Sonntag, 22. Mai 2022

Betrunkenheit - so folgenschwer ...

Und geisterhaft beängstigend - für den Schriftsteller EDGAR ALLEN POE.
Als ein "bedrohliches, spukhaftes Pochen". so hatte er es - dereinst literarisch seid Stunden vertieft in seiner Bücherstube noch "unerklärlich vernommen". - 
Er, der oftmals als ein "Virtuose des Grauens" und auch als "Meister-Poet der Horror-Visionen" sich ja "diesbezüglich zumeist schreibend verwirklicht hatte" - und nun "letztendlich das" ...
Zugleich jedoch ablehnend auch als der "Typus des Quartalssäufers", so wurde er einstmals charakterisiert. -
 "Oui, seine Persönlichkeit war gewiß einzigartig - und in einer wohl undefinierbaren Wesensart mitMelancholie gezeichnet", so beschrieb der französische Dichter Charles Baudelaire dereinst diesen amerikanischen Poeten. - Baudelaire, der als ein Lyriker von höchstem Formgefühl und äußerster Sensibilität - wir erinnern uns an das Buch: "Les Fleurs du mal" - "Die Blumen des Bösen", seinerzeit bereits bedeutungsvoll Achtung genießen durfte, er war bis zu diesem als "selbstzerstörerisch" bezeichneten Ableben (am 7. Oktober 1849) mit ihm in einer Freundschaft verbunden. -  
"Mon dieu! So unglückselig dahingerafft durch ein Delirium Tremens, so hatte Baudelaire das Hinscheiden aufseufzend zur Kenntnis genommen.    
"Of course: Auf keinen, der bereits vor dem Frühstück Alkohol trinkt, ist dann leider auch hinfort Verlaß!" hatte es Thomas W. White, der Herausgeber der Zeitschrift Southern Literary Messenger kritisierend bemängelt. -  
Die nachfolgenden Zeilen sind eine Analogie zum von Edgar Allen Poe dereinst geformten Gedicht "Der Rabe"; Ein mysteriöser, mitternächtlicher Besuch "zeigt sich da" spukhaft und furchterregend dem beunruhigend aufhorchenden Schriftsteller: 
Im derzeitigen Geschehen - so:
Spät abends - wie zumeist ja immer, 
saß ER in seinem Bücherzimmer ...
Gezielt, zum wonnigen Vergessen, war Alkohol oft "angemessen".  
Und einstmals, etwas "angetrunken", gebannt in Literatur versunken, 
so buchvertieft in stiller Bleibe, klopft es dann an die Fensterscheibe! 
"Wer kann das sein? Wer will da stören?"  
Hernach herrscht Ruhe, nichts zu hören ...   
 „Was geht da vor? Wer - warum - ? treibt sich vor meinem Fenster ‘rum?
Und wer bezeigt, um diese Zeit, derartig Unverfrorenheit?
Mein Gott! Ich sehe schon Gespenster“, 
das murmelt er, mit Blick zum Fenster.
„Jedoch ... Dies geisterhafte Pochen, es tönt, als wär’s ein bleicher Knochen!
Letztendlich gar der Sensenmann, klopft dumpf an meiner Wohnstatt an?“
Erhitzt spitzt er besorgt die Ohren. Der Angstschweiß bricht aus allen Poren.
Nun schreckensbleich zurückgetreten, begann er angsterfüllt zu beten.
Im Hinblick schon auf Staub und Asche, greift er verstört zur Whisky-Flasche.
Und angelangt beim letzten Tropfen, vernimmt er wieder dieses Klopfen!
„Was soll’s, ich tauge nicht zum Helden, 
da wird sich irgendwer schon melden ...“
Obwohl vom Rausch schon leicht benommen, 
ist er zur Einsicht dann gekommen,
daß, trotz geistesmächtiger Fülle, vergänglich diese Leibeshülle. -
Bis dann die ersten Zweifel kamen ...
D’rum öffnet’ er den Fensterrahmen, nachsehen, daß sich’s ihm erklär’: 
Ist’s nur der Wind, nichts weiter mehr?
Sein Blick schweift suchend in die Nacht, 
bis sich’s beschämend deutlich macht,
daß diese düstere Hinterlist als Hirngespinst zu deuten ist ...
Edgar Allen Poe:
Geboren am 19. Januar 1809 in Boston, Massachusetts, am 7.10.1849 in Baltimore verstorben. - Ansteigend verehrt und geachtet, wurde er bald als der erste bedeutende Literaturkritiker Amerikas benannt. Doch zunehmend der Trunksucht verfallen, endete der geniale Erzähler bereits im vierzigsten Lebensjahr - leidvoll im Elend. -
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