Gesangsnieten, geistlosen Comedians, nebst peinlichen Expromis, sie alle tragen ihr Elend jetzt via Fernsehen zu Markte. Dort schafft es inzwischen jeder Quoten-bedingt auftauchende Depp zum Star für ein paar Sendeminuten!"
Nun denn: "Prominenz", die lateinische Benennung für hervorragende Persönlichkeiten, sowohl auch für all die zumeist selbstverliebt und geltungsbedürftig in Erscheinung tretenden Möchtegern-Berühmtheiten, nebst eines oftmals nicht spurlos zu verhindernden arrogantia et inscius ...
Tja, Arroganz ist, so sei's einmal schnippisch zu spüren gegeben, wohl gar nicht 'mal selten auch als "die Perücke geistiger Kahlheit" zu gewahren. -
"Ach, vermutlich fragt sich manch einer von Ihnen späterhin oftmals kopfschüttelnd, wie man vorab ein einigermaßen annehmbares Dasein denn überhaupt bewältigen konnte?" dermaßen bespöttelte neulich ein bekannter (prominenter) Satiriker einige der anwesenden Stars und Sternchen in einer sogenannten Talkshow. - "Nun hat sich ja alles paradiesisch vergoldet - und Sie haben doch gewiß schon ein über Ihr nunmehr so unvergleichbar schillerndes Vorhandensein Auskunft gebendes Buch dabei, also anheischig machen wollend hier in Bereitschaft!" brach es mißbilligend aus ihm heraus.
Das hatten sie selbstverständlich eilfertig parat ...
(Wie oftmals, dank eines professionellen Ghostwriters.)
Zugegen im lustvollen Miteinander der Selbstbeweihräucherung. 
"Ja, da lobt man sich, gesund und munter, stets einen nach dem anderen runter!" so hat es der Autor und Kabarettist Wolfgang Nitschke handfest und ausdrucksvoll gekennzeichnet.
Ach Wolfgang, es sei mir erlaubt, noch etwas - so mittendrin - als zutreffend hinzuzufügen: Da fragt doch so ein "Möchtegern" neulich einen Anwalt: "Dieser Nitschke, der beschreibt dort, in seiner Schundliteratur ganz hemmungslos wie WIR angeblich leibhaftig sind! Ja, darf der denn das?"- 
Der Anwalt schaut ihn daraufhin mitleidlos an - und antwortet dann zurückhaltend schmunzelnd: "Nemo ante mortem beatus!* Gute Nacht". 
 (* Niemand ist vor dem Tode glücklich!) -
Tja:          
"De nihilo nihil" (Aus nichts wird nichts). -  Nur ein "Nichts", in Anbetracht einer geistlosen Darbietung all dessen ...
Der Wolfgang Nitschke, er hat es einmal so zutreffend und fast schon beschwörend auf eine simplifizierte Art und Weise zum Ausdruck gebracht:
"Wenn das Pferd tot ist - steig ab!"
Was zur Zeit sicherlich nicht, infolge der finanzkräftigen Zuwendungen unserer Quoten abhängigen TV-Anstalten, zu erwarten sein kann.
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Wohingegen das unaufdringlich geartete Verhalten einiger (nur wenige) - der ebenfalls in Gunst und Geneigtheit stehenden Persönlichkeiten -, erfreulicherweise all das so wichtigtuerische Gefasel hin und wieder beachtenswert ausbalancieren; offenbar ganz unbelastet von dieser Selbstverliebtheit, gefallsüchtig solch ein "unendliches Ich" (Robert Gernhardt) derart überbetont der Öffentlichkeit anpreisen zu müssen.    
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Fast schon ein wenig befürwortend, so hat's der französische Philosoph Voltaire wohl dereinst schon recht zutreffend zum Ausdruck gegeben: "Die Eigenliebe ist das Instrument der Selbsterhaltung".
Und gleichbedeutend sei darum hier noch apostelhaft hinzugefügt: Selig sind die "Armen im Geiste"*, denn ihrer ist jetzt schon auf Erden das Himmelreich.- (*zunehmend!)
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Nota bene:
Der französische Kunstkritiker Octave Mirbeau philosophierte in diesem Zusammenhang einmal über eine Art "selbstgefällige Unfähigkeit".
Und:
In seinem Buch "Seichtgebiete" gibt der Autor Michael Jürgs auch einen tiefschürfenden Einblick in das geistesarme Beisammensein "der Eitelkeit" inmitten all dieser "prominenten Nullnummern". -
"In einer hemmungslosen Verblödungsmaschine Television, die tagtäglich läuft und läuft!" Wie er es einmal recht zutreffend beschrieben hat ...
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Noch etwas kommt da nachdenklich stimmend hinzu:
In neuzeitlichen Talkshows wird uns ein Sprachverhau zugemutet, der an Flauberts Behauptung zweifeln läßt, dass "die Sprache das erste Genie eines Volkes ist", kritisierte einst Andreas Altmann das dargebotene Formulierungsgeschick in der TV-Manege Geltungssucht-Striptease.
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Und in dieser Verquickung all dessen, da bleibt mir nun doch in Erinnerung, daß mein Patenonkel seinerzeit einmal kopfschüttelnd zu spüren gegeben hat: "Mein Gott! Diese ungebildete Vielfalt!" Um dann noch schmunzelnd hinzuzufügen: "Nun ja, wenn die Sonne der Kultur niedrig steht, dann werfen selbst Zwerge lange Schatten." - 
(Das hatte er - so zutreffend - von Karl Kraus "ausgeliehen".) -
Als wir in den Abendstunden mit einem Glas Wein dann wieder beisammen hockten, da war er nun hinsichtlich dessen offenbar noch immer recht aufgebracht zugegen. Denn bald darauf meldete er sich tadelnd zu Wort: "Dieses geistesschwache Auftreten der Selbstherrlichkeit!" -
"Leibhaftig", stimmte ich zu. Und in Anbetracht dessen denke ich da an den römischen Satiredichter JUVENAL, der ja einmal nachdrücklich gesagt hat: "schwer ist es, keine Satire zu schreiben!"
"Ja-ja: defficile est, satiram non scribere. - Und das ist Dir, wie ich's soeben gelesen habe, wohl wieder einmal so tiefgründig zupaß gewesen", brachte ER's fast kumpelhaft zum Ausdruck. -
Gleichgesinnt damals - bedauerlicherweise ist ER nicht mehr "zugegen"...
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Der französische Philosoph André Glucksmann, er sprach in diesem Zusammenhang einmal sehr aufschlussreich über das Diktat einer Quote, so auch von der dort nun tagtäglich gezielt und wohlweislich in Szene gesetzten "Macht einer (derzeit Quoten-benötigten) Dummheit" ...
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