Samstag, 30. Oktober 2021

Ich, als "ein Knabe im Frühling des Lebens":

An sich mit der Spannkraft und dem Tatendrang im Jugendalter ...
Doch diesbezüglich übertrumpfte mich damals meine 70-jährige Großmutter, liebevoll schlicht als "OMA" benannt. -
Uns allen ist sie vermutlich bekannt, die ursprünglich als "ellekonge" benannte dänische Ballade der "Elfenkönig". Diese damals zum Ausdruck gegebene Dichtkunst, sie wurde dann zu einem späteren Zeitpunkt von Johann Wolfgang von Goethe - als "Erlkönig" benannt - und somit auch bei uns in Deutschland oftmals "in aller Munde". 
Nun ja:
Die nachfolgende "Veranschaulichung dessen", die habe ich textlich ein wenig "mißbraucht" - nein so "achtungsgebietend in Anspruch genommen" ...
In diesem "Erlebnisbericht" kommt auch ein altes Gefährt zur Geltung, ein in unserer riesigen Scheune gefundenes Motorrad. Von mir - damals fünfzehn Jahre alt - mühsam wieder fahrbereit zusammen-gebastelt. Ich nannte es liebevoll "Mofa". - In den "Nachkriegs-Jahren gab es in unserem "Dörfchen" ja noch keine Polizei-Präsenz. -
Nachfolgend nun diese dem "Erlkönig vergleichbare" Begebenheit in der Zeit meiner Jugend:
     Da rast sie vergnügt durch das nächtliche Moor.
     Es ist meine Oma! - Was hat sie jetzt vor?
     Zuhinterst sitz' ich, als der hilflose Enkel.
     Sie ruft: "Halt Dich fest! Geh' mir nicht auf den Senkel."
     Das Mofa ist mein, und d'rum bin ich sauer.
     Nun fängt's an zu regnen, ein bedrohlicher Schauer.
     "Mein Sohn, was birgst Du so bang Dein Gesicht?"
     "Siehst Oma, Du die Kurve da nicht?
     Und in meinem Antlitz die tödliche Blässe!"
     "Ach Söhnchen, halt's Maul, sonst gibt's auf die Fresse!"
     "Mensch Oma, da vorn der König der Erlen!"
     "Ich seh' nix, es ist schon ein Kreuz mit euch Kerlen."
     "Oma, fahr' langsam, da naht eine Pfütze.
     Du verlierst die Balance - und ich meine Mütze!" 
     "Jetzt reiß Dich zusammen - und hör' auf zu plärren!
     Und schwachmütig an mir herumzuzerren."
     "He, Oma, gib acht! Denn siehst Du nicht dort,
     den Nebel, den Schmodder an düsterem Ort?"
     "Klaro, mein Söhnchen, ich seh' das genau,
     nur zeigt's sich mir reizvoll - ich bin etwas blau."
     O Gott, auch das noch! Ich halt's nicht mehr aus.
     "Oma, mach kehrt! - Du formst Dich zum Graus."
     Doch sie dreht sich um, ihre Stimme eiskalt:
     "Wenn Du bist nicht willig, dann setzt es Gewalt!"
     Und schon gibt sie Vollgas, rast wild durch die Nacht.
     Nimmt keinerlei Rücksicht, genießt nur und lacht.
     Erreicht unseren Hof dann mit Mühe und Not -
     ich rutsch' hinten 'runter, vor Angst schon halbtot ...
"Ach Söhnchen, wart's ab! Denn alsbald wird eine Kraft von mir ausgehen, die Dich schleunigst wieder beleben wird!" hat sie mir zugeraunt, als ich hernach unsicheren Schrittes ins Haus stolperte.
"Nee, Oma, laß' gut sein. - Du schwafelst im Tran, noch voll des süßen Weines!" fuhr ich sie daraufhin tadelnd an. -
"Mit Freuden, mein Milchbart. - Trunken sollten wir alle sein. Jugend ist Trunkenheit noch ohne den Wein. Trinkt sich das Alter dann wieder zur Jugend, so ist das wohl reizvoll, wird traumhaft zur Tugend!" gab sie mir zu verstehen - meine noch immer verschmitzt dreinblickende Oma. -
Nun bist du ja leider - einschließlich dieser oftmals bewundernswerten Multikultur -, seit langem verblichen - dahin, in einem unergründlichen himmlischen Abseits.
Doch Du bleibst mir - "trotz allem" - als stets so "begeisterungsfähig" liebevoll in der Erinnerung.
-
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